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Sie brachte zwei Kinder im Ozean zur Welt. Dann urteilte die ganze Welt

Ein Video sorgt weltweit für Schlagzeilen. Es zeigt eine hochschwangere Frau, die ihr Kind in den Wellen des Pazifiks zur Welt bringt. Wenig später folgen Bilder einer zweiten Ozeangeburt in der Karibik. Medien von Australien bis Argentinien berichten über die außergewöhnlichen Aufnahmen, die 2022 Millionen Menschen erreichen. Die Bilder gehen um die Welt und mit ihnen eine Welle der Empörung.

Josy Cornelius (41, geb. Peukert), fünffache Mutter aus Deutschland, die heute mit ihrer Familie in Nicaragua lebt, wird zur Projektionsfläche unterschiedlichster Meinungen. Für die einen ist sie mutig. Für die anderen verantwortungslos. Kaum ein anderer Geburtsmoment wurde in den vergangenen Jahren so emotional diskutiert wie dieser.

Doch während sich Schlagzeilen und Meinungen überschlagen, bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Wer ist die Frau hinter diesen Bildern wirklich?

In diesem exklusiven Interview spricht Josy Cornelius über die Geschichte hinter den Bildern, den Preis der weltweiten Aufmerksamkeit, ihren Weg von der Intensivstation zur gefragten Expertin und den Umgang mit dem Vorwurf, Frauen zu gefährlichen Geburten zu animieren.


Im Rhythmus der Wellen: Die Geburt im Pazifik

Healthy Lady: Liebe Josy, viele kennen dich durch die spektakulären Bilder deiner Geburten im Ozean. Hast du damit gerechnet, dass du danach zu einer polarisierenden Figur wirst? Was macht es mit dir, wenn man dich ungefragt in diese Schublade steckt, die „verrückte Aussteigerin“, die ohne jegliche Vorbereitung ihr Kind allein im Pazifik gebärt?

Josy Cornelius: Nein, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Die Frage würde ja schon implizieren, dass ich irgendetwas berechnet hätte. Aber genau das war nie der Fall. Ich hatte damals einfach meinen Instagram-Account und habe unsere Geburt geteilt, um unser Glück und unsere Freude zu teilen. Es gab überhaupt nicht den Gedanken, dass das einmal solche globalen Ausmaße annehmen würde. Wenn ich das rückgängig machen könnte, würde ich es tun.

Ich empfinde mich selbst auch gar nicht als „polarisierende Figur“. Das ist eher etwas, was gesellschaftlich daraus gemacht wird. Und wenn man mich in diese Schublade steckt, als „verrückte Frau, die allein im Ozean gebärt“, dann steckt in dieser Beschreibung eine Aneinanderreihung von Fehlinformationen. Es wird medial oft so dargestellt, als wäre das eine völlig spontane, unüberlegte Aktion gewesen, was schlicht falsch ist. Vieles davon hat mit Vorurteilen und Projektionen zu tun. Ein Auswandererleben, Meergeburten, Reichweite, das triggert einfach sehr viel in den Menschen.

„Nicht jede Frau kann einfach so ein Kind im Meer bekommen, und es wäre völlig unseriös, etwas anderes zu behaupten.“


Healthy Lady: Du sagst, das Bild der unvorbereiteten Aussteigerin ist eine Fehlinformation. Wie sah die Realität aus? Wie gut warst du tatsächlich auf diesen Schritt vorbereitet und stimmt es, dass du anderen Frauen sogar eher von einer Ozeangeburt abrädst?

Josy Cornelius: Diese Pazifikgeburt war über 40 Wochen lang vorbereitet und mit Vorbereitung meine ich wirklich Tag und Nacht. Ich glaube, viele können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Mammutaufgabe das in jeder Hinsicht ist. Nicht nur emotional oder organisatorisch, sondern vor allem auch medizinisch. Man kann das nicht kleinreden. Es braucht unglaublich viel Wissen, um für all die „Was wäre wenn“-Fälle vorbereitet zu sein.

Ich bin ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Ich weiß, wie man reanimiert. Ich weiß, was in echten Notfällen zu tun ist und wie viel Zeit bei massiven Blutungen bleibt. Mein Mann war in all das involviert und ich habe ihn intensiv gebrieft. Er wusste genau, wie eine arterielle Blutung aussieht, was im Worst Case zu tun wäre und welche Handgriffe dann nötig sind. Wenn eine Frau eine Meergeburt möchte, dann ist das nichts, was man in der 36. Woche spontan entscheidet.

Deshalb irritiert mich auch bis heute, wenn Frauen denken, sie könnten das einfach nachmachen. Ich habe nie gesagt, dass irgendjemand einfach ins Meer gehen sollte. Im Gegenteil, ich würde jeder Frau immer wieder davon abraten, wenn sie keine Ahnung hat, worauf sie sich einlässt. Das wäre lebensgefährlich für Mutter und Kind. Es gibt strikte Voraussetzungen. Nicht jede Frau kann einfach so ein Kind im Meer bekommen, und es wäre völlig unseriös, etwas anderes zu behaupten.

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Healthy Lady: Nimm uns mit in den Moment deiner Geburt im Ozean. Was hast du gefühlt? Wie war das für dich?

Josy Cornelius: Diese Geburt war nicht einfach ein schöner Moment, der irgendwie vom Himmel gefallen ist. Sie war das Ergebnis einer extrem umfangreichen Vorbereitung.

Wir haben damals nur etwa zehn Minuten vom Meer entfernt gewohnt. Ich habe über zwölf Wochen hinweg Ebbe und Flut getrackt, und zwar mit einer App, sodass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit genau wusste, wie der Wasserstand ist. Dazu kamen Wetter, Strömung, Bedingungen vor Ort — all diese Faktoren spielen am Pazifik eine Rolle und dürfen nicht unterschätzt werden.

Zusätzlich war ich jeden Tag im Wasser. Schon ganz am Anfang der Schwangerschaft haben wir unglaublich viel Zeit damit verbracht, verschiedene Strände anzuschauen, Orte auszukundschaften, immer wieder zu prüfen, welche Ecke ist stimmig, welche nicht, was passt wirklich?

Dazu kam die Arbeit mit meinem Nervensystem, mit meinen eigenen Prägungen, mit allem, was ich aus meinem Leben mitgebracht habe. Und genau dadurch wurde das Meer für mich zu einem Safe Space, zu einem sicheren Ort. Es war wie Nachhausekommen.

Und genau da ist das Nervensystem der zentrale Punkt. Das fehlt in einer klassischen Geburtsvorbereitung fast komplett. Wenn das Nervensystem einer Frau nicht sicher ist, dann fließt die Geburt nicht. Dann kann alles stocken, sich erschweren, blockieren. Das ist für mich einer der wichtigsten Schlüssel überhaupt.

Für mich war diese Geburt also vor allem eines: ein Nachhausekommen. Sicherheit. Und deshalb ist Vorbereitung und Planung eben so unglaublich ausschlaggebend. Da war nichts dem Zufall überlassen. Und genau deshalb konnte ich diesen Moment auch vollkommen genießen und zelebrieren.

Es war einfach eine wundervolle Geburt. Und es ist ein Moment, der sich für immer in unsere Herzen eingebrannt hat.

Im September 2023 bringt Josy kurz nach Mitternacht ihr fünftes Kind im Karibischen Meer vor Nicaragua zur Welt. Für die deutsche Auswanderin ist es bereits die zweite Geburt im Meer. (Foto: Josy Cornelius)


Healthy Lady: Nach dem Pazifik kam die Karibik. Wie lief die Planung für deine zweite Ozeangeburt ab?

Josy Cornelius: Die zweite Meergeburt, meine Karibikgeburt, war über 70 Wochen vorbereitet. Ich habe im Grunde schon eine Woche nach der Pazifikgeburt angefangen, die nächste Geburt zu planen. Genau das ist für mich echte Geburtsvorbereitung. Nicht erst in der Schwangerschaft anzufangen, sondern schon viel früher.

Aber genau dadurch ist eben auch eine wirkliche Traumgeburt möglich. Eine Geburt, aus der du lebenslang schöpfen kannst, statt eine Geburt zu erleben, über die du verbittert bist.


Angst, Risiko und Verantwortung

Healthy Lady: Hattest du bei deinen eigenen freien Geburten oder bei den Geburten deiner Klientinnen Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Josy Cornelius: Um ehrlich zu sein, nein. Und das eben aus dem heraus, was ich schon gesagt habe, aus der Vorbereitung. Auch bei meinen Komplettbegleitungen ist vorher schon so viel Arbeit gelaufen und so viel Wissen geflossen. Wir gehen wirklich alles im Detail durch, sodass es dieses „Schieflaufen“ in dem Sinne für mich nicht gibt.

Natürlich kann eine Frau sich während der Geburt umentscheiden oder plötzlich etwas anderes wollen. Aber auch dabei geht es um die Frage, welche Ängste, Prägungen oder Unsicherheiten vorhanden sind. Angst ist für mich ein falscher Berater. Es geht darum, die eigenen Bedenken ehrlich anzuschauen und sich so viel Wissen anzueignen, dass daraus wirkliche Sicherheit entsteht.

Ich selbst hatte keine Ängste und keine Zweifel. Wenn eine starke Unsicherheit vorhanden ist, muss man sagen, dass eine solche Geburt nicht der richtige Weg ist.


Healthy Lady: Gab es bei den von dir begleiteten Geburten schwierige Situationen? Wer trägt die Verantwortung, wenn Komplikationen auftreten?

Josy Cornelius: Gerade weil ich keine Hebamme bin, trage ich nicht die medizinische Verantwortung für Mutter und Kind. Das ist auch nicht das, was die Frauen bei mir suchen. Wir besprechen diese Dinge im Vorfeld sehr klar. Die Frauen, die zu mir kommen, handeln vollständig eigenverantwortlich.

Ich kommuniziere offen, dass ich weder Ärztin noch Hebamme bin. Wenn eine Frau einen ärztlichen Termin möchte, etwas medizinisch abklären lassen oder sich weitere Unterstützung holen möchte, ist das jederzeit ihre Entscheidung. Wir schauen uns Dinge gemeinsam an, wägen Möglichkeiten ab und besprechen Hintergründe. Am Ende entscheidet aber jede Frau selbst.

Auch in meinen Verträgen ist festgehalten, dass ich keine medizinische Verantwortung trage. Das ist als Mentorin weder meine Aufgabe noch meine Kompetenz.

„Gerade weil ich keine Hebamme bin, trage ich nicht die medizinische Verantwortung für Mutter und Kind.“


Von der Intensivstation zur Wassergeburtsexpertin: Der medizinische Hintergrund

Healthy Lady: Bist du eigentlich eine ausgebildete Hebamme oder Doula und wie unterscheidest du diese Rollen für dich?

Josy Cornelius: Nein, ich bin keine ausgebildete Hebamme, und zum Glück auch nicht. Eine Doula ist kein geschützter Begriff. Von der reinen Definition her ist eine Doula im Grunde einfach eine Frau, die einer anderen Frau dient und selbst Geburtserfahrung hat. Wenn man es ganz herunterbricht, könnte man sagen, eigentlich ist jede Mutter von dieser ursprünglichen Definition her auch eine Doula.

