Hautgesundheit

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Mariam ist eine Frau, die auffällt. Langes braunes Haar, große Augen, ein Gesicht, das man sich mühelos auf einem Magazin-Cover vorstellen kann. Genau dieses Gesicht konnte sie eines Tages nicht mehr wiedererkennen.

Es beginnt ganz unscheinbar. Ein kleiner roter Punkt neben dem linken Auge, kurz darauf ein Fleck auf der anderen Seite. Zunächst denkt Mariam an eine harmlose Hautreaktion. Doch innerhalb weniger Tage verändert sich ihr Hautbild dramatisch. Erst im Gesicht, dann am Hals, schließlich am Dekolleté. Immer neue Stellen kommen hinzu. Es folgen Arztbesuche und zunächst eine falsche Vermutung, bis schließlich feststeht, was hinter den Hautveränderungen steckt.

Mariam hat Psoriasis, umgangssprachlich Schuppenflechte. Bei der chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung gerät die Zellerneuerung der Haut aus dem Takt, neue Hautzellen bilden sich um ein Vielfaches schneller als gewöhnlich. Die Folge sind entzündete, gerötete Stellen mit silbrig-weißer Schuppung.

Vier Jahre sind seitdem vergangen. Heute berichtet die 34-Jährige, seit mehr als drei Jahren symptomfrei zu sein und keine Medikamente mehr zu benötigen.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Pickel, Glow, trockene Haut: Was dein Zyklus mit deiner Haut macht

Ungeschminkt geschminkt: So funktioniert der No-Make-up-Look wirklich

Erst Conditioner, dann Shampoo? Was Reverse Washing mit deinen Haaren macht


Zum Ausstellungsstück im eigenen Behandlungszimmer

Schuppenflechte lässt sich nicht verbergen, und das bekam Mariam von Anfang an zu spüren. Ihr ganzer Körper war betroffen, die Haut war wund, riss auf und blutete. Selbst der Schlaf tat ihr weh. Doch schwerer als die körperliche Pein wog die seelische Last aus Scham und den Blicken der Umwelt.

„Ich schämte mich", erinnert sie sich. „Ich traute mich kaum noch vor die Tür. Jeder Blick fühlte sich an wie eine Bewertung." Manche starrten erschrocken, andere mit Mitleid, wieder andere gingen auf Abstand. „Einmal wollte mir ein Postbote mein Paket kaum aus der Hand entgegennehmen. Solche Momente vergisst man nicht. Sie hinterlassen Spuren."

Zunächst tippten Ärzte auf eine Medikamentenreaktion nach einer Grippe. Doch als sich das Hautbild rasant verschlechterte, wurde Mariams Körper zum Ausstellungsstück. „Ich war ohnehin psychisch völlig überfordert“, sagt sie rückblickend. „Statt das Gefühl zu haben, aufgefangen zu werden, kam ich mir vor wie ein besonderer Fall, den man sich anschauen wollte. Mehrere Ärzte kamen in die Behandlungsräume, weil sich die Schuppenflechte so schnell ausgebreitet hatte. Für sie war es außergewöhnlich. Für mich war es beängstigend. Ich fühlte mich nicht gesehen. Ich fühlte mich beobachtet. Fast wie in einem Zoo.“

Es folgten Cortisonsalben, Termine in Hautarztpraxen und endlose Überweisungen. Später standen auch systemische Medikamente und Spritzen im Raum. Mariam wog die Risiken ab. Schwere Nebenwirkungen auf der einen Seite, die ungewisse Aussicht, ob die Therapie überhaupt helfen würde, auf der anderen. Sie zögerte.


„In fünf Monaten zerbricht Ihre Ehe daran“

Doch dann fiel bei einem Arzttermin ein Satz, den sie bis heute nicht vergessen kann. Ihr Mann saß neben ihr, als der Mediziner zu Mariam sagte: „So wie Sie aussehen, wundern Sie sich nicht, wenn in fünf Monaten Ihre Ehe daran zerbricht."

