Liwia Tokoda

Leidenschaftliche Journalistin ✨ Chefredakteurin eines Frauenmagazins 📝 TV-Redakteurin bei Deutschlands Top-Sendern 📺 Überglückliche Mama ❤️

Besser schlafen: Die wirksamsten Tipps für erholsame Nächte

Es ist kurz vor Mitternacht. Die Wohnung ist still, das Licht ist aus, aber in deinem Kopf läuft das Scheinwerferlicht auf Hochtouren. Du wälzt dich von links nach rechts, starrst auf die Uhr und rechnest panisch aus, wie viele Stunden dir noch bleiben. Am nächsten Morgen rettet dich selbst der stärkste Kaffee nur mühsam über den Tag.

Kommt dir das bekannt vor? Viele von uns glauben, guter Schlaf sei reine Glückssache. Die moderne Schlafforschung zeigt jedoch, dass es meist winzige, unbewusste Alltagsfehler sind, die uns die Nacht rauben. Wenn du deine Nächte endlich im Griff bekommen willst, darfst du verstehen, wie sensibel dein Gehirn auf deine Umgebung, Routinen und sogar auf deine Liegeposition reagiert.


Luft zum Atmen: Der unsichtbare Schlafkiller, den fast jede Frau übersieht

Schließt du vor dem Schlafengehen auch einfach das Fenster, ziehst die Decke hoch und hoffst das Beste? Genau hier kann der erste Fehler liegen. Untersuchungen zeigen, dass unsere Schlafqualität massiv von der Luftqualität im Raum abhängt.

Eine Studie der Technischen Universität Eindhoven hat ans Licht gebracht, dass Menschen deutlich tiefer und fester schlafen, wenn die Schlafräume gut belüftet sind und die CO₂-Konzentration niedrig liegt. Die Teilnehmerinnen der Studie wachten nachts seltener auf und fühlten sich morgens wesentlich erholter.

Tipp: Mach das Stoßlüften zu deiner festen Routine. Reiß das Fenster vor dem Schlafengehen für einige Minuten sperrangelweit auf. Die ideale Wohlfühltemperatur für dein Gehirn liegt übrigens zwischen knackigen 16 und 19 Grad.

Und unterschätze niemals das Gefühl von frischer Bettwäsche. Wenn saubere, kühle und vor allem gutriechende Laken die Haut berühren, empfinden viele Menschen das als besonders angenehm. Dieses Gefühl von Frische und Geborgenheit kann den Übergang in die Nacht spürbar erleichtern.


Die Liebeserklärung an deine Wirbelsäule: Liegst du überhaupt richtig?

Vielleicht schläfst du schon dein ganzes Leben in einer Position, die deinem Körper jede Nacht Schwerstarbeit abverlangt. Wer zum Beispiel am liebsten auf dem Bauch schläft, bringt Nacken und Wirbelsäule in eine unnatürliche Dauerbelastung. Schlafmediziner und Orthopäden empfehlen die Rücken- oder Seitenlage, weil sie Nacken und Wirbelsäule häufig weniger belastet als die Bauchlage. Besonders die Seitenlage ist ein echter Geheimtipp für deine Gesundheit. Sie hält die Atemwege frei, reduziert Schnarchen und kann nächtliches Sodbrennen lindern.

Tipp: Wenn du unter Reflux oder Magenproblemen leidest, leg dich gezielt auf die linke Seite. Anatomisch bedingt kann die Magensäure so viel schwerer nach oben steigen.

Der Kissen-Trick aus der Schwangerschaft: Du musst nicht schwanger sein, um die Vorzüge eines langen Seitenschläfer- oder Schwangerschaftskissens zu lieben. Viele Menschen empfinden diese Kissen als deutlich angenehmer und schlafen dadurch ruhiger. Sie stabilisieren deinen Körper, entlasten deine Hüfte und den Rücken und verhindern, dass du dich nachts ständig unruhig hin- und herwälzt. Physiotherapeuten empfehlen außerdem ein kleines, gewöhnliches Kissen zwischen den Knien, um das Becken gerade zu halten. Probier es aus und dein Rücken wird es dir am nächsten Morgen danken.


Die mentale Landebahn: Warum dein Schlaf schon um 20 Uhr beginnt

Echter Tiefschlaf beginnt nicht erst in dem Moment, in dem du das Licht ausknipst. Dein Gehirn bereitet sich schon Stunden vorher auf die Nacht vor oder eben nicht.

Unser Körper liebt Vorhersehbarkeit. Wer jeden Tag zu völlig unterschiedlichen Zeiten ins Bett geht, verpasst seiner inneren Uhr einen permanenten Jetlag. Noch schlimmer ist das blaue Licht von Smartphones, Tablets und Laptops kurz vor dem Schlafen. Es signalisiert deinem System „Es ist Tag!“ und bremst die Ausschüttung von Melatonin, dem Hormon, das dich eigentlich müde machen soll.

Tipp: Gönn dir stattdessen eine bewusste „mentale Landung“. Klapp den Laptop mindestens eine Stunde vor dem Schlafen zu. Ersetze das Scrollen durch Social Media durch ruhige Gewohnheiten: ein paar sanfte Dehnübungen, ein Kapitel in einem echten Buch oder ein kurzes, ehrliches Gespräch mit dem Partner. Schreib deine To-Do-Liste für morgen bewusst auf einen Zettel, um sie aus dem Kopf zu bekommen.


Der Krampf mit dem Einschlafen: Warum Wollen das Gegenteil bewirkt

Hier ist der größte Fehler, den fast alle Frauen machen, wenn es mal wieder länger dauert. Sie versuchen, den Schlaf mit aller Macht zu erzwingen. Man kneift krampfhaft die Augen zu, wirft den nächsten frustrierten Blick auf den Wecker und betreibt im Kopf verzweifeltes Nacht-Rechnen.

Die Schlafmedizin nennt das ein Paradoxon. Je mehr Kontrolle du ausüben willst, desto aktiver und wacher bleibt dein Gehirn. Schlaf ist kein Projekt, das man durch harte Arbeit löst. Schlaf entsteht durch Loslassen.

TippWenn du nach 20 Minuten noch hellwach liegst, steh auf. Geh in einen anderen Raum, mach gedämmtes Licht an und lies etwas Beruhigendes. Kehre erst ins Bett zurück, wenn dein Körper dir das Signal gibt, dass er wirklich müde ist. So verhinderst du, dass dein Gehirn das Bett mit Frust und Wachsein verknüpft.

Nutze in solchen Momenten deine Atmung: Atme bewusst länger aus als ein. Das aktiviert sofort deinen Parasympathikus, den Teil deines Nervensystems, der für die Entspannung zuständig ist.


Der Morgen entscheidet oft über die Nacht

Wenn du besser schlafen möchtest, lohnt es sich, nicht nur auf den Abend zu schauen. Guter Schlaf beginnt bereits in den ersten Minuten nach dem Aufwachen.

Tipp: Versuche, möglichst früh am Tag Tageslicht zu tanken. Schon ein kurzer Spaziergang oder der Weg zur Arbeit an der frischen Luft helfen dabei, deine innere Uhr zu stabilisieren. Auch eine möglichst konstante Aufstehzeit kann sich positiv auf deinen Schlaf auswirken. Zusätzlich zählt regelmäßige Bewegung zu den wirksamsten Maßnahmen für erholsame Nächte. Dabei muss es kein schweißtreibendes Training sein. Schon Spaziergänge, Radfahren oder leichte sportliche Aktivitäten können dazu beitragen, dass du abends leichter einschläfst und nachts besser durchschläfst. Nur intensive Trainingseinheiten solltest du möglichst nicht direkt vor dem Zubettgehen einplanen.


Kaffee, Alkohol und üppige Mahlzeiten können deinen Schlaf ausbremsen

Wenn du schlecht schläfst, lohnt sich ein Blick auf das, was du am Nachmittag und Abend zu dir nimmst. Koffein wirkt oft deutlich länger, als viele denken. Deshalb können nicht nur Kaffee, sondern auch Energydrinks, Cola oder andere koffeinhaltige Getränke das Einschlafen noch Stunden später erschweren. Auch Alkohol ist keine gute Einschlafhilfe. Zwar macht ein Glas Wein oder Bier zunächst müde, gleichzeitig werden wichtige Schlafphasen gestört. Darüber hinaus können sehr üppige oder schwere Mahlzeiten am späten Abend die Nachtruhe beeinträchtigen, weil der Körper noch mit der Verdauung beschäftigt ist.

Tipp: Plane deine letzte größere Mahlzeit am besten zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen ein. So gönnst du deiner Verdauung rechtzeitig Feierabend. Belohnt wirst du mit spürbar ruhigeren Nächten und einer Extraportion Energie am nächsten Morgen.


Dunkelheit ist für dein Gehirn ein Schlafsignal

Wusstest du, wie sensibel deine Augen sind? Selbst durch geschlossene Lider nimmt dein Gehirn winzige Lichtreize wahr und schüttet weniger Schlafhormone aus. Je dunkler deine Schlaf-Oase ist, desto besser regenerierst du. Schon die kleinste Lichtquelle, sei es das nervige Stand-by-Lämpchen am Fernseher, der blinkende Wecker oder die Straßenlaterne vor dem Fenster signalisiert deinem Gehirn: „Aufwachen, es ist Tag!“ Gönn dir am besten blickdichte Verdunkelungsvorhänge oder eine kuschelige Schlafmaske.

Tipp: Dreh den Wecker oder dein Smartphone mit dem Display bewusst zur Wand oder lege ein kleines Tuch darüber. Sobald dein Gehirn absolute Dunkelheit registriert, wirft es die Melatonin-Produktion (dein Schlafhormon) so richtig an und du schläfst tiefer.


Qualität schlägt Quantität: Vergiss den Zwang der acht Stunden

Wir alle haben diese magische Zahl von acht Stunden im Kopf. Doch die Forschung zeigt immer wieder, dass die reine Schlafdauer oft völlig überbewertet wird. Viel entscheidender ist die Schlafqualität.

Regelmäßige Zeiten, eine kühle, ruhige Umgebung und möglichst wenig nächtliche Unterbrechungen sind für deine Regeneration viel wertvoller als eine extra halbe Stunde, in der du dich nur unruhig von einer Seite auf die andere wirfst. Wenn du morgens einigermaßen erholt aufwachst und tagsüber deine Energie hast, ist dein Schlafbedenken meistens schon erfüllt. Selbst wenn die Nacht mal nicht perfekt war.

Die Jagd nach der perfekten Stundenzahl hält uns ironischerweise erst recht wach. Erlaube dir stattdessen den Gedanken, dass auch reines Liegen und Ausruhen im Dunkeln bereits eine wertvolle Erholung für deinen Körper sind. Jede Minute Entspannung zählt, ganz ohne Leistungsdruck.


47 Grad, Taliban & der Gedanke ans Aufgeben – das extreme Abenteuer von Maria und Philipp

8.000 Kilometer, zwei Kontinente, 22 Länder. Maria West und Philipp Springsguth haben das getan, wovon andere nur träumen. Sie haben ihr Leben in Sachsen auf zwei Fahrräder reduziert und sind einfach losgerollt. 100 Kilogramm wiegt das gesamte Gepäck. Kein Luxus, nur das Nötigste. Ein Zelt, Schlafsäcke und das unschätzbare Vertrauen in sich selbst und den Partner.

Das Chemnitzer Duo kämpfte sich bei 47 Grad durch den Gegenwind der usbekischen Wüste, radelte entlang der Küsten Südkoreas und fuhr bis nach Singapur mit ihrem gesamten Leben auf zwei Fahrrädern.

Nach zehn Monaten im Sattel sind Maria und Philipp zurück in Deutschland. Während sie wieder bei ihren Familien ankommen, sacken die Erlebnisse erst langsam ab. Plötzlich wird ihnen bewusst, wie viel Ballast man im Alltag anhäuft und wie wenig es eigentlich braucht, um wirklich glücklich zu sein.

Doch wer glaubt, das Abenteuer sei vorbei, kennt die beiden schlecht. Der Blick geht längst wieder nach vorn. Die Reisekasse wird neu gefüllt, der Motorradführerschein ist im Visier und das nächste Mammutprojekt wirft bereits seine Schatten voraus.

Für Healthy Lady sprechen Maria West und Philipp Springsguth über Erschöpfung am absoluten Limit, über Länder, die andere meiden bis zu Begegnungen mit der Taliban in Afghanistan, die sie nie vergessen werden.


