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Erst Conditioner, dann Shampoo? Was Reverse Washing mit deinen Haaren macht

Conditioner nach dem Shampoo. So haben wir es gelernt, so steht es auf fast jeder Flasche und so machen es die meisten von uns seit Jahren. Doch ausgerechnet diese Reihenfolge wird gerade auf den Kopf gestellt. Beim Reverse Washing kommt zuerst der Conditioner ins Haar und erst danach das Shampoo.

Der Beauty-Trend verspricht vor allem Frauen mit feinem Haar mehr Volumen, weniger beschwerte Längen und trotzdem gepflegte Spitzen. Klingt fast zu einfach. Aber macht es für deine Haare tatsächlich einen Unterschied, in welcher Reihenfolge du Shampoo und Conditioner verwendest?

Die kurze Antwort lautet: Es kann einen Versuch wert sein, vor allem wenn dein Haar schnell platt oder beschwert wirkt. Ein wissenschaftlich belegter Geheimtrick für gesünderes oder schneller wachsendes Haar ist Reverse Washing allerdings nicht. Für die Methode selbst gibt es bislang kaum belastbare klinische Forschung.

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Was passiert beim Reverse Washing?

Bei der klassischen Haarwäsche reinigst du zunächst Kopfhaut und Haare mit Shampoo. Anschließend verteilst du Conditioner in den Längen und Spitzen und spülst ihn wieder aus.

Beim Reverse Washing drehst du diese Reihenfolge um. Du machst deine Haare nass und verteilst zunächst Conditioner in den Längen und Spitzen. Anschließend kommt das Shampoo zum Einsatz.

Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Conditioner enthält pflegende Substanzen, die sich am Haarschaft anlagern können. Sie reduzieren die Reibung zwischen den Haarfasern, verbessern die Kämmbarkeit und können das Haar glatter und glänzender erscheinen lassen. 

Wenn anschließend Shampoo verwendet wird, kann ein Teil dieser pflegenden Rückstände wieder entfernt werden. Dadurch kann sich das Haar anschließend leichter anfühlen. Genau hier liegt der mögliche Beauty-Vorteil für feines Haar. Allerdings ist dieser Effekt nicht ausreichend untersucht, um ihn für jeden Haartyp vorherzusagen.

GUT ZU WISSEN:
Conditioner „repariert“ geschädigtes Haar nicht dauerhaft. Er kann die Oberfläche glätten, Reibung reduzieren oder das Entwirren erleichtern. Bereits geschädigte Haarfasern werden dadurch aber nicht biologisch wiederhergestellt. 


Für wen könnte Reverse Washing interessant sein?

Besonders interessant ist die Methode, wenn du feines oder glattes Haar hast, das nach Conditioner schnell schwer, fettig oder platt aussieht.

Dass feines Haar leichter durch reichhaltige Pflege beschwert werden kann, ist kein reiner Social-Media-Mythos. Auch die American Academy of Dermatology empfiehlt bei feinem Haar eher leichte Conditioner und rät dazu, Conditioner hauptsächlich in den Spitzen anzuwenden, damit das Haar nicht unnötig beschwert wird. 

Reverse Washing kann deshalb eine Möglichkeit sein, wenn du auf Conditioner eigentlich nicht verzichten möchtest, das Ergebnis nach der klassischen Anwendung aber nicht magst.

Hast du dagegen sehr trockenes, lockiges, stark strukturiertes oder chemisch behandeltes Haar, solltest du genauer beobachten, wie deine Haare reagieren. Solche Haare können einen höheren Pflegebedarf haben. Die AAD empfiehlt bei trockenem oder lockigem Haar Conditioner über die gesamte Haarlänge, während bei feinem oder glattem Haar häufig die Spitzen ausreichen. 

Reverse Washing ist also keine Methode, die automatisch für jeden Haartyp besser ist.

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So kannst du Reverse Washing ausprobieren

Mach deine Haare zunächst vollständig nass. Verteile anschließend eine kleine Menge Conditioner in den Längen und vor allem in den Spitzen. Die Kopfhaut kannst du in der Regel aussparen, besonders wenn dein Ansatz schnell fettig wird.