Viele wissen gar nicht, was das Label Hebamme in Deutschland eigentlich bedeutet. Eine Hebamme ist theoretisch nie ganz außer Dienst. Ich hatte das damals sehr konkret in meiner zweiten Schwangerschaft erlebt, weil eine meiner besten Freundinnen an der Charité war. Eine Hebamme dürfte eine freie Geburt gar nicht begleiten, weil sie immer eine Hinzuziehungspflicht hat. Das liegt an den deutschen Richtlinien und dem System, dem sie unterstellt sind. Wenn man einmal das Label Hebamme hat, kann man sich davon nach meinem Wissen nicht einfach wieder frei machen. Selbst Hebammen, die anders arbeiten möchten, bleiben an dieses enge Korsett gebunden. Und genau so möchte ich nicht arbeiten. Ein Schein oder ein Titel sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie gut jemand Frauen wirklich halten kann.

Josys Mann Benjamin mit Teilnehmenden eines Retreats am Lagerfeuer in Nicaragua. Die mehrtägigen Auszeiten für Rückzug, Austausch und persönliche Entwicklung gehören zum beruflichen Angebot des Paares. Dafür reisen Menschen aus aller Welt an. (Foto: Josy Cornelius)

Healthy Lady: Viele Medien stellen dich dar, als würdest du einfach nur aus dem Bauch heraus agieren. Dabei hast du früher jahrelang im medizinischen Bereich gearbeitet. Was genau hast du dort gemacht und welche Qualifikationen bringst du mit?

Josy Cornelius: Ich komme sehr wohl aus einem medizinischen Kontext und war über zehn Jahre im deutschen System tätig. Meine erste Ausbildung war zur Dentaltechnikerin. Dadurch habe ich schon sehr früh verstanden, wie eng Körperbereiche zusammenhängen, gerade das oft unterschätzte Zusammenspiel von Kiefer und Becken unter der Geburt. Danach habe ich in einer Medizintechnikfirma mit Schwerpunkt Kardiologie gearbeitet und parallel ehrenamtlich in einer Kinder und Jugendklinik mit dem Schwerpunkt Risiko und Frühgeburt. Dort habe ich sehr viel gesehen, von Geburtsfolgen über Frühgeburtlichkeit bis hin zu schwersten körperlichen Zuständen bei Kindern.

Anschließend habe ich auf einer der größten Intensivstationen Deutschlands gearbeitet. Auch das hat meinen Blick extrem geprägt. Ich habe erlebt, wie Menschen sterben, wie Familien begleitet werden, wie reanimiert wird, wie Notfälle aussehen und was wirkliche Krisen bedeuten. Dieses Wissen sitzt tief.

Deshalb trifft es mich oft, wenn so getan wird, als sei ich einfach nur irgendeine, die aus dem Bauch heraus Dinge erzählt. Ich bin ausgebildetes medizinisches Fachpersonal und habe danach viele Weiterbildungen gemacht, gerade im Bereich Trauma, Risikolabels und Wassergeburt. Ich habe sämtliche Fortbildungen von Cornelia Enning persönlich nach Nicaragua geholt und bin bei Barbara Harper international zertifizierte Wassergeburtsexpertin. Bereits 2009 habe ich meine allererste Geburt begleitet – das Thema begleitet mich also schon seit vielen Jahren. Mein Hintergrund ist fachlich, medizinisch und über viele Jahre gewachsen. Heute arbeite ich als freie Frauenmentorin, die Frauen ganzheitlich auf ihrem Weg stärkt.


Die Frau hinter den Schlagzeilen

Healthy Lady: Du wurdest zu einer Zielscheibe der Kritiker, man hat viel Negatives über dich geschrieben. Hat dich überhaupt mal einer gefragt, was wirklich dahintersteckt, was dich dazu bewegt hat?

Josy Cornelius: Nein. Es hat mich noch nie jemand wirklich zu meiner Person gefragt. Niemand war wirklich an mir als Mensch interessiert, am Wieso, Weshalb, Warum. Du bist die Erste und bisher auch die Einzige, die so auf mich zugekommen ist, sich wirklich mit mir auseinandersetzt und fragt: Josy, wie sieht es aus? Warum war das so? Was steckt dahinter?

Viele springen einfach in meinen Posteingang, wollen irgendetwas von mir und man merkt sofort, dass sie sich überhaupt nicht mit mir, meiner Geschichte oder meinem Weg beschäftigt haben. Und selbst wenn Menschen es wussten, wurde es oft einfach weggelassen oder zurechtgeschnitten.

Und dann stellt sich für mich immer die größere Frage. Wie kann man überhaupt die Geburt einer Frau kritisieren? Wer nimmt sich das Recht heraus über meinen Körper, meine Entscheidung, mein Kind, mein Sein zu urteilen? Allein das zeigt doch schon, wie absurd vieles daran ist.


Healthy Lady: Dir wird oft unterstellt, du würdest deine Erfahrungen als den einzig wahren Weg darstellen. Siehst du dich selbst als eine Art Missionarin für die freie Geburt?

Josy Cornelius: Überhaupt nicht, genau das wird so oft falsch verstanden. Viele tun so, als würde ich meine Erfahrungen hinstellen, als wären sie der einzige Weg. Das stimmt einfach nicht, das habe ich nie gesagt und nirgendwo geschrieben. Für mich gab es nie dieses eine „so musst du es machen“. Im Gegenteil. Für mich war schon immer klar, dass Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt möchten, genau dafür den richtigen Support bekommen sollten. Frauen, die im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause mit Hebamme gebären wollen, sollen dafür den richtigen Support bekommen. Und Frauen, die eine freie Geburt wollen, eben auch.

Ich habe erst vor Kurzem eine Frau begleitet, die nur stillen wollte, weil es von ihr erwartet wurde. Ich habe ihr gesagt, wenn du das nicht fühlst, dann musst du das nicht tun und dich vor niemandem rechtfertigen. Genau darum geht es doch, wertfrei zu schauen. Nicht besser oder schlechter, nicht richtig oder falsch. Wer bin ich denn, zu sagen, es gäbe nur diesen einen Weg? Es muss am Ende für die Frau passen.


Selbstbestimmung im Kreißsaal und der Wunsch nach Eigenverantwortung

Healthy Lady: Als Doula begleitest du andere Frauen. Was ist das häufigste Hindernis, das Frauen davon abhält, wirklich in ihre Kraft zu kommen?

Josy Cornelius: Frauen werden klein gehalten. Absichtlich. Weil das System nur so funktionieren kann. Es kann sich nur aufrechterhalten, wenn alle darin beteiligten Personen systemkonform funktionieren. Menschen lassen sich nur über Angst kontrollieren. Und eine Frau, die eine freie Geburt erlebt hat, ist aus dieser Kontrolle heraus. Genau das ist das Problem und genau deshalb ist es von der Gesellschaft auch nicht gewünscht.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ganz klar erklären, dass allein gebären nicht bedeutet, dass die Frau physisch alleine sein muss. Es bedeutet schlicht, dass keine Hebamme anwesend ist, also keine außenstehende Person, die die medizinische Verantwortung für die Geburt trägt.

Ich bin keine Hebamme und ich bin auch nicht das, was viele in ein klassisches Label pressen wollen. Ich bin eine Doula im ursprünglichen Sinne, aber ich habe nicht einfach nur irgendeinen Schein, hinter dem man sich verstecken kann. Ich bin vor allem eine Frau für Frauen. Eine freie Mentorin, die Frauen auf ihrem Weg empowert. Und zwar genau die Frauen, die ihre Verantwortung selbst tragen können und das auch aus tiefstem Herzen wollen.

„Frauen werden klein gehalten. Absichtlich.“


Healthy Lady: Wie gut sind Frauen deiner Erfahrung nach vor einer Geburt über ihre Möglichkeiten und Abläufe informiert?

Josy Cornelius: Aus meiner Erfahrung kann ich ganz klar sagen überhaupt nicht gut genug. Alle Frauen, die mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt zu mir kommen, sagen früher oder später denselben Satz: „Das habe ich nicht gewusst. Darauf war ich nicht vorbereitet.“

Und das kann man auch in unzähligen Foren lesen. Viele Frauen sagen: Ja, ich habe einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, vielleicht in der Klinik oder bei einer Hebamme, aber auf das, was dann wirklich passiert ist, war ich nicht vorbereitet. Für mich hat so ein Standard-Klinikkurs mit echter Geburtsvorbereitung auch wenig zu tun. Das ist eher ein Kreißsaal-Briefing. Also: Wie hat eine Frau im Kreißsaal zu funktionieren? Wie läuft dort alles ab? Wie wird sie fast schon so vorbereitet, dass sie sich dem System möglichst gut fügt, damit der Ablauf für das Personal einfacher wird? Und ich glaube, viele Frauen würden dem zustimmen.


Healthy Lady: Wie wichtig ist die selbstbestimmte Geburt deiner Klientinnen und was wünschen sie sich oft, was sie im Krankenhaus nicht bekommen können?

Josy Cornelius: Klientinnen, die zu mir finden, wollen an sich gar keine Krankenhausgeburt. Sie haben meistens schon eine sehr klare Vorstellung von ihrem Wunschweg. Wobei ich dazusagen muss, dass ungefähr die Hälfte aller Frauen, die zu mir kommen, gar nicht schwanger sind. Da geht es oft um Kinderwunsch oder die Aufarbeitung von Traumata nach vergangenen Schwangerschaften.

Eine selbstbestimmte Geburt ist ja inzwischen fast schon so ein Label geworden. Jeder kommt heute mit diesem Begriff um die Ecke und dann wird einer Frau im Kreißsaal verkauft, sie dürfe selbstbestimmt gebären. Aber im Kreißsaal gibt es aus meiner Sicht keine wirkliche Selbstbestimmung, weil alles dort den Richtlinien, Protokollen und engen Zeitfenstern des medizinischen Systems untersteht.

Von echter Freiheit ist da oft nicht viel übrig. Aber auch im Geburtshaus oder bei einer klassischen Hausgeburt bestehen enge Rahmen. Überall dort, wo eine Hebamme involviert ist, trägt sie am Ende die Verantwortung und unterliegt den gesetzlichen Systemvorgaben.

Frauen, die zu mir finden, wollen die volle Eigenverantwortung. Sie wollen alles selbst in der Hand haben.


Die Grabenkriege unter Müttern

Healthy Lady: Wir beobachten heutzutage leider viel zu oft eine Art Grabenkrieg unter Müttern. Klinik gegen Hausgeburt, Kaiserschnitt gegen natürliche Geburt. Warum neigen manche Frauen so stark dazu, den Weg einer anderen zu verurteilen?

Josy Cornelius: Woher dieses Shaming, Bashing und Bewerten kommt, sind aus meiner Erfahrung heraus fast immer Trigger, Wunden und ungelöste Themen der Frauen selbst. Das sieht man ja auch in den Kommentaren. Wenn Frauen gegen eine freie Geburt oder eine Alleingeburt argumentieren, ist die nächste Frage oft, wie denn ihre eigene Geburtserfahrung war. Und wenn man ehrlich hinschaut, ist die Antwort sehr oft schrecklich. Ganz runtergebrochen. Es gibt keine Frau, die eine freie Geburt erlebt hat, die sie sich so gewünscht hat, und die dann aus dieser Erfahrung heraus andere Frauen dafür bashen würde.

Diese Härte kommt fast immer von Frauen, die selbst eine schmerzhafte oder bittere Erfahrung gemacht haben, die dadurch getriggert sind und nicht wirklich in die eigene Reflexion gehen wollen. Frauen, die den eigenen Schmerz nicht anschauen wollen und ihn stattdessen anderen überstülpen.