Zwischen Mittagessen mit der Taliban, Aufgeben und unerwarteter Gastfreundschaft

Healthy Lady: Ihr seid durch Regionen gereist, um die die meisten Menschen einen großen Bogen machen. Ihr habt unter anderem Afghanistan mit dem Fahrrad durchquert. Wie fühlt es sich an, plötzlich mittendrin zu sein? Und vor allem: Wie liefen die Begegnungen mit der Taliban ab, wenn man sich dort plötzlich Auge in Auge gegenübersteht?

Philipp: Es war intensiv und völlig anders, als man es sich vorher vorstellt. Afghanistan hat eine komplett andere Kultur als die deutsche. Lauter, offener und ungefiltert. Das ist ungewohnt für unser Verständnis von Privatsphäre, die dort zu einer echten Rarität wurde. Aber gleichzeitig wurden wir mit Gastfreundschaft und ehrlich freundlichen Interaktionen überhäuft. Die Menschen im Land waren unglaublich nett zu uns, und das hat unsere Perspektive auf das afghanische Volk komplett verändert.

Im krassen Kontrast dazu stand die Interaktion mit der Taliban. Sie wirkten eher distanziert und vorsichtig. Aber bei den regelmäßigen Kontrollen an den Checkpoints gab es tatsächlich auch einige, die ein breites Lächeln auf dem Gesicht hatten, Maria die Hand gaben oder uns sogar zum Essen einluden.

Grenzkontrolle in Afghanistan: Philipp Springsguth (links) und ein weiterer Tourist (rechts) im Gespräch mit Taliban-Kämpfern an einem Checkpoint – ein Moment, der ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist. (Bild: M. West))

Healthy Lady: Bei einer solchen Route fährt das Risiko quasi im Gepäck mit. Gab es Momente, in denen euch die Angst gepackt hat?

Maria: Nein, denn Angst verbinden wir mit Kontrollverlust. Wir hatten Respekt, sei es vor den Erdrutschen in Pakistan oder vor den Interaktionen mit der Taliban. Wir haben in jeder Situation genau abgewogen, welches Risiko wir eingehen wollen, und uns am Ende immer auf unser Bauchgefühl verlassen.

„Dort, wo die Menschen am wenigsten besitzen, wurden wir am großzügigsten empfangen.“


Healthy Lady: Monatelang im Sattel unter extremen Bedingungen. Gab es auf dieser Reise jemals den Punkt, an dem ihr alles hinschmeißen und das Projekt abbrechen wolltet?

Philipp: Maria hat in Georgien darüber nachgedacht. Zentralasien war für sie ein Thema, das ihr Angst gemacht hat. Die Hitze, die Versorgungsmöglichkeiten, Lebensmittelhygiene und vieles mehr. Gepaart mit der Erschöpfung der ersten Monate durch Europa, Türkei und Georgien war das mental für sie ein Punkt, an dem sie stark gezweifelt hat. Mittlerweile ist sie sehr froh, dass sie drangeblieben ist, und Zentralasien war zwar sehr herausfordernd, aber gleichzeitig total bereichernd.


Lektionen in Menschlichkeit

Healthy Lady: Man reist ja oft mit bestimmten Klischees oder Bildern im Kopf, die man aus den Medien kennt. Gab es einen konkreten Ort oder eine Begegnung, die eure vorgefertigte Meinung über ein Land komplett auf den Kopf gestellt hat?

Philipp: Das afghanische Volk hat definitiv unseren Blick auf Afghanistan verändert. Die Menschen dort leben seit über 40 Jahren immer wieder in Krieg und unter Unterdrückung, und trotzdem schauen sie positiv in die Zukunft und hoffen auf bessere Zeiten. Ausgerechnet dort, wo die Menschen am allerwenigsten besitzen, wurden wir ständig und überall eingeladen. Die mentale Stärke und die Lebensfreude dieser Menschen haben uns tief beeindruckt.


Healthy Lady: Welche Begegnung unterwegs hat euch am meisten berührt?

Philipp: Es gab nicht die eine Begegnung, sondern viele kleine Momente der Menschlichkeit. Wir durften auf unserer Reise schon so viel Gastfreundschaft erfahren, und das ganz besonders in den ärmeren Ländern. Vor einigen Wochen wurden wir erst im vietnamesischen Hinterland von einem 10-jährigen Jungen mit dem Moped überholt. Er kam nach ein paar Minuten zurück und drückte mir einen Geldschein in die Hand (30 Cent). Komplett verdutzt wollte ich es ihm zurückgeben, aber er hat das nicht akzeptiert. Solche Momente berühren uns sehr und lassen uns viel nachdenken. Denn obwohl er weniger hat als wir, legt er viel mehr Wert darauf, uns zu begrüßen und ein Geschenk zu machen, als das Geld zu haben. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Großzügigkeit und Gastfreundschaft sind Werte, die wir in unserem Alltag viel aktiver leben wollen.

Von Deutschland durch Europa und Asien bis nach Singapur: Das Chemnitzer Duo durchquerte 22 Länder ausschließlich mit Muskelkraft auf zwei Fahrrädern. Zurück nach Deutschland ging es schließlich per Flugzeug. (Bild: P. Springsguth)

Routenplanung nach Bauchgefühl

Healthy Lady: Plant man so eine Route eigentlich bis ins Detail durch oder fährt man einfach auf gut Glück los?

Maria: Wir lieben es, mit dem Rad unterwegs zu sein. Grundsätzlich war es meistens so, dass wir uns Tagesziele setzten und diese so gut wie möglich versucht haben einzuhalten. Wenn die Strecke, aber besonders schön war und es viel zu sehen gab, entschieden wir uns auch manchmal, den Plan zu ändern. Die Reise lief nicht immer so, wie wir sie geplant haben, aber oft schöner, als wir es uns hätten ausmalen können. Wir sind sehr spontan und deshalb änderten wir häufig unsere Pläne, aber das machte es dann auch sehr besonders und aufregend, weil wir immer nach unserem Bauchgefühl gegangen sind.


Healthy Lady: Wie habt ihr euch eigentlich auf dieses Abenteuer vorbereitet? Gab es da ein striktes Trainingsprogramm für Körper und Geist?

Philipp: Wir haben super viele Ratschläge bekommen, wie wir uns bestmöglich auf diese Reise vorbereiten sollten. Allerdings verschwimmt das alles zwischen Arbeiten, Geld für die Reise sparen, Recherche und Equipment besorgen. Wir haben in den 10 Monaten der Vorbereitung oft nur funktioniert und uns wenig vorbereitet. Einen kleinen Versuch der körperlichen Vorbereitung hatten wir auf unserer Probetour durch Tschechien. Aber ehrlich gesagt hat uns das eher dabei geholfen zu sehen, was wir am Equipment noch optimieren können, und weniger körperlich. Das kommt mit der Zeit. Man wächst wortwörtlich rein und der Kopf kann das alles gar nicht richtig realisieren.

„Nach dieser Reise haben wir gemerkt, wie viel wir besitzen – und wie wenig wir davon wirklich brauchen.“


Healthy Lady: Beim Packen verfällt man ja schnell in den „Was-wäre-wenn“-Modus. Was davon habt ihr am Ende wirklich gebraucht und was war eigentlich völlig überflüssig?

Maria: Wir haben natürlich am Anfang viel zu viel mitgenommen und auch schon einiges wieder nach Hause geschickt. Zum Beispiel hatten wir zwei Solarzellen dabei, die wir genau dreimal in fünf Monaten genutzt haben. Und ein paar kleinere Sachen, die aber in Summe viel Platz weggenommen haben. Was wir wirklich gebraucht haben, waren natürlich die Fahrräder, unser Zelt sowie Schlafsack und Isomatten, Kochequipment, funktionale Kleidung, Sonnencreme, ein paar Hygieneartikel und Medikamente. Den Rest konnten wir oft improvisieren oder vor Ort besorgen. Ansonsten waren für uns auch die Kamera und die Drohne unerlässlich, mit denen wir unsere Reise dokumentiert haben.


Grüße aus Afghanistan: Seit 2020 gehen Maria West und Philipp Springsguth gemeinsam durchs Leben. Was als Beziehung begann, wurde schnell zu einer gemeinsamen Leidenschaft für Reisen und das Abenteuer. (Bild: M. West, P. Springsguth)

47 Grad, Gegenwind und Tage am absoluten Limit

Healthy Lady: Wenn man monatelang die Welt mit dem Fahrrad erkundet, läuft sicher nicht immer alles glatt. Was war denn rückblickend euer härtester Moment auf der Reise?

Philipp: Definitiv die Hitze und der Gegenwind in Usbekistan. Wir hatten teilweise bis zu 47 °C im Schatten, und in der Wüste schützte uns einfach nichts vor der Sonne. Wir haben unsere Etappen dann teilweise schon früh morgens begonnen, eine lange Mittagspause in einer Bushaltestelle eingelegt und sind erst abends weitergefahren.


Healthy Lady: Nach so vielen hunderten Kilometern im Sattel kann ich mir gut vorstellen, dass der Körper irgendwann einfach streikt. Wie seid ihr damit umgegangen?

Maria: Wir haben uns meistens gegenseitig motiviert. Wir haben dann viel darüber gesprochen und geschaut, ob wir unsere Route oder Ähnliches anpassen können. Wenn es gar nicht mehr ging, haben wir eine spontane Pause eingelegt. Das klingt jetzt so einfach, war aber oft mit Kompromissen verbunden. Wir haben uns manchmal selbst Druck gemacht, weil wir unsere Pläne einhalten wollten und unsere Pausen am liebsten an Orten gemacht hätten, die wir auch unbedingt sehen wollten. Aber wenn man keine Kraft mehr hat oder krank ist, kann man es einfach nicht erzwingen.


Das kostet Freiheit

Healthy Lady: Wie finanziert man sich so eine lange Reise, die über Monate geht?

Philipp: Wir haben vor Reisebeginn zehn Monate lang alles gespart, was nur möglich war. Das heißt, wir haben beide zwei Drittel unseres Gehalts beiseitegelegt und dadurch genug Geld für zwei Jahre angespart. Dafür mussten wir auf viel verzichten, wie Essen gehen, Freizeitaktivitäten und Ähnliches. Gleichzeitig haben wir geschaut, wie wir unsere alltäglichen Ausgaben optimieren können: Wir haben unnötige Abos und Verträge gekündigt, haben günstig gekocht und auch unser Equipment hauptsächlich gebraucht über Kleinanzeigen gekauft. Das war teilweise echt hart und hat uns viel abverlangt, aber mit dem Ziel der Radreise vor Augen haben wir das durchgestanden.

„Lieber bin ich ein kleines bisschen zu naiv und habe den Mut, einfach loszugehen, als alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen und am Ende nie zu starten.“


Healthy Lady: Während viele Menschen Sicherheit mit einem festen Job, einer Wohnung oder finanzieller Planbarkeit verbinden, habt ihr euch bewusst für ein Leben unterwegs entschieden. Was bedeutet Sicherheit für euch heute? Ist Freiheit am Ende teurer oder vielleicht sogar wertvoller?

Philipp: Für uns bedeutet Freiheit inzwischen auch Sicherheit. Nicht, weil alles planbar ist, sondern weil wir gelernt haben, dass wir auch mit wenig auskommen und trotzdem zufrieden sein können. Ein klassisches Leben mit festem Job, Wohnung oder Haus würde uns aktuell sogar mehr Druck machen als das Reisen selbst. Viele Menschen verbinden genau damit Sicherheit. Für uns entsteht Sicherheit eher aus dem Wissen, dass wir nicht viel brauchen, um glücklich zu sein.

Wir brauchen kein teures Auto und nicht jedes Jahr das neueste Handy. Wir investieren unser Geld lieber in Erfahrungen, die bleiben, statt in Dinge, die irgendwann ersetzt werden.

Unterwegs reisen wir bewusst Low Budget und passen unsere Ausgaben immer an das jeweilige Land an. In Japan haben wir zum Beispiel nur zweimal in einer Unterkunft geschlafen und den Rest der Zeit im Zelt verbracht. In anderen Ländern haben wir uns dafür häufiger ein Zimmer genommen. Genau diese Flexibilität macht für uns Freiheit aus.

Zelten in Kappadokien: Schon vor ihrer Fahrradreise sammelten Maria und Philipp Reiseerfahrung. Zehn Monate lang waren sie mit ihrem alten Camper „Wilma“ in Südeuropa und Marokko unterwegs. Doch irgendwann wollten sie mehr. (Bild: P. Springsguth)

Healthy Lady: Ist das Leben unterwegs wirklich günstiger?