„Diese Worte haben mich damals zutiefst verletzt", erzählt Mariam. „Ich fühlte mich ohnehin schon unglaublich hässlich, mein Selbstwert war am Boden, ich kämpfte jeden Tag mit meinem Spiegelbild. Dieser Satz traf mich genau dort, wo ich ohnehin schon am verletzlichsten war." In diesem Moment, sagt sie, habe sie das Gefühl gehabt, endgültig den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Zu Hause zerriss sie sämtliche Überweisungen und Rezepte und sagte eine bereits geplante stationäre Behandlung ab, nicht aus Trotz, sondern weil einfach alles zu viel geworden war. „Nicht, weil ich gegen die Schulmedizin war, ganz im Gegenteil. Ich bin dankbar, dass wir sie haben, und sie hilft unzähligen Menschen. Aber ich hatte für mich das Gefühl, dass ich auf meinem Weg nicht weiterkam. Ich fühlte mich nicht verstanden, nicht gesehen, nicht als Mensch wahrgenommen."


Soraya: der Halt in der Dunkelheit

(Bild: Mariam/Privat)
Ein Herz und eine Seele: Mariam mit ihrer Zwillingsschwester Soraya (links)
(Bild: Mariam/Privat)

Dass sie in dieser Dunkelheit nicht zerbrach, verdankt sie vor allem ihrer Zwillingsschwester Soraya. „Sie war mein größter Halt. Sie hielt meine Hand, als ich keine Kraft mehr hatte. Sie erinnerte mich daran, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Während ich nur Hoffnungslosigkeit sah, glaubte sie für uns beide weiter.“

Gemeinsam begannen die Schwestern, nach Antworten zu suchen. Monatelang lasen sie Bücher, hörten Vorträge und beschäftigten sich mit der Frage, welche Rolle neben der medizinischen Behandlung auch Ernährung, Lebensstil und psychische Belastungen für das eigene Wohlbefinden spielen können.

Für Mariam wurde dabei eine Erkenntnis zum Wendepunkt. Sie wollte ihren Blick nicht länger nur auf die sichtbaren Symptome richten, sondern begann, auch andere Bereiche ihres Lebens genauer zu betrachten. Sie setzte sich mit ihrer Ernährung und ihren Gewohnheiten auseinander, aber auch mit tief sitzenden Glaubenssätzen, inneren Blockaden und belastenden Erfahrungen. 

„Schritt für Schritt veränderte sich mein Alltag“, erzählt sie. Irgendwann bemerkte sie auch eine Veränderung ihrer Haut. Zunächst langsam, dann immer deutlicher. Schließlich verschwanden die sichtbaren Hauterscheinungen vollständig.


Was Symptomfreiheit bei Psoriasis wirklich bedeutet

Heute sieht man Mariam ihre Erkrankung nicht mehr an. Seit mehr als drei Jahren, sagt sie, sei ihre Haut symptomfrei. Doch genau hier ist eine Einordnung wichtig. Symptomfrei bedeutet bei Psoriasis nicht geheilt. Die chronisch entzündliche Erkrankung kann über lange Zeit zur Ruhe kommen. Der Deutsche Psoriasis Bund berichtet sogar, dass bei rund einem Viertel der Betroffenen die Hauterscheinungen spontan abheilen können. Wie lange eine solche Phase anhält, lässt sich jedoch nicht vorhersagen.

Infektionen und psychischer Stress gehören zu den bekannten Faktoren, die neue Schübe auslösen können. Ob die Umstellungen in ihrem Leben ebenso zu dieser Ruhephase beigetragen haben, lässt sich im Nachhinein nicht eindeutig sagen.

Mariam selbst macht aus ihrer Geschichte deshalb kein Heilversprechen. „Ich möchte nicht sagen, dass das für jeden funktioniert. Aber meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass es neben der klassischen Medizin auch andere Wege geben kann, die Menschen individuell unterstützen können."

Quelle: Deutscher Psoriasis Bund und gesund.bund.de


Aus der eigenen Erfahrung eine Berufung machen

Auf ihrem Instagram @zurueck.in.meiner.kraft dokumentiert Mariam ihren persönlichen Weg mit Psoriasis und spricht offen über ihre Erfahrungen mit der Erkrankung. (Bild:Mariam/Privat)

Heute befindet sich Mariam in der abschließenden Phase ihrer Ausbildung zur Ernährungsberaterin und baut parallel ihre Selbstständigkeit auf. Menschen mit Psoriasis begleitet sie bereits mit ihrem eigenen ganzheitlichen Ansatz.