Dass das heute so massiv ist, hat für mich schon auch mit Social Media und der Anonymität des Internets zu tun. Menschen können ihre Unzufriedenheit und ihren ungefilterten inneren Müll jederzeit von ihrem Smartphone aus abladen. Das alles passiert oft unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit, hat aber mit Respekt nichts zu tun. Es sagt immer viel mehr über den inneren Zustand derjenigen Person aus, die schreibt, als über die Frau, die bewertet wird.


Eine stille Geburt am Telefon und lebensverändernde Räume

Healthy Lady: Gibt es eine besondere Geburt, die dir im Kopf geblieben ist und die ganz anders war als die anderen?

Josy Cornelius: Jede Geburt ist individuell, speziell und in ihrem gesamten Verlauf einzigartig. Aber es gibt für mich eine ganz besondere, sehr intensive Erfahrung. Ich habe einmal eine Frau bei zwei stillen Geburten begleitet. Die stille Geburt ihres letzten Babys fand tatsächlich einen Tag vor meiner eigenen letzten Geburt statt. Das heißt, ich habe einen Tag vor der Geburt meines Karibik-Babys live am Telefon eine stille Geburt begleitet. Das war eine enorme Herausforderung. Später hat mich dieselbe Frau für eine weitere Geburt sogar einfliegen lassen und sie durfte nach den zwei schmerzhaften Verlusten genau die Geburt erleben, die sie sich so sehr gewünscht hatte, eine Wassergeburt zu Hause.

Oder eine andere Mama, die eigentlich mit einem ganz anderen Thema zu mir kam und überhaupt keine Alleingeburt auf dem Schirm hatte. Nach siebzehn Sessions hat sie ihr Kind allein zu Hause in der Badewanne mit ihrem Mann bekommen. Da entstehen Verbindungen zu den Familien, die wirklich lebensverändernd sind.

Ein lang ersehnter Moment in Italien. An der Seite von Josy Cornelius heißt die Mutter nach zwei stillen Geburten ihr Baby willkommen.
(Foto: Josy Cornelius)

Wie planbar ist eine Geburt?

Healthy Lady: Du betonst oft, dass eine Geburt, genau wie eine Hochzeit, geplant werden kann und sollte. Viele Kritiker sagen, eine Geburt sei „unberechenbar“. Warum ist Planung für dich kein Kontrollwahn, sondern die Basis für eine schöne Geburt?

Josy Cornelius: Geburt sei „unberechenbar“. Das stimmt so einfach nicht. Und medizinisches Fachpersonal weiß das eigentlich auch.

Es gibt in keiner Klinik, auf keiner Station, auch nicht auf Intensivstationen, Dinge, die einfach aus dem Nichts ohne Zusammenhang passieren. Es gibt immer eine Ursache, einen Verlauf, eine Reaktionskette. Und auch unter Geburt ist das so. Mutter und Kind fallen nicht auf Knopfdruck tot um, um das einmal ganz salopp herunterzubrechen. Es gibt immer einen Reaktionszeitraum. Es gibt immer Vorgeschichte, Zeichen, Zusammenhänge.

Jede Intervention zieht eine Auswirkung nach sich. Wenn ich zum Beispiel an Geburten denke, die ich zuletzt gesehen oder begleitet habe, dann sieht man ganz oft genau das: Vorher wurde manipuliert, eingeleitet, mit Rizinuscocktail gearbeitet oder mit anderen Maßnahmen. Und dann wundert man sich hinterher über grünes Fruchtwasser, auffällige Herztöne, eine Interventionskaskade oder darüber, dass man aus bestimmten Dingen nicht mehr herauskommt. Aber das ist nicht unberechenbar. Das ist eine Reaktion auf etwas, was vorher stattgefunden hat.

Alles, was unter Geburt passiert, hat Auswirkungen auf den gesamten Geburtsraum, auf Mutter, Kind, Hormone, Nervensystem, Verlauf. Jede noch so kleine Intervention hat eine Auswirkung. Und das muss man wissen.

Und genau deshalb ist Planung für mich kein Kontrollwahn, sondern Fürsorge und Verantwortungsübernahme. Denn wenn ich weiß, welche Faktoren eine Geburt beeinflussen, welche Entscheidungen welche Auswirkungen haben und wie ein Geburtsraum wirklich funktioniert, dann ist Planung das, was überhaupt erst Sicherheit schafft.

Und Sicherheit ist für Geburt die Basis. Nicht Kontrolle im Sinne von Zwang, sondern Sicherheit im Nervensystem, Sicherheit im Wissen, Sicherheit im Raum.

„Im Kreißsaal gibt es aus meiner Sicht keine wirkliche Selbstbestimmung.“


Healthy Lady: Würdest du schwangeren Frauen empfehlen, sich allein auf den Weg zu machen und ohne professionelle Begleitung im Meer oder an einem anderen abgelegenen Ort zu gebären?

Josy Cornelius: Natürlich nicht. Niemals. Ich kann davon nur klar und ausdrücklich abraten. Wer nicht bis ins kleinste Detail weiß, worauf er sich einlässt, sollte das auf keinen Fall tun.

Auch eine Wassergeburt ist nicht einfach ein Entspannungsbad. Temperatur, Wassertiefe, Zeitpunkt, Umgebung und viele weitere Faktoren können eine wichtige Rolle spielen. Wenn das notwendige Wissen fehlt, können dadurch zusätzliche Komplikationen entstehen.

Jede Frau sollte sich die Begleitung suchen, die wirklich zu ihrem gewünschten Geburtsweg passt und über entsprechende Erfahrung und Kompetenz verfügt.


Redaktioneller Hinweis: Die Aussagen von Josy Cornelius geben ihre persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen wieder. Sie ersetzen keine medizinische Beratung. Freie Geburten und Geburten im offenen Meer können mit erheblichen Risiken für Mutter und Kind verbunden sein. Schwangere sollten ihre individuelle Situation mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal besprechen.

SCHWANGERSCHAFT BIS ZUR 20. WOCHE ÜBERSEHEN! „Auf dem Ultraschall sah ich plötzlich einen riesigen Fuß“

Neun Monate. So viel Zeit gibt die Natur dem Körper und der Seele einer Frau, um langsam in die Mutterrolle hineinzuwachsen. Paulina (23) blieben davon nicht einmal viereinhalb. Im Frühjahr vergangenen Jahres wurde sie mitten im fünften Monat von einer Realität überrascht, mit der sie niemals gerechnet hatte.

Die Diagnose: 20. Schwangerschaftswoche. Von einer Sekunde auf die andere gerät Paulinas gesamter Lebensentwurf ins Wanken. Sie verhütete mit der Pille, wollte keine Kinder und hatte vom Frauenarzt mehrfach gehört, sie sei unfruchtbar. Dass die Schwangerschaft trotz mehrerer Termine lange unentdeckt blieb, stellt ihr Leben auf den Kopf. Paulina wählt zunächst den Weg der Adoption. Doch nach der Geburt nimmt ihre Geschichte eine unerwartete Wendung.

Ein Exklusivinterview über Kontrollverlust, eine folgenschwere Entscheidung und die bedingungslose Liebe zu ihrer Tochter Lilly (Name von der Redaktion geändert).


Von Null auf Mutter: Der Tag, an dem sich alles veränderte

Healthy Lady: Liebe Paulina, du warst laut eigener Aussage mehrmals bei deinem damaligen Frauenarzt, doch die Schwangerschaft blieb lange unentdeckt. Mit welchen Beschwerden bist du zu ihm gegangen und wie liefen diese Termine ab?

Paulina: Ich bin kurz vor Beginn der Schwangerschaft umgezogen und war einfach zu faul, die dreiviertelstündige Fahrt zu meiner eigentlichen Frauenärztin auf mich zu nehmen. Da ich ohnehin oft mit Zysten und Entzündungen am Eierstock zu kämpfen hatte, waren Blutungen für mich nicht untypisch.

Ich bin insgesamt viermal mit einem generellen Unwohlsein und Schmerzen im Unterleib zu ihm gegangen. Bei diesen Terminen wurde jeweils Ultraschall gemacht, aber anscheinend wurde nichts gesehen außer der Zyste, die tatsächlich da war. Weitere klassische Schwangerschaftsanzeichen hatte ich überhaupt nicht.

Mir war morgens nicht schlecht, meine Brüste taten nicht weh, und ich hatte keine körperlichen Veränderungen. Mir ging es grundsätzlich gut, ich hatte super viel Energie, und auch mental ging es mir gut.

Trotzdem hat der Arzt meine Beschwerden nicht ernst genommen. Seine Haltung war für mich am Ende sinngemäß, ich solle froh sein, noch zu leben. Nun sei ich eben schwanger und werde Mutter. Aber in diesem Moment wusste ich nicht einmal, ob ich da nicht lieber gestorben wäre, denn für mich war das massiv überfordernd.

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Healthy Lady: Eine Woche später stellt deine frühere Gynäkologin fest, dass du bereits in der 20. Schwangerschaftswoche bist. Was ging in dir vor, als du plötzlich auf den Ultraschall-Bildschirm geschaut hast?

Paulina: Die Diagnose war ein riesiger Schock. Da ich regelmäßig Blutungen hatte, sind wir alle davon ausgegangen, dass ich ganz am Anfang stehe. Als wir dann den vaginalen Ultraschall gemacht haben und ich auf den Bildschirm schaute, sah ich plötzlich einen riesigen Fuß. Mir war sofort klar: Nein, das ist keine achte Woche, wie wir dachten. Ich bin viel weiter. In diesem Moment wurde mir unendlich schlecht. Ich wollte weinen, aber es kamen keine Tränen. Ich wusste nicht, was ich tun soll, musste erst einmal atmen und konnte gar nicht mehr von dem Stuhl aufstehen. Wir haben an dem Tag auch keinen Mutterpass mehr erstellt, sondern ich durfte einfach nach Hause gehen.

Ich habe zwei bis drei Wochen gebraucht, um die Situation überhaupt zu realisieren. Wenn dann Kommentare kommen wie: „Du hättest doch in den Niederlanden abtreiben können“, kann ich nur sagen: Nein. Ich hatte dafür nicht einmal die nötige Bedenkzeit, ich konnte gar nicht so schnell denken. Ich wusste nur, ich möchte das nicht. Ich war so massiv überfordert, dass ich es kaum in Worte fassen kann.

Dazu kam das Gefühl, komplett inkompetent zu sein, weil das passiert ist und ich es nicht gemerkt hatte. Ich hatte keinerlei Kindsbewegungen gespürt und man hat optisch nichts gesehen, wobei ich zu dem Zeitpunkt auch eher eine rundlichere Figur hatte. Das war unglaublich hart.

„Als wir den Ultraschall machten, sah ich plötzlich einen riesigen Fuß. In diesem Moment wurde mir unendlich schlecht. Ich wollte weinen, aber es kamen keine Tränen.“


Healthy Lady: Normalerweise bekommen Frauen viel mehr Zeit, sich auf ein Kind einzustellen. Dir blieben nur etwa viereinhalb Monate bis zur Entbindung. Wie hast du diese Zeit zwischen Schock, Schwangerschaft und der nahenden Geburt erlebt?

Paulina: Nach der Diagnose hatte ich erst einmal ganz klar das Gefühl: Es muss weg. Ich werde keine Mutter, ich kann das nicht, ich möchte das nicht. Dieses „Ich will das nicht“ hat damals einfach alles übertönt.