Philipp: Das hängt immer davon ab, welche Ansprüche man an das Reisen stellt. Hotelzimmer oder Zelt? Essen gehen oder selber kochen? Für uns ist es unterwegs günstiger. Wir zahlen keine Miete, haben kaum Fixkosten und essen das, was es lokal gibt, also ist es für uns unterwegs günstiger.


Liebe auf engem Raum

Healthy Lady: Ihr wart monatelang rund um die Uhr zusammen unterwegs, auf engstem Raum, oft erschöpft, manchmal hungrig und ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Was hat diese Reise euch über eure Beziehung und über euch selbst als Paar gelehrt?

Maria: Wir waren es schon vor der Reise gewohnt, viel Zeit miteinander zu verbringen und eng zusammenzuleben und genau das haben wir immer geliebt. Trotzdem zeigt eine Reise wie diese noch einmal auf eine ganz andere Weise, worauf es in einer Beziehung wirklich ankommt.

Schon früh haben wir gelernt, dass Kommunikation für uns alles ist. Unterwegs gehören Müdigkeit, Hunger, Stress oder auch Unsicherheit ganz selbstverständlich dazu. Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse ehrlich anzusprechen und dem anderen wirklich zuzuhören.

Was diese Reise uns vor allem gezeigt hat: Wir verzeihen heute schneller, nehmen viele Dinge nicht mehr so schwer und haben gelernt, auch in schwierigen Momenten als echtes Team zu funktionieren.


Zurück in Deutschland, aber längst noch nicht angekommen

Healthy Lady: Wenn ihr heute auf all die Kilometer, Herausforderungen und Begegnungen zurückblickt, würdet ihr diesen Weg noch einmal genauso gehen?

Philipp: Ja … und gleichzeitig auch nein. Vor unserer Reise haben uns viele gesagt, dass wir zu naiv an dieses Abenteuer herangehen. Gerade in der Vorbereitung hat uns das manchmal verunsichert und ehrlich gesagt auch Kopfzerbrechen bereitet. Heute sehen wir das anders. Rückblickend bin ich lieber ein kleines bisschen zu naiv und habe den Mut, einfach loszugehen, als alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen und am Ende nie zu starten.

Natürlich würden wir beim Equipment oder beim Gepäck heute einige Dinge anders machen. Aber genau das wissen wir auch nur, weil wir unterwegs Fehler gemacht, Dinge ausprobiert und daraus gelernt haben. Deshalb lautet die ehrliche Antwort: Ja – wir würden es genauso wieder tun. Denn genau diese Erfahrungen haben uns erst zu den Menschen gemacht, die wir heute sind.

„Was diese Reise uns vor allem gezeigt hat: Wir verzeihen heute schneller, nehmen viele Dinge nicht mehr so schwer und haben gelernt, auch in schwierigen Momenten als echtes Team zu funktionieren.“


Healthy Lady: Ihr habt innerhalb der letzen zehn Monaten 22 Länder besucht. Wie hat sich die Rückkehr nach Deutschland angefühlt nach so vielen Eindrücken aus der Welt? 

Philipp: Die Heimkehr hat sich ehrlich gesagt seltsam angefühlt. Nach zehn Monaten, 22 Ländern und all den Erfahrungen verändert man sich selbst und kommt dann zurück an einen Ort, an dem scheinbar alles gleich geblieben ist. Wir haben festgestellt wieviel wir doch eigentlich besitzen und wie wenig wir davon wirklich nutzen. Wir werden aber wahrscheinlich erst die nächsten Wochen so wirklich einordnen können, dass unsere Reise jetzt wirklich vorbei ist.


Healthy Lady: Habt ihr während der Reise euch wieder Jobs und eine Wohnung in Deutschland gesucht oder wo kommt ihr erstmal unter?

Maria: Wir haben uns noch keine Jobs gesucht, tun dies aber gerade. Die ersten Wochen kommen wir aber erstmal an und schneiden unsere Videos für YouTube. Wir haben eine Wohnung bei unserer Familie und konnten so nach dem Heimflug in unsere eigenen Betten fallen. 

Im Norden von Pakistan kämpfen sich Maria und Philipp mit ihren Rädern durch eine der spektakulärsten Landschaften ihrer Reise – festgehalten für ihre Community auf Social Media @philippundmaria. (Bild: P. Springsguth)

Healthy Lady: Kommt noch so ein Projekt wieder oder etwas ähnliches, wie „Mit dem Fahrrad um die Welt“? Was plant ihr?

Philipp: Wir sind mit dem Wissen nach Deutschland zurückgekehrt uns gleich auf die nächste Reise vorbereiten zu können. Sonst hätten wir wahrscheinlich unsere Reise in Asien weitergeführt, doch wir haben neue Pläne. 

Wir haben uns entschieden die nächste Reise mit dem Motorrad zu bestreiten und dafür stocken wir unsere Reisekasse auf und machen den Motorradführerschein. Starten wird diese in der ersten hälfte 2027 und es geht entweder einmal rund um  Afrika oder Südamerika, das entscheiden wir noch.


Healthy Lady: Nach 22 Ländern, unzähligen Kilometern und Momenten, die euch für immer geprägt haben, was würdet ihr Menschen sagen, die selbst von so einem Abenteuer träumen, sich aber bisher nie getraut haben, den ersten Schritt zu gehen?

Philipp: Das Wichtigste ist, einfach anzufangen. Das sagt wahrscheinlich jeder, aber es ist so. Triff eine Entscheidung, lege dir einen Zeitpunkt der Abreise fest und dann schau Schritt für Schritt, wie du deinen Traum umsetzen kannst. Ganz wichtig ist, die Angst oder den Respekt davor auch immer wieder ein Stück beiseitezuschieben. Es ist ganz normal, dass das aufkommt. Allerdings wird es so viel schöner und leichter, als man es sich vorstellt, und die Herausforderungen tauchen sowieso da auf, wo du es nicht planst.

Für den finanziellen Aspekt würden wir raten, sich mal intensiv mit allen Einnahmen und Ausgaben auseinanderzusetzen und alles auszusortieren, was man nicht wirklich braucht. Überlege, wie man die laufenden Kosten reduzieren kann, aber in einem Maß, in dem du es durchhalten kannst.

Und wenn es um Equipment geht, raten wir dir, dich an anderen zu orientieren. Es gibt einige Reisende, die Webseiten mit Equipmentlisten haben. Da kann man mal stöbern, schauen, was zu einem passt, vielleicht auch bei speziellen Fragen den Leuten eine Mail oder Nachricht auf Instagram schreiben.

Und wegen der Route können wir ganz klar empfehlen, sich einen groben Plan zu machen und den Rest offen zu halten, denn so hat man immer Raum für Spontanität, denn das meiste ergibt sich unterwegs.


Angst vorm Frauenarzt: Wenn Vorsorgetermin zum Albtraum wird

Das Herzklopfen beginnt meist schon bei der Terminvergabe. Kurz vor dem Betreten der Praxis schießt der Puls endgültig in die Höhe und im Kopf kreisen die immer gleichen quälenden Gedanken. Habe ich mich gründlich genug gewaschen? Was ist, wenn die Untersuchung wehtut? Und was denkt das Praxispersonal eigentlich über mich?

Für Millionen von Frauen ist die jährliche Vorsorge kein normaler medizinischer Check-up, sondern eine echte Zerreißprobe. Ob aus Scham vor der körperlichen Intimität, der Angst vor Schmerzen oder dem Unbehagen vor unangenehmen Fragen, die Gründe, warum Frauen diese Termine jahrelang vor sich herschieben oder komplett meiden, sitzen tief. Das Phänomen zieht sich durch alle Altersgruppen und betrifft junge Mädchen genauso wie Frauen, die eigentlich mitten im Leben stehen. Aus nackter Angst wird die eigene Gesundheit aufs Spiel gesetzt, während man sich mit dem schlechten Gewissen komplett allein fühlt.

In diesem Artikel klären wir genau die sensiblen Fragen, die man sich sonst kaum auszusprechen traut. Angefangen beim Thema Rasur bis hin zur optimalen Vorbereitung zeigen wir dir ganz praktische Strategien, wie du den nächsten Termin angstfrei und selbstbestimmt meisterst.


Warum der Kontrolltermin so vielen Frauen Angst macht

Der Besuch beim Frauenarzt gehört für viele Frauen zur gesundheitlichen Vorsorge. Trotzdem wird kaum über die Unsicherheit gesprochen, die mit einem Termin verbunden sein kann. Während manche Frauen die Untersuchung als Routine empfinden, löst sie bei anderen Anspannung oder sogar Angst aus. Dahinter stecken oft sehr unterschiedliche Gründe. Einige sorgen sich vor Schmerzen oder einem auffälligen Befund. Andere empfinden die körperliche Untersuchung als unangenehm oder schämen sich für ihren Körper. Auch persönliche Fragen zu Sexualität, Verhütung oder dem eigenen Zyklus können Unbehagen auslösen. Hinzu kommen Frauen, die bereits negative Erfahrungen gemacht haben oder deren Ängste mit Grenzverletzungen und belastenden Erlebnissen in der Vergangenheit zusammenhängen. Was von außen wie ein gewöhnlicher Arzttermin wirkt, kann für die Betroffenen deshalb eine erhebliche Hürde darstellen.


Die Wahrheit über Rasur Hygiene und Selbstbestimmung

Ein großer Teil der Angst vor dem Frauenarzt entsteht nicht durch die Untersuchung selbst, sondern durch Unsicherheit. Viele Frauen machen sich schon Tage vorher Gedanken darüber, ob sie sich richtig vorbereitet haben, wie die Untersuchung ablaufen wird oder ob ihnen unangenehme Fragen gestellt werden. Dabei kursieren rund um den Termin noch immer viele Vorstellungen, die mit der Realität in einer gynäkologischen Praxis wenig zu tun haben.

Die Körperbehaarung spielt keine Rolle
Eine der häufigsten Sorgen betrifft das Aussehen des eigenen Intimbereichs. Viele Frauen fragen sich, ob sie vor dem Termin rasiert sein sollten oder ob Körperbehaarung negativ auffallen könnte. Tatsächlich spielt das für die Untersuchung überhaupt keine Rolle. Für Gynäkologinnen und Gynäkologen gehört die Vielfalt des menschlichen Körpers zum Alltag. Ob rasiert, getrimmt oder natürlich – das hat weder Einfluss auf die Untersuchung noch auf die medizinische Beurteilung.

Normale Hygiene reicht völlig aus
Auch bei der Körperpflege gilt häufig: Weniger ist mehr. Eine normale Dusche oder das Waschen mit Wasser vor dem Termin genügt vollkommen. Von übertriebener Intimpflege mit Duftprodukten, Intimsprays oder aggressiven Waschlotionen raten Fachleute sogar eher ab. Solche Produkte können die natürliche Scheidenflora beeinflussen und unter Umständen das Untersuchungsergebnis verfälschen.

Du darfst jederzeit Fragen stellen
Viele Frauen glauben, sie müssten eine Untersuchung schweigend über sich ergehen lassen. Tatsächlich haben Patientinnen jederzeit das Recht nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen oder sich unsicher fühlen. Wer wissen möchte, welches Instrument gerade verwendet wird oder was genau untersucht wird, darf das jederzeit ansprechen. Eine gute gynäkologische Betreuung zeichnet sich auch dadurch aus, dass Untersuchungen transparent und nachvollziehbar erklärt werden.

Die Kontrolle bleibt bei dir
Das Gefühl des Kontrollverlusts gehört zu den häufigsten Gründen für Unsicherheit beim Frauenarzt. Wichtig ist deshalb zu wissen, dass jede Patientin die Kontrolle über die Situation behält. Wenn etwas unangenehm wird, Schmerzen auftreten oder die psychische Belastung zu groß wird, kann die Untersuchung jederzeit unterbrochen werden. Ein klares Stopp ist keine Unhöflichkeit, sondern ein selbstverständliches Recht.

Die Wahl der Ärztin oder des Arztes ist deine Entscheidung
Nicht jede Frau fühlt sich bei jedem medizinischen Personal gleichermaßen wohl. Wer sich lieber von einer Ärztin untersuchen lassen möchte, kann dies bereits bei der Terminvereinbarung angeben oder gezielt nach einer entsprechenden Praxis suchen. Sich wohlzufühlen und Vertrauen aufzubauen, ist ein wichtiger Bestandteil einer guten gynäkologischen Betreuung.