Dabei zieht sie selbst eine klare Grenze. „Ich verspreche niemandem Heilung. Jeder Mensch ist individuell und jeder Weg ist anders. Was ich anbiete, ist eine persönliche Begleitung und Hilfe zur Selbsthilfe.“

Was sie antreibt, führt am Ende zurück zu jener Frau, die sie durch ihre schwerste Zeit getragen hat. „Nicht jeder Mensch hat eine Zwillingsschwester wie ich. Nicht jeder hat jemanden, der in den dunkelsten Momenten die Hand hält und sagt: Wir schaffen das gemeinsam.“

Genau deshalb wünsche sie sich heute, für andere Menschen diese Begleiterin zu sein. „Jemand, der zuhört. Der Hoffnung schenkt. Der an ihrer Seite bleibt.“


Sichtbar sein verändert etwas

Mehr als zwei Millionen Menschen leben allein in Deutschland mit Psoriasis. Und obwohl die Schuppenflechte zu den häufigsten chronisch entzündlichen Hauterkrankungen gehört, bleibt vieles von dem, was sie mit einem Menschen macht, unsichtbar. Sichtbare Hautveränderungen können Stress, mitleidige oder abwertende Blicke und Ausgrenzung bedeuten. Sich trotzdem zu zeigen, kann enormen Mut kosten.

Menschen wie Mariam brechen dieses Tabu. Sie zeigen, dass Psoriasis kein Makel ist, den man verstecken muss, sondern Teil einer Lebensrealität, über die gesprochen werden sollte. Sie erinnern uns daran, wie viel unser eigener Blick ausmacht. Ganz egal, ob beim Bäcker, im Schwimmbad oder auf der Straße. Ein Mensch mit sichtbar veränderter Haut möchte nicht angestarrt oder gemieden werden. Er möchte vor allem eines sein dürfen, selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft.


Medizinischer Hinweis: Psoriasis verläuft von Mensch zu Mensch unterschiedlich und gilt nach aktuellem Stand der Medizin als chronisch, aber behandelbar, nicht heilbar. Mariams Geschichte zeigt ihren ganz persönlichen Weg. Sie ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Japans „Heiratsmarkt“ der Eltern: Zwischen Weihnachtskuchen-Angst und neuer Freiheit

Ghana: Die verborgene Macht der Market Queens

Island: Wenn die Frauen das Land lahmlegen

Pickel, Glow, trockene Haut: Was dein Zyklus mit deiner Haut macht

Kennst du das? Eine Woche strahlt deine Haut wie nach einem Spa-Tag, die nächste kämpfst du gegen Pickel am Kinn, und kurz vor deiner Periode fühlt sich alles anders an als sonst. Das bildest du dir nicht ein, dein Zyklus kann deine Haut tatsächlich beeinflussen. Wie stark und wodurch genau, ist allerdings individueller und wissenschaftlich weniger eindeutig, als viele Beauty-Ratgeber es dir verkaufen. Wir haben uns angeschaut, was darüber tatsächlich wissenschaftlich belegt ist und wo Beauty-Mythen der Forschung voraus sind.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Japans „Heiratsmarkt“ der Eltern: Zwischen Weihnachtskuchen-Angst und neuer Freiheit

Ghana: Die verborgene Macht der Market Queens

Island: Wenn die Frauen das Land lahmlegen


Warum deine Haut überhaupt auf Hormone reagiert

Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Hormone: Östrogen und Progesteron. In der ersten Zyklushälfte steigt der Östrogenspiegel an und erreicht rund um den Eisprung hohe Werte. Östrogen spielt unter anderem eine Rolle für verschiedene Funktionen der Haut und der Hautbarriere. Wie stark sich diese hormonellen Veränderungen innerhalb eines einzelnen Zyklus tatsächlich sichtbar auf die Haut auswirken, ist wissenschaftlich allerdings noch nicht abschließend geklärt. Auch ein pauschaler Zusammenhang „mehr Progesteron, automatisch mehr Talg“ lässt sich wissenschaftlich nicht so eindeutig bestätigen, wie es oft behauptet wird.

Quelle: Wissenschaftliche Scoping-Review zur Hautbarriere und zum Menstruationszyklus, 2024


Menstruation: Wenn deine Haut sich anders anfühlt

Während deiner Periode sind sowohl Östrogen als auch Progesteron auf einem Tiefpunkt. Viele Frauen berichten in dieser Zeit von trockener, empfindlicherer Haut, du kennst das vielleicht von dir selbst. Interessant dabei ist, dass sich ein genereller Feuchtigkeitsverlust der Haut über den Zyklus hinweg in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht eindeutig nachweisen ließ. Das Empfinden ist also sehr individuell. Deine eigene Erfahrung zählt hier mehr als eine pauschale Regel.

Was deiner Haut jetzt hilft: Wenn sich deine Haut in dieser Phase trockener oder empfindlicher anfühlt, kann eine milde Reinigung und eine Feuchtigkeitspflege sinnvoll sein. Intensive Peelings oder Säuren solltest du vor allem dann reduzieren, wenn du merkst, dass deine Haut darauf empfindlicher reagiert.

Quelle: Wissenschaftliche Scoping-Review zur Hautbarriere und zum Menstruationszyklus, 2024

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Rente mit 34 und kaum Kraft für den Alltag: Vanessas Leben mit Fatigue

Trauer verarbeiten: Psychologin Dr. Doris Wolf erklärt, was nach dem Verlust wirklich hilft

Sie brachte zwei Kinder im Ozean zur Welt. Dann urteilte die ganze Welt


Follikelphase & Eisprung: Deine Haut im Glow-Modus

Nach der Periode steigt dein Östrogenspiegel wieder an und erreicht rund um den Eisprung hohe Werte. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass sich bestimmte Eigenschaften der Haut im Laufe des Zyklus verändern können. So wurde beispielsweise eine höhere Hautelastizität rund um die Ovulation beobachtet. Bei der Hautfeuchtigkeit konnten dagegen bislang keine eindeutigen Unterschiede zwischen den Zyklusphasen festgestellt werden. Die Forschung dazu ist insgesamt noch begrenzt.

Was deiner Haut jetzt hilft: Wirkstoffe wie Vitamin C oder andere Antioxidantien können grundsätzlich Bestandteil deiner Hautpflege sein, unabhängig davon, in welcher Zyklusphase du dich befindest. Auch konsequenter Sonnenschutz gehört unabhängig vom Zyklus zur täglichen Hautpflege.

Quelle: Wissenschaftliche Scoping-Review zur Hautbarriere und zum Menstruationszyklus, 2024


Lutealphase: Wenn viele Frauen zu Unreinheiten neigen

In der zweiten Zyklushälfte, nach dem Eisprung bis kurz vor deiner nächsten Periode, verändert sich dein Hormonhaushalt erneut. Viele von uns beobachten rund um ihre Menstruation eine Verschlechterung ihrer Akne. Welches Zusammenspiel der Hormone dafür im Detail verantwortlich ist, ist komplex und individuell unterschiedlich.

Spannend ist auch ein anderer Zusammenhang: Eine große internationale Studie mit 17.009 Frauen zeigte, dass Frauen mit unregelmäßiger Menstruation häufiger bestimmte Hautprobleme und Hauterkrankungen berichteten. Ärztlich diagnostizierte Akne kam bei ihnen beispielsweise häufiger vor als bei Frauen mit regelmäßiger Menstruation.

Was deiner Haut jetzt hilft: Eine Pflege mit Salicylsäure kann bei zu Unreinheiten neigender Haut sinnvoll sein. Wichtig: nicht mit aggressiver Reinigung gegensteuern, das kann die Haut zusätzlich reizen.

Quelle: British Journal of Dermatology, internationale Studie mit 17.009 Frauen (2025)


Ist „Cycle Syncing“ wirklich sinnvoll?

Der Trend, die komplette Hautpflege-Routine nach Zyklusphasen umzustellen, nennt sich Cycle Syncing. Dass Sexualhormone die Haut beeinflussen können, ist gut begründet. Wie stark sich die einzelnen Zyklusphasen auf Hautfeuchtigkeit, Hautbarriere und andere messbare Eigenschaften auswirken, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht vollständig geklärt. Manche Frauen bemerken kaum Unterschiede über den Zyklus hinweg, andere sehr deutlich. Es lohnt sich also, deine eigene Haut über ein, zwei Zyklen hinweg zu beobachten, bevor du deine komplette Routine umstellst.

Quelle: Wissenschaftliche Scoping-Review zur Hautbarriere und zum Menstruationszyklus, 2024


Am Ende geht es nicht darum, gegen deine Haut anzukämpfen, sondern zu verstehen, was sie in welcher Phase braucht, und dabei ruhig mehr auf deine eigene Erfahrung zu vertrauen als auf pauschale Beauty-Regeln, die wissenschaftlich oft weniger sicher sind, als sie klingen.

Wenn du neben Hautproblemen auch sehr unregelmäßige Zyklen bemerkst oder plötzlich starke Akne entwickelst, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. Denn Veränderungen der Haut können manchmal mehr sein als ein reines Beauty-Thema.

Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle dermatologische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Hautproblemen wende dich an eine Dermatologin oder einen Dermatologen.

Bin ich schon in der Perimenopause? Diese Veränderungen können Jahre vor der letzten Periode beginnen

Fatigue bei MS: Wenn selbst Schlaf die Erschöpfung nicht verschwinden lässt

Multiple Sklerose: Was hinter der „Krankheit der 1.000 Gesichter“ steckt

Adipositas ist keine Faulheit! Diese Hilfe kennen viele betroffene Frauen noch immer nicht

Ungeschminkt geschminkt: So funktioniert der No-Make-up-Look wirklich

Du hast Concealer, Foundation, Rouge, Mascara und vielleicht sogar Bronzer benutzt und sollst am Ende aussehen, als hättest du kaum Make-up im Gesicht. Klingt ein bisschen widersprüchlich. Genau das ist aber die Idee hinter No-Make-up-Make-up.

Statt jede Rötung, Pore und Unebenheit verschwinden zu lassen, soll deine Haut noch wie Haut aussehen. Sommersprossen dürfen sichtbar bleiben, die Wangen bekommen etwas Farbe und selbst kleine Unebenheiten müssen nicht komplett abgedeckt werden.

Der Look wirkt unkompliziert. Tatsächlich entscheidet aber gerade beim natürlichen Make-up die richtige Dosierung darüber, ob dein Gesicht frisch oder am Ende doch stark geschminkt aussieht.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Japans „Heiratsmarkt“ der Eltern: Zwischen Weihnachtskuchen-Angst und neuer Freiheit

Ghana: Die verborgene Macht der Market Queens

Island: Wenn die Frauen das Land lahmlegen


Fang nicht mit der Foundation an

Der größte Unterschied entsteht oft schon vor dem Make-up.

Wenn deine Haut trocken und schuppig ist, wird eine Foundation diese Struktur nicht einfach verschwinden lassen. Im Gegenteil, Make-up kann sich an trockenen Stellen absetzen und sie dadurch noch sichtbarer machen.

Reinige dein Gesicht deshalb wie gewohnt und verwende eine Feuchtigkeitspflege, die zu deiner Haut passt. Die American Academy of Dermatology empfiehlt, Feuchtigkeitspflege auf noch leicht feuchte Haut aufzutragen. Tagsüber gehört außerdem ein Breitband-Sonnenschutz mit mindestens SPF 30 zur Hautpflege.

Gib deinen Pflegeprodukten kurz Zeit, sich zu setzen, bevor du mit dem Make-up beginnst. Wenn du sofort mehrere Schichten übereinander aufträgst, kann sich das Make-up später leichter abrollen.

GUT ZU WISSEN:
Deine Tagespflege muss nicht besonders reichhaltig sein, damit dein Make-up schön aussieht. Entscheidend ist, dass sie zu deiner Haut passt. Wenn Foundation auf deiner Nase oder Stirn schnell verschwindet, während sie an den Wangen trocken aussieht, musst du außerdem nicht zwangsläufig überall dieselbe Menge Pflege verwenden.


Verdeck nicht dein ganzes Gesicht

Hier passiert beim No-Make-up-Look wahrscheinlich der häufigste Fehler.

Du möchtest drei kleine Rötungen abdecken und trägst dafür eine deckende Foundation über dein komplettes Gesicht auf. Plötzlich verschwinden aber auch natürliche Farbunterschiede, Sommersprossen und ein Teil der Hautstruktur. Versuch es andersherum.

Schau zuerst in den Spiegel und entscheide, was dich tatsächlich stört. Vielleicht brauchst du nur etwas Concealer um die Nase, an einem Pickel und unter den Augen.

Wenn du insgesamt etwas ausgleichen möchtest, kannst du eine leichte Foundation oder einen Skin Tint dünn von der Gesichtsmitte nach außen verteilen. Wo deine Haut ohnehin ebenmäßig aussieht, darf fast nichts liegen.

Das Ergebnis wirkt häufig natürlicher als eine gleichmäßig deckende Schicht.


Concealer gehört nicht automatisch unter das ganze Auge

Große helle Concealer-Dreiecke unter den Augen können das Gesicht stark verändern. Für einen natürlichen Look brauchst du meist wesentlich weniger.

Setze Concealer gezielt dort ein, wo tatsächlich Schatten liegen. Häufig befindet sich der dunkelste Bereich eher am inneren Augenwinkel beziehungsweise entlang der Vertiefung unter dem Auge.

Beginne mit einer kleinen Menge und arbeite sie ein. Mehr kannst du immer noch hinzufügen.

Wenn sich Concealer bei dir schnell in feinen Linien sammelt, hilft vor allem eines: weniger Produkt. Eine dicke Schicht wird nicht automatisch glatter, nur weil du anschließend mehr Puder darüber gibst.


Cremeprodukte können besonders natürlich wirken

Rouge ist beim No-Make-up-Look wichtiger, als du vielleicht denkst.

Wenn Foundation und Concealer Rötungen reduzieren, verschwindet gleichzeitig ein Teil der natürlichen Farbe aus deinem Gesicht. Ein wenig Rouge bringt diese Dimension zurück.

Creme- und Flüssigtexturen lassen sich häufig sehr dünn in die Haut einarbeiten. Setze zunächst wenig Produkt auf die Wangen und verblende es, bevor du nachlegst.

Ein guter Test ist der Blick bei Tageslicht. Wenn du zuerst das Rouge und erst danach dein Gesicht wahrnimmst, war es für diesen Look wahrscheinlich etwas zu viel.

Bronzer ist übrigens kein Pflichtprogramm. Wenn deine Haut ohne ihn frisch aussieht, lass ihn einfach weg.


Puder nur dort, wo du ihn wirklich brauchst

Das ganze Gesicht großzügig abzupudern kann genau den Effekt zerstören, den du gerade aufgebaut hast.

Wenn deine T-Zone schnell glänzt, setze eine kleine Menge Puder gezielt auf Stirn, Nase und Kinn. Unter den Augen kann ebenfalls eine sehr dünne Schicht sinnvoll sein, wenn dein Concealer sonst stark verrutscht.

Deine Wangen müssen aber nicht komplett matt sein. Natürliche Haut reflektiert Licht. Ein leichter Glanz ist deshalb nicht automatisch etwas, das du beseitigen musst.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Rente mit 34 und kaum Kraft für den Alltag: Vanessas Leben mit Fatigue

Trauer verarbeiten: Psychologin Dr. Doris Wolf erklärt, was nach dem Verlust wirklich hilft

Sie brachte zwei Kinder im Ozean zur Welt. Dann urteilte die ganze Welt


Bei den Augen darfst du auf Perfektion verzichten

Für einen No-Make-up-Look brauchst du keine komplizierte Lidschattenpalette.

Bürste deine Augenbrauen in Form und fülle nur sichtbare Lücken auf. Statt eine komplett neue Brauenform zu zeichnen, orientiere dich an deinem natürlichen Verlauf.

Bei den Wimpern kann bereits eine dünne Schicht Mascara reichen. Wenn schwarze Mascara bei sehr hellem Typ schnell hart wirkt, kann Braun eine weichere Alternative sein.

Auch hier gilt, dass der Look nicht davon lebt, möglichst viele Produkte zu benutzen. Er lebt davon, dass kein einzelnes Produkt die Aufmerksamkeit übernimmt.

DEIN 5-MINUTEN-LOOK:
Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz, punktuell Concealer, etwas Creme-Rouge, Augenbrauen bürsten, eine dünne Schicht Mascara und Lippenpflege. Wenn dir das Ergebnis gefällt, bist du fertig. Du brauchst nicht noch drei Schritte, nur weil sie in einem Tutorial vorkommen.


Und was kommt auf die Lippen?

Eine Lippenfarbe, die deiner natürlichen Lippenfarbe ähnelt, funktioniert besonders unkompliziert. Du kannst einen getönten Balm verwenden oder deinen Lippenstift mit dem Finger auftupfen, statt ihn vollkommen deckend aufzutragen.

Wenn deine Lippenkontur dadurch etwas weniger perfekt aussieht, ist das sogar erwünscht. Der gesamte Look lebt davon, dass nichts zu exakt wirkt.


Der wichtigste Trick kostet keinen Cent

Bevor du dein Make-up für fertig erklärst, geh ans Fenster. Badezimmerlicht kann täuschen. Tageslicht zeigt dir ziemlich zuverlässig, ob sich Foundation am Haaransatz gesammelt hat, der Concealer zu hell ist oder das Rouge plötzlich viel intensiver aussieht als gedacht. Und dann hör auf, sobald es gut aussieht.

Genau das ist vielleicht die eigentliche Kunst hinter No-Make-up-Make-up. Nicht möglichst wenig Make-up zu besitzen, sondern zu wissen, wann genug auf deinem Gesicht ist.

Deine Poren dürfen sichtbar bleiben. Deine Haut muss nicht überall dieselbe Farbe haben. Und eine kleine Falte unter deinem Auge muss nicht mit fünf Schichten Concealer verschwinden. Denn der schönste No-Make-up-Look sieht nicht danach aus, als hättest du perfekte Haut. Er sieht aus wie deine Haut an einem richtig guten Tag.


Quellen und weiterführende Informationen

American Academy of Dermatology, Hautpflege bei trockener Haut

American Academy of Dermatology, Sonnenschutz richtig auswählen

Hinweis: Die Make-up-Empfehlungen in diesem Artikel sind kosmetische Anwendungstipps und keine medizinischen Behandlungsempfehlungen.

Erst Conditioner, dann Shampoo? Was Reverse Washing mit deinen Haaren macht

Conditioner nach dem Shampoo. So haben wir es gelernt, so steht es auf fast jeder Flasche und so machen es die meisten von uns seit Jahren. Doch ausgerechnet diese Reihenfolge wird gerade auf den Kopf gestellt. Beim Reverse Washing kommt zuerst der Conditioner ins Haar und erst danach das Shampoo.

Der Beauty-Trend verspricht vor allem Frauen mit feinem Haar mehr Volumen, weniger beschwerte Längen und trotzdem gepflegte Spitzen. Klingt fast zu einfach. Aber macht es für deine Haare tatsächlich einen Unterschied, in welcher Reihenfolge du Shampoo und Conditioner verwendest?

Die kurze Antwort lautet: Es kann einen Versuch wert sein, vor allem wenn dein Haar schnell platt oder beschwert wirkt. Ein wissenschaftlich belegter Geheimtrick für gesünderes oder schneller wachsendes Haar ist Reverse Washing allerdings nicht. Für die Methode selbst gibt es bislang kaum belastbare klinische Forschung.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Japans „Heiratsmarkt“ der Eltern: Zwischen Weihnachtskuchen-Angst und neuer Freiheit

Ghana: Die verborgene Macht der Market Queens

Island: Wenn die Frauen das Land lahmlegen


Was passiert beim Reverse Washing?

Bei der klassischen Haarwäsche reinigst du zunächst Kopfhaut und Haare mit Shampoo. Anschließend verteilst du Conditioner in den Längen und Spitzen und spülst ihn wieder aus.

Beim Reverse Washing drehst du diese Reihenfolge um. Du machst deine Haare nass und verteilst zunächst Conditioner in den Längen und Spitzen. Anschließend kommt das Shampoo zum Einsatz.

Die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Conditioner enthält pflegende Substanzen, die sich am Haarschaft anlagern können. Sie reduzieren die Reibung zwischen den Haarfasern, verbessern die Kämmbarkeit und können das Haar glatter und glänzender erscheinen lassen. 

Wenn anschließend Shampoo verwendet wird, kann ein Teil dieser pflegenden Rückstände wieder entfernt werden. Dadurch kann sich das Haar anschließend leichter anfühlen. Genau hier liegt der mögliche Beauty-Vorteil für feines Haar. Allerdings ist dieser Effekt nicht ausreichend untersucht, um ihn für jeden Haartyp vorherzusagen.

GUT ZU WISSEN:
Conditioner „repariert“ geschädigtes Haar nicht dauerhaft. Er kann die Oberfläche glätten, Reibung reduzieren oder das Entwirren erleichtern. Bereits geschädigte Haarfasern werden dadurch aber nicht biologisch wiederhergestellt. 


Für wen könnte Reverse Washing interessant sein?

Besonders interessant ist die Methode, wenn du feines oder glattes Haar hast, das nach Conditioner schnell schwer, fettig oder platt aussieht.

Dass feines Haar leichter durch reichhaltige Pflege beschwert werden kann, ist kein reiner Social-Media-Mythos. Auch die American Academy of Dermatology empfiehlt bei feinem Haar eher leichte Conditioner und rät dazu, Conditioner hauptsächlich in den Spitzen anzuwenden, damit das Haar nicht unnötig beschwert wird. 

Reverse Washing kann deshalb eine Möglichkeit sein, wenn du auf Conditioner eigentlich nicht verzichten möchtest, das Ergebnis nach der klassischen Anwendung aber nicht magst.

Hast du dagegen sehr trockenes, lockiges, stark strukturiertes oder chemisch behandeltes Haar, solltest du genauer beobachten, wie deine Haare reagieren. Solche Haare können einen höheren Pflegebedarf haben. Die AAD empfiehlt bei trockenem oder lockigem Haar Conditioner über die gesamte Haarlänge, während bei feinem oder glattem Haar häufig die Spitzen ausreichen. 

Reverse Washing ist also keine Methode, die automatisch für jeden Haartyp besser ist.

Der „Nice Girl“ Effekt: Wenn du für Harmonie deine eigenen Grenzen übergehst

Verliebt in KI: „Ich habe den besten Gesprächspartner meines Lebens gefunden“

Kaltes Wasser, Summen, Atemübungen: Kannst du deinen Vagusnerv gegen Stress aktivieren?

Fatigue bei MS: Wenn selbst Schlaf die Erschöpfung nicht verschwinden lässt


So kannst du Reverse Washing ausprobieren

Mach deine Haare zunächst vollständig nass. Verteile anschließend eine kleine Menge Conditioner in den Längen und vor allem in den Spitzen. Die Kopfhaut kannst du in der Regel aussparen, besonders wenn dein Ansatz schnell fettig wird.

Danach verwendest du dein Shampoo vor allem dort, wo es tatsächlich reinigen soll, nämlich auf der Kopfhaut. Genau das empfiehlt auch die AAD bei der normalen Haarwäsche. Du musst deine Längen nicht kräftig mit Shampoo bearbeiten. Beim Ausspülen läuft der Schaum ohnehin durch das Haar. 

Je nach Produkt kannst du den Conditioner vor dem Shampoo ausspülen oder die Produkte entsprechend ihrer jeweiligen Gebrauchsanweisung verwenden. Für Reverse Washing existiert kein medizinisch standardisiertes Verfahren. Genau deshalb solltest du aus einer bestimmten TikTok-Anleitung keine allgemeingültige Regel machen.

DEIN TIPP:
Probier Reverse Washing zunächst bei zwei oder drei Haarwäschen aus und ändere währenddessen nicht Shampoo, Conditioner und Stylingprodukte gleichzeitig. Achte darauf, wie sich dein Ansatz nach dem Trocknen anfühlt, ob die Längen gut kämmbar bleiben und ob dein Haar tatsächlich länger luftig wirkt. So merkst du viel besser, ob die Methode zu deinen Haaren passt.


Macht Reverse Washing die Haare gesünder?

Hier sollten wir einen Beauty-Mythos direkt aus dem Weg räumen. Es gibt derzeit keinen guten wissenschaftlichen Beleg dafür, dass allein die umgekehrte Reihenfolge das Haarwachstum fördert, Haarausfall verhindert oder geschädigte Haare dauerhaft repariert.

Der nachvollziehbare Nutzen liegt vielmehr im kosmetischen Ergebnis. Shampoo entfernt Talg, Schmutz und Produktrückstände, während Conditioner unter anderem die Reibung zwischen