Wir hatten in dieser Zeit verschiedene Phasen. Der Anfang bis zu dem Punkt, an dem wir uns aktiv für die Adoption entschieden haben, war ein hässliches, erdrückendes Gefühl. Direkt nach dieser Entscheidung ging es mir zwar nicht gut, aber irgendwie doch etwas besser, weil ich gemerkt habe, ich muss das nicht machen, wenn ich mich absolut nicht bereit dazu fühle.

Trotzdem war die Zeit durchgehend schlimm. Bei Terminen wie etwa der Feindiagnostik wusste ich nie, ob mich das medizinische Personal wieder verurteilen würde. Ich wurde mehrfach für unbelehrbar erklärt, weil ich bis zum achten Monat regelmäßige Blutungen hatte, die immer zum gleichen Zeitpunkt auftraten. Jedes Mal wurde ich ungläubig angeschaut nach dem Motto: „Das kann gar nicht sein, Sie irren sich.“ Aber das stimmte eben doch.

Erst die Schwangerschaftsberatung veränderte langsam meinen Blick auf die Situation. Dort wurden mir verschiedene Hilfsangebote gezeigt, und man machte mir Mut, dass ich es auch allein schaffen und mit meinem Studium vereinbaren könnte.

In dieser Phase ging es mir trotzdem überhaupt nicht gut. Ich hatte stark mit Suizidgedanken zu kämpfen und würde meine damalige Verfassung definitiv als depressiv beschreiben. Ich war einfach nicht bereit und habe mich zutiefst geschämt, anderen von der Schwangerschaft zu erzählen.

Hilfe bei Suizidgedanken:
Solltest du befürchten, dir unmittelbar etwas anzutun, wähle den Notruf 112 oder gehe in die nächste psychiatrische Notaufnahme. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei und anonym unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar. Das Hilfetelefon Schwangere in Not bietet unter 0800 4040020 kostenfreie, anonyme und vertrauliche Beratung.

Paulina wünscht sich, den Alltag mit Lilly künftig weitgehend selbstständig zu gestalten und nur noch gelegentlich Unterstützung anzunehmen. (Bild: Paulina/privat)

Als die Entscheidung im Krankenhaus ins Wanken geriet

Healthy Lady: Wann kam der Entschluss, Lilly zur Adoption freizugeben? Was hat dir damals das Gefühl gegeben, dass dieser Schritt der richtige sein könnte?

Paulina: Der Gedanke an eine Adoption war im Grunde direkt da, nachdem ich von der Schwangerschaft erfahren hatte. Um das zu verdeutlichen: Zwei Wochen, nachdem ich von der Schwangerschaft erfahren hatte, war eigentlich mein Vorgespräch für eine Sterilisation geplant. Das zeigt, wie tief der Wunsch, keine Mutter zu werden, in mir verankert war.

Rein materiell hätten wir es definitiv geschafft, ein Kind zu versorgen. Wir sind sehr strukturierte und liebevolle Menschen. Ich finde es auch nicht schlimm, wenn man als Familie mal eine Zeit lang nur Brot zum Abendessen isst, weil finanziell gerade nicht mehr drin ist. Aber mir ging es um die emotionale Ebene. Ich wollte für meine Tochter stabil sein, und das konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt absolut nicht vorstellen.

Als wir schließlich die potenziellen Adoptiveltern kennengelernt haben, hat es sofort gepasst. Es waren wunderbare Menschen und ich habe gespürt, das sind die Richtigen. Ab diesem Moment war die Entscheidung für mich besiegelt.

Dabei habe ich von Anfang an eine riesige, bedingungslose Liebe für meine Tochter empfunden. Aber damals hatte ich das tief sitzende Gefühl, dass ich ihr diese Liebe im Alltag nicht richtig vermitteln kann, dass ich emotional nicht bereit für diese Aufgabe bin und diesen Weg nicht gehen möchte.

„Ich habe von Anfang an eine riesige, bedingungslose Liebe empfunden. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich ihr diese Liebe im Alltag nicht vermitteln kann. Ich wollte keine Mutter sein.“


Healthy Lady: Im Herbst kam deine Tochter zur Welt. Die Geburt selbst lief dank der Hebammen gut, doch die anschließenden Tage auf der Station beschreibst du als extrem belastend. Was genau ist dort vorgefallen?

Paulina: Die Geburt an sich lief – abgesehen davon, dass ewig nichts passierte und ich starke Schmerzen hatte – wirklich gut. Die beiden Hebammen waren wunderbar und haben mir sehr beigestanden.

Der Druck fing an, als ich auf die Station gebracht wurde. Ich hatte mich bewusst dazu entschieden, meine Tochter mit aufs Zimmer zu nehmen und sie auch anzulegen, weil mir das sehr wichtig war. Natürlich musste ich dabei weinen. Die Situation war nach all den Stunden und den Strapazen extrem nervenaufreibend. Und dann sagte eine Schwester: „Wir können das hier auf Station alle nicht verstehen, warum ein junges Paar ihr Kind weggeben will.“ Da dachte ich mir nur, soll ich erst 50 sein, damit es in den Augen anderer akzeptabel ist? Man sollte sich vielleicht eher fragen, warum Paare diesen Schritt gehen, statt sie zu verteufeln. Viele wollen keine Kinder bekommen und das liegt oft nicht daran, dass sie ungeeignet wären, sondern an den Rahmenbedingungen.

Dann wurde eine Psychologin geholt. Ich hatte den Eindruck, dass man hoffte, ich würde etwas sagen, woran man ansetzen könnte. Aber sie hat alles nur noch schlimmer gemacht. Ich saß gefühlt 90 Minuten weinend mit meiner Tochter im Arm. Mir wurde mehrfach unterstellt, ich hätte von Anfang an von der Schwangerschaft gewusst und sie nur nicht beenden wollen. In diesem Moment war ich so überrumpelt, dass mir die Worte fehlten. Zum Ende hin riet sie mir zwar nicht direkt zum Behalten, meinte aber, sie würde an meiner Stelle jetzt gar keine Entscheidung treffen.

Selbst eine Reinigungskraft kam in mein Zimmer und sagte, ich würde es bereuen, wenn ich meine Tochter nicht behielte. Sie sei doch so ein liebes Kind.

Einen geschützten Raum hatte ich dort also nicht. Man kann dort nicht weg, ist ständig vom Personal oder der Familie umgeben und das Ganze war unglaublich zermürbend. Auch das Jugendamt kam immer wieder herein. Ich verstehe, dass das dazugehört, aber die Bedingungen waren extrem belastend. Unser Adoptionsvermittler meinte später, dass es in Krankenhäusern anderer Landkreise ganz anders abläuft und dort niemand reinredet.

Besonders schlimm fand ich, wie sehr meine Mama in dieser Zeit mitgelitten hat. Ihr gegenüber behauptete das Personal, es sei gar nicht meine eigene Entscheidung gewesen, sondern die meines Partners. Dabei hatten sie ihn nur ein einziges Mal gesehen, beim ersten Ultraschall. Er war damals völlig überfordert und unendlich traurig. Trotzdem war und blieb es allein meine Entscheidung.


Healthy Lady: An welchem Punkt hast du die geplante Adoption gestoppt? War die Entscheidung, Lilly zu behalten, rückblickend wirklich deine eigene?

Paulina: Dieser Schritt und vor allem das Absagen waren mir extrem unangenehm. Ich habe das schließlich per E-Mail an unseren Adoptionsvermittler geregelt, weil ich in diesem Moment einfach nicht telefonieren konnte. Das passierte, glaube ich, einen Tag nach der Geburt.

Die vorgesehenen Adoptiveltern hatten uns von Anfang an gesagt, dass sie erst etwas vorbereiten, wenn das Baby tatsächlich bei ihnen zu Hause ist. Das hatte den großen Vorteil, dass sie mir keinen Druck machten. Mein Albtraum wäre es gewesen, wenn mir die beiden nach der Geburt in die Arme gesprungen wären und sich dafür bedankt hätten, dass sie durch mich ein Kind bekommen.

Ob die Entscheidung wirklich meine eigene war? Emotional gesehen ja, rational gesehen vermutlich eher nicht.

Als wir uns schließlich entschieden, Lilly zu behalten, passierte etwas Seltsames. Plötzlich waren genau die Pflegekräfte, die zuvor so herablassend mit mir gesprochen hatten, extrem lieb, haben sich gefreut und sogar geweint. Da dachte ich mir nur: Es ist heftig, dass ihr mich vorher wie einen Menschen zweiter Klasse behandelt habt, nur weil meine damalige Entscheidung nicht in eure Ideologie passte, und im nächsten Moment seid ihr plötzlich so zugewandt.

Die Ängste aus dem Krankenhaus sind auch jetzt, fast ein Jahr nach der Geburt, immer noch da. Die ganze Schwangerschaft über habe ich es geschafft, rein rational zu entscheiden, aber in diesem Moment haben mich meine Gefühle und Hormone komplett überrannt. Vielleicht war es rückblickend unklug, sie mit aufs Zimmer zu nehmen. Aber ich wollte das unbedingt. Ich wollte mir selbst die Chance geben, sie kennenzulernen, schließlich hatte ich ja erst seit viereinhalb Monaten von ihr gewusst.


Das Leben heute, Vorurteile & der Blick nach vorn

Healthy Lady: Du liebst Lilly über alles und gleichzeitig trauerst du dem Lebensentwurf nach, der dir genommen wurde. Wie schafft man es, mit diesen zwei Wahrheiten zu leben?

Paulina: Ich bin einfach nur froh, dass ich mit diesen beiden Wahrheiten überhaupt leben kann. Schon während der Schwangerschaft dachte ich oft, dass es viel einfacher wäre, mich umzubringen, weil ich nicht wusste, wie ich diese Situation und dieses Problem lösen soll. Dieses Gefühl war auch nach der Geburt noch da. Umso stolzer bin ich heute im Rückblick auf mich, dass ich es bis hierher geschafft habe.

Ich bereue es nicht, Mutter geworden zu sein. Auch wenn ich diese Entscheidung anfangs gar nicht aktiv getroffen habe. Natürlich habe ich immer noch viele Ängste. Aber wenn ich in dieses kleine, süße Gesicht gucke, sind sie wie weggeblasen. Wenn sie mich anlacht und ich diesen kleinen Zahn dort glitzern sehe, ist die Angst im selben Moment verschwunden.

„Es ist heftig, dass ihr mich vorher wie einen Menschen zweiter Klasse behandelt habt, nur weil meine damalige Entscheidung nicht in eure Ideologie passte.“


Healthy Lady: Deine Tochter lebt aktuell bei der Oma (Mutter ihres Vaters), was eine sehr schwere Entscheidung war. Wie kam es dazu und wie gehst du mit dem Unverständnis um, das dir dafür oft entgegenschlägt?

Paulina: Dass Lilly aktuell bei der Mutter ihres Vaters lebt, war eine Notfallentscheidung, die Hals über Kopf getroffen werden musste. Es war die beste und sicherste Lösung, um überhaupt erst einmal für mich selbst klarzukommen. Ich konnte einfach nicht mehr. Diese Phase war das Heftigste und Schlimmste, was ich jemals empfunden habe. Ich bin unglaublich dankbar für diesen Ausweg, vor allem, weil mir nie das Gefühl gegeben wurde, jeden Tag auf Biegen und Brechen Dankbarkeit zeigen zu müssen. Es funktioniert, weil wir uns eng absprechen und offen austauschen. Mein ganz klarer Wunsch ist es aber natürlich, dass sie in naher Zukunft fest bei uns lebt.