Eine Begleitperson kann Sicherheit geben
Der Weg ins Behandlungszimmer muss nicht zwangsläufig allein erfolgen. Viele Praxen erlauben es, eine vertraute Person zum Termin mitzubringen. Ob Partner, Freundin, Schwester oder Mutter – manchmal reicht allein die Anwesenheit eines vertrauten Menschen aus, um die Anspannung deutlich zu reduzieren.


Schritt für Schritt zu einem entspannten Arztbesuch

Wer sich vor einem Termin fürchtet, muss diese Anspannung nicht einfach stummschalten oder hinnehmen. Es gibt effektive und praktische Hebel, um die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen und den Praxisbesuch so stressfrei wie möglich zu gestalten. Die folgenden Strategien helfen dabei, die Nervosität im Vorfeld und während der Untersuchung gezielt zu senken.

Den Termin möglichst früh legen
Wer ohnehin nervös ist, profitiert oft von einem Termin am Morgen. So bleibt weniger Zeit, sich den ganzen Tag mit Sorgen und möglichen Szenarien zu beschäftigen. Viele Frauen berichten, dass die Anspannung deutlich geringer ausfällt, wenn der Termin direkt zu Beginn des Tages stattfindet und nicht stundenlang im Hinterkopf präsent bleibt.

Fragen und Beschwerden vorher notieren
Aufregung kann dazu führen, dass wichtige Fragen plötzlich vergessen werden. Deshalb kann es hilfreich sein, sich bereits zu Hause einige Notizen zu machen. Beschwerden, Zyklusveränderungen, Unsicherheiten oder Fragen zur Verhütung lassen sich so in Ruhe festhalten. Das schafft Sicherheit und sorgt dafür, dass im Gespräch nichts untergeht.

Kleidung wählen, in der man sich wohlfühlt
Auch kleine Dinge können einen Unterschied machen. Viele Frauen fühlen sich wohler, wenn sie ein längeres Oberteil, einen Pullover oder einen Rock tragen. Solche Kleidungsstücke vermitteln oft ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit und nehmen etwas von dem Unbehagen, das mit der Untersuchung verbunden sein kann.

Erst Vertrauen aufbauen
Nicht jeder Termin muss sofort mit einer Untersuchung beginnen. Wer große Angst hat oder sich in einer neuen Praxis zunächst orientieren möchte, kann auch ein reines Gespräch vereinbaren. Dabei bleibt genügend Zeit, Fragen zu stellen, die Ärztin oder den Arzt kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. Für viele Frauen ist das ein wichtiger erster Schritt.

Die Nervosität offen ansprechen
Eine der einfachsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Strategien besteht darin, die eigene Angst direkt anzusprechen. Ein kurzer Hinweis, dass man nervös ist oder sich vor der Untersuchung fürchtet, hilft dem Praxisteam, besser auf die Situation einzugehen. Viele Frauen sind überrascht, wie verständnisvoll und einfühlsam darauf reagiert wird.

Nicht jedes Suchergebnis ernst nehmen
Wer vor dem Termin stundenlang Symptome googelt oder Erfahrungsberichte in Internetforen liest, verstärkt die eigene Unsicherheit oft zusätzlich. Gerade online finden sich überdurchschnittlich viele negative Erlebnisse, die nicht die Realität der meisten Frauen widerspiegeln. Oft ist es hilfreicher, sich bewusst abzulenken und den Termin ohne zusätzliche Horrorszenarien auf sich zukommen zu lassen.


Wann Angst zum Problem werden kann

Ein mulmiges Gefühl vor dem Frauenarzttermin ist nichts Ungewöhnliches. Viele Frauen kennen die Nervosität, die Unsicherheit oder die Sorge vor der Untersuchung. Problematisch wird es jedoch dann, wenn aus dieser Angst eine dauerhafte Vermeidung entsteht und wichtige Vorsorgeuntersuchungen über Monate oder sogar Jahre nicht wahrgenommen werden.

Dabei ist keine Frau mit ihren Sorgen allein. Ob Scham, schlechte Erfahrungen oder die Angst vor einem möglichen Befund hinter der Nervosität steckt meist weit mehr als die Untersuchung selbst. Umso wichtiger ist es, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen, wenn die Angst zu groß wird.

Der Besuch eines Gynäkologen sollte kein Termin sein, vor dem man sich fürchten muss. Er dient dazu, die eigene Gesundheit zu schützen und den eigenen Körper besser zu verstehen. Die meisten Frauen verlassen die Praxis mit einem Gefühl der Erleichterung. Der schwierigste Teil ist oft nicht die Untersuchung selbst, sondern der Weg dorthin.


Mein Kind im fremden Körper: Ramona spricht über Leihmutterschaft, Verlust und harte Vorwürfe

Nicht mehr lange, dann wird für Ramona Sztankovics ein großer Traum Wirklichkeit. In wenigen Wochen soll ihre erste Tochter zur Welt kommen. Das Kinderzimmer ist längst fertig eingerichtet, jedes Detail mit Liebe ausgewählt, jeder kleine Gegenstand erinnert sie daran, wie nah dieser Moment inzwischen ist.

Nach Jahren des unerfüllten Kinderwunsches, zahlreichen Untersuchungen und einer schweren Bauchoperation wurde der gebürtigen Ungarin klar, dass eine eigene Schwangerschaft medizinisch zu riskant ist. Auch eine Adoption schien für das Paar kaum realistisch. So entschieden sie sich für eine Leihmutterschaft und damit für einen Weg, der in Deutschland rechtlich verboten ist und gesellschaftlich bis heute mit vielen Tabus behaftet bleibt.

Heute wächst Ramonas Tochter im Bauch einer anderen Frau. Genetisch ist das Mädchen ihr eigenes Kind und nicht das der Leihmutter. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Augsburgerin Anfang Juli 2026 in Tbilisi bei der Geburt direkt im Kreißsaal dabei sein.

Für die Sozialarbeiterin und ihren Mann ist es nicht der erste Versuch, Eltern zu werden. Bereits im September 2025 verloren sie ihr erstes Baby, das ebenfalls durch eine Leihmutterschaft erwartet wurde.

Ramona erzählt ihre Geschichte, weil sie anderen kinderlosen Paaren Hoffnung geben und mit Vorurteilen rund um das Thema Leihmutterschaft aufräumen möchte. Im Interview spricht sie über den Verlust ihres ersten Babys, den belastenden Vorwurf des „Menschenhandels“, rechtliche Herausforderungen und die Hoffnung auf ihre langersehnte Tochter.

„Es war früh am Morgen, wir sind sofort in die Klinik gefahren. Dort hat man uns gesagt, dass unser Baby kurz nach der Geburt verstorben ist.“


Der Flug, der alles veränderte

Healthy Lady: Im 2025 habt ihr bereits das erste mal Erfahrung mit Leihmutterschaft gemacht. Magst du mal erzählen, wie es damals für euch war?

Ramona: Im September 2025 waren wir gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Tiflis zu unserer Leihmutter. Wir wollten beim nächsten Ultraschall dabei sein und einige rechtliche Dinge klären. Noch bevor das Flugzeug abgehoben ist, habe ich eine Nachricht von unserer Koordinatorin bekommen. Unser Baby ist viel zu früh auf die Welt gekommen und wird medizinisch versorgt. Unsere Leihmutter war stabil.

In dem Moment ist eine Welt in mir zusammengebrochen und gleichzeitig begann dieser endlose Flug. Ohne Internet, ohne neue Informationen. Ich saß dort und habe tief in mir gespürt, dass es nicht gut ausgehen wird. Es war einfach zu früh. Dieser Flug war der schlimmste meines Lebens. Mein Mann hat versucht, mich zu beruhigen, aber es gab nichts, was diesen Schmerz oder diese Angst hätte auffangen können. Fünf Stunden später sind wir in Tiflis gelandet. Es war früh am Morgen, wir sind sofort in die Klinik gefahren. Dort hat man uns gesagt, dass unser Baby kurz nach der Geburt verstorben ist.

Die Ärzte konnten uns nicht genau sagen, warum. Unsere Leihmutter hatte sich unwohl gefühlt und ist in die Klinik gefahren. Dort wurde festgestellt, dass unser Baby bereits schwere Hirnblutungen hatte und sofort geholt werden musste. Es ging alles viel zu schnell. Dieser Schmerz ist tief. Er ist geblieben bis heute. Und ich glaube, ein Teil davon wird immer bleiben. Man erholt sich nicht wirklich davon, egal ob man das Kind selbst getragen hat oder nicht. Es war unser Baby. Unser Wunsch. Unsere Hoffnung.

Unsere damalige Leihmutter hat uns unendlich leid getan, und sie hat selbst sehr darunter gelitten. Zum Glück wurden wir in dieser Zeit nicht allein gelassen. Unsere Agentur hat direkt am nächsten Tag eine Krisensitzung mit uns organisiert mit Ärzten, Anwälten und Koordinatoren. Sie haben uns begleitet und versucht, uns in diesem unfassbar schweren Moment zu unterstützen. Aber trotz aller Unterstützung bleibt dieser Verlust ein Teil von uns. Für immer.

Seit drei Jahren wünscht sich Ramona nichts sehnlicher als ein eigenes Kind. Im Juli könnte ihr größter Traum dank einer Leihmutterschaft in Georgien endlich in Erfüllung gehen. (Bild: R. Sztankovics)

Healthy Lady: Wie ging es der Leihmutter nach diesem Vorfall? Was passiert in so einer Extremsituation zwischen euch?

Ramona: Die ersten Tage nach dem Kaiserschnitt waren für sie, wie für jede Frau nach so einem Eingriff, sehr anstrengend und schmerzhaft. Aber zusätzlich kam noch diese tiefe emotionale Belastung dazu. Was zwischen uns in dieser Extremsituation passiert ist, war vor allem eines: Menschlichkeit. Wir sind im Kontakt geblieben, haben miteinander gesprochen, uns gegenseitig unser Mitgefühl ausgesprochen. Es war kein „Verhältnis“ mehr wie am Anfang des Prozesses. Es war viel persönlicher, viel stiller, geprägt von einem gemeinsamen Verlust. Bis heute haben wir Kontakt. Sie weiß, dass unser Baby bald geboren wird, und sie freut sich ehrlich für uns. Das zeigt mir, wie groß ihr Herz ist und wie besonders diese Verbindung bleibt, auch über so einen schweren Moment hinaus.


Healthy Lady: Einige Monate später habt ihr einen weiteren Versuch gestartet mit einer neuen Leihmutter. Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass sie schwanger ist?

Ramona: Nach unserem großen Verlust hat sich etwas in mir verändert. Man wird zurückhaltender mit Hoffnung, weil man gelernt hat, wie schnell sich alles wieder verändern kann. Deshalb habe ich meine Gefühle nicht sofort komplett zugelassen, sondern sie eher Schritt für Schritt zugelassen.

Ich habe die Schwangerschaft bewusst begleitet, aber innerlich immer mit einer gewissen Vorsicht, besonders bis etwa zur 25.–27. Woche. Erst mit der Zeit konnte ich mich etwas mehr öffnen und wirklich anfangen, mich sicherer zu fühlen. Es ist eine Mischung aus Dankbarkeit, Hoffnung und einer tiefen Vorsicht geworden. Alles fühlt sich wertvoller, aber auch zerbrechlicher an.


Wenn der eigene Kinderwunsch stärker ist als jedes Verbot

Healthy Lady: Warum habt ihr euch letztlich für die Leihmutterschaft entschieden und gegen Alternativen wie Adoption oder künstliche Befruchtung?

Ramona: Grundsätzlich haben wir uns nicht bewusst gegen eine Adoption entschieden. Vielmehr mussten wir feststellen, dass dieser Weg für uns kaum realistisch ist. Auch wenn es nicht immer offen ausgesprochen wird, spielt das Alter meines Mannes dabei eine Rolle. In Gesprächen und durch unsere eigenen Recherchen, unter anderem auch mit dem Jugendamt, wurde uns deutlich, wie hoch die Hürden und Anforderungen sind. Der gesamte Prozess ist sehr langwierig und mit vielen Unsicherheiten verbunden.

Hinzu kommt, dass es deutlich mehr Bewerber als zur Adoption freigegebene Kinder gibt. Teilweise stehen beispielsweise nur wenige Kinder einer großen Zahl an adoptionswilligen Eltern gegenüber. Für uns hat sich dadurch das Gefühl verstärkt, dass unsere Chancen sehr gering sind bzw. unmöglich.  Nach diesen Erfahrungen und auch vor dem Hintergrund meiner gesundheitlichen Situation haben wir uns letztlich für die Leihmutterschaft entschieden.

