Allgemein

Bin ich schon in der Perimenopause? Diese Veränderungen können Jahre vor der letzten Periode beginnen

Deine Periode kommt plötzlich eine Woche früher. Nachts wachst du auf und bist hellwach, obwohl du früher problemlos durchgeschlafen hast. Kurz vor deiner Menstruation fühlst du dich emotionaler als sonst. Und irgendwann stehst du da und fragst dich: Was ist eigentlich gerade mit meinem Körper los?

An Wechseljahre denkst du vielleicht noch gar nicht. Schließlich hast du deine Periode noch und bist möglicherweise erst Anfang oder Mitte 40. Genau hier liegt eines der größten Missverständnisse rund um die Menopause. Die hormonelle Umstellung beginnt nicht erst mit der letzten Regelblutung.

Die Jahre davor werden als Perimenopause bezeichnet. In dieser Zeit verändert sich die Funktion der Eierstöcke, Hormone schwanken und der Menstruationszyklus kann sich verändern. Welche Beschwerden auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, unterscheidet sich erheblich von Frau zu Frau. 

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Perimenopause und Menopause sind nicht dasselbe

Die Begriffe werden häufig durcheinandergebracht.

Die Menopause bezeichnet rückblickend die letzte Menstruation. Erst wenn zwölf Monate lang keine Periode mehr aufgetreten ist und dafür keine andere Ursache wie eine hormonelle Verhütung verantwortlich ist, lässt sich dieser Zeitpunkt entsprechend einordnen. 

Die Perimenopause ist dagegen die Übergangsphase davor. Und genau deshalb kannst du durchaus noch regelmäßig oder zumindest gelegentlich menstruieren und trotzdem bereits Veränderungen bemerken.

Typisch ist, dass sich irgendwann auch der Zyklus verändert. Deine Blutung kann früher oder später kommen, die Abstände können unregelmäßiger werden. Aber nicht jede Frau erlebt die gleiche Kombination von Beschwerden.


Woran kannst du die Perimenopause bemerken?

Hitzewallungen und Nachtschweiß sind wahrscheinlich die bekanntesten Symptome. Die aktuelle NICE-Leitlinie nennt darüber hinaus unter anderem Veränderungen des Menstruationszyklus, depressive Symptome beziehungsweise Stimmungseffekte, vaginale Trockenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie sexuelle Beschwerden wie vermindertes sexuelles Verlangen. Auch Schlafprobleme können im Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden auftreten. 

Das Tückische daran ist, dass viele dieser Beschwerden nicht ausschließlich in der Perimenopause vorkommen.

Wenn du schlecht schläfst und erschöpft bist, kann das zahlreiche andere Gründe haben. Stimmungsschwankungen können hormonell beeinflusst sein, aber auch andere Ursachen haben. Gelenkschmerzen bedeuten nicht automatisch Wechseljahre. Deshalb ist eine Symptomliste im Internet keine Diagnose.

GUT ZU WISSEN:
Kann ein Bluttest zeigen, ob du in der Perimenopause bist?
Ein Bluttest beim Gynäkologen kann anhand bestimmter Hormonwerte Hinweise darauf geben, wie deine Eierstöcke aktuell arbeiten. Da die Hormone in der Perimenopause jedoch stark schwanken können, lässt sich die Perimenopause nicht anhand eines einzelnen Blutwertes sicher bestätigen oder ausschließen. Entscheidend sind deshalb auch dein Alter, deine Beschwerden und Veränderungen deines Zyklus.


„Aber ich habe doch noch jeden Monat meine Periode“

Das schließt eine beginnende hormonelle Übergangsphase nicht grundsätzlich aus. Gerade am Anfang müssen Veränderungen nicht spektakulär sein. Vielleicht verschiebt sich dein Zyklus zunächst nur etwas. Andere Frauen bemerken zuerst Hitzewallungen oder nächtliches Schwitzen. Doch trotzdem nicht jede Veränderung ab 40 ist automatisch die Perimenopause.

Eine Schilddrüsenerkrankung, Eisenmangel beziehungsweise Anämie, psychische Erkrankungen, Schlafstörungen, Medikamente und andere körperliche Ursachen können Beschwerden verursachen, die sich teilweise überschneiden. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt deshalb von deinen konkreten Symptomen und deiner medizinischen Vorgeschichte ab. NICE weist darauf hin, dass beispielsweise Blutbild oder Schilddrüsenwerte weiterhin sinnvoll sein können, wenn andere Ursachen vermutet werden. 


Was solltest du bei Veränderungen deiner Blutung beachten?

Ein veränderter Zyklus kann zur Perimenopause gehören. Trotzdem solltest du auffällige Blutungen nicht einfach mit „Das sind eben die Wechseljahre“ abhaken.

Sehr starke oder ungewöhnliche Blutungen, Blutungen zwischen den Perioden oder nach dem Sex sowie Blutungen, die dir Sorgen machen, gehören ärztlich abgeklärt. Besonders wichtig ist eine Untersuchung, wenn nach mindestens zwölf Monaten ohne Menstruation erneut eine vaginale Blutung auftritt.


Was kannst du tun, wenn die Beschwerden dich belasten?

Wenn Beschwerden deine Lebensqualität beeinträchtigen, kannst du bereits während der Perimenopause mit deiner Gynäkologin oder deiner Hausarztpraxis darüber sprechen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von deinen Beschwerden, deiner Krankengeschichte, persönlichen Risikofaktoren und deinen Wünschen ab.

Bei vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen ist eine Hormonersatztherapie eine mögliche wirksame Behandlung. Die aktuelle NICE-Leitlinie empfiehlt, Nutzen und Risiken individuell zu besprechen. Auch menopause-spezifische kognitive Verhaltenstherapie kann bei bestimmten Beschwerden eine Option sein, beispielsweise bei vasomotorischen Symptomen und damit verbundenen Schlafproblemen. 


Quellen und weiterführende Informationen

Die zentrale fachliche Grundlage ist die im April 2026 aktualisierte NICE-Leitlinie „Menopause: identification and management“. 

NICE Leitlinie zu Perimenopause und Menopause
NICE Qualitätsstandard zur Diagnose der Perimenopause
University College London Hospitals, Understanding Menopause

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnose oder Behandlung.

Ungeschminkt geschminkt: So funktioniert der No-Make-up-Look wirklich

Du hast Concealer, Foundation, Rouge, Mascara und vielleicht sogar Bronzer benutzt und sollst am Ende aussehen, als hättest du kaum Make-up im Gesicht. Klingt ein bisschen widersprüchlich. Genau das ist aber die Idee hinter No-Make-up-Make-up.

Statt jede Rötung, Pore und Unebenheit verschwinden zu lassen, soll deine Haut noch wie Haut aussehen. Sommersprossen dürfen sichtbar bleiben, die Wangen bekommen etwas Farbe und selbst kleine Unebenheiten müssen nicht komplett abgedeckt werden.

Der Look wirkt unkompliziert. Tatsächlich entscheidet aber gerade beim natürlichen Make-up die richtige Dosierung darüber, ob dein Gesicht frisch oder am Ende doch stark geschminkt aussieht.

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Fang nicht mit der Foundation an

Der größte Unterschied entsteht oft schon vor dem Make-up.

Wenn deine Haut trocken und schuppig ist, wird eine Foundation diese Struktur nicht einfach verschwinden lassen. Im Gegenteil, Make-up kann sich an trockenen Stellen absetzen und sie dadurch noch sichtbarer machen.

Reinige dein Gesicht deshalb wie gewohnt und verwende eine Feuchtigkeitspflege, die zu deiner Haut passt. Die American Academy of Dermatology empfiehlt, Feuchtigkeitspflege auf noch leicht feuchte Haut aufzutragen. Tagsüber gehört außerdem ein Breitband-Sonnenschutz mit mindestens SPF 30 zur Hautpflege.

Gib deinen Pflegeprodukten kurz Zeit, sich zu setzen, bevor du mit dem Make-up beginnst. Wenn du sofort mehrere Schichten übereinander aufträgst, kann sich das Make-up später leichter abrollen.

GUT ZU WISSEN:
Deine Tagespflege muss nicht besonders reichhaltig sein, damit dein Make-up schön aussieht. Entscheidend ist, dass sie zu deiner Haut passt. Wenn Foundation auf deiner Nase oder Stirn schnell verschwindet, während sie an den Wangen trocken aussieht, musst du außerdem nicht zwangsläufig überall dieselbe Menge Pflege verwenden.


Verdeck nicht dein ganzes Gesicht

Hier passiert beim No-Make-up-Look wahrscheinlich der häufigste Fehler.

Du möchtest drei kleine Rötungen abdecken und trägst dafür eine deckende Foundation über dein komplettes Gesicht auf. Plötzlich verschwinden aber auch natürliche Farbunterschiede, Sommersprossen und ein Teil der Hautstruktur. Versuch es andersherum.

Schau zuerst in den Spiegel und entscheide, was dich tatsächlich stört. Vielleicht brauchst du nur etwas Concealer um die Nase, an einem Pickel und unter den Augen.

Wenn du insgesamt etwas ausgleichen möchtest, kannst du eine leichte Foundation oder einen Skin Tint dünn von der Gesichtsmitte nach außen verteilen. Wo deine Haut ohnehin ebenmäßig aussieht, darf fast nichts liegen.