Da ich meinen Weg von Anfang an öffentlich geteilt habe, bin ich mittlerweile abgehärtet. Im Netz nimmt mich das nicht mehr mit, das geht komplett an mir vorbei. Im echten Leben ist es manchmal noch etwas anderes, aber selbst da ist es mir inzwischen größtenteils egal.

In der Familie waren am Ende alle sehr froh darüber, wie sich die Situation entwickelt hatte. Ich glaube, jeder ist im Nachhinein sehr dankbar, dass Lilly bei uns geblieben ist. Sie wird von jeder Seite zutiefst geliebt.


Healthy Lady: Wie sieht euer gemeinsamer Alltag im Moment aus? Welche Schritte fehlen noch, damit Lilly fest bei dir einziehen kann?

Paulina: Im Alltag versuche ich, relativ früh dazuzustoßen und so spät wie möglich wieder zu gehen. Ich spiele mit ihr, füttere und wickele sie, nehme gemeinsam mit ihr Arzttermine wahr oder wir gehen einfach zusammen mit den Hunden spazieren. Ich darf ihr tagtäglich bei ihrer Entwicklung zusehen, bekomme aber gleichzeitig den nötigen Freiraum. Wenn ich an einem Tag merke, dass es gerade einfach nicht geht, kann ich das offen ansprechen. Man gibt mir den Raum, Dinge so zu machen, wie ich sie brauche. Wir stimmen uns eng darüber ab, was wir für richtig halten und was wir uns gegenseitig wünschen.

Die Schritte, die ich jetzt noch gehen muss, bestehen vor allem darin, weiterhin in Therapie zu bleiben, um das Erlebte Stück für Stück zu verarbeiten. Ich mache Lilly keinesfalls dafür verantwortlich, ich weiß genau, dass sie die Letzte ist, die etwas für all das kann. Und trotzdem verbindet man unweigerlich bestimmte Gefühle damit.

Für mich gab es Momente, in denen es sich schrecklich anfühlte, meine Tochter auf dem Schoß sitzen zu haben und gleichzeitig darüber nachdenken zu müssen, was mir widerfahren ist, um dann wieder in diesen Gedanken zu versinken. Zum Glück kommt das heute kaum noch vor. Am Anfang war es jedoch so schlimm, dass diese vorübergehende Lösung notwendig wurde.

Um den Schritt zu gehen, dass sie voll und ganz zu mir zieht, brauche ich vor allem mehr Festigkeit im eigenen Leben. Ich muss mein Studium beginnen und erst einmal abschätzen können, wie viel Zeit all diese Verpflichtungen in Anspruch nehmen.

„Ich bin mir sehr sicher, dass sie mich vor gewissen Dingen gerettet hat. Sie gibt mir eine noch größere Motivation, durchzuhalten. Ich wünsche mir einfach, sie bis an mein Lebensende an meiner Seite zu haben.“


Ein persönlicher Wunsch und Aufruf

Healthy Lady: Welche Botschaft möchtest du anderen Frauen aus deiner Erfahrung mitgeben?

Paulina: Wenn ich eines aus dieser ganzen Erfahrung mitgeben möchte, dann ist es der Wunsch nach echten Ansprechstellen und Hilfe für jede Frau, die in einer solchen Situation steckt. Ich kann jeder nur ans Herz legen, die Schwangerschaftsberatung zu nutzen, sich zu trauen, für sich selbst einzustehen, und sich von der Meinung anderer komplett frei zu machen. Es ist dein Körper und dein Leben, über das hier entschieden wird.

Was wir dringend brauchen, ist mehr Verständnis dafür, dass eben nicht jede Schwangerschaft gewollt ist und nicht jede so ausgeht, wie man es sich vielleicht gewünscht hat. Generell wünsche ich mir mehr Offenheit und Akzeptanz für unterschiedliche Lebensentwürfe. Nicht nur bezogen auf das Thema Schwangerschaft, sondern ganz grundsätzlich im Leben.


Healthy Lady: Wenn Lilly eines Tages alt genug ist, um eure Geschichte zu verstehen, was ist das Wichtigste, das sie über ihr Ankommen auf dieser Welt und deine Liebe zu ihr wissen soll?

Paulina: Was ich ihr auf jeden Fall sagen möchte, ist, dass ich unendlich froh bin, dass sie in mein Leben gekommen ist. Ich bin mir sehr sicher, dass sie mich vor gewissen Dingen gerettet hat. Sie gibt mir eine noch größere Motivation, weiterzumachen, durchzuhalten und für sie da zu sein. Ich liebe sie von ganzem Herzen und bin einfach nur dankbar, dass sie meine Tochter ist. Ich wünsche mir einfach, sie bis an mein Lebensende an meiner Seite zu haben.

Redaktioneller Hinweis:
Alle Schilderungen geben Paulinas persönliche Erinnerung und ihre subjektive Wahrnehmung der Ereignisse wieder. Die beteiligten medizinischen Fachkräfte und Einrichtungen werden nicht namentlich genannt. Identifizierende Angaben zu ihnen sowie sämtliche Ortsangaben wurden zum Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte entfernt. Der Name der Tochter wurde geändert.

ASMR im Selbsttest – Wie Pinselgeräusche mein Gedankenkarussell stoppten

Eine Frau streicht mit einem Make up Pinsel über ein Mikrofon. Dann nimmt sie einen Frisierkopf und fährt langsam mit den Fingern durch das Haar. Eigentlich passiert nichts. Trotzdem kann ich nicht wegsehen. Nach wenigen Minuten wird es still in meinem Kopf. Eine Stunde später lege ich das Handy beiseite und schlafe sofort ein. Was hatte ich da gerade entdeckt?

Es war ein ASMR Live auf TikTok. Am nächsten Abend suchte ich erneut danach. Die Wirkung kam zurück. Ich wurde ruhig, fühlte mich geborgen und schlief ungewöhnlich schnell ein. Also wollte ich wissen, ob das Zufall war. Sieben Tage lang sah ich mir jeden Abend ASMR Videos an.


Was ASMR eigentlich ist

ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Gemeint ist eine angenehme Reaktion auf bestimmte Geräusche und Bewegungen. Typische Auslöser sind Flüstern, leises Klopfen, Pinselgeräusche, langsame Handbewegungen und das Bürsten von Haaren.

Viele Menschen beschreiben ein Kribbeln, das am Kopf beginnt und sich über Nacken und Rücken ausbreitet. Manche empfinden daneben vor allem Ruhe oder Schläfrigkeit. ASMR ist keine anerkannte medizinische Therapie.

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Warum uns die Videos beruhigen können

Was dabei genau im Gehirn geschieht, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich wirken mehrere Dinge zusammen. Leise Geräusche, gleichmäßige Wiederholungen und langsame Bewegungen lenken die Aufmerksamkeit auf einen einzigen Moment.

Viele Videos vermitteln außerdem den Eindruck, dass sich jemand ruhig und aufmerksam kümmert. Forschende vermuten, dass diese nachgeahmte Nähe zur Entspannung beitragen kann. Bewiesen ist diese Erklärung bislang nicht.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 zeigte jedoch messbare körperliche Reaktionen. Bei Menschen, die ASMR empfanden, sank während der Videos die Herzfrequenz. Gleichzeitig stieg die Hautleitfähigkeit. Die Forschenden beschreiben ASMR deshalb als beruhigende und zugleich aktivierende Erfahrung. Studie von Poerio und ihrem Team


Was die Forschung bisher zeigt

Eine weitere Untersuchung mit 1037 Erwachsenen ergab direkt nach einem ASMR Video eine bessere Stimmung und mehr Entspannung. Zu den Teilnehmenden gehörten auch Menschen mit depressiven Beschwerden oder Schlafproblemen.

Das Ergebnis zeigt einen kurzfristigen Effekt nach einem einzigen Video. Es beweist nicht, dass ASMR Depressionen oder Schlafstörungen behandeln kann oder die Wirkung über längere Zeit anhält. Studie von Smejka und Wiggs

Hinzu kommt, dass nicht jeder Mensch auf ASMR anspricht. Eine deutsche Untersuchung zeigte, dass vor allem sogenannte ASMR Responder von mehr Entspannung und positiven Gefühlen berichteten. Andere Teilnehmende empfanden Videos von Spaziergängen teilweise als angenehmer. Studie der Ruhr Universität Bochum


Gibt es Risiken?

Die Forschung zu möglichen Risiken ist bislang begrenzt. Verlässliche Langzeitdaten fehlen.

Einige Geräusche können Unbehagen, Ekel oder Stress auslösen. Treten solche Reaktionen regelmäßig und sehr stark auf, kann eine Misophonie dahinterstecken. Eine Untersuchung fand entsprechende Beschwerden häufiger bei Menschen, die ASMR erleben. Sie beweist jedoch nicht, dass ASMR eine Misophonie verursacht. Untersuchung zu ASMR und Misophonie

Auch die Müdigkeit sollte nicht unterschätzt werden. ASMR eignet sich nicht beim Autofahren oder vor Aufgaben, die volle Konzentration verlangen. Wer die Videos im Bett ansieht, kann die Bildschirmhelligkeit reduzieren und einen Timer einstellen. So wird aus einer kurzen Entspannung nicht unbemerkt eine weitere Stunde am Handy.


Meine Erfahrung nach sieben Tagen

Die Videos machten mich jeden Abend innerhalb weniger Minuten ruhiger. Mein Gedankenkarussell stoppte und die innere Anspannung ließ nach. Es fühlte sich für mich ähnlich wie Meditation an, nur schneller und leichter.

Allein zuzuhören reichte mir allerdings nicht. Erst die langsamen Handbewegungen auf dem Bildschirm brachten diese besondere Ruhe. Am stärksten reagierte ich auf das Bürsten der Haare am Frisierkopf, den Pinsel am Mikrofon und leises Flüstern. Ein Geräusch, das mich störte, war in dieser Woche nicht dabei.

Vor dem Einschlafen hatte ich das Gefühl, schneller zur Ruhe zu kommen und besser zu schlafen. Ob mein Schlaf tatsächlich tiefer war, habe ich nicht gemessen. In stressigen Situationen sah ich mir kurze Videos an. Nach etwa zehn Minuten fühlte ich mich deutlich entspannter und erholter.

Die Wirkung hielt nicht dauerhaft an. Sie setzte beim Anschauen ein und ließ später wieder nach. Auch während der Arbeit half mir ASMR, herunterzufahren. Allerdings wurde ich dabei schnell schläfrig.

Für mich hat sich der Versuch gelohnt. Wenn du abends schwer abschalten kannst oder dich im Alltag häufig unruhig fühlst, kannst du ausprobieren, wie du auf ASMR reagierst. Zehn Minuten reichen für einen ersten Test. Bei anhaltenden Schlafproblemen oder starker Erschöpfung solltest du die Ursache ärztlich abklären lassen.


Hinweis: Dieser Erfahrungsbericht dient der allgemeinen Information und Unterhaltung. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht die Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.

Was du deinem Kind unbedingt beibringen solltest! 10 Regeln für den Ernstfall

Ein kurzer Blick aufs Handy, Gedränge vor der Eisdiele und plötzlich ist die kleine Hand nicht mehr in deiner. Meist löst sich die Situation schnell. Bis dahin kann sich jeder Augenblick endlos anfühlen. Gerade dann helfen klare Regeln, die ihr vorher gemeinsam besprochen habt.