„Wenn man von einem idealen Verlauf ausgeht, ohne Komplikationen, ohne zusätzliche Versicherungen und ohne besondere medizinische Zusatzleistungen, liegt man mindestens bei etwa 60.000 Euro.“


Healthy Lady: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diesen Weg in Georgien zu gehen?

Ramona: Die Idee, diesen Weg zu gehen, ist vor etwa zwei Jahren entstanden, während eines Urlaubs in Punta Cana. Ich habe damals durch Instagram gescrollt und bin auf eine Schauspielerin aufmerksam geworden, die ihr zweites Kind durch Leihmutterschaft bekommen hat, nachdem sie aufgrund einer Krebserkrankung ihre Gebärmutter verloren hatte. In diesem Moment wurde mir überhaupt erst richtig bewusst, dass es diese Möglichkeit gibt. Das hat mich sehr bewegt und gleichzeitig neugierig gemacht. Noch vor Ort habe ich angefangen, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und erste Recherchen zu machen.


Healthy Lady: In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Kannst du persönlich nachvollziehen, warum der Gesetzgeber hier so streng ist, oder empfindest du es als veraltet?

Ramona: Ich kann teilweise nachvollziehen, warum der Gesetzgeber in Deutschland so streng ist. Es geht dabei vor allem um den Schutz von Frauen und die Sorge, dass Leihmutterschaft zu Ausbeutung führen könnte. Gleichzeitig empfinde ich die aktuelle Regelung aber als veraltet.

Aus meiner Sicht sollte der Fokus weniger darauf liegen, ob Leihmutterschaft grundsätzlich verboten ist oder nicht, sondern vielmehr darauf, wie man sie verantwortungsvoll und sicher gestalten kann. Es geht darum, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, die alle Beteiligten schützen. Letztendlich handelt es sich um erwachsene Menschen, die bewusst eine Entscheidung treffen. Wenn eine Frau sich freiwillig dazu entscheidet, ein Kind für ein anderes Paar auszutragen und das nicht aus finanzieller Not heraus, dann sollte man das respektieren.

Das derzeitige Verbot löst das eigentliche Problem nicht. Der Wunsch nach einem eigenen Kind verschwindet dadurch ja nicht. Stattdessen wird das Thema ins Ausland verlagert, wo die Bedingungen oft weniger transparent sind. Paare mit Kinderwunsch werden dadurch eher alleingelassen, anstatt sie innerhalb eines klar geregelten Systems zu unterstützen.


Menschenhandel, Ausbeutung, Egoismus

Healthy Lady: Gibt es in so einem sensiblen Prozess Versicherungen oder rechtliche Absicherungen für medizinische Notfälle oder unerwartete Komplikationen, sowohl für das Baby als auch für die Leihmutter?

Ramona: Man kann spezielle Versicherungen abschließen, die in bestimmten Fällen greifen, zum Beispiel, wenn das Baby zu früh geboren wird oder verstirbt. Diese können dann einen Teil der medizinischen Kosten, etwa für Intensivbehandlungen, sowie bestimmte Kosten im Zusammenhang mit der Leihmutterschaft übernehmen.

Es gibt auch separate Versicherungen, die die medizinischen Kosten der Leihmutter abdecken, falls ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird oder Komplikationen auftreten. Allerdings sind diese Versicherungen keine Pflicht, sondern eine zusätzliche Absicherung und sie sind oft sehr teuer. Wir sprechen hier von mehreren tausend Euro. Am Anfang denkt man vielleicht, dass man an dieser Stelle sparen kann, weil man hofft, dass alles gut verläuft. Aber wenn dann doch etwas passiert, wenn ein Baby viel zu früh kommt und intensivmedizinisch versorgt werden muss oder die Leihmutter medizinische Hilfe braucht, können die Kosten schnell noch viel höher werden.

„Als Eltern bekommt man dann einen Vorschlag für eine mögliche Leihmutter. Wichtig ist, dass daraus ein sogenanntes „Match“ entsteht, also dass beide Seiten zueinander passen.“


Healthy Lady: Was kostet eine Leihmutterschaft in Georgien insgesamt, wenn man alle Prozeduren und Gebühren einrechnet?

Ramona: Jede Agentur bietet verschiedene Pakete an, und genau hier entstehen oft große Preisunterschiede.Wenn man von einem idealen Verlauf ausgeht, ohne Komplikationen, ohne zusätzliche Versicherungen und ohne besondere medizinische Zusatzleistungen, liegt man mindestens bei etwa 60.000 Euro. Das ist wirklich das absolute Minimum, und darin ist meist ein Paket mit einem Versuch enthalten, der im besten Fall direkt erfolgreich ist. Untersuchungen der biologischen Eltern sind dabei jedoch nicht immer in vollem Umfang eingerechnet, obwohl sie in der Praxis eine wichtige Voraussetzung sind.

Sobald man Versicherungen, zusätzliche medizinische Absicherungen und mögliche Extrakosten mit einrechnet, kann man schnell in einen Bereich von etwa 100.000 bis 150.000 Euro kommen. Am Ende ist es ein sehr komplexer und individueller Prozess, bei dem viele Faktoren den Gesamtpreis beeinflussen.


Mit ihrer Geschichte klärt Ramona auf Social Media über Leihmutterschaft auf und gibt anderen Betroffenen Hoffnung.
(Bild: R. Sztankovics)

Healthy Lady: In einem deiner Videos reagierst du auf Hate-Kommentare rund um das Thema Leihmutterschaft. Besonders häufig fällt dabei der schwere Vorwurf des ‚Menschenhandels‘. Was machen solche Worte mit dir?

Ramona: In den meisten Fällen versuche ich zuerst, ruhig zu bleiben. Begriffe wie „Menschenhandel“ treffen natürlich, weil sie sehr schwer und verletzend sind. Gleichzeitig merke ich oft, dass solche Aussagen aus Unwissenheit entstehen und nicht aus echter Erfahrung mit dem Thema. Deshalb versuche ich, wenn es möglich ist, zu erklären, wie komplex und reguliert dieser Prozess tatsächlich ist.

Manche Diskussionen lohnen sich aber auch nicht. Wenn Menschen nur urteilen, ohne wirklich zuzuhören, dann schützt es mich selbst, nicht in jede Konfrontation einzusteigen. Was ich über die Zeit gelernt habe: Nicht jeder Kommentar verdient meine Energie. Ich konzentriere mich lieber auf die Menschen, die wirklich offen sind, die Fragen haben und verstehen wollen.


Healthy Lady: Ein häufiger Kritikpunkt lautet, dass Leihmutterschaft wirtschaftlich schwächere Frauen ausnutzen könnte. Wie begegnest du solchen ethischen Bedenken?

Ramona: Ich verstehe diesen Vorwurf und nehme ihn ernst, weil er eine wichtige ethische Frage berührt. Gleichzeitig sehe ich das Thema differenzierter. Jede Frau ist grundsätzlich eine eigenständige Person, die Entscheidungen über ihren Körper und ihren Lebensweg trifft. Dazu gehört auch die Entscheidung, ob sie eine Leihmutterschaft eingehen möchte oder nicht. In seriösen Programmen gibt es zudem klare medizinische, psychologische und soziale Prüfungen, die sicherstellen sollen, dass diese Entscheidung nicht unter Druck oder aus akuter Not heraus getroffen wird.

Für mich ist deshalb entscheidend, wenn eine Frau diesen Weg bewusst, informiert und freiwillig geht, dann sollte diese Entscheidung respektiert werden. Ich sehe Leihmütter nicht als „ausgenutzt“, sondern als Frauen, die in einem sehr besonderen und anspruchsvollen Prozess eine wichtige Rolle übernehmen. Sie tragen Leben aus mit Verantwortung, medizinischer Begleitung und oft auch viel persönlicher Stärke.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass diese Themen nicht emotional überhöht oder pauschal verurteilt werden. Die Realität ist komplexer als Schlagworte. Mir geht es am Ende darum, dass man Frauen in ihrer Entscheidungsfreiheit ernst nimmt und gleichzeitig hohe ethische und medizinische Standards einhält.

„Begriffe wie ‚Menschenhandel‘ treffen natürlich, weil sie sehr schwer und verletzend sind.“


Der perfekte Match – Auf der Suche nach der Richtigen

Healthy Lady: Wie findet man eine Leihmutter in Georgien? Bekommt man tatsächlich eine Art „Modelkartei“ mit Bildern und Daten, aus der man auswählen kann?

Ramona: Nein, so etwas wie einen Katalog gibt es nicht. Im Idealfall sucht man auch nicht selbst aktiv nach einer Leihmutter. Stattdessen melden sich potenzielle Leihmütter freiwillig bei Agenturen oder Kliniken. Dort durchlaufen sie umfassende Prüfungen, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, werden sie in ein Programm aufgenommen.

Als Eltern bekommt man dann einen Vorschlag für eine mögliche Leihmutter. Wichtig ist, dass daraus ein sogenanntes „Match“ entsteht, also dass beide Seiten zueinander passen. In der Regel lernt man sich zunächst über ein Telefonat oder eine Videokonferenz kennen. Wenn sich beide Parteien wohlfühlen und einverstanden sind, entscheiden sie sich bewusst füreinander.

Man erhält allerdings schon im Vorfeld einige Informationen über die vorgeschlagene Leihmutter. Dazu gehören zum Beispiel ein Foto sowie Daten wie Größe, Gewicht, Informationen zu früheren Schwangerschaften (Verlauf, Geburtswochen, Geburtsgewicht der Kinder), persönliche Interessen und auch der Wohnort. Diese Informationen sind wichtig, um ein erstes Gefühl zu bekommen und Vertrauen aufzubauen.

Gleichzeitig bekommt auch die Leihmutter Informationen über die Wunscheltern, zum Beispiel, wo sie leben, was sie beruflich machen und wie ihre Lebenssituation ist. Denn am Ende basiert dieser Weg stark auf gegenseitigem Vertrauen. Schließlich trägt diese Frau das Kind der Eltern aus.


Healthy Lady: Worauf achtet man bei der Auswahl einer Frau, der man sein ungeborenes Kind anvertraut?

Ramona: Für mich war es besonders wichtig, dass unsere Leihmutter in der Nähe der Klinik lebt, damit die medizinische Betreuung reibungslos und gut organisiert ist. Außerdem war mir ein geregelter Alltag wichtig sowie, dass sie finanziell abgesichert ist, damit sichergestellt ist, dass ihre Entscheidung nicht aus einer Notlage heraus entsteht.

Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich das Alter. Idealerweise sollte sie nicht älter als 35 Jahre sein. Ebenso war es mir sehr wichtig, dass sie bereits eigene Kinder hat und dass ihre vorherigen Schwangerschaften und Geburten gut und ohne Komplikationen verlaufen sind. Am Ende spielt aber auch das persönliche Gefühl eine große Rolle. Vertrauen ist in diesem Prozess entscheidend, denn man gibt dieser Frau das Wertvollste an, was man hat.

Unsere Leihmutter ist genetisch nicht mit dem Kind verwandt. Die Eizellen stammen von mir, das bedeutet, dass die biologische Verbindung bei uns als Eltern liegt.


Healthy Lady: Wie würdest du euer aktuelles Verhältnis beschreiben? Seid ihr befreundet oder ist sie für euch ein Stück Familie geworden?

Ramona: Unser Verhältnis ist sehr eng und von großem Vertrauen geprägt. Wir stehen in regelmäßigem Austausch und fühlen uns sehr verbunden. Trotzdem würde ich sie nicht einfach als „Freundin“ bezeichnen, denn das wird der Situation nicht ganz gerecht. Aber auch der Begriff „Familie“ passt nicht vollständig. Uns verbindet etwas ganz Besonderes, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist eine sehr tiefe, einzigartige Verbindung, die durch diesen gemeinsamen Weg entstanden ist. Was ich aber mit voller Überzeugung sagen kann, ich vertraue ihr zu Hundert Prozent. Ich weiß, dass unser Baby bei ihr in den besten Händen ist.


Healthy Lady: Hast du mit eurer Leihmutter darüber gesprochen, warum sie das tut? Warum gebärt sie Kinder für fremde Menschen?

Ramona: Sie hat erklärt, dass sie sich ganz bewusst dafür entschieden hat, weil sie Schwangerschaft als etwas Positives empfindet. Sie mag dieses Gefühl und den gesamten Prozess, der damitverbunden ist, und sie empfindet es als etwas sehr Besonderes, einem anderen Paar zu helfen, ein Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig hat sie bereits zwei eigene Kinder und möchte kein weiteres eigenes Kind bekommen. Deshalb hat sie für sich entschieden, diesen Weg als Leihmutter zu gehen und so anderen Menschen ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

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Mein Kind im fremden Körper: Ramona spricht über Leihmutterschaft, Verlust und harte Vorwürfe


Liebt sie das Baby vielleicht irgendwann wie ihr eigenes?