Das Ergebnis wirkt häufig natürlicher als eine gleichmäßig deckende Schicht.


Concealer gehört nicht automatisch unter das ganze Auge

Große helle Concealer-Dreiecke unter den Augen können das Gesicht stark verändern. Für einen natürlichen Look brauchst du meist wesentlich weniger.

Setze Concealer gezielt dort ein, wo tatsächlich Schatten liegen. Häufig befindet sich der dunkelste Bereich eher am inneren Augenwinkel beziehungsweise entlang der Vertiefung unter dem Auge.

Beginne mit einer kleinen Menge und arbeite sie ein. Mehr kannst du immer noch hinzufügen.

Wenn sich Concealer bei dir schnell in feinen Linien sammelt, hilft vor allem eines: weniger Produkt. Eine dicke Schicht wird nicht automatisch glatter, nur weil du anschließend mehr Puder darüber gibst.


Cremeprodukte können besonders natürlich wirken

Rouge ist beim No-Make-up-Look wichtiger, als du vielleicht denkst.

Wenn Foundation und Concealer Rötungen reduzieren, verschwindet gleichzeitig ein Teil der natürlichen Farbe aus deinem Gesicht. Ein wenig Rouge bringt diese Dimension zurück.

Creme- und Flüssigtexturen lassen sich häufig sehr dünn in die Haut einarbeiten. Setze zunächst wenig Produkt auf die Wangen und verblende es, bevor du nachlegst.

Ein guter Test ist der Blick bei Tageslicht. Wenn du zuerst das Rouge und erst danach dein Gesicht wahrnimmst, war es für diesen Look wahrscheinlich etwas zu viel.

Bronzer ist übrigens kein Pflichtprogramm. Wenn deine Haut ohne ihn frisch aussieht, lass ihn einfach weg.


Puder nur dort, wo du ihn wirklich brauchst

Das ganze Gesicht großzügig abzupudern kann genau den Effekt zerstören, den du gerade aufgebaut hast.

Wenn deine T-Zone schnell glänzt, setze eine kleine Menge Puder gezielt auf Stirn, Nase und Kinn. Unter den Augen kann ebenfalls eine sehr dünne Schicht sinnvoll sein, wenn dein Concealer sonst stark verrutscht.

Deine Wangen müssen aber nicht komplett matt sein. Natürliche Haut reflektiert Licht. Ein leichter Glanz ist deshalb nicht automatisch etwas, das du beseitigen musst.

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Bei den Augen darfst du auf Perfektion verzichten

Für einen No-Make-up-Look brauchst du keine komplizierte Lidschattenpalette.

Bürste deine Augenbrauen in Form und fülle nur sichtbare Lücken auf. Statt eine komplett neue Brauenform zu zeichnen, orientiere dich an deinem natürlichen Verlauf.

Bei den Wimpern kann bereits eine dünne Schicht Mascara reichen. Wenn schwarze Mascara bei sehr hellem Typ schnell hart wirkt, kann Braun eine weichere Alternative sein.

Auch hier gilt, dass der Look nicht davon lebt, möglichst viele Produkte zu benutzen. Er lebt davon, dass kein einzelnes Produkt die Aufmerksamkeit übernimmt.

DEIN 5-MINUTEN-LOOK:
Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz, punktuell Concealer, etwas Creme-Rouge, Augenbrauen bürsten, eine dünne Schicht Mascara und Lippenpflege. Wenn dir das Ergebnis gefällt, bist du fertig. Du brauchst nicht noch drei Schritte, nur weil sie in einem Tutorial vorkommen.


Und was kommt auf die Lippen?

Eine Lippenfarbe, die deiner natürlichen Lippenfarbe ähnelt, funktioniert besonders unkompliziert. Du kannst einen getönten Balm verwenden oder deinen Lippenstift mit dem Finger auftupfen, statt ihn vollkommen deckend aufzutragen.

Wenn deine Lippenkontur dadurch etwas weniger perfekt aussieht, ist das sogar erwünscht. Der gesamte Look lebt davon, dass nichts zu exakt wirkt.


Der wichtigste Trick kostet keinen Cent

Bevor du dein Make-up für fertig erklärst, geh ans Fenster. Badezimmerlicht kann täuschen. Tageslicht zeigt dir ziemlich zuverlässig, ob sich Foundation am Haaransatz gesammelt hat, der Concealer zu hell ist oder das Rouge plötzlich viel intensiver aussieht als gedacht. Und dann hör auf, sobald es gut aussieht.

Genau das ist vielleicht die eigentliche Kunst hinter No-Make-up-Make-up. Nicht möglichst wenig Make-up zu besitzen, sondern zu wissen, wann genug auf deinem Gesicht ist.

Deine Poren dürfen sichtbar bleiben. Deine Haut muss nicht überall dieselbe Farbe haben. Und eine kleine Falte unter deinem Auge muss nicht mit fünf Schichten Concealer verschwinden. Denn der schönste No-Make-up-Look sieht nicht danach aus, als hättest du perfekte Haut. Er sieht aus wie deine Haut an einem richtig guten Tag.


Quellen und weiterführende Informationen

American Academy of Dermatology, Hautpflege bei trockener Haut

American Academy of Dermatology, Sonnenschutz richtig auswählen

Hinweis: Die Make-up-Empfehlungen in diesem Artikel sind kosmetische Anwendungstipps und keine medizinischen Behandlungsempfehlungen.

Multiple Sklerose: Was hinter der „Krankheit der 1.000 Gesichter“ steckt

Ein Kribbeln, das einfach nicht verschwinden will. Plötzlich sieht ein Auge verschwommen oder der eigene Körper fühlt sich ungewöhnlich kraftlos an. Solche Beschwerden können viele verschiedene Ursachen haben und bedeuten keineswegs automatisch Multiple Sklerose. Wenn neurologische Symptome jedoch neu auftreten oder anhalten, solltest du sie ärztlich abklären lassen.

Denn Multiple Sklerose, kurz MS, kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen. Während eine Frau zunächst Sehstörungen entwickelt, beginnt die Erkrankung bei einer anderen vielleicht mit Taubheitsgefühlen oder Problemen beim Gehen. Nicht ohne Grund wird MS deshalb auch als „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ bezeichnet. 

Bin ich schon in der Perimenopause? Diese Veränderungen können Jahre vor der letzten Periode beginnen

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Was passiert bei Multipler Sklerose?

Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dazu gehören dein Gehirn und dein Rückenmark.

Bei MS spielen fehlgeleitete Immunreaktionen eine zentrale Rolle. Entzündliche Prozesse können unter anderem die Myelinscheiden schädigen, die Nervenfasern umgeben und für eine störungsfreie Weiterleitung von Signalen wichtig sind. Je nachdem, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind, können ganz unterschiedliche Beschwerden entstehen. Genau das macht MS so individuell. Es gibt nicht den einen Verlauf, den jede Betroffene durchläuft.

GUT ZU WISSEN
Multiple Sklerose ist nicht ansteckend und bedeutet auch nicht automatisch, irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Solche Vorstellungen gehören zu den hartnäckigen Vorurteilen rund um die Erkrankung.
 


Welche Symptome können bei MS auftreten?

Zu den möglichen Beschwerden gehören unter anderem Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, Muskelschwäche, Probleme mit Gleichgewicht und Koordination, Schmerzen, Schwindel und Blasenstörungen.

Auch weniger sichtbare Symptome können eine große Rolle spielen. Dazu gehören beispielsweise Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme sowie Fatigue, eine krankheitsbedingte, ungewöhnlich starke Erschöpfbarkeit. 

Vielleicht erkennst du einzelne dieser Beschwerden von dir selbst. Das bedeutet jedoch nicht, dass du MS hast. Gerade Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder Kribbeln können zahlreiche Ursachen haben.

Deshalb ist Googeln an dieser Stelle selten die beste Idee. Wenn etwas neu, ungewöhnlich oder anhaltend ist, lass es medizinisch einordnen.


Warum betrifft MS besonders viele Frauen?

MS beginnt häufig im jungen Erwachsenenalter. Nach Angaben der DMSG treten bei ungefähr zwei Dritteln der Erkrankten die ersten Symptome zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Angaben zum genauen Verhältnis unterscheiden sich je nach Datengrundlage, die DMSG beschreibt jedoch eindeutig eine höhere Erkrankungshäufigkeit bei Frauen. 

Warum ein Mensch MS entwickelt und ein anderer nicht, lässt sich bislang nicht mit einer einzelnen Ursache erklären. Nach heutigem Wissen entsteht die Erkrankung durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren werden ebenso untersucht wie Infektionen. Besonders gut belegt ist ein Zusammenhang mit dem Epstein-Barr-Virus. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine EBV-Infektion automatisch zu MS führt. 


Wie wird MS diagnostiziert?

Einen einzelnen Bluttest, der dir eindeutig sagt „Du hast MS“, gibt es nicht.

Stattdessen setzt sich die Diagnose aus verschiedenen Informationen und Untersuchungen zusammen. Dazu gehören die Krankengeschichte und neurologische Untersuchung sowie insbesondere die Magnetresonanztomografie von Gehirn und gegebenenfalls Rückenmark. Je nach Situation können weitere Untersuchungen hinzukommen, beispielsweise eine Analyse des Nervenwassers durch eine Lumbalpunktion oder Untersuchungen sogenannter evozierter Potenziale. Gleichzeitig müssen andere mögliche Ursachen der Beschwerden berücksichtigt werden. 