Dabei sollte dein Kind nicht lernen, dass jeder unbekannte Mensch gefährlich ist. Nach Angaben der Polizei werden Kinder nur selten von völlig fremden Personen überfallen oder missbraucht. Viele Taten geschehen im familiären oder sozialen Umfeld. Sicherheitsregeln sollten deshalb immer gelten, unabhängig davon, ob dein Kind eine Person kennt oder ihr vertraut. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes


Deine Telefonnummer gehört in den Kopf und in den Schuh

Sobald dein Kind alt genug ist, sollte es deine Handynummer auswendig kennen. Übt sie regelmäßig, damit es sie auch in einer aufregenden Situation abrufen kann.

Für jüngere Kinder ist eine kleine wasserfeste Karte eine gute zusätzliche Absicherung. Darauf reichen dein Name und deine Handynummer. Du kannst die Karte in eine Innentasche stecken oder unter die Einlegesohle des Schuhs legen. Dein Kind muss wissen, wo sie sich befindet und wem es sie zeigen darf.

Bringe ihm einen einfachen Satz bei.
„Die Telefonnummer meiner Mama ist in meinem Schuh.“

Eine zweite erreichbare Nummer kann ebenfalls sinnvoll sein. Die vollständige Adresse gehört nicht auf die Karte. Name, Anschrift und Telefonnummer sollten niemals sichtbar am Rucksack oder außen an der Kleidung stehen.


Warum ein aktuelles Foto so wichtig ist

Ein aktuelles Foto kann bei der Suche nach einem vermissten Kind sehr wichtig sein. Du kannst einmal im Monat ein gut erkennbares Bild machen und es sicher auf deinem Smartphone speichern. Notiere dir außerdem die ungefähre Größe und auffällige Merkmale.

Nach einem neuen Haarschnitt, einer Brille oder einer anderen deutlichen Veränderung solltest du das Bild erneuern. Vor einem Besuch im Freizeitpark, auf einem Straßenfest oder bei einer großen Veranstaltung ist zusätzlich eine schnelle Ganzkörperaufnahme sinnvoll. So kannst du sofort zeigen, welche Kleidung dein Kind an diesem Tag trägt.

Die Polizei benötigt im Ernstfall eine genaue Beschreibung, den letzten bekannten Aufenthaltsort und ein aktuelles Foto. Initiative Vermisste Kinder

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Ein fester Treffpunkt gibt Orientierung

Zeige deinem Kind an belebten Orten gleich zu Beginn einen gut sichtbaren Treffpunkt. Geeignet sind eine Information, eine Kasse oder ein markanter Platz innerhalb des Geländes.

Ein Ausgang ist meist keine gute Wahl. Viele Gebäude haben mehrere Ausgänge und dein Kind könnte den sicheren Bereich verlassen. Wenn ihr euch verliert, geht es zum vereinbarten Treffpunkt und bleibt dort. Es läuft nicht durch das gesamte Gelände und versteckt sich nicht.


Zeige deinem Kind, wer helfen kann

Eine Frau mit Kind ist nicht automatisch die sicherste Ansprechperson. Besser sind Menschen, die aufgrund ihrer Aufgabe klar zu erkennen sind. Dazu gehören die Polizei, der Sicherheitsdienst, Beschäftigte an einer Information oder das Personal an einer Kasse.

Gibt es keine solche Anlaufstelle, kann sich dein Kind an eine Familie mit Kindern wenden. Es bleibt an einem öffentlichen Ort und geht nicht mit der helfenden Person weg.

Dein Kind sollte deutlich sagen können, dass es dich nicht findet und deine Telefonnummer kennt oder bei sich trägt.


Ein geheimes Wort für eure Familie

Behauptet jemand, du hättest ihn geschickt, soll dein Kind nach eurem Familienwort fragen. Kennt die Person das Wort nicht, geht dein Kind nicht mit.

Das Familienwort ist eine zusätzliche Absicherung. Die wichtigste Regel bleibt, dass dein Kind niemals unerwartet von jemand anderem abgeholt wird. Wenn eine andere Person es von der Kita, der Schule oder einem Freizeitangebot abholen soll, kündigst du das vorher an.

Wählt ein Wort, das nicht leicht zu erraten ist. Sobald es benutzt oder versehentlich verraten wurde, vereinbart ihr ein neues.


Mitgehen nur nach vorheriger Absprache

Diese Regel gilt auch bei Bekannten. Dein Kind geht mit niemandem mit und steigt in kein Auto, wenn du es nicht vorher erlaubt hast.

Bleibt ein Fahrzeug neben deinem Kind stehen oder fährt auffällig langsam, soll es sofort zwei oder drei große Schritte zurücktreten. Dabei bewegt es sich vom Auto und von der Fahrbahn weg. Es geht nicht an die Tür oder an das geöffnete Fenster, auch wenn jemand nur nach dem Weg fragt.

Erkläre deinem Kind, dass unbekannte Erwachsene sich Hilfe bei anderen Erwachsenen holen können. Wird es gebeten, einen Hund zu suchen, etwas zu tragen oder irgendwohin mitzukommen, lehnt es ab und geht zu einer vertrauten oder klar erkennbaren Ansprechperson. Höflichkeit ist in diesem Moment nicht wichtig.

Auch Süßigkeiten, Geld und andere Geschenke nimmt es von unbekannten Personen nicht an. Möchte ihm jemand etwas geben oder zeigen, braucht es vorher dein ausdrückliches Einverständnis. Ein einfacher Satz genügt.

„Ich muss zuerst meine Mama fragen.“

Die Polizei empfiehlt, Abstand zu fremden Fahrzeugen zu halten und ohne die Erlaubnis der Eltern mit niemandem mitzugehen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes


Begleite deine Kinder zur öffentlichen Toilette

Nutzt nach Möglichkeit eine Familientoilette. Alternativ begleitest du dein Kind bis zur Kabine oder wartest direkt davor. Bei älteren Kindern hängt die Begleitung von ihrer Selbstständigkeit und von der jeweiligen Umgebung ab.

Vereinbart vorher genau, wo du wartest. Dein Kind kehrt nach dem Toilettengang sofort zu diesem Platz zurück und verlässt den Bereich nicht durch einen anderen Ausgang.


Im Ernstfall darf es laut werden

In einer gefährlichen Situation darf dein Kind schreien, weglaufen und Aufmerksamkeit erregen. Ein konkreter Satz macht Außenstehenden schneller klar, was geschieht.

„Lassen Sie mich los. Ich kenne Sie nicht!“, oder „Das ist nicht meine Mama!“

Auch ein lauter Hilferuf ist richtig. Dein Kind sollte anschließend zu anderen Menschen, in ein geöffnetes Geschäft oder zu einer erkennbaren Anlaufstelle laufen. Verstecken sollte es sich nicht. Die Polizei empfiehlt, genau dieses Verhalten vorher ruhig mit Kindern zu besprechen.


Ein Nein gilt auch gegenüber Erwachsenen

Viele Kinder lernen früh, höflich zu sein und Erwachsenen zu gehorchen. Gleichzeitig müssen sie wissen, dass sie eine Berührung ablehnen, Abstand nehmen und Nein sagen dürfen. Das gilt auch gegenüber Verwandten, Freunden und anderen vertrauten Menschen.

Nimm diese Grenze im Familienalltag ernst. Wenn dein Kind jemanden nicht umarmen oder küssen möchte, sollte es nicht dazu gedrängt werden. So erfährt es, dass sein Körper ihm gehört und ein Nein akzeptiert wird.

Auch Geheimnisse, die Angst machen oder sich falsch anfühlen, darf dein Kind immer erzählen. Es sollte mehrere vertraute Erwachsene kennen, an die es sich wenden kann. Wird ihm nicht zugehört, darf es so lange weitererzählen, bis jemand handelt.

Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch betont die Bedeutung körperlicher Selbstbestimmung und persönlicher Grenzen. Kinder zu stärken kann Risiken verringern, garantiert jedoch keinen vollständigen Schutz. Die Verantwortung trägt niemals das Kind. Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen


Üben ohne Angst zu machen

Du musst dein Kind nicht mit möglichen Gefahren überfordern. Nutze alltägliche Situationen, um die wichtigsten Regeln kurz zu wiederholen. Zeige ihm beim Einkaufen die Information, fragt euch gegenseitig das Familienwort ab und übt deine Telefonnummer.

Verzichte auf erschreckende Tests mit vermeintlich fremden Personen. Die Polizei warnt davor, weil solche Situationen unnötige Angst auslösen können.

Auch ein gut vorbereitetes Kind kann unter Stress erstarren oder eine Regel vergessen. Mache ihm deshalb deutlich, dass es dir alles erzählen darf und niemals Ärger bekommt, weil es falsch reagiert hat.


Wenn jede Minute zählt

Informiere sofort das Personal oder den Sicherheitsdienst und suche die unmittelbare Umgebung ab. Teile mit, wo du dein Kind zuletzt gesehen hast, was es trägt und in welche Richtung es gegangen sein könnte.

Wird es nicht innerhalb kurzer Zeit gefunden oder gibt es Hinweise auf eine Gefahr, rufst du die Polizei unter 110. Du musst keine 24 Stunden warten. Halte das aktuelle Foto bereit und bleibe telefonisch erreichbar.

Die europaweite Rufnummer 116000 unterstützt Familien vermisster Kinder kostenlos und rund um die Uhr. Sie ersetzt nicht den Anruf bei der Polizei. Suchmeldungen und die Veröffentlichung von Fotos solltest du vorher mit den Ermittlern abstimmen.

Dein Kind muss sich nicht zehn Regeln auf einmal merken. Beginne mit den Punkten, die zu seinem Alter passen, und wiederhole sie regelmäßig. Entscheidend ist, dass es weiß, wo es Hilfe findet und dass es dir jederzeit alles erzählen kann.


Nuklearmedizinerin erklärt: Was Frauen über die Schilddrüse, Kinderwunsch und Radioaktivität wissen sollten

Warst du schon einmal bei einer Nuklearmedizinerin? Viele Frauen würden diese Frage verneinen und könnten vermutlich nicht genau erklären, was dort eigentlich untersucht wird.

Allein das Wort „nuklear“ weckt eher Gedanken an Atomkraft und Radioaktivität als an Schilddrüse, Hashimoto oder unerfüllten Kinderwunsch. Dabei kann die Nuklearmedizin gerade bei Beschwerden, die viele Frauen betreffen, eine wichtige Rolle spielen. Sie zeigt nicht nur, wie ein Organ aussieht, sondern macht sichtbar, wie es arbeitet.

Im Interview erklärt Fachärztin Dr. Lilit Schweiger, was eine Nuklearmedizinerin genau macht, wann ihre Diagnostik weiterhelfen kann und was Patientinnen über den Einsatz radioaktiver Substanzen wissen sollten.


Das Unbekannte im Hintergrund: Was macht eine Nuklearmedizinerin?

Healthy Lady: Dr. Schweiger, wenn Sie auf einer Party erzählen, dass Sie Nuklearmedizinerin sind, wie reagieren die Menschen meistens auf diesen Beruf?

Dr. Lilit Schweiger: Die meisten Menschen fragen zunächst, was eine Nuklearmedizinerin überhaupt macht. Viele verbinden ‚Nuklear‘ mit Atomkraft, dabei untersuchen wir die Funktion von Organen und behandeln bestimmte Erkrankungen mit hochspezialisierten Verfahren.

„Viele verbinden ‚Nuklear‘ mit Atomkraft, dabei untersuchen wir die Funktion von Organen und behandeln bestimmte Erkrankungen mit hochspezialisierten Verfahren.“


Healthy Lady: In der Medizin heißt es oft, Radiologen machten Bilder vom Körper, während Sie dem Körper bei der Arbeit zuschauen. Was kann die Nuklearmedizin zeigen, das auf einer Röntgenaufnahme oder im MRT nicht sichtbar wird?