Healthy Lady: Viele Außenstehende fragen sich, ob eine Leihmutter nach neun Monaten überhaupt emotional Abstand zu dem Baby halten kann. War das auch eine Sorge, die dich beschäftigt hat?

Ramona: Am Anfang des Prozesses habe ich mir genau dieselbe Frage gestellt. Doch je mehr Einblick ich hinter die Kulissen bekommen habe, desto mehr hat sich mein Gefühl verändert. Potenzielle Leihmütter durchlaufen einen sehr sorgfältigen und strengen Auswahlprozess, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Sie werden intensiv begleitet, führen Gespräche mit Fachpersonen, in denen genau solche Themen offen angesprochen werden.

Besonders wichtig war für mich auch der persönliche Austausch mit unserer Leihmutter. Wir haben oft darüber gesprochen, und sie hat immer sehr klar und reflektiert ausgedrückt, wie sie dazu steht. Sie trägt unser Baby mit viel Fürsorge und Respekt aus, aber gleichzeitig ist ihr bewusst, dass es unser Kind ist. Sie hat selbst gesagt, dass sie keine eigenen Kinder mehr möchte.

Natürlich entwickelt sie eine Verbindung zu dem Baby in ihrem Bauch, das ist etwas sehr Menschliches. Aber sie beschreibt diese Verbindung anders als die zu ihren eigenen Kindern. Für sie ist es vor allem ein Akt der Hilfe und des Vertrauens. Dieses offene Miteinander und das gegenseitige Verständnis geben mir viel Sicherheit und ein gutes Gefühl.


Healthy Lady: Wird die Frau, die dein Kind neun Monate lang unter ihrem Herzen getragen hat, auch später ein Teil eurer Familiengeschichte bleiben? Wirst du deinem Kind eines Tages von ihr erzählen?

Ramona: Mein Kind soll von Anfang an wissen, wie sehr es geliebt, gewollt und ersehnt war. Dass es nicht „einfach so“ auf die Welt gekommen ist, sondern dass wir diesen besonderen Weg gegangen sind, weil wir uns nichts sehnlicher gewünscht haben als genau dieses Kind.

Der Kontakt zur Leihmutter ist mir sehr wichtig. Sie ist ein besonderer Teil unserer Geschichte, und ich möchte, dass mein Kind das auch so erleben darf, ganz natürlich und ohne Geheimnisse. Es ist zum Beispiel geplant, dass sie uns an Weihnachten mit ihren Kindern besucht. Dieser Gedanke fühlt sich für mich einfach richtig an, weil er von Dankbarkeit und Verbundenheit geprägt ist.


Der Moment, auf den sie jahrelang gewartet hat

Healthy Lady: Wirst du den Moment erleben, in dem deine Tochter zum ersten Mal auf die Welt kommt?

Ramona: Wenn alles wie geplant verläuft, werde ich bei der Geburt dabei sein. Wir haben das offen und ehrlich mit unserer Leihmutter besprochen. Für sie ist es in Ordnung, dass ich und mein Mann dabei sind und sie hat sogar den Wunsch geäußert, dass ich sie in diesem Moment begleite. Zwischen uns ist über die Zeit eine sehr besondere und tiefe Verbindung entstanden, die schwer in Worte zu fassen ist. Sie hat sich meine Unterstützung gewünscht, und ich möchte für sie da sein, so gut ich kann. Es bedeutet mir unglaublich viel, diesen Moment gemeinsam zu erleben und meine Tochter auf die Welt kommen zu sehen.

"Mein Kind soll von Anfang an wissen, wie sehr es geliebt, gewollt und ersehnt war."


Healthy Lady: Wie sieht es rechtlich direkt nach der Geburt aus? Wie bekommt ihr das Kind nach Deutschland, und wie gehen die deutschen Behörden damit um?

Ramona: Rechtlich ist der Ablauf nach der Geburt klar strukturiert, auch wenn es für viele überraschend ist, wie gut sich die deutschen Behörden mit diesem Prozess auskennen. Ich habe selbst nachgefragt und war erstaunt, dass Leihmutterschaft in der Praxis häufiger vorkommt, als man denkt, auch wenn öffentlich kaum darüber gesprochen wird.

Direkt nach der Geburt werden wir zunächst beide in die Geburtsurkunde eingetragen. Mein Mann erkennt anschließend die Vaterschaft bei der deutschen Botschaft in Tiflis offiziell an. Damit können wir dann die notwendigen Reisedokumente bzw. einen deutschen Pass für unser Kind beantragen, um nach Hause reisen zu können. Einige Wochen später folgt dann der rechtliche Teil in Deutschland. Ich stelle über einen Notar einen vereinfachten Antrag auf Stiefkindadoption, damit auch die rechtliche Elternschaft vollständig geklärt ist. Es ist ein Prozess mit mehreren Schritten, aber er ist klar geregelt und wir fühlen uns dabei gut begleitet.


Healthy Lady: Wenn du auf alles zurückblickst, wie groß ist die Dankbarkeit für dieses „Geschenk“, das euch diese Frau macht?

Ramona: Diese Dankbarkeit ist kaum in Worte zu fassen. Am Anfang habe ich selbst unterschätzt, was eine Schwangerschaft wirklich bedeutet. Viele sagen, es sei „das Natürlichste auf der Welt“ oder etwas Selbstverständliches, aber die Realität ist viel komplexer. Es ist körperlich und emotional ein großes Risiko, und unsere Leihmutter geht diesen Weg trotzdem mit, um uns zu helfen. Allein dieser Gedanke berührt mich sehr tief. Dass ein Mensch so viel Vertrauen, Stärke und Bereitschaft mitbringt, um einem anderen den größten Wunsch zu erfüllen, ist nichts, was man einfach als selbstverständlich sehen kann.


Ein Kinderzimmer voller Hoffnung

Ramonas Geschichte zeigt, dass der Weg zum Familienglück keine gerade Linie ist, sondern manchmal durch die tiefsten Täler führt. Am 1. Juli soll ihre Tochter in Georgien zur Welt kommen. Bis dahin bleibt das Kinderzimmer in Deutschland ein Raum des Wartens, gefüllt mit Möbeln, aber vor allem mit einer Hoffnung, die nach all dem Schmerz zwar leise geworden ist, aber nicht mehr totzukriegen ist. Es ist Ramona zu wünschen, dass aus dieser vorsichtigen Hoffnung im Sommer endlich greifbares Glück wird.


Biochemikerin erklärt: So beeinflussen Hormone deine Energie & Stimmung

Plötzliche Erschöpfung, Heißhunger-Attacken oder emotionale Achterbahnfahrten kurz vor der Periode – viele Frauen kennen diese Symptome, ohne zu wissen, was wirklich dahintersteckt. Dabei liegt die Ursache oft tief im hormonellen Gleichgewicht. Mehr als 50 verschiedene Hormone wirken im Körper als Botenstoffe und beeinflussen täglich unsere Energie, unseren Schlaf oder unseren Stoffwechsel.

Von der Symptombehandlung zur Biochemie

Viele Beschwerden wie Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen werden oft erst dann medizinisch abgeklärt, wenn sie den Alltag bereits spürbar belasten. Die Biochemie setzt deutlich früher an. Sie beschäftigt sich mit den Prozessen im Körper, die solche Symptome oft schon lange vorher beeinflussen. Im Gespräch mit Healthy Lady erklärt Biochemikerin Fatme Bolhos, wie Hormone, Blutzucker und Stress unser körperliches und emotionales Gleichgewicht steuern.

Wissenschaft nahbar erklärt

Die Berlinerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die komplexen Abläufe im Körper verständlich zu machen. Über soziale Medien teilt sie ihr Wissen mit einer jungen Generation und erklärt, was bei Themen wie Ernährung, Krankheiten oder Zyklusschwankungen auf zellulärer Ebene passiert.

Dieses Wissen dient vielen Frauen als entscheidender Schlüssel, um die eigenen Signale endlich besser einzuordnen. Wer versteht, was im Inneren abläuft, nimmt Veränderungen im Zyklus bewusster wahr und kann dadurch lernen, den eigenen Körper besser zu verstehen.


Der Zyklus als biochemischer Prozess

Healthy Lady: Von Energie über Stimmung bis hin zu Fruchtbarkeit beeinflussen Hormone nahezu jeden Bereich unseres Alltags. Gibt es dabei ein Hormon, das im Körper eine Art Schlüsselrolle übernimmt, oder arbeiten all diese Prozesse komplexer zusammen?

Fatme Bolhos: Ein einzelnes zentrales Hormon gibt es eigentlich nicht. Das Hormonsystem funktioniert eher wie ein Netzwerk, in dem viele Hormone zusammenarbeiten. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei das Gehirn, vor allem der Hypothalamus, eine Art übergeordnetes Regulationszentrum, und die Hypophyse, auch Hirnanhangsdrüse genannt. Gemeinsam steuern sie viele andere Hormondrüsen im Körper.


Healthy Lady: Wenn wir den weiblichen Zyklus biochemisch betrachten, was passiert in den einzelnen Phasen im Körper?

Fatme Bolhos: Der Zyklus wird durch verschiedene Hormone gesteuert. Zu Beginn des Zyklus startet die Reifung einer Eizelle im Eierstock. Dabei steigt vor allem das Hormon Östrogen an, das unter anderem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut unterstützt. Etwa in der Mitte des Zyklus kommt es zum Eisprung, bei dem die reife Eizelle freigesetzt wird. Danach produziert der Körper vermehrt Progesteron, um sich auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Wenn keine Befruchtung stattfindet, sinken die Hormonspiegel wieder ab, und die Menstruation beginnt.

„Chronischer Stress kann das Hormonsystem deutlich beeinflussen, weil der Körper dabei dauerhaft Stresshormone wie Cortisol ausschüttet.“

Healthy Lady: Wie beeinflussen Östrogen und Progesteron unsere Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin und damit Stimmung, Energie und Motivation?

Fatme Bolhos: Östrogen wird eher mit unterstützenden Effekten auf Serotonin- und Dopaminsysteme verbunden, die für Stimmung und Motivation wichtig sind. Progesteron wirkt bei vielen eher beruhigend, vor allem über Signalwege des Gamma-Aminobuttersäure-Systems, einem körpereigenen Botenstoff, der beruhigend auf das Nervensystem wirkt. Deshalb können beide Hormone die Stimmung auf unterschiedliche Weise beeinflussen.

Biochemikerin Fatme Bolhos veröffentlicht unter dem Namen @diebiochemikerin auf Social Media Aufklärung rund um Biochemie, Gesundheit und hormonelle Prozesse. (Bild: Fatme Bolhos)

Alltag verstehen statt nur optimieren

Healthy Lady: Blutzucker wird oft im Zusammenhang mit Diabetes diskutiert. Welche Rolle spielt er auch für das hormonelle Gleichgewicht?

Fatme Bolhos: Der Blutzucker spielt auch für das hormonelle Gleichgewicht eine wichtige Rolle, weil er eng mit dem Hormon Insulin verbunden ist. Wenn der Blutzucker stark schwankt, muss der Körper häufiger Insulin ausschütten. Langfristig können solche Schwankungen auch andere Hormonsysteme beeinflussen, zum Beispiel Stresshormone, Hungerhormone oder den weiblichen Zyklus. Ein stabiler Blutzucker unterstützt daher oft auch mehr Energie und ein ausgeglicheneres Wohlbefinden.


Healthy Lady: Was passiert eigentlich im Körper, wenn unser Blutzucker ständig hoch und runter geht?

Fatme Bolhos: Wenn der Blutzuckerspiegel stark schwankt, müssen die Zellen sich ständig anpassen. Steigt der Blutzucker stark an, wird Insulin ausgeschüttet, damit Glukose aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann. Fällt der Blutzucker schnell ab, kann dem Körper kurzfristig Energie fehlen, worauf Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol reagieren. Häufige starke Schwankungen können Zellen belasten und langfristig Stoffwechselprozesse ungünstig beeinflussen.

„Östrogen wird eher mit unterstützenden Effekten auf Serotonin und Dopaminsysteme verbunden, die für Stimmung und Motivation wichtig sind.“

Healthy Lady: Rund um den Zyklus verändert sich auch unsere Haut. Was passiert dabei hormonell im Körper?