Danach verwendest du dein Shampoo vor allem dort, wo es tatsächlich reinigen soll, nämlich auf der Kopfhaut. Genau das empfiehlt auch die AAD bei der normalen Haarwäsche. Du musst deine Längen nicht kräftig mit Shampoo bearbeiten. Beim Ausspülen läuft der Schaum ohnehin durch das Haar. 

Je nach Produkt kannst du den Conditioner vor dem Shampoo ausspülen oder die Produkte entsprechend ihrer jeweiligen Gebrauchsanweisung verwenden. Für Reverse Washing existiert kein medizinisch standardisiertes Verfahren. Genau deshalb solltest du aus einer bestimmten TikTok-Anleitung keine allgemeingültige Regel machen.

DEIN TIPP:
Probier Reverse Washing zunächst bei zwei oder drei Haarwäschen aus und ändere währenddessen nicht Shampoo, Conditioner und Stylingprodukte gleichzeitig. Achte darauf, wie sich dein Ansatz nach dem Trocknen anfühlt, ob die Längen gut kämmbar bleiben und ob dein Haar tatsächlich länger luftig wirkt. So merkst du viel besser, ob die Methode zu deinen Haaren passt.


Macht Reverse Washing die Haare gesünder?

Hier sollten wir einen Beauty-Mythos direkt aus dem Weg räumen. Es gibt derzeit keinen guten wissenschaftlichen Beleg dafür, dass allein die umgekehrte Reihenfolge das Haarwachstum fördert, Haarausfall verhindert oder geschädigte Haare dauerhaft repariert.

Der nachvollziehbare Nutzen liegt vielmehr im kosmetischen Ergebnis. Shampoo entfernt Talg, Schmutz und Produktrückstände, während Conditioner unter anderem die Reibung zwischen Haarfasern reduziert und die Kämmbarkeit verbessert. 

Ob dein Haar mit Conditioner vor dem Shampoo besser aussieht als andersherum, hängt deshalb stark von deinem Haartyp, den verwendeten Produkten und deinen persönlichen Vorlieben ab.


Drei Fehler kannst du dir sparen

Erstens musst du deine Kopfhaut nicht mit Conditioner eincremen, wenn sie schnell nachfettet. Bei feinem Haar reicht Pflege in den Längen und Spitzen häufig aus. 

Zweitens solltest du nicht plötzlich mehr Shampoo verwenden, nur weil vorher Conditioner im Haar war. Entscheidend ist eine ausreichende Reinigung der Kopfhaut, nicht möglichst viel Schaum.

Und drittens solltest du Reverse Washing nicht mit Co-Washing verwechseln. Beim Co-Washing wird auf klassisches Shampoo verzichtet und überwiegend mit einem dafür vorgesehenen Conditioner beziehungsweise Cleansing Conditioner gereinigt. Das ist eine andere Methode.


Lohnt sich der Trend?

Wenn deine Haare nach der klassischen Pflege regelmäßig platt am Kopf liegen, obwohl deine Spitzen Conditioner brauchen, ist Reverse Washing ein unkompliziertes Experiment. Erwarte nur keine Wunder.

Vielleicht sehen deine Haare danach tatsächlich luftiger aus. Vielleicht merkst du überhaupt keinen Unterschied.

Genau deshalb ist Reverse Washing einer dieser Beauty-Trends, bei denen du nicht entscheiden musst, ob TikTok „recht“ oder „unrecht“ hat. Deine Haare können dir die Antwort nach ein paar Wäschen selbst geben.


Quellen und weiterführende Informationen

American Academy of Dermatology, Tipps für gesundes Haar
American Academy of Dermatology, Empfehlungen für feines Haar
Fachübersicht zu Shampoo und Conditioner, Indian Journal of Dermatology
Wissenschaftliche Übersicht zu Haarkosmetik und Conditioner

Hinweis: Bei plötzlich auftretendem, starkem Haarausfall, Veränderungen der Kopfhaut oder Haarbruch unbekannter Ursache solltest du die Beschwerden dermatologisch abklären lassen.

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