Dr. Lilit Schweiger: Radiologische Verfahren zeigen häufig besonders detailliert die Anatomie und strukturelle Veränderungen. Die Nuklearmedizin macht dagegen vor allem Organfunktionen und Stoffwechselprozesse sichtbar. Dadurch können wir Erkrankungen häufig funktionell erkennen, bevor strukturelle Veränderungen sichtbar sind.

Sie brachte zwei Kinder im Ozean zur Welt. Dann urteilte die ganze Welt

SCHWANGERSCHAFT BIS ZUR 20. WOCHE ÜBERSEHEN! „Auf dem Ultraschall sah ich plötzlich einen riesigen Fuß“

ASMR im Selbsttest – Wie Pinselgeräusche mein Gedankenkarussell stoppten

Was du deinem Kind unbedingt beibringen solltest! 10 Regeln für den Ernstfall


Healthy Lady: Warum haben Sie sich damals für dieses Fachgebiet entschieden und was fasziniert Sie bis heute an Ihrer täglichen Arbeit?

Dr. Lilit Schweiger: Mich hat von Anfang an fasziniert, dass die Nuklearmedizin nicht nur zeigt, wie ein Organ aussieht, sondern vor allem, wie es funktioniert. Genau diese funktionelle Sichtweise macht unser Fach einzigartig. Besonders begeistert mich die Verbindung aus modernster Technologie, Physiologie und direktem klinischen Nutzen. Jede Untersuchung beantwortet eine konkrete medizinische Fragestellung und hilft dabei, für Patientinnen und Patienten die richtige Therapieentscheidung zu treffen.

Außerdem ist die Nuklearmedizin ein ausgesprochen innovatives Fachgebiet. Neue Radiopharmaka, moderne PET/CT- und PET/MRT-Verfahren sowie gezielte Therapien entwickeln sich rasant weiter. Gerade diese Dynamik und der wissenschaftliche Aspekt machen meinen Beruf bis heute unglaublich spannend.

„Die Nuklearmedizin zeigt, wie Organe arbeiten und wie Stoffwechselprozesse funktionieren. Dadurch können wir Erkrankungen häufig funktionell erkennen, bevor strukturelle Veränderungen sichtbar sind.“


Das unbekannte Fach, das Frauen Antworten geben kann

Healthy Lady: Warum wissen ausgerechnet so wenige Frauen, dass es diese medizinische Richtung überhaupt gibt und dass sie dort wichtige Hilfe finden können?

Dr. Lilit Schweiger: Die Nuklearmedizin arbeitet oft im Hintergrund. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von unseren Untersuchungen und Therapien, ohne überhaupt zu wissen, dass diese aus der Nuklearmedizin stammen.

Ich wünsche mir deshalb, dass unser Fach sichtbarer wird. Viele Frauen würden dadurch deutlich früher die passende Diagnostik erhalten, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten die Nuklearmedizin heute bietet.


Healthy Lady: Mit welchen zunächst unspezifischen Beschwerden werden Frauen besonders häufig zur weiteren Abklärung an Sie überwiesen?

Dr. Lilit Schweiger: Viele denken vor allem an Schilddrüsenerkrankungen – tatsächlich ist unser Fachgebiet aber wesentlich breiter. Wir betreuen Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen und arbeiten eng mit vielen anderen medizinischen Fachrichtungen zusammen.

Gerade bei Schilddrüsenerkrankungen sehen wir häufig Frauen mit Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Herzrasen, Gewichtszunahme oder unerfülltem Kinderwunsch. Gleichzeitig spielt die Nuklearmedizin aber auch eine zentrale Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose sowie in der Diagnostik und Therapie zahlreicher Tumorerkrankungen.

Durch moderne Verfahren wie PET/CT können wir Stoffwechselprozesse sichtbar machen und dadurch Erkrankungen häufig früher oder präziser beurteilen, als dies allein mit anatomischen Bildgebungen möglich wäre.

Darüber hinaus unterstützen wir auch bei Fragestellungen wie unklarem Fieber, chronischen Entzündungen oder bei ausgewählten Aspekten der Demenzdiagnostik.

„Viele Frauen würden deutlich früher die passende Diagnostik erhalten, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten die Nuklearmedizin heute bietet.“


Schlüsselorgan Schilddrüse: Kinderwunsch, Erschöpfung und die Psyche

Healthy Lady: Welche Bedeutung hat die Schilddrüse bei unerfülltem Kinderwunsch und während einer Schwangerschaft?

Dr. Lilit Schweiger: Die Schilddrüse beeinflusst nahezu alle Stoffwechselprozesse des Körpers und spielt auch bei Kinderwunsch und Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können den weiblichen Zyklus, den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Deshalb sollte die Schilddrüsenfunktion im Rahmen der Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches mitberücksichtigt und bei entsprechender Indikation überprüft werden. Eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion ist außerdem für eine gesunde Schwangerschaft von großer Bedeutung.

Fachärztin für Nuklearmedizin
Dr. Lilit Schweiger


Healthy Lady: Warum ist es so schwierig, Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Gewichtszunahme eindeutig der Schilddrüse zuzuordnen?

Dr. Lilit Schweiger: Viele dieser Beschwerden sind unspezifisch und können zahlreiche Ursachen haben. Genau deshalb ist eine sorgfältige medizinische Abklärung wichtig. Nicht jede Müdigkeit oder Gewichtszunahme ist auf die Schilddrüse zurückzuführen – manchmal steckt beispielsweise auch ein Eisenmangel, ein Vitaminmangel oder eine andere internistische Erkrankung dahinter.

„Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können den weiblichen Zyklus, den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit beeinflussen.“


Healthy Lady: Schilddrüsenfunktionsstörungen können sich auch auf Stimmung, Antrieb und innere Ruhe auswirken. Wie lässt sich verhindern, dass körperliche und psychische Ursachen gegeneinander ausgespielt oder wichtige Zusammenhänge übersehen werden?

Dr. Lilit Schweiger: Ich wünsche mir vor allem mehr Aufklärung. Viele Frauen leiden über Monate oder sogar Jahre unter Beschwerden, ohne zu wissen, dass auch eine Schilddrüsenerkrankung dahinterstecken könnte. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht jede Erschöpfung oder depressive Verstimmung vorschnell der Schilddrüse zuzuschreiben. Gute Medizin bedeutet, sorgfältig zu differenzieren und jede Patientin individuell zu betrachten. Genau dabei kann die Nuklearmedizin einen wichtigen Beitrag leisten.


Radioaktivität in der Medizin und was du darüber wissen solltest

Healthy Lady: Das Wort „nuklear“ oder „radioaktiv“ löst bei vielen Menschen sofort Unbehagen aus. Was sollten Patientinnen über die Sicherheit und Strahlenbelastung einer Untersuchung wissen?

Dr. Lilit Schweiger: Tatsächlich arbeiten wir mit sehr geringen Mengen radioaktiver Substanzen. Sie werden ausschließlich dann eingesetzt, wenn die Untersuchung medizinisch gerechtfertigt ist und der erwartete Nutzen das mit der Strahlenexposition verbundene Risiko überwiegt.

Die Verfahren sind gut etabliert und die Strahlenexposition wird auf das für die jeweilige Fragestellung notwendige Maß begrenzt.

Besondere Situationen wie Schwangerschaft oder Stillzeit werden selbstverständlich individuell berücksichtigt. Falls erforderlich, erhalten Patientinnen und Patienten anschließend entsprechende Verhaltensempfehlungen

„Gute Medizin bedeutet, sorgfältig zu differenzieren und jede Patientin individuell zu betrachten.“


Wenn die Seele noch am Meer sitzt: Wie der Weg zurück in den Alltag leichter gelingt

Vor wenigen Stunden war da noch dieses andere Leben. Das Meer in schimmerndem Türkis, der weiße Sand warm zwischen den Zehen und Abende, die zeitlos in die Nacht übergingen. Dann das dumpfe Rumpeln. Die Räder setzen auf. Wieder der Heimatboden.

Ein synchrones Klacken von Anschnallgurten. Die Handys erwachen aus dem Flugmodus und saugen sich gierig an die Sendemasten fest. Noch bevor das Flugzeug seine Parkposition erreicht hat, platzt der Alltag in die Kabine. Push-Nachrichten ploppen auf, der Wetterbericht meldet grauen Dauerregen, und irgendwo im Hinterkopf meldet sich der Terminkalender für morgen Früh. Zu Hause warten vertrocknete Zimmerpflanzen, ein gähnend leerer Kühlschrank und ein Koffer, der sich nicht von alleine auspackt. Eben noch fühlte sich die Welt endlos weit und leicht an. Jetzt zieht sie sich schlagartig wie eine Schlinge zusammen.

Und dann schleicht sie sich ein. Diese seltsame Traurigkeit, die so überhaupt nicht zu den sonnenverwöhnten Schnappschüssen auf dem Display passen will. Man ist müde, obwohl man sich doch erholt haben müsste. Unkonzentriert, gereizt, völlig antriebslos. Am liebsten würde man sofort den nächsten Flug buchen oder wenigstens Urlaub vom Urlaub nehmen.

Was viele fälschlicherweise für Undankbarkeit oder schlechte Laune halten, hat in der Psychologie längst einen festen Namen: Post-Holiday-Syndrom – der harte Aufprall nach dem Traum.


Der Koffer ist zurück. Die Seele noch nicht

Das Post Holiday Syndrom beschreibt ein vorübergehendes Stimmungstief nach der Rückkehr aus dem Urlaub. Typisch sind Niedergeschlagenheit, innere Unruhe, Reizbarkeit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und das Gefühl, vom Alltag geradezu überrollt zu werden. Manche Menschen empfinden außerdem starke Sehnsucht nach dem Urlaubsort oder ungewöhnlich große Abneigung gegen die Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Wichtig ist jedoch die richtige Einordnung. Das Post Holiday Syndrom ist keine anerkannte psychische Erkrankung und keine medizinische Diagnose. Der Begriff beschreibt vielmehr eine meist kurzfristige Anpassungsreaktion. Der Körper ist bereits zu Hause. Gedanken, Schlafrhythmus und Nervensystem brauchen noch etwas Zeit, um ebenfalls anzukommen.

Der Urlaubsblues ist deshalb nicht dasselbe wie eine Depression. Während das Stimmungstief nach dem Urlaub normalerweise nach einigen Tagen wieder abklingt, hält eine Depression länger an und beeinflusst häufig mehrere Lebensbereiche.


Warum die Landung manchmal auch im Inneren hart ist

Im Urlaub verändern sich nicht nur Ort und Wetter. Unser gesamter Tagesablauf folgt plötzlich anderen Regeln. Wir schlafen länger, bewegen uns anders, erleben Neues und können häufiger selbst entscheiden, was wir wann tun. Berufliche Anforderungen, Termine und viele wiederkehrende Pflichten treten in den Hintergrund.

Nach der Rückkehr prallen zwei Lebenswelten aufeinander. Auf der einen Seite Freiheit, Abwechslung und Selbstbestimmung. Auf der anderen Seite Wecker, Verpflichtungen, unbeantwortete Nachrichten und eine lange Liste mit Aufgaben. Je größer dieser Kontrast ist, desto härter kann sich der Übergang anfühlen.

Auch im Gehirn geschieht einiges. Neue Orte, ungewohnte Eindrücke und besondere Erlebnisse beanspruchen unsere Aufmerksamkeit. Im Alltag dagegen kehren bekannte Abläufe zurück. Das Leben wirkt plötzlich weniger intensiv. Nicht unbedingt, weil es schlechter ist, sondern weil es wieder vorhersehbarer geworden ist.

Hinzu kommen körperliche Faktoren. Späte Abende, ungewohnte Essenszeiten, lange Autofahrten, ein Nachtflug oder eine Zeitverschiebung können den Schlafrhythmus durcheinanderbringen. Schlafmangel und Jetlag wirken sich wiederum auf Stimmung, Energie und Konzentration aus. Was sich wie eine seelische Leere anfühlt, kann deshalb teilweise auch ein erschöpfter Körper sein.


Urlaub wirkt. Nur leider nicht unbegrenzt

Dass wir uns nach einer Reise erholter fühlen, ist keine Einbildung. Eine viel zitierte Metaanalyse von Jessica de Bloom und ihrem Forschungsteam untersuchte sieben Studien zu Urlaub, Gesundheit und Wohlbefinden. Das Ergebnis zeigte einen positiven Urlaubseffekt. Besonders Erschöpfung und körperliche Beschwerden verbesserten sich. Gleichzeitig verblasste ein Teil dieser Wirkung nach der Rückkehr innerhalb weniger Wochen wieder. Die Metaanalyse erschien im Journal of Occupational Health.

Eine neuere Metaanalyse von Franziska Speth, Johannes Wendsche und Jürgen Wegge wertete dreizehn Untersuchungen aus. Auch sie kam zu dem Ergebnis, dass Urlaub das Wohlbefinden verbessert. Die positiven Effekte nahmen nach der Rückkehr jedoch kontinuierlich ab und waren in der zweiten Arbeitswoche häufig nicht mehr nachweisbar. Die Ergebnisse wurden im European Psychologist veröffentlicht.

Besonders anschaulich ist eine Untersuchung mit 54 Beschäftigten, deren Wohlbefinden vor, während und nach einem längeren Sommerurlaub mehrfach erfasst wurde. Die Reisen dauerten durchschnittlich 23 Tage. Das Wohlbefinden stieg schnell an und erreichte ungefähr am achten Urlaubstag seinen Höhepunkt. Bereits in der ersten Woche nach der Rückkehr näherte es sich jedoch wieder dem Ausgangsniveau.

Entscheidend war weniger die reine Länge des Urlaubs als das Erleben während der freien Zeit. Entspannung, Genuss, guter Schlaf und das Gefühl, selbst über die eigene Zeit bestimmen zu können, standen mit einer stärkeren Erholung in Verbindung. Die Untersuchung erschien im Journal of Happiness Studies.

Urlaub ist also kein dauerhafter Schutzschild gegen einen überfordernden Alltag. Er kann unsere Kraftreserven auffüllen. Wenn danach jedoch sofort dieselben Belastungen zurückkehren, werden diese Reserven erneut verbraucht.


Für viele Frauen beginnt zu Hause die zweite Rückreise

Der Urlaubsblues betrifft nicht nur Frauen. Dennoch kann die Rückkehr für sie eine besondere Wucht entwickeln. Gerade bei Familienreisen endet mit der Landung nicht nur die Erholung. Oft beginnt unmittelbar die unsichtbare Organisationsarbeit.

Die Koffer müssen ausgepackt, die Wäsche sortiert und der Kühlschrank gefüllt werden. Termine müssen geprüft und Kinder wieder an ihre Schlafenszeiten gewöhnt werden. Gleichzeitig wartet der eigene berufliche Wiedereinstieg.

Wer bereits im Urlaub einen großen Teil der Planung und Fürsorge übernommen hat, kehrt womöglich gar nicht vollständig erholt zurück. Dann trifft Reiseerschöpfung auf Mental Load. Der Satz, man brauche nun Urlaub vom Urlaub, ist in solchen Fällen keine Übertreibung. Er beschreibt eine Erholung, die durch Verantwortung immer wieder unterbrochen wurde. Deshalb lohnt sich nach der Reise eine ehrliche Frage.

Vermisse ich wirklich nur das Meer oder vermisse ich die Version meines Lebens, in der nicht alles gleichzeitig von mir verlangt wurde?


Vielleicht vermissen wir nicht den Ort, sondern uns selbst

Manchmal zeigt der Urlaubsblues mehr als bloße Sehnsucht. Im Urlaub begegnen wir einer Seite von uns, für die im Alltag wenig Platz bleibt. Wir lesen wieder. Schwimmen morgens. Ziehen etwas Schönes an, ohne einen besonderen Anlass zu brauchen. Reden länger mit unserem Partner. Lachen mit Freundinnen. Sitzen still da, ohne sofort die nächste Aufgabe zu suchen. Nach der Rückkehr fehlt dann nicht nur der Strand. Es fehlt die Frau, die dort zum Vorschein kam.

Dieses Gefühl muss nicht sofort zu einer radikalen Lebensentscheidung führen. Es kann aber ein wertvoller Hinweis sein. Vielleicht braucht der Alltag nicht mehr Disziplin, sondern mehr von dem, was im Urlaub gutgetan hat. Mehr Bewegung. Mehr Nähe. Mehr Natur. Weniger Erreichbarkeit. Oder schlicht Zeiten, in denen niemand etwas von uns will.


So gelingt die sanfte Landung

Einen Puffertag einplanen
Wenn es möglich ist, sollte die Rückreise nicht am späten Sonntagabend enden, wenn am Montagmorgen bereits der erste Termin wartet. Ein freier Tag zwischen Heimkehr und Arbeitsbeginn schafft Raum für Schlaf, Einkaufen, Wäsche und inneres Ankommen. Auch Familien profitieren davon, Mahlzeiten und Schlafenszeiten schrittweise wieder an den gewohnten Rhythmus anzupassen. Die Psychologin Jessica Glass Kendorski empfiehlt ebenfalls, nach längeren Reisen möglichst einen Übergangstag einzuplanen. Ihre Hinweise veröffentlichte das Philadelphia College of Osteopathic Medicine.

Nicht am ersten Tag das ganze Leben aufholen
Der Posteingang muss nicht in zwei Stunden leer sein. Die gesamte Wäsche muss nicht noch am Ankunftsabend gewaschen werden. Setze für die ersten Tage wenige realistische Prioritäten. Was ist heute wirklich notwendig? Was darf bis morgen warten? Der Versuch, sofort wieder hundert Prozent zu leisten, macht aus dem Übergang einen Aufprall.

Den Schlaf zuerst wieder in Ordnung bringen
Ein stabiler Schlafrhythmus hilft Körper und Psyche, in den Alltag zurückzufinden. Morgendliches Tageslicht, regelmäßige Schlafenszeiten, Bewegung am Tag und weniger helles Bildschirmlicht am späten Abend unterstützen die innere Uhr. Nach Reisen über mehrere Zeitzonen benötigt sie meist länger als nach einem Urlaub innerhalb Europas. Müdigkeit sollte in dieser Phase nicht mit mangelnder Motivation verwechselt werden.

Ein Stück Urlaub mit nach Hause nehmen
Nicht jedes schöne Ritual muss am Abflugschalter enden. Das Frühstück auf dem Balkon, ein Abendspaziergang, Musik aus dem Urlaub, ein Gericht aus der Ferienregion oder eine feste Stunde ohne Handy können zu kleinen Brücken zwischen Reise und Alltag werden. Entscheidend ist nicht die perfekte Kopie des Urlaubs. Wichtiger ist die Frage, welches Bedürfnis hinter dem schönen Erlebnis stand. War es Ruhe? Bewegung? Nähe? Freiheit? Oder das seltene Gefühl, gerade nirgendwo anders sein zu müssen?

Vorfreude statt Flucht organisieren
Ein nächstes schönes Erlebnis muss keine Fernreise sein. Ein Abend mit Freundinnen, ein Konzert, ein Ausflug ans Wasser oder ein freies Wochenende gibt dem Blick wieder eine Richtung. Eine niederländische Untersuchung mit 1530 Personen zeigte, dass Urlauber bereits vor ihrer Reise glücklicher waren als Menschen ohne Reisepläne. Die Vorfreude spielte dabei eine wichtige Rolle. Nach der Reise waren die meisten Urlauber dagegen nicht glücklicher als die Vergleichsgruppe. Die Untersuchung ist frei zugänglich veröffentlicht. Wir brauchen also nicht ständig Urlaub. Wir brauchen aber Dinge, auf die wir uns freuen können.

Erinnerungen bewahren, ohne darin stecken zu bleiben
Ein Fotoalbum, ein Reisetagebuch oder ein gemeinsamer Abend mit den Urlaubsbildern kann helfen, das Erlebte bewusst abzuschließen. Erinnern ist etwas anderes als pausenloses Zurücksehnen. Das Ziel besteht nicht darin, den Urlaub festzuhalten. Er soll als etwas Schönes in das eigene Leben integriert werden.

Die Arbeit nicht schon am Strand zurückholen
Wer im Urlaub ständig berufliche Nachrichten liest, bleibt innerlich mit den Anforderungen verbunden. Psychologische Distanz zur Arbeit gehört zu den wichtigsten Bedingungen für echte Erholung. Falls vollständige Unerreichbarkeit nicht möglich ist, helfen klar begrenzte Zeiten. Ein kurzes festes Zeitfenster belastet meist weniger als das dauernde Prüfen des Handys.

Aufgaben zu Hause sichtbar verteilen
Nach einem Familienurlaub sollte die Nacharbeit nicht automatisch an einer Person hängenbleiben. Auspacken, Einkaufen, Wäsche und die Vorbereitung auf Kita, Schule oder Arbeit lassen sich aufteilen. Eine faire Rückkehr ist Teil einer guten Reiseplanung. Sie sollte nicht erst dann zum Thema werden, wenn eine Person erschöpft zwischen offenen Koffern steht.


Der Urlaubsblues kann eine Nachricht sein

Wenn die Traurigkeit nach wenigen Tagen nachlässt, spricht vieles für eine normale Anpassungsreaktion. Bleibt sie jedoch bestehen, lohnt sich ein genauerer Blick.

Vielleicht ist nicht die Rückkehr das eigentliche Problem, sondern das, wohin man zurückkehrt.

Starke Abneigung gegen die Arbeit, dauerhafte Erschöpfung, Schlafprobleme und das Gefühl, den Alltag kaum noch bewältigen zu können, können Hinweise auf chronische Überlastung oder ein erhöhtes Burnoutrisiko sein. Ein Urlaub kann eine solche Belastung kurz überdecken. Er löst sie aber nicht.

Wer sich ausschließlich im Urlaub lebendig fühlt, sollte deshalb nicht nur die nächste Reise planen. Es lohnt sich, den eigenen Alltag ehrlich zu betrachten. Welche Belastung kehrt immer wieder? Was raubt dauerhaft Energie? Wo fehlen Grenzen, Unterstützung oder echte Erholungszeiten?


Wann aus einem Tief ein Warnsignal wird

Der Begriff Post Holiday Syndrom darf ernsthafte Beschwerden nicht verharmlosen. Halten Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Interessenverlust länger als etwa zwei Wochen an, werden sie stärker oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, ist ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll.

Das gilt besonders bei ausgeprägter Hoffnungslosigkeit, starken Ängsten, sozialem Rückzug oder Gedanken, sich etwas anzutun.

Ein vorübergehendes Tief nach einer schönen Reise ist menschlich. Eine anhaltende Depression ist etwas anderes und verdient professionelle Hilfe.