Fatme Bolhos: Das Hautbild wird nicht nur durch Pflegeprodukte beeinflusst, sondern auch stark durch innere Prozesse. Besonders Hormone spielen eine wichtige Rolle, weil sie Talgproduktion, Feuchtigkeit, Entzündungsneigung und Hauterneuerung beeinflussen können. Rund um den Eisprung ist der Östrogenspiegel oft höher, was bei vielen mit einer besser durchfeuchteten, klareren oder strahlenderen Haut verbunden wird. In anderen Zyklusphasen können hormonelle Veränderungen eher Unreinheiten oder empfindlichere Haut begünstigen.


Healthy Lady: Viele von uns merken erst spät, wie stark dauerhafter Stress den eigenen Körper beeinflussen kann, sei es durch Schlafprobleme, Erschöpfung, Heißhunger oder Veränderungen im Zyklus. Was passiert, wenn Stress über längere Zeit anhält?

Fatme Bolhos: Chronischer Stress kann das Hormonsystem deutlich beeinflussen, weil der Körper dabei dauerhaft Stresshormone wie Cortisol ausschüttet. Kurzfristig ist das sinnvoll, um leistungsfähig zu bleiben. Wenn Stress jedoch über längere Zeit anhält, kann das andere Hormonsysteme stören, zum Beispiel Schlafhormone, Hungerregulation, Schilddrüsenfunktion oder den weiblichen Zyklus. Viele merken das dann durch Erschöpfung, Schlafprobleme oder Zyklusveränderungen.


Prävention und Alltag

Healthy Lady: Wenn Frauen ihren Zyklus besser verstehen oder regulieren möchten, wo würdest du aus biochemischer Sicht ansetzen?

Fatme Bolhos: Aus biochemischer Sicht würde ich zuerst bei den Grundlagen ansetzen. Schlaf, Ernährung, Stressmanagement und regelmäßige Bewegung beeinflussen viele Hormonsysteme direkt. Auch ein stabiler Blutzucker, ausreichend Energiezufuhr und Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle. Wenn Beschwerden stärker sind, sollte man zusätzlich medizinisch abklären, ob zum Beispiel die Schilddrüse, der Eisenstatus oder andere hormonelle Störungen beteiligt sind.

„Wenn Stress jedoch über längere Zeit anhält, kann das andere Hormonsysteme stören.“

Healthy Lady: Wenn es um Hormone geht, denken viele zuerst an Eierstöcke, Schilddrüse oder den Zyklus. Kaum jemand aber an die Leber. Welche Rolle spielt sie im Hormonstoffwechsel?

Fatme Bolhos: Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Hormonstoffwechsel und wird dabei oft unterschätzt. Sie hilft, Hormone umzubauen, zu aktivieren oder abzubauen, damit sie in einem gesunden Gleichgewicht bleiben. Außerdem produziert sie wichtige Transportproteine, an die Hormone im Blut gebunden werden. Wenn die Leberfunktion beeinträchtigt ist, kann sich das daher auch auf den Hormonhaushalt auswirken.


Healthy Lady: Wenn es um Hormone geht, kursieren viele Ernährungs-Empfehlungen. Welche Nährstoffe braucht der Körper tatsächlich, um hormonell im Gleichgewicht zu bleiben?

Fatme Bolhos: Ja, bestimmte Nährstoffe spielen für den Hormonhaushalt eine wichtige Rolle, weil Hormone nur dann optimal gebildet und reguliert werden können, wenn der Körper ausreichend versorgt ist. Besonders relevant sind Eiweiß, gesunde Fette, Magnesium, Zink, Eisen, Vitamin D und B-Vitamine. Auch ausreichend Energiezufuhr insgesamt ist wichtig, denn bei dauerhaftem Mangel kann der Körper hormonelle Prozesse herunterregulieren.


Hormone und Psyche

Healthy Lady: Viele Frauen erleben in der zweiten Zyklushälfte stärkere emotionale Schwankungen. Welche Rolle spielen dabei Progesteron und das Nervensystem?

Fatme Bolhos: In der zweiten Zyklushälfte steigt zunächst Progesteron an. Dieses Hormon wirkt im Gehirn unter anderem auf Systeme, die mit Ruhe, Stressverarbeitung und Stimmung zusammenhängen. Kurz vor der Periode fallen Progesteron und später auch Östrogen wieder ab. Auf diese Schwankungen reagiert das Nervensystem bei manchen sensibler, dadurch können Reizbarkeit, Traurigkeit oder innere Unruhe entstehen.

„Insulin wirkt nicht nur auf Zucker, sondern auch auf die Eierstöcke.“

Healthy Lady: Warum können hormonelle Veränderungen, z.B. beim Absetzen der Pille oder in der Perimenopause so starke Auswirkungen auf die Stimmung haben?

Fatme Bolhos: Hormone beeinflussen im Gehirn Systeme wie Serotonin, Dopamin und GABA, einen körpereigenen Botenstoff, der unter anderem beruhigend auf das Nervensystem wirkt. Diese Systeme sind wichtig für Stimmung, Motivation und emotionale Stabilität. Wenn sich Hormonspiegel plötzlich verändern, muss sich das Nervensystem erst anpassen. Deshalb können in Übergangsphasen Stimmungsschwankungen, Nervosität oder Erschöpfung auftreten.


Blutzucker und Heißhunger

Healthy Lady: Insulin wird meist mit Blutzucker oder Diabetes in Verbindung gebracht. Dass dieses Hormon aber auch Einfluss auf den weiblichen Zyklus haben kann, ist deutlich weniger bekannt. Welche Auswirkungen kann ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel langfristig auf den Körper haben?

Fatme Bolhos: Insulin wirkt nicht nur auf Zucker, sondern auch auf die Eierstöcke. Bei dauerhaft erhöhtem Insulin, etwa bei Insulinresistenz, kann die Produktion männlicher Hormone steigen und der Eisprung gestört werden. Das sieht man zum Beispiel häufig beim Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Für Betroffene kann sich das unter anderem durch unregelmäßige Zyklen, ausbleibende Eisprünge, Hautveränderungen oder Schwierigkeiten beim Schwangerwerden bemerkbar machen. Deshalb spielt ein stabiler Blutzucker nicht nur für den Stoffwechsel, sondern auch für die hormonelle Gesundheit eine wichtige Rolle.

„Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Hormonstoffwechsel und wird dabei oft unterschätzt.“

Healthy Lady: Kurz vor der Periode scheint der Körper plötzlich nach Schokolade, Snacks oder mehr Energie zu verlangen. Welche hormonellen Veränderungen stecken dahinter und warum reagiert der Körper in dieser Phase oft anders?

Fatme Bolhos: Vor der Periode verändern sich Östrogen und Progesteron. Gleichzeitig steigt bei manchen der Energiebedarf leicht an, und das Belohnungssystem reagiert sensibler auf Zucker oder Fett. Dazu kommen Stimmungsschwankungen oder Müdigkeit. Dadurch entsteht oft stärkerer Appetit oder Heißhunger.


Wann es sinnvoll ist, genauer hinzuschauen

Hormonelle Veränderungen gehören für viele Frauen zum Leben dazu. Beschwerden wie Erschöpfung, starke Stimmungsschwankungen, Zyklusveränderungen oder anhaltender Heißhunger sollten jedoch nicht dauerhaft ignoriert werden. Wer über längere Zeit Veränderungen bemerkt oder sich im eigenen Körper nicht wohlfühlt, kann diese Symptome medizinisch abklären lassen. Erste Anlaufstellen sind meist die gynäkologische Praxis, je nach Beschwerden aber auch hausärztliche oder endokrinologische Fachpraxen. Dort können abhängig von Zyklusphase und Symptomen unter anderem Hormonwerte, Schilddrüse, Eisenstatus oder Stoffwechselmarker genauer untersucht werden. Denn je besser wir verstehen, was im Körper passiert, desto bewusster können wir mit den Signalen unseres Körpers umgehen.


THE WALKING DAD: Manuel Hasni schafft Raum für moderne Väter

Es ist kein typischer Vormittag in Hamburg. Es regnet nicht, wie man es hier erwarten würde. Statt grauem Himmel scheint die Sonne über den Straßen von Winterhude. Dann hört man das dumpfe Rollen von Rädern auf dem Asphalt. Kurz darauf taucht Manuel Hasni auf. Eine Hand am Kinderwagen, ein leichtes Lächeln. Irgendwo zwischen Vorfreude und spürbarer Nervosität wirkt es, als wüsste er längst, dass heute etwas Größeres passiert.

Doch er bleibt nicht lange allein. Aus Seitenstraßen, Parks und Querwegen stoßen plötzlich weitere Männer dazu. Einer mit Baby in der Trage, der nächste mit Kleinkindern an der Hand. Innerhalb kürzester Zeit bildet sich eine unaufhaltsame Einsatztruppe. Ausgerüstet mit Hightech-Babywagen, taktisch platzierten Tragetüchern und einer gemeinsamen Mission.

Mehr als 40 Väter mit ihren Kindern setzen sich gemeinsam in Marsch. Was eben noch wie ein Spaziergang aussah, entwickelt eine beeindruckende Energie. Sie füllen die Hamburger Straßen, ziehen alle Blicke auf sich. Übersehen kann man sie nicht. Doch dies ist kein Filmset. Und auch kein Marvel-Moment. Es ist Manuel Hasni und sein Projekt THE WALKING DAD.

Gemeinsam unterwegs: Über 40 Väter mit ihren Kindern setzen in Hamburg ein sichtbares Zeichen für moderne Vaterschaft. 
(Bild: Manuel Hasni)

Neue Väter. Neue Rollen. Neue Verbindungen

Der Country Manager und vierfache Vater organisiert Treffen, bei denen sich Männer mit ihren Kindern zu gemeinsamen Spaziergängen verabreden, um sich untereinander zu vernetzen. Was für viele Frauen auf dem Spielplatz oder in Krabbelgruppen ganz selbstverständlich zum Alltag gehört, findet unter Männern bisher kaum statt. Dabei hat sich das Bild der Vaterschaft längst gewandelt. Die heutige Generation will im Alltag ihrer Kinder präsent sein und Verantwortung übernehmen, doch oft fehlt der Anschluss zu Gleichgesinnten. Wir haben mit Manuel Hasni darüber gesprochen, wie aus einem einfachen Impuls eine Gemeinschaft wurde und warum moderne Väter heute nicht mehr nur versorgen, sondern vor allem emotional präsent sein wollen.


Vom Spaziergang zur Bewegung

Healthy Lady: Manuel, wie bist du auf diese grandiose Idee gekommen THE WALKING DAD ins Leben zu rufen? Was hat dich bewegt, diesen Schritt zu gehen?

Manuel Hasni: Ganz ehrlich, es war keine große Business-Idee oder ein strategischer Masterplan. Es war eher ein Gefühl. Ich habe irgendwann gemerkt, dass vielen Vätern echte Verbindung fehlt. Ich habe online immer wieder Running Clubs oder Community-Formate gesehen und dachte mir, eigentlich müsste es etwas geben, das ruhiger, echter und nahbarer ist.

Außerdem habe ich mich schon länger gefragt, was neben AI in Zukunft wirklich Wert haben wird. Menschliche Begegnungen. Empathie. Nähe. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schnell man als Vater einfach nur noch funktioniert. Arbeit, Familie, Alltag, Termine. Man liebt seine Familie über alles, aber oft dreht sich alles nur noch darum, irgendwie alles organisiert zu bekommen.

Dann habe ich einfach diesen ersten Walk organisiert. Eine Woche vorher angekündigt, parallel lief sogar noch der Hamburger Marathon. Trotzdem standen plötzlich 40 Väter mit ihren Kindern da. In dem Moment habe ich schnell gemerkt, dass das Thema größer ist als nur ein Spaziergang. Eigentlich wollte ich einfach nicht mehr alleine spazieren gehen. Und plötzlich entsteht daraus etwas, in dem sich viele Männer wiederfinden.


Healthy Lady: Schon nach wenigen Stunden nach dem Start ist dein Instagram für The Walking Dad explodiert. Hast du mit dem riesigen Interesse gerechnet? Was fühlst du, wenn so viele Väter Teil dieser Bewegung sein wollen?