Die aktuellen diagnostischen Kriterien wurden zuletzt überarbeitet. Die deutsche DGN-Living-Guideline von 2026 berücksichtigt bereits die 2025 veröffentlichten revidierten McDonald-Kriterien. 

DEIN TIPP FÜR DEN ARZTTERMIN
Wenn du wegen neurologischer Beschwerden einen Termin hast, notiere dir vorher, wann die Symptome begonnen haben, wie lange sie anhalten, welche Körperregion betroffen ist und ob sie schon einmal aufgetreten sind. So musst du dich im Gespräch nicht auf dein Gedächtnis verlassen.


Was bedeutet eine MS-Diagnose heute?

Eine Diagnose kann verständlicherweise Angst machen. Gerade weil sich MS so unterschiedlich entwickeln kann, solltest du jedoch nicht versuchen, aus der Geschichte einer anderen Betroffenen deine eigene Zukunft abzulesen.

MS ist derzeit nicht heilbar. Es stehen aber verschiedene verlaufsmodifizierende Therapien zur Verfügung, mit denen die Krankheitsaktivität beeinflusst werden kann. Darüber hinaus können einzelne Symptome gezielt behandelt werden. Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem von Krankheitsaktivität, Verlauf und der individuellen Situation der Patientin ab. 

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Information, die du aus diesem Artikel mitnehmen solltest: MS hat viele Gesichter. Eine Diagnose allein erzählt noch nicht, wie dein persönliches Leben mit der Erkrankung aussehen wird.

Wenn du gerade auf Untersuchungen wartest oder eine Diagnose bekommen hast, schreib dir deine Fragen auf und nimm sie mit zum nächsten Gespräch in der Neurologie. Du musst nicht an einem einzigen Termin alles verstehen und entscheiden.


Quellen

Die wichtigsten medizinischen Grundlagen dieses Artikels stammen aus der S2k-Living-Guideline „Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Version 2026, sowie den aktuellen Fachinformationen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. 

DGN Living Guideline Multiple Sklerose 2026
DMSG: Was ist Multiple Sklerose?
DMSG: Symptome der Multiplen Sklerose
DMSG: MS verstehen und Diagnostik


Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnose oder Behandlung.

Rente mit 34 und kaum Kraft für den Alltag: Vanessas Leben mit Fatigue

Auf den ersten Blick sieht man Vanessa (34) ihre Erschöpfung nicht an. Sie lacht, trifft Freunde, hält den Alltag mit zwei Kindern am Laufen. Doch selbst Dinge, über die andere kaum nachdenken, können ihre Kraft aufzehren. Ein Supermarkteinkauf wird schnell zur Belastungsprobe. Ein Gespräch kostet Stunden der Stille. Und Schlaf gibt keine Kraft mehr zurück.

Es ist der Februar 2025, als der linke Arm plötzlich taub wird. Kein Gefühl mehr in den Fingern, die Kraft schwindet sekundenschnell. Es ist ein Notfall, Verdacht auf Schlaganfall, direkte Einweisung ins Krankenhaus. Zu Hause warten zwei kleine Kinder und ihr besorgter Ehemann. Vanessa war bis zu diesem Tag nie ernsthaft krank gewesen. Vier Tage lang schwankt sie zwischen Ungewissheit und Angst, bis die Untersuchung des Nervenwassers Klarheit bringt. Die Diagnose lautet Multiple Sklerose.

Was für viele wie ein Urteil klingt, bedeutet für die Bielefelderin vor allem eines, Erleichterung. Endlich hat ihr Zustand einen Namen. Vanessa ist überzeugt, dass ihr Körper nach all den Jahren des Funktionierens einfach nicht mehr konnte.

Vanessa sieht gesund aus. Genau das macht ihre Erkrankung für andere oft schwer verständlich. Fatigue ist unsichtbar und trotzdem real. (Bild: Vanessa/privat)

INFOBAR: WAS IST MULTIPLE SKLEROSE (MS)?
MS ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das eigene Immunsystem greift dabei fälschlicherweise Strukturen im Bereich der Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark an. Durch diese Entzündungen können Nervensignale nur noch beeinträchtigt weitergeleitet werden. MS verläuft von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und ist bislang zwar nicht heilbar, lässt sich heute aber medikamentös gut behandeln.

Funktionieren statt Leben

Schon früh lernt Vanessa, was es heißt, stark sein zu müssen. Prägende Erfahrungen, Zukunftsängste und schwere Phasen ziehen sich unbewusst durch ihre Familiengeschichte – Verhaltensmuster und Wunden, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Für das junge Mädchen bedeutet das vor allem eines – Verantwortung übernehmen, wo eigentlich Leichtigkeit sein sollte. Sie will niemandem zur Last fallen, fügt sich, blendet eigene Bedürfnisse aus und erfährt in der Schule schmerzhaft, wie tief Mobbing verletzen kann.

Dieses Muster des ständigen Durchhaltens nimmt sie mit ins Erwachsenenleben. Nach ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau baut sie sich Schritt für Schritt eine eigene Existenz auf. Sie heiratet, bekommt zwei Kinder und arbeitet später als Haushaltshilfe. Die Auftragsbücher sind voll, der Tag durchgetaktet. Ein Leben im ständigen Dauerlauf.

Dass ihre Kraftreserven schon seit Jahren schleichend aufgebraucht waren, hat sie lange ausgeblendet. Sie war darauf programmiert, durchzuhalten.


Das unsichtbare Monster

Was nach der Diagnose folgt, ist nicht nur die körperliche Ungewissheit der MS, sondern einer ihrer belastendsten Begleiter, die sogenannte Fatigue. Ein Zustand, den gesunde Menschen kaum begreifen können.

„Fatigue ist nicht einfach ein bisschen Müdigkeit nach einem langen Tag, nach der man sich einmal ausschläft“, stellt Vanessa klar. „Es ist eine tiefgreifende, krankhafte Erschöpfung. Manchmal fühlt es sich an, als würde mein Körper von einer Sekunde auf die andere den Notbetrieb einschalten. Mein Akku ist dann nicht bei 20 Prozent – es fühlt sich an, als wären von jetzt auf gleich nur noch wenige Prozent übrig. Und das manchmal, obwohl ich gerade erst aufgestanden bin.“

Das Grausame an dieser Krankheit ist ihre Unsichtbarkeit. Von außen sieht Vanessa wie eine normale, junge Mutter aus. Sie lacht, geht einkaufen, nimmt am Leben teil. Niemand sieht, dass ihr Körper und ihr Kopf im Hintergrund gleichzeitig darum kämpfen, überhaupt Energie aufzubringen. Ganz alltägliche Fragen werden zu riesigen Hürden. Schaffe ich heute den Haushalt? Habe ich danach noch genug Energie für die Kinder? Manchmal lautet die Antwort schlicht: Nein. Dann muss Vanessa Verabredungen absagen, Ausflüge streichen und schöne Momente opfern. Einfach, weil ihr die Kraft dafür fehlt.

„Das tut weh. Denn Fatigue nimmt einem nicht nur Energie. Sie kann einem auch ein Stück Spontanität und Freiheit nehmen.“

Auch geistig macht sich die Erschöpfung bemerkbar. Die Konzentration bricht ein, Gedanken werden langsam, einfache Denkprozesse fühlen sich an wie Schwerstarbeit. Und mit der Müdigkeit kommt das schlechte Gewissen. Vanessa fühlt sich schuldig, weil sie Dinge nicht mehr schafft. Die ständige Frage, warum andere ihren Alltag mühelos bewältigen, während man selbst an kleinsten Aufgaben scheitert, wird zu einer lähmenden Belastung.


INFOBAR: WAS IST FATIGUE?
Fatigue beschreibt eine ausgeprägte körperliche oder geistige Erschöpfung, die bei verschiedenen chronischen Erkrankungen auftreten kann. Sie steht nicht unbedingt im Verhältnis zu einer vorherigen Anstrengung und lässt sich nicht einfach durch Schlaf beheben. Bei MS gehört Fatigue zu den häufigen und für Betroffene teilweise stark einschränkenden Symptomen.

Rente mit 34

Für Vanessa beginnt nun die schwerste Lektion. Sie muss lernen, Hilfe anzunehmen. Während ihrer Reha beantragt sie finanzielle und praktische Unterstützung – von der Erwerbsminderungsrente bis zum Pflegegrad. Schritte, die ihr schwerfallen, weil sie bis dahin gewohnt war, alles aus eigener Kraft zu tragen.

„Für viele Menschen ist der Gedanke an einen Schwerbehindertenausweis schwierig. Auch für mich war er das. Aber eine Behinderung wird nicht dadurch weniger real, dass man keinen Ausweis besitzt. Er gibt mir nicht meine Identität, sondern hilft mir, Nachteilsausgleiche zu bekommen, die mir zustehen.“

Acht Monate Ungewissheit, Bürokratie und Warten auf eine Antwort, die über ihre Zukunft entscheidet. Dann liegt der Bescheid im Briefkasten – schwarz auf weiß. Volle Erwerbsminderungsrente. Drei Jahre lang ist Vanessa mit 34 offiziell Rentnerin, danach wird ihr medizinischer Zustand neu geprüft. Ein Stempel, der sich absurd anfühlt, aber von einer Sekunde auf die andere den enormen Druck nimmt.

„Das sind ganz krasse, gemischte Gefühle, die ich gerade habe“, sagt sie. „Aber für mich ist es auch sehr befreiend. Das Finanzielle spielt heutzutage eine riesige Rolle. Jetzt zu wissen, wie es weitergeht – mir fällt gerade einfach alles von den Schultern.“

Mit einer beeindruckenden Klarheit definiert Vanessa Stärke heute neu.

„Eine Haushaltshilfe nimmt mir nicht meine Selbstbestimmung. Sie gibt mir die Energie zurück, die ich brauche, um für Noah und Kiara da zu sein. Ich muss lernen, meine Tage nicht mehr nach 24 Stunden zu planen, sondern nach der Energie, die mir an diesem Tag tatsächlich zur Verfügung steht.“

Wenn der Akku plötzlich leer ist. Fatigue kann Vanessa innerhalb kurzer Zeit die Kraft nehmen, selbst wenn der Tag gerade erst begonnen hat. Schlaf allein bringt diese Energie nicht zurück. (Bild: Vanessa/privat)

„Glaubt mir einfach!“

Doch die größten Hürden warten oft nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in den Köpfen anderer Menschen. Vorurteile, Unverständnis und Ratschläge wie „Du bist doch gerade erst aufgestanden!“ oder „Aber gestern ging es dir doch gut!“ verletzen tief.

„Ich wünsche mir von meiner Umwelt vor allem eines: Glaubt mir!“, betont Vanessa eindringlich. „Wenn ich sage, dass ich etwas nicht schaffe, möchte ich mich nicht rechtfertigen oder beweisen müssen, warum. Ein guter Tag bedeutet nicht, dass ich gesund bin. Ein schlechter Tag bedeutet nicht, dass ich aufgegeben habe. Und wenn ich etwas nicht schaffe, heißt das nicht, dass es mir nicht wichtig ist. Es bedeutet einfach nur, dass mein Körper seine Grenze erreicht hat.“

Vanessa plädiert für eine Gesellschaft, die Anpassung nicht als Schwäche interpretiert. Für flexible Arbeitsmodelle, echtes Verständnis und dafür, dass Barrierefreiheit auch für unsichtbare Krankheiten gilt.

„Ich möchte nicht, dass meine Erkrankung meine gesamte Identität wird. Ich bin nicht nur meine Fatigue. Ich habe Wünsche, Träume, Interessen und Ziele. Ich möchte als der Mensch gesehen werden, der ich bin – und nicht nur als jemand, der krank ist. Wir wollen schließlich nicht weniger vom Leben. Wir brauchen manchmal nur eine andere Art, daran teilzunehmen.“

INFOBAR: HILFE UND ANLAUFSTELLEN BEI MS UND FATIGUE

Wer selbst betroffen ist oder einen Verdacht hat, findet erste Anlaufstellen bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die bundesweit berät und lokale Selbsthilfegruppen vermittelt. Auch Neurologinnen und Neurologen sowie MS-Ambulanzen an größeren Kliniken sind für Diagnose und Behandlung die richtigen Ansprechpartner.

Bei starker, anhaltender Erschöpfung lohnt sich in jedem Fall ein Arztbesuch, denn Fatigue kann viele Ursachen haben und ist keine Diagnose, die man sich selbst stellen sollte.

Wer eine Einschränkung im Alltag durch eine chronische Erkrankung erlebt, kann sich bei der zuständigen Krankenkasse oder dem Versorgungsamt über Pflegegrad, Schwerbehindertenausweis und mögliche Nachteilsausgleiche informieren. Sozialverbände wie der VdK oder die Deutsche Rentenversicherung beraten zudem zu Anträgen wie der Erwerbsminderungsrente.

Trauer verarbeiten: Psychologin Dr. Doris Wolf erklärt, was nach dem Verlust wirklich hilft

Ein geliebter Mensch stirbt, und plötzlich scheint die Welt stillzustehen. Während für das Umfeld der Alltag oft schon nach wenigen Tagen weitergeht, bleibt für die Hinterbliebenen nichts mehr, wie es war. Manche weinen ununterbrochen, andere funktionieren scheinbar ganz normal. Wieder andere spüren zunächst kaum etwas.
Doch ist all das normal? Muss man den Schmerz zulassen, um einen Verlust verarbeiten zu können?
Und woran lässt sich erkennen, dass professionelle Hilfe notwendig wird?

Dr. Doris Wolf ist Diplompsychologin, psychologische Psychotherapeutin und Autorin zahlreicher Bestseller-Ratgeber. Darin begleitet sie Menschen durch schwierige Phasen ihres Lebens. Im Interview erklärt sie, weshalb jeder Mensch anders trauert, was in dieser Zeit wirklich helfen kann und warum die Rückkehr ins Leben keinen Verrat am verstorbenen Menschen bedeutet.


Gibt es wirklich feste Phasen der Trauer?

Healthy Lady: In Ihrem Buch beschreiben Sie vier Phasen der Trauer. Gleichzeitig betonen Sie, dass jeder Mensch seinen Verlust anders erlebt. Müssen Trauernde diese Phasen tatsächlich durchlaufen, oder können sie sich überschneiden, wiederholen oder auch ganz anders zeigen?

Dr. Doris Wolf: Es gibt nicht die eine richtige Trauer. Wie sie verläuft, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab, wie z.B. den Umständen des Todes, der Dauer und Intensität der Beziehung zum Verstorbenen, den finanziellen Bedingungen, ob kleine Kinder vorhanden sind, den bisherigen Erfahrungen mit Trauer, der generellen Einstellung zu Leben und Tod und dem Selbstwertgefühl der Trauernden. Die 4 Phasen sind also eine Art Modell, das sehr hilfreich sein kann.

Trauernde können dadurch besser verstehen, dass Trauer nichts ist, was in vier Wochen vorbei sein kann. Sie können besser verstehen, dass sie von den unterschiedlichsten körperlichen und seelischen Zuständen begleitet wird. Die Phasen sind nicht unbedingt klar getrennt, sie laufen in Wellen, aber die Richtung ist vorgegeben. Man kann jedoch auch in einer Phase steckenbleiben.


Die ersten Wochen: Wie unterschiedlich Trauer aussieht

Healthy Lady: Nach einem Verlust möchten manche Menschen so schnell wie möglich wieder funktionieren und in ihren Alltag zurückkehren. Andere ziehen sich vollständig zurück und wollen niemanden sehen. Was davon ist normal, und wie unterschiedlich kann Trauer gerade in den ersten Wochen und Monaten aussehen?

Dr. Doris Wolf: Viele Betroffene haben Angst, in einem Strudel der Trauer zu ertrinken. Deshalb stürzen sie sich in Aktivitäten, verplanen die Tage, so gut es geht. Manche versuchen, den Abstand über einen Urlaub oder eine Auszeit zu gewinnen. Andere verkaufen sofort ihr Haus und ziehen um. Wiederum andere stürzen sich in ein Suchtverhalten, trinken exzessiv oder betäuben sich mit Beruhigungsmitteln. Das mag am Anfang hilfreich sein, doch auf Dauer kann man damit die Trauer nicht umgehen.

Andere Trauernde lassen sich ganz in der Trauer versinken. Für sie gibt es kein „normales Leben" mehr. Es kann sogar so weit gehen, dass sie die Hygiene und die Ernährung vernachlässigen. Sie brechen den Kontakt zu Freunden ab, denn ihrer Ansicht nach kann ihnen niemand helfen.


Macht es einen Unterschied, wen man verliert?

Healthy Lady: Macht es psychologisch einen Unterschied, ob jemand ein Elternteil, den Partner oder das eigene Kind verliert? Oder hängt die Intensität der Trauer weniger von der familiären Rolle als von der Beziehung zum verstorbenen Menschen ab?

Dr. Doris Wolf: Die Trauer hängt weniger von der Stellung in der Familie ab als von der Einstellung zum Verstorbenen und welche Bedeutung er im Leben des Trauernden gespielt hat.


Wie lange darf Trauer dauern?

Healthy Lady: Viele Trauernde fragen sich irgendwann, wie lange ihr Schmerz noch dauern darf. Gibt es überhaupt einen Zeitpunkt, an dem Trauer vorbei sein sollte, oder kann sie auch Jahre später plötzlich wieder mit großer Kraft zurückkehren?

Dr. Doris Wolf: Zunächst müssen wir uns fragen, was es bedeutet, dass Trauer vorbei sein soll. Sie verändert sich, aber kann bis ans Lebensende in manchen Situationen wieder aufploppen. Ich beschreibe es immer so:

„Am Anfang ist sie wie ein schwerer Sturm mit dunklen schweren Wolken, der nicht enden will. Im Verlauf der Zeit verwandelt sie sich in kurze leichte Schauer, nach denen die Sonne ganz schnell wieder auftaucht."

Wenn ein neuer Trauerfall eintritt oder man plötzlich eine schwere Erkrankung bekommt und alleine lebt, kann sie auch wieder verstärkt auftauchen.


Schmerz zulassen oder auch Freude erlauben?

Healthy Lady: Trauernde hören häufig, sie müssten ihren Schmerz zulassen. Ist das aus psychologischer Sicht tatsächlich der beste Weg, oder sind Ablenkung, Lachen und schöne Momente ebenso wichtig?

Dr. Doris Wolf: Ich schlage immer zwei Wege vor: Eine Aufgabe ist es, das Trauern zuzulassen und auszudrücken. Die andere besteht darin, sich an ein „Leben danach" heranzutasten und es aufzubauen. Wir müssen beide Wege gehen.

Healthy Lady: Warum fühlen sich manche Menschen schuldig, sobald sie wieder Freude empfinden?

Dr. Doris Wolf: Wir alle haben ein Modell von Trauern im Kopf, was man darf und was nicht. Sich wieder zu freuen oder gar zu verlieben, wird oft mit der Vorstellung verknüpft, dass man den verstorbenen Menschen nicht genügend geliebt hat oder sich ihm gegenüber illoyal verhält.


Was Trauer mit dem Körper macht

Healthy Lady: Trauer spielt sich nicht nur in der Seele ab. Betroffene leiden häufig auch unter körperlichen Symptomen. Was geschieht während der Trauer in unserem Körper?

Dr. Doris Wolf: Der Verlust eines Menschen gehört zu den Situationen, die den meisten Stress auslösen können. Körper und Seele sind nicht getrennt. Der Körper ist nach einem Todesfall in einem chronischen Alarmzustand. Es kommt zu Herz-/Kreislauf- oder Magen/Darmproblemen, Schlafstörungen, Essstörungen, Schmerzen, Muskelverspannungen, Atemproblemen, Konzentrationsproblemen, usw.


Trauer oder Depression?

Healthy Lady: Trauer und Depression können sich zunächst sehr ähnlich anfühlen. Welche Anzeichen sprechen dafür, dass es sich nicht mehr allein um eine normale Trauerreaktion handelt? Wann sollte man sich professionelle Unterstützung suchen?

Dr. Doris Wolf: Professionelle Hilfe sollte man sich suchen, wenn man seine Selbstfürsorge, Hygiene, Ernährung, etc. dauerhaft vernachlässigt. Weitere Signale, bei denen man handeln sollte, sind: Suizidgedanken und konkrete Gedanken an die Ausführung. Betroffene sind über mehr als sechs Monate hinaus nicht mehr in der Lage, ihr normales Alltagsleben zu führen. Die Trauer verändert sich nicht über die Zeit. Die Gedanken der Betroffenen kreisen nur um die verstorbene Person, sie fühlen sich erstarrt oder voller Schmerz, plagen sich mit Schuldgefühlen und empfinden ein Gefühl der Sinnlosigkeit.


Was konkret hilft

Healthy Lady: Welche psychologischen Strategien helfen dabei, einen schweren Verlust zu verarbeiten? Gibt es kleine Schritte, die Sie Trauernden für besonders schwierige Tage empfehlen?

Dr. Doris Wolf: Auch da gibt es wieder keine Standardtipps. Auf besonders schwierige Tage sollte man sich vorbereiten – beispielsweise eine Freundin einladen oder besuchen. Man kann einen Spaziergang machen, wenn Bewegung guttut. Wenn man im Internet zurechtkommt, kann man sich auch in einem Trauer-Forum mit anderen Betroffenen austauschen.

Wichtig ist also die Frage: „Was kann ich an diesem Tag tun, um mir diesen Tag zu erleichtern?"

Schon früh beschäftigte sich Doris Wolf mit der Rolle des Lesens in der Psychotherapie. 1988 promovierte sie in Heidelberg über Bibliotherapie (Bild: Dr. Doris Wolf/privat)

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Trauerbewältigung – mit der Trauer leben lernen

Wie der Weg durch die verschiedenen Phasen des Abschieds verläuft und wie Betroffene wieder ein inneres Gleichgewicht finden, erklärt Dr. Doris Wolf in ihrem Fachbeitrag auf der Website des PAL Verlags.

→ Zum Fachbeitrag


Was das Umfeld tun kann

Healthy Lady: Auch Familie und Freunde fühlen sich häufig hilflos, weil sie nicht wissen, was sie sagen oder tun sollen. Was hilft einem trauernden Menschen wirklich? Welche gut gemeinten Sätze können dagegen zusätzlich verletzen?

Dr. Doris Wolf: Verletzen können Sätze wie „Du bist ja noch so jung und kannst einen anderen Menschen finden", „Du solltest jetzt so langsam darüber hinweg sein", „Sei nicht traurig, er wurde erlöst", „Ihr hattet doch viele Jahre ein schönes Leben" oder „Anderen geht es doch auch so. Da muss man halt durch."

Hilfreich ist für viele Trauernde, wenn man sie immer wieder anruft, Hilfe bei der Bürokratie oder alltäglichen Dingen wie Einkaufen anbietet und einfach nur zuhört. Ein Angebot wie „Du kannst anrufen, wenn es dir schlecht geht" wird oft nicht angenommen, weil die Kräfte fehlen.


Warum wir das Thema meiden

Healthy Lady: Obwohl jeder Mensch früher oder später mit Tod und Verlust konfrontiert wird, sprechen wir im Alltag kaum darüber. Warum verdrängen wir das Thema so stark? Kann man schon vor einem konkreten Verlust lernen, besser mit Tod und Trauer umzugehen?

Dr. Doris Wolf: Der Tod wird mit Hilf- und Kontrolllosigkeit verknüpft. Wir tun uns schwer, uns einzugestehen, dass unser Leben endlich ist. Da wir jedoch keine Wahl haben und jeden von uns der Tod ereilt, ist es hilfreich, wenn wir uns bei Lebzeiten damit beschäftigen. Dazu gehört z.B. auch, eine Patientenverfügung zu verfassen und uns zu überlegen, wie wir bestattet werden wollen.


Loslassen, ohne zu vergessen

Healthy Lady: In Ihrem Buch geht es immer wieder um das Annehmen und Loslassen. Was bedeutet Loslassen nach dem Tod eines geliebten Menschen eigentlich? Geht es darum, wirklich Abschied zu nehmen, oder darum, eine neue innere Verbindung zum Verstorbenen zu finden?

Dr. Doris Wolf: Loslassen bedeutet nicht, den Verstorbenen zu vergessen. Zum einen geht dies gar nicht, zum anderen wäre es schade, denn er ist Teil unserer Erfahrungen. Loslassen bedeutet, dass unsere Gedanken wieder auf die Gegenwart und Zukunft konzentriert sind und wir uns ein Leben „danach" aufbauen. Es bedeutet, Hadern mit dem Schicksal und Wut aufzugeben. Es bedeutet, uns neue Aufgaben zu erschließen und neue Freunde zu finden. Es bedeutet, Frieden damit zu schließen, dass unser Leben eine Wendung genommen hat.


Zum Weiterlesen:
In ihrem Ratgeber „Einen geliebten Menschen verlieren“
begleitet Dr. Doris Wolf Menschen durch die verschiedenen
Phasen der Trauer und zeigt, wie ein Leben nach dem Verlust
langsam wieder möglich werden kann.

Dr. Doris Wolf, „Einen geliebten Menschen verlieren“,
PAL Verlag, 232 Seiten


Der eine Gedanke zum Schluss

Healthy Lady: Wenn Sie einem Menschen, der gerade jemanden verloren hat, nur einen einzigen Gedanken mit auf den Weg geben dürften, welcher wäre das?

Dr. Doris Wolf:

„Deine Trauer wird sich verändern, sie wird nicht ewig so schmerzhaft sein, auch wenn der verlorene Mensch nicht zurückkommen wird."


Redaktioneller Hinweis: Falls du gerade selbst mit einem Verlust kämpfst oder dich Suizidgedanken belasten, bleib damit nicht allein. Die TelefonSeelsorge erreichst du kostenfrei und anonym rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123.

Sie brachte zwei Kinder im Ozean zur Welt. Dann urteilte die ganze Welt

Ein Video sorgt weltweit für Schlagzeilen. Es zeigt eine hochschwangere Frau, die ihr Kind in den Wellen des Pazifiks zur Welt bringt. Wenig später folgen Bilder einer zweiten Ozeangeburt in der Karibik. Medien von Australien bis Argentinien berichten über die außergewöhnlichen Aufnahmen, die 2022 Millionen Menschen erreichen. Die Bilder gehen um die Welt und mit ihnen eine Welle der Empörung.

Josy Cornelius (41, geb. Peukert), fünffache Mutter aus Deutschland, die heute mit ihrer Familie in Nicaragua lebt, wird zur Projektionsfläche unterschiedlichster Meinungen. Für die einen ist sie mutig. Für die anderen verantwortungslos. Kaum ein anderer Geburtsmoment wurde in den vergangenen Jahren so emotional diskutiert wie dieser.

Doch während sich Schlagzeilen und Meinungen überschlagen, bleiben zentrale Fragen unbeantwortet. Wer ist die Frau hinter diesen Bildern wirklich?

In diesem exklusiven Interview spricht Josy Cornelius über die Geschichte hinter den Bildern, den Preis der weltweiten Aufmerksamkeit, ihren Weg von der Intensivstation zur gefragten Expertin und den Umgang mit dem Vorwurf, Frauen zu gefährlichen Geburten zu animieren.


Im Rhythmus der Wellen: Die Geburt im Pazifik

Healthy Lady: Liebe Josy, viele kennen dich durch die spektakulären Bilder deiner Geburten im Ozean. Hast du damit gerechnet, dass du danach zu einer polarisierenden Figur wirst? Was macht es mit dir, wenn man dich ungefragt in diese Schublade steckt, die „verrückte Aussteigerin“, die ohne jegliche Vorbereitung ihr Kind allein im Pazifik gebärt?

Josy Cornelius: Nein, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Die Frage würde ja schon implizieren, dass ich irgendetwas berechnet hätte. Aber genau das war nie der Fall. Ich hatte damals einfach meinen Instagram-Account und habe unsere Geburt geteilt, um unser Glück und unsere Freude zu teilen. Es gab überhaupt nicht den Gedanken, dass das einmal solche globalen Ausmaße annehmen würde. Wenn ich das rückgängig machen könnte, würde ich es tun.

Ich empfinde mich selbst auch gar nicht als „polarisierende Figur“. Das ist eher etwas, was gesellschaftlich daraus gemacht wird. Und wenn man mich in diese Schublade steckt, als „verrückte Frau, die allein im Ozean gebärt“, dann steckt in dieser Beschreibung eine Aneinanderreihung von Fehlinformationen. Es wird medial oft so dargestellt, als wäre das eine völlig spontane, unüberlegte Aktion gewesen, was schlicht falsch ist. Vieles davon hat mit Vorurteilen und Projektionen zu tun. Ein Auswandererleben, Meergeburten, Reichweite, das triggert einfach sehr viel in den Menschen.

„Nicht jede Frau kann einfach so ein Kind im Meer bekommen, und es wäre völlig unseriös, etwas anderes zu behaupten.“


Healthy Lady: Du sagst, das Bild der unvorbereiteten Aussteigerin ist eine Fehlinformation. Wie sah die Realität aus? Wie gut warst du tatsächlich auf diesen Schritt vorbereitet und stimmt es, dass du anderen Frauen sogar eher von einer Ozeangeburt abrädst?

Josy Cornelius: Diese Pazifikgeburt war über 40 Wochen lang vorbereitet und mit Vorbereitung meine ich wirklich Tag und Nacht. Ich glaube, viele können sich überhaupt nicht vorstellen, was für eine Mammutaufgabe das in jeder Hinsicht ist. Nicht nur emotional oder organisatorisch, sondern vor allem auch medizinisch. Man kann das nicht kleinreden. Es braucht unglaublich viel Wissen, um für all die „Was wäre wenn“-Fälle vorbereitet zu sein.

Ich bin ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Ich weiß, wie man reanimiert. Ich weiß, was in echten Notfällen zu tun ist und wie viel Zeit bei massiven Blutungen bleibt. Mein Mann war in all das involviert und ich habe ihn intensiv gebrieft. Er wusste genau, wie eine arterielle Blutung aussieht, was im Worst Case zu tun wäre und welche Handgriffe dann nötig sind. Wenn eine Frau eine Meergeburt möchte, dann ist das nichts, was man in der 36. Woche spontan entscheidet.

Deshalb irritiert mich auch bis heute, wenn Frauen denken, sie könnten das einfach nachmachen. Ich habe nie gesagt, dass irgendjemand einfach ins Meer gehen sollte. Im Gegenteil, ich würde jeder Frau immer wieder davon abraten, wenn sie keine Ahnung hat, worauf sie sich einlässt. Das wäre lebensgefährlich für Mutter und Kind. Es gibt strikte Voraussetzungen. Nicht jede Frau kann einfach so ein Kind im Meer bekommen, und es wäre völlig unseriös, etwas anderes zu behaupten.

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Healthy Lady: Nimm uns mit in den Moment deiner Geburt im Ozean. Was hast du gefühlt? Wie war das für dich?

Josy Cornelius: Diese Geburt war nicht einfach ein schöner Moment, der irgendwie vom Himmel gefallen ist. Sie war das Ergebnis einer extrem umfangreichen Vorbereitung.

Wir haben damals nur etwa zehn Minuten vom Meer entfernt gewohnt. Ich habe über zwölf Wochen hinweg Ebbe und Flut getrackt, und zwar mit einer App, sodass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit genau wusste, wie der Wasserstand ist. Dazu kamen Wetter, Strömung, Bedingungen vor Ort — all diese Faktoren spielen am Pazifik eine Rolle und dürfen nicht unterschätzt werden.

Zusätzlich war ich jeden Tag im Wasser. Schon ganz am Anfang der Schwangerschaft haben wir unglaublich viel Zeit damit verbracht, verschiedene Strände anzuschauen, Orte auszukundschaften, immer wieder zu prüfen, welche Ecke ist stimmig, welche nicht, was passt wirklich?

Dazu kam die Arbeit mit meinem Nervensystem, mit meinen eigenen Prägungen, mit allem, was ich aus meinem Leben mitgebracht habe. Und genau dadurch wurde das Meer für mich zu einem Safe Space, zu einem sicheren Ort. Es war wie Nachhausekommen.

Und genau da ist das Nervensystem der zentrale Punkt. Das fehlt in einer klassischen Geburtsvorbereitung fast komplett. Wenn das Nervensystem einer Frau nicht sicher ist, dann fließt die Geburt nicht. Dann kann alles stocken, sich erschweren, blockieren. Das ist für mich einer der wichtigsten Schlüssel überhaupt.

Für mich war diese Geburt also vor allem eines: ein Nachhausekommen. Sicherheit. Und deshalb ist Vorbereitung und Planung eben so unglaublich ausschlaggebend. Da war nichts dem Zufall überlassen. Und genau deshalb konnte ich diesen Moment auch vollkommen genießen und zelebrieren.

Es war einfach eine wundervolle Geburt. Und es ist ein Moment, der sich für immer in unsere Herzen eingebrannt hat.

Im September 2023 bringt Josy kurz nach Mitternacht ihr fünftes Kind im Karibischen Meer vor Nicaragua zur Welt. Für die deutsche Auswanderin ist es bereits die zweite Geburt im Meer. (Foto: Josy Cornelius)


Healthy Lady: Nach dem Pazifik kam die Karibik. Wie lief die Planung für deine zweite Ozeangeburt ab?

Josy Cornelius: Die zweite Meergeburt, meine Karibikgeburt, war über 70 Wochen vorbereitet. Ich habe im Grunde schon eine Woche nach der Pazifikgeburt angefangen, die nächste Geburt zu planen. Genau das ist für mich echte Geburtsvorbereitung. Nicht erst in der Schwangerschaft anzufangen, sondern schon viel früher.

Aber genau dadurch ist eben auch eine wirkliche Traumgeburt möglich. Eine Geburt, aus der du lebenslang schöpfen kannst, statt eine Geburt zu erleben, über die du verbittert bist.


Angst, Risiko und Verantwortung

Healthy Lady: Hattest du bei deinen eigenen freien Geburten oder bei den Geburten deiner Klientinnen Angst, dass etwas schiefgehen könnte?

Josy Cornelius: Um ehrlich zu sein, nein. Und das eben aus dem heraus, was ich schon gesagt habe, aus der Vorbereitung. Auch bei meinen Komplettbegleitungen ist vorher schon so viel Arbeit gelaufen und so viel Wissen geflossen. Wir gehen wirklich alles im Detail durch, sodass es dieses „Schieflaufen“ in dem Sinne für mich nicht gibt.

Natürlich kann eine Frau sich während der Geburt umentscheiden oder plötzlich etwas anderes wollen. Aber auch dabei geht es um die Frage, welche Ängste, Prägungen oder Unsicherheiten vorhanden sind. Angst ist für mich ein falscher Berater. Es geht darum, die eigenen Bedenken ehrlich anzuschauen und sich so viel Wissen anzueignen, dass daraus wirkliche Sicherheit entsteht.

Ich selbst hatte keine Ängste und keine Zweifel. Wenn eine starke Unsicherheit vorhanden ist, muss man sagen, dass eine solche Geburt nicht der richtige Weg ist.


Healthy Lady: Gab es bei den von dir begleiteten Geburten schwierige Situationen? Wer trägt die Verantwortung, wenn Komplikationen auftreten?

Josy Cornelius: Gerade weil ich keine Hebamme bin, trage ich nicht die medizinische Verantwortung für Mutter und Kind. Das ist auch nicht das, was die Frauen bei mir suchen. Wir besprechen diese Dinge im Vorfeld sehr klar. Die Frauen, die zu mir kommen, handeln vollständig eigenverantwortlich.

Ich kommuniziere offen, dass ich weder Ärztin noch Hebamme bin. Wenn eine Frau einen ärztlichen Termin möchte, etwas medizinisch abklären lassen oder sich weitere Unterstützung holen möchte, ist das jederzeit ihre Entscheidung. Wir schauen uns Dinge gemeinsam an, wägen Möglichkeiten ab und besprechen Hintergründe. Am Ende entscheidet aber jede Frau selbst.

Auch in meinen Verträgen ist festgehalten, dass ich keine medizinische Verantwortung trage. Das ist als Mentorin weder meine Aufgabe noch meine Kompetenz.

„Gerade weil ich keine Hebamme bin, trage ich nicht die medizinische Verantwortung für Mutter und Kind.“


Von der Intensivstation zur Wassergeburtsexpertin: Der medizinische Hintergrund

Healthy Lady: Bist du eigentlich eine ausgebildete Hebamme oder Doula und wie unterscheidest du diese Rollen für dich?

Josy Cornelius: Nein, ich bin keine ausgebildete Hebamme, und zum Glück auch nicht. Eine Doula ist kein geschützter Begriff. Von der reinen Definition her ist eine Doula im Grunde einfach eine Frau, die einer anderen Frau dient und selbst Geburtserfahrung hat. Wenn man es ganz herunterbricht, könnte man sagen, eigentlich ist jede Mutter von dieser ursprünglichen Definition her auch eine Doula.

Viele wissen gar nicht, was das Label Hebamme in Deutschland eigentlich bedeutet. Eine Hebamme ist theoretisch nie ganz außer Dienst. Ich hatte das damals sehr konkret in meiner zweiten Schwangerschaft erlebt, weil eine meiner besten Freundinnen an der Charité war. Eine Hebamme dürfte eine freie Geburt gar nicht begleiten, weil sie immer eine Hinzuziehungspflicht hat. Das liegt an den deutschen Richtlinien und dem System, dem sie unterstellt sind. Wenn man einmal das Label Hebamme hat, kann man sich davon nach meinem Wissen nicht einfach wieder frei machen. Selbst Hebammen, die anders arbeiten möchten, bleiben an dieses enge Korsett gebunden. Und genau so möchte ich nicht arbeiten. Ein Schein oder ein Titel sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie gut jemand Frauen wirklich halten kann.

Josys Mann Benjamin mit Teilnehmenden eines Retreats am Lagerfeuer in Nicaragua. Die mehrtägigen Auszeiten für Rückzug, Austausch und persönliche Entwicklung gehören zum beruflichen Angebot des Paares. Dafür reisen Menschen aus aller Welt an. (Foto: Josy Cornelius)

Healthy Lady: Viele Medien stellen dich dar, als würdest du einfach nur aus dem Bauch heraus agieren. Dabei hast du früher jahrelang im medizinischen Bereich gearbeitet. Was genau hast du dort gemacht und welche Qualifikationen bringst du mit?

Josy Cornelius: Ich komme sehr wohl aus einem medizinischen Kontext und war über zehn Jahre im deutschen System tätig. Meine erste Ausbildung war zur Dentaltechnikerin. Dadurch habe ich schon sehr früh verstanden, wie eng Körperbereiche zusammenhängen, gerade das oft unterschätzte Zusammenspiel von Kiefer und Becken unter der Geburt. Danach habe ich in einer Medizintechnikfirma mit Schwerpunkt Kardiologie gearbeitet und parallel ehrenamtlich in einer Kinder und Jugendklinik mit dem Schwerpunkt Risiko und Frühgeburt. Dort habe ich sehr viel gesehen, von Geburtsfolgen über Frühgeburtlichkeit bis hin zu schwersten körperlichen Zuständen bei Kindern.

Anschließend habe ich auf einer der größten Intensivstationen Deutschlands gearbeitet. Auch das hat meinen Blick extrem geprägt. Ich habe erlebt, wie Menschen sterben, wie Familien begleitet werden, wie reanimiert wird, wie Notfälle aussehen und was wirkliche Krisen bedeuten. Dieses Wissen sitzt tief.

Deshalb trifft es mich oft, wenn so getan wird, als sei ich einfach nur irgendeine, die aus dem Bauch heraus Dinge erzählt. Ich bin ausgebildetes medizinisches Fachpersonal und habe danach viele Weiterbildungen gemacht, gerade im Bereich Trauma, Risikolabels und Wassergeburt. Ich habe sämtliche Fortbildungen von Cornelia Enning persönlich nach Nicaragua geholt und bin bei Barbara Harper international zertifizierte Wassergeburtsexpertin. Bereits 2009 habe ich meine allererste Geburt begleitet – das Thema begleitet mich also schon seit vielen Jahren. Mein Hintergrund ist fachlich, medizinisch und über viele Jahre gewachsen. Heute arbeite ich als freie Frauenmentorin, die Frauen ganzheitlich auf ihrem Weg stärkt.


Die Frau hinter den Schlagzeilen

Healthy Lady: Du wurdest zu einer Zielscheibe der Kritiker, man hat viel Negatives über dich geschrieben. Hat dich überhaupt mal einer gefragt, was wirklich dahintersteckt, was dich dazu bewegt hat?

Josy Cornelius: Nein. Es hat mich noch nie jemand wirklich zu meiner Person gefragt. Niemand war wirklich an mir als Mensch interessiert, am Wieso, Weshalb, Warum. Du bist die Erste und bisher auch die Einzige, die so auf mich zugekommen ist, sich wirklich mit mir auseinandersetzt und fragt: Josy, wie sieht es aus? Warum war das so? Was steckt dahinter?

Viele springen einfach in meinen Posteingang, wollen irgendetwas von mir und man merkt sofort, dass sie sich überhaupt nicht mit mir, meiner Geschichte oder meinem Weg beschäftigt haben. Und selbst wenn Menschen es wussten, wurde es oft einfach weggelassen oder zurechtgeschnitten.

Und dann stellt sich für mich immer die größere Frage. Wie kann man überhaupt die Geburt einer Frau kritisieren? Wer nimmt sich das Recht heraus über meinen Körper, meine Entscheidung, mein Kind, mein Sein zu urteilen? Allein das zeigt doch schon, wie absurd vieles daran ist.


Healthy Lady: Dir wird oft unterstellt, du würdest deine Erfahrungen als den einzig wahren Weg darstellen. Siehst du dich selbst als eine Art Missionarin für die freie Geburt?

Josy Cornelius: Überhaupt nicht, genau das wird so oft falsch verstanden. Viele tun so, als würde ich meine Erfahrungen hinstellen, als wären sie der einzige Weg. Das stimmt einfach nicht, das habe ich nie gesagt und nirgendwo geschrieben. Für mich gab es nie dieses eine „so musst du es machen“. Im Gegenteil. Für mich war schon immer klar, dass Frauen, die einen Wunschkaiserschnitt möchten, genau dafür den richtigen Support bekommen sollten. Frauen, die im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zu Hause mit Hebamme gebären wollen, sollen dafür den richtigen Support bekommen. Und Frauen, die eine freie Geburt wollen, eben auch.

Ich habe erst vor Kurzem eine Frau begleitet, die nur stillen wollte, weil es von ihr erwartet wurde. Ich habe ihr gesagt, wenn du das nicht fühlst, dann musst du das nicht tun und dich vor niemandem rechtfertigen. Genau darum geht es doch, wertfrei zu schauen. Nicht besser oder schlechter, nicht richtig oder falsch. Wer bin ich denn, zu sagen, es gäbe nur diesen einen Weg? Es muss am Ende für die Frau passen.


Selbstbestimmung im Kreißsaal und der Wunsch nach Eigenverantwortung

Healthy Lady: Als Doula begleitest du andere Frauen. Was ist das häufigste Hindernis, das Frauen davon abhält, wirklich in ihre Kraft zu kommen?

Josy Cornelius: Frauen werden klein gehalten. Absichtlich. Weil das System nur so funktionieren kann. Es kann sich nur aufrechterhalten, wenn alle darin beteiligten Personen systemkonform funktionieren. Menschen lassen sich nur über Angst kontrollieren. Und eine Frau, die eine freie Geburt erlebt hat, ist aus dieser Kontrolle heraus. Genau das ist das Problem und genau deshalb ist es von der Gesellschaft auch nicht gewünscht.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal ganz klar erklären, dass allein gebären nicht bedeutet, dass die Frau physisch alleine sein muss. Es bedeutet schlicht, dass keine Hebamme anwesend ist, also keine außenstehende Person, die die medizinische Verantwortung für die Geburt trägt.

Ich bin keine Hebamme und ich bin auch nicht das, was viele in ein klassisches Label pressen wollen. Ich bin eine Doula im ursprünglichen Sinne, aber ich habe nicht einfach nur irgendeinen Schein, hinter dem man sich verstecken kann. Ich bin vor allem eine Frau für Frauen. Eine freie Mentorin, die Frauen auf ihrem Weg empowert. Und zwar genau die Frauen, die ihre Verantwortung selbst tragen können und das auch aus tiefstem Herzen wollen.

„Frauen werden klein gehalten. Absichtlich.“


Healthy Lady: Wie gut sind Frauen deiner Erfahrung nach vor einer Geburt über ihre Möglichkeiten und Abläufe informiert?

Josy Cornelius: Aus meiner Erfahrung kann ich ganz klar sagen überhaupt nicht gut genug. Alle Frauen, die mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt zu mir kommen, sagen früher oder später denselben Satz: „Das habe ich nicht gewusst. Darauf war ich nicht vorbereitet.“

Und das kann man auch in unzähligen Foren lesen. Viele Frauen sagen: Ja, ich habe einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, vielleicht in der Klinik oder bei einer Hebamme, aber auf das, was dann wirklich passiert ist, war ich nicht vorbereitet. Für mich hat so ein Standard-Klinikkurs mit echter Geburtsvorbereitung auch wenig zu tun. Das ist eher ein Kreißsaal-Briefing. Also: Wie hat eine Frau im Kreißsaal zu funktionieren? Wie läuft dort alles ab? Wie wird sie fast schon so vorbereitet, dass sie sich dem System möglichst gut fügt, damit der Ablauf für das Personal einfacher wird? Und ich glaube, viele Frauen würden dem zustimmen.


Healthy Lady: Wie wichtig ist die selbstbestimmte Geburt deiner Klientinnen und was wünschen sie sich oft, was sie im Krankenhaus nicht bekommen können?

Josy Cornelius: Klientinnen, die zu mir finden, wollen an sich gar keine Krankenhausgeburt. Sie haben meistens schon eine sehr klare Vorstellung von ihrem Wunschweg. Wobei ich dazusagen muss, dass ungefähr die Hälfte aller Frauen, die zu mir kommen, gar nicht schwanger sind. Da geht es oft um Kinderwunsch oder die Aufarbeitung von Traumata nach vergangenen Schwangerschaften.

Eine selbstbestimmte Geburt ist ja inzwischen fast schon so ein Label geworden. Jeder kommt heute mit diesem Begriff um die Ecke und dann wird einer Frau im Kreißsaal verkauft, sie dürfe selbstbestimmt gebären. Aber im Kreißsaal gibt es aus meiner Sicht keine wirkliche Selbstbestimmung, weil alles dort den Richtlinien, Protokollen und engen Zeitfenstern des medizinischen Systems untersteht.

Von echter Freiheit ist da oft nicht viel übrig. Aber auch im Geburtshaus oder bei einer klassischen Hausgeburt bestehen enge Rahmen. Überall dort, wo eine Hebamme involviert ist, trägt sie am Ende die Verantwortung und unterliegt den gesetzlichen Systemvorgaben.

Frauen, die zu mir finden, wollen die volle Eigenverantwortung. Sie wollen alles selbst in der Hand haben.


Die Grabenkriege unter Müttern

Healthy Lady: Wir beobachten heutzutage leider viel zu oft eine Art Grabenkrieg unter Müttern. Klinik gegen Hausgeburt, Kaiserschnitt gegen natürliche Geburt. Warum neigen manche Frauen so stark dazu, den Weg einer anderen zu verurteilen?

Josy Cornelius: Woher dieses Shaming, Bashing und Bewerten kommt, sind aus meiner Erfahrung heraus fast immer Trigger, Wunden und ungelöste Themen der Frauen selbst. Das sieht man ja auch in den Kommentaren. Wenn Frauen gegen eine freie Geburt oder eine Alleingeburt argumentieren, ist die nächste Frage oft, wie denn ihre eigene Geburtserfahrung war. Und wenn man ehrlich hinschaut, ist die Antwort sehr oft schrecklich. Ganz runtergebrochen. Es gibt keine Frau, die eine freie Geburt erlebt hat, die sie sich so gewünscht hat, und die dann aus dieser Erfahrung heraus andere Frauen dafür bashen würde.

Diese Härte kommt fast immer von Frauen, die selbst eine schmerzhafte oder bittere Erfahrung gemacht haben, die dadurch getriggert sind und nicht wirklich in die eigene Reflexion gehen wollen. Frauen, die den eigenen Schmerz nicht anschauen wollen und ihn stattdessen anderen überstülpen.

Dass das heute so massiv ist, hat für mich schon auch mit Social Media und der Anonymität des Internets zu tun. Menschen können ihre Unzufriedenheit und ihren ungefilterten inneren Müll jederzeit von ihrem Smartphone aus abladen. Das alles passiert oft unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit, hat aber mit Respekt nichts zu tun. Es sagt immer viel mehr über den inneren Zustand derjenigen Person aus, die schreibt, als über die Frau, die bewertet wird.


Eine stille Geburt am Telefon und lebensverändernde Räume

Healthy Lady: Gibt es eine besondere Geburt, die dir im Kopf geblieben ist und die ganz anders war als die anderen?

Josy Cornelius: Jede Geburt ist individuell, speziell und in ihrem gesamten Verlauf einzigartig. Aber es gibt für mich eine ganz besondere, sehr intensive Erfahrung. Ich habe einmal eine Frau bei zwei stillen Geburten begleitet. Die stille Geburt ihres letzten Babys fand tatsächlich einen Tag vor meiner eigenen letzten Geburt statt. Das heißt, ich habe einen Tag vor der Geburt meines Karibik-Babys live am Telefon eine stille Geburt begleitet. Das war eine enorme Herausforderung. Später hat mich dieselbe Frau für eine weitere Geburt sogar einfliegen lassen und sie durfte nach den zwei schmerzhaften Verlusten genau die Geburt erleben, die sie sich so sehr gewünscht hatte, eine Wassergeburt zu Hause.

Oder eine andere Mama, die eigentlich mit einem ganz anderen Thema zu mir kam und überhaupt keine Alleingeburt auf dem Schirm hatte. Nach siebzehn Sessions hat sie ihr Kind allein zu Hause in der Badewanne mit ihrem Mann bekommen. Da entstehen Verbindungen zu den Familien, die wirklich lebensverändernd sind.

Ein lang ersehnter Moment in Italien. An der Seite von Josy Cornelius heißt die Mutter nach zwei stillen Geburten ihr Baby willkommen.
(Foto: Josy Cornelius)

Wie planbar ist eine Geburt?

Healthy Lady: Du betonst oft, dass eine Geburt, genau wie eine Hochzeit, geplant werden kann und sollte. Viele Kritiker sagen, eine Geburt sei „unberechenbar“. Warum ist Planung für dich kein Kontrollwahn, sondern die Basis für eine schöne Geburt?

Josy Cornelius: Geburt sei „unberechenbar“. Das stimmt so einfach nicht. Und medizinisches Fachpersonal weiß das eigentlich auch.

Es gibt in keiner Klinik, auf keiner Station, auch nicht auf Intensivstationen, Dinge, die einfach aus dem Nichts ohne Zusammenhang passieren. Es gibt immer eine Ursache, einen Verlauf, eine Reaktionskette. Und auch unter Geburt ist das so. Mutter und Kind fallen nicht auf Knopfdruck tot um, um das einmal ganz salopp herunterzubrechen. Es gibt immer einen Reaktionszeitraum. Es gibt immer Vorgeschichte, Zeichen, Zusammenhänge.

Jede Intervention zieht eine Auswirkung nach sich. Wenn ich zum Beispiel an Geburten denke, die ich zuletzt gesehen oder begleitet habe, dann sieht man ganz oft genau das: Vorher wurde manipuliert, eingeleitet, mit Rizinuscocktail gearbeitet oder mit anderen Maßnahmen. Und dann wundert man sich hinterher über grünes Fruchtwasser, auffällige Herztöne, eine Interventionskaskade oder darüber, dass man aus bestimmten Dingen nicht mehr herauskommt. Aber das ist nicht unberechenbar. Das ist eine Reaktion auf etwas, was vorher stattgefunden hat.

Alles, was unter Geburt passiert, hat Auswirkungen auf den gesamten Geburtsraum, auf Mutter, Kind, Hormone, Nervensystem, Verlauf. Jede noch so kleine Intervention hat eine Auswirkung. Und das muss man wissen.

Und genau deshalb ist Planung für mich kein Kontrollwahn, sondern Fürsorge und Verantwortungsübernahme. Denn wenn ich weiß, welche Faktoren eine Geburt beeinflussen, welche Entscheidungen welche Auswirkungen haben und wie ein Geburtsraum wirklich funktioniert, dann ist Planung das, was überhaupt erst Sicherheit schafft.

Und Sicherheit ist für Geburt die Basis. Nicht Kontrolle im Sinne von Zwang, sondern Sicherheit im Nervensystem, Sicherheit im Wissen, Sicherheit im Raum.

„Im Kreißsaal gibt es aus meiner Sicht keine wirkliche Selbstbestimmung.“


Healthy Lady: Würdest du schwangeren Frauen empfehlen, sich allein auf den Weg zu machen und ohne professionelle Begleitung im Meer oder an einem anderen abgelegenen Ort zu gebären?

Josy Cornelius: Natürlich nicht. Niemals. Ich kann davon nur klar und ausdrücklich abraten. Wer nicht bis ins kleinste Detail weiß, worauf er sich einlässt, sollte das auf keinen Fall tun.

Auch eine Wassergeburt ist nicht einfach ein Entspannungsbad. Temperatur, Wassertiefe, Zeitpunkt, Umgebung und viele weitere Faktoren können eine wichtige Rolle spielen. Wenn das notwendige Wissen fehlt, können dadurch zusätzliche Komplikationen entstehen.

Jede Frau sollte sich die Begleitung suchen, die wirklich zu ihrem gewünschten Geburtsweg passt und über entsprechende Erfahrung und Kompetenz verfügt.


Redaktioneller Hinweis: Die Aussagen von Josy Cornelius geben ihre persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen wieder. Sie ersetzen keine medizinische Beratung. Freie Geburten und Geburten im offenen Meer können mit erheblichen Risiken für Mutter und Kind verbunden sein. Schwangere sollten ihre individuelle Situation mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal besprechen.