Manuel Hasni: Dass da was schlummert, habe ich schon gespürt, aber dass es solche Ausmaße annimmt, damit habe ich nicht gerechnet. Ich glaube, genau deshalb war es auch so ehrlich. Ich habe das nicht gestartet, um Reichweite aufzubauen oder etwas zu verkaufen. Ich wollte einfach etwas schaffen, das sich echt anfühlt. Ich habe eigentlich schon immer auf mein Gefühl gehört. Und wenn ich heute sehe, wie viele Männer sich darin wiederfinden, macht mich das sehr dankbar. Gleichzeitig zeigt es auch, wie groß das Bedürfnis nach Verbindung eigentlich ist.


Wenn Vaterschaft persönlich wird

Healthy Lady: Gab es etwas, das dir persönlich als Vater gefehlt hat? Etwas, von dem du gemerkt hast, dass viele Männer darüber kaum sprechen, obwohl es sie genauso beschäftigt?

Manuel Hasni: Ich glaube vor allem Räume, in denen Männer einfach mal sein können, ohne etwas darstellen zu müssen. Ich habe oft das Gefühl gehabt, dass Männer sich zwar sehen, aber selten wirklich begegnen. Viele treffen sich beim Sport, im Job oder im Alltag, aber echte Gespräche entstehen dabei oft eher zufällig. Und genau so ein Raum hat mir gefehlt. Ohne großes Konzept dahinter. Einfach ehrlich, entspannt und nahbar. Und das Verrückte ist, sobald Männer anfangen zu reden, merkt man schnell, dass am Ende irgendwie alle ähnliche Themen haben.

Auf Spielplätzen habe ich das schon oft erlebt. Erst redet man über Schlaf oder Kita, und zehn Minuten später sagt einer irgendwas und plötzlich denken alle: „Witzig, eigentlich leben wir doch alle gerade dasselbe Leben.“ Genau daraus ist THE WALKING DAD entstanden.

Was mit einer Idee begann, steht heute hinter ihm: (links) Manuel Hasni mit Vätern und ihren Kindern beim THE WALKING DAD
(Bild: Manuel Hasni)

Healthy Lady: Du bist vor kurzem zum vierten Mal Papa geworden. Was hat die Gründung von THE WALKING DAD in deinem eigenen Familienleben verändert?

Manuel Hasni: Es hat mich noch bewusster gemacht. Ich glaube, moderne Vaterschaft bedeutet heute viel mehr als nur „versorgen“. Es geht um Präsenz. Um emotionale Nähe. Um echte Zeit. Um Vorbildfunktion.

Durch THE WALKING DAD spreche ich viel intensiver mit anderen Vätern und merke immer wieder, dass wir oft mit denselben Themen kämpfen. Und abseits der Walks sprechen mich Frauen und Männer an, dass sie davon mitbekommen haben und es schön finden, was für ein Wandel gerade stattfindet.

Eine Frau, der ich an der Alster begegnet bin, sagte: „Mein Mann hätte sich THE WALKING DAD schon vor 30 Jahren gewünscht.“


Warum viele Männer nie darüber sprechen

Healthy Lady: Viele Männer sprechen nicht offen über Überforderung, Schlafmangel oder emotionale Belastung. Warum glaubst du, fällt Vätern das oft noch schwer?

Manuel Hasni: Weil es einfach kaum Räume dafür gibt. Und wenn es sie gibt, sind diese für viele Männer oft zu verbindlich und „offiziell“. Viele Männer sehen sich zwar im Alltag, aber oft nur oberflächlich. Und gleichzeitig verändert sich die Rolle des Mannes gerade komplett.

Früher war vieles klar verteilt. Heute definieren sich Männer und Väter neu. Beruf, Familie, Partnerschaft, Präsenz, Verantwortung. Viele versuchen irgendwie, ihren eigenen Weg darin zu finden. Und trotzdem gibt es kaum einfache Orte, wo man mal ehrlich miteinander reden kann. Bei THE WALKING DAD reicht im Grunde ein einziger Schritt. Kein Verein. Keine Warteliste. Kein Mitgliedsantrag. Du kommst einfach vorbei und bist direkt Teil davon.

„Kinder erinnern sich später nicht daran, wie beschäftigt du warst. Sie erinnern sich daran, ob du wirklich da warst.“


Healthy Lady: Glaubst du, dass sich das Bild von Vaterschaft in Deutschland gerade grundlegend verändert?

Manuel Hasni: Ja, definitiv. Ich glaube, Männer und Väter definieren sich gerade komplett neu. Früher war die Vaterrolle oft klarer über Arbeit und Versorgung definiert. Heute wollen viele Männer präsent sein. Emotional näher an ihren Kindern. Wirklich Teil des Familienlebens.

Und ich finde das grundsätzlich etwas sehr Schönes. Gleichzeitig gibt es dafür aber kaum moderne Vorbilder oder Räume. Deshalb glaube ich, dass genau solche Begegnungen heute wichtig sind. Wir leben gerade diese Transformation. Jetzt, in diesem Moment.


Väter von heute brauchen Verbindung

Healthy Lady: Was passiert bei euren Spaziergängen wirklich? Worüber sprechen Väter, wenn sie unter sich sind und die Kinder dabei haben?

Manuel Hasni: Das Spannende ist, es geht selten nur um Kinder. Natürlich spricht man über Schlaf, Alltag oder Erziehung. Aber oft merkt man ziemlich schnell, dass alle irgendwie ähnliche Themen haben. Der eine erzählt von schlaflosen Nächten, der andere von Kita-Chaos, der nächste davon, dass er seit Wochen versucht, mal wieder Sport zu machen. Und irgendwann sagt meistens einer: „Eigentlich sind wir alle komplett im selben Film.“ Gleichzeitig entstehen aber auch ganz normale Gespräche über Dinge, die die Leute persönlich interessieren.

Ich habe mich zum Beispiel mit jemandem über Reisen mit Kind ausgetauscht und darüber, welche Orte plötzlich spannend werden, seit man Vater ist. Mit einem anderen ging es um Immobilien und Geschäftsideen. Der hatte so spannende Ansätze und Blickwinkel, auf die ich selbst vorher gar nicht gekommen wäre. Und genau das finde ich so interessant. Die Kinder sind dabei, man läuft nebeneinander, niemand muss performen. Dadurch entstehen Gespräche viel natürlicher.


Healthy Lady: Welche Sorgen, Ängste oder Unsicherheiten hörst du bei Vätern am häufigsten?

Manuel Hasni: Ich glaube, viele Männer haben das Gefühl, ständig allem gerecht werden zu müssen. Familie, Arbeit, Beziehung, Zeit mit den Kindern, irgendwie noch Freunde sehen, vielleicht Sport machen und nebenbei versuchen, selbst nicht komplett unterzugehen. Und oft denkt jeder erst mal, nur bei ihm wäre alles chaotisch. Bis man anfängt zu reden. Dann wird einem schnell klar, dass viele Väter mit denselben Themen kämpfen.

"Nicht Perfektion macht einen guten Vater aus. Sondern echte Nähe."


Healthy Lady: Gab es einen Moment bei einem Walk, der dich besonders berührt oder überrascht hat?

Manuel Hasni: Mich hat überrascht, wie schnell echte Verbindung entstanden ist. Da war ein Vater dabei, der gerade erst nach Deutschland gezogen und frisch Vater geworden ist und hier komplett neu anfängt. Er ist Profi-Kitesurfer, schon auf der ganzen Welt unterwegs gewesen und meinte, ihm fehlt hier einfach der Anschluss.

Und plötzlich läuft man gemeinsam los, kommt ins Gespräch und merkt richtig, wie groß dieses Bedürfnis nach Austausch eigentlich ist. Es waren auch zwei oder drei Väter da, die in derselben Kita sind, ohne voneinander zu wissen, dass ihre Kinder zusammen in die Kita gehen. Andere kannten sich plötzlich von früher aus derselben Heimat oder hatten gemeinsame Freunde. Und genau das war irgendwie total besonders.

Diese Männer wären im normalen Alltag wahrscheinlich einfach aneinander vorbeigelaufen. Aber dort entsteht plötzlich ein sicherer Raum. Man stellt sich vor, läuft nebeneinander her und nach kurzer Zeit sprechen alle offen miteinander. Und das Schönste für mich war, diese Freude in den Gesichtern zu sehen. Zu merken, wie schnell daraus echte Verbindung entsteht. Das war am Ende eben doch viel mehr als nur ein Spaziergang. Das macht mich unglaublich glücklich.


Zwischen Verantwortung, emotionaler Präsenz und Kritik

Healthy Lady: Welche Rolle spielen Nähe, Präsenz und echte gemeinsame Zeit heute aus deiner Sicht für die Beziehung zwischen Vater und Kind?

Manuel Hasni: Eine riesige Rolle. Kinder erinnern sich später nicht daran, wie beschäftigt du warst. Sie erinnern sich daran, ob du wirklich da warst. Ich glaube, viele Männer unterschätzen, wie wichtig ihre emotionale Präsenz für ihre Kinder ist. Nicht Perfektion macht einen guten Vater aus, sondern echte Nähe.


Healthy Lady: Du hast selbst erwähnt, dass es auch Kritik gibt. Woran stoßen sich manche und wie gehst du damit um?

Manuel Hasni: Sobald Männer öffentlich über Männer oder Vaterschaft sprechen, entstehen schnell Missverständnisse. Manche denken sofort in Schubladen oder fragen sich, ob man damit irgendeine gesellschaftliche Richtung vertreten möchte. Aber darum geht es überhaupt nicht. THE WALKING DAD soll kein Ort gegen irgendwen sein. Es geht um Verbindung, Verantwortung, moderne Vaterschaft und ehrliche Gespräche. Ich glaube, wir brauchen heute mehr ehrliche Räume für Männer. Nicht als Gegenbewegung zu irgendwem, sondern einfach als Ort für echte Verbindung.

„Früher war Vaterschaft oft Versorgung. Heute geht es um Präsenz, Nähe und echte Zeit.“

Es gibt kaum etwas Schöneres als diesen Blick – Väter, die ihre Kinder voller Liebe ansehen. 
(Bild: Manuel Hasni)

Healthy Lady: Wenn du einem frischgebackenen Vater heute einen Rat mitgeben könntest, welcher wäre das?

Manuel Hasni: Liebe deine Kinder. Punkt. Das klingt selbstverständlich, aber ich meine das wirklich so. Keine Zeit mit deinen Kindern ist verschwendete Zeit. Am Ende erinnern sich Kinder nicht daran, wie viele Termine du hattest oder wie beschäftigt du warst. Sie erinnern sich an Nähe. An gemeinsame Momente. An das Gefühl, dass du wirklich da warst. Und gleichzeitig: Versuch nicht, alles perfekt machen zu wollen. Oft hilft es schon, mit anderen Vätern zu sprechen und festzustellen, dass eigentlich alle nur versuchen, ihr Bestes zu geben. Genau das verbindet am Ende.


Healthy Lady: Du bekommst mittlerweile Anfragen aus anderen Ländern. Was glaubst du, wie wird sich THE WALKING DAD weiterentwickeln? Hast du schon einen Plan?

Manuel Hasni: Ich glaube, THE WALKING DAD kann langfristig deutlich größer werden als nur Spaziergänge. Aber mir ist wichtig, dass die Seele davon erhalten bleibt. Ich könnte mir vorstellen: weitere Walks, Talks, Podcasts, Community-Formate, ehrliche Gespräche über moderne Vaterschaft, Beziehung, Verantwortung, Verbindung und die Frage, wie Männer heute eigentlich leben wollen. Aber Schritt für Schritt. Ich glaube, die Menschen merken sehr schnell, ob etwas echt ist oder nur aufgebaut wird. Und genau diese Echtheit soll THE WALKING DAD behalten.


Eine neue Generation von Vätern

Moderne Vaterschaft wird heute neu gelebt. Immer mehr Männer wollen präsent sein, emotional greifbar bleiben und den Alltag ihrer Kinder bewusst mitgestalten. Nähe, gemeinsame Zeit und echte Verbindung werden für viele Väter zu einem neuen Selbstverständnis und genau darin liegt vielleicht einer der größten gesellschaftlichen Veränderungen unserer Zeit.

Wenn dein Mann, Bruder oder bester Freund gerade Vater geworden ist oder mitten im Familienalltag steckt und in Hamburg  lebt, dann ist das vielleicht genau der richtige Moment, ihm von dieser Bewegung zu erzählen. Niemand muss als Papa allein seine Runden drehen oder darauf warten, dass zufällige Begegnungen auf dem Spielplatz entstehen. Der nächste Walk findet bereits am Vatertag in St. Pauli statt und könnte für viele der erste Schritt in eine Gemeinschaft sein, die zeigt, wie modern und lebendig Vaterschaft heute aussehen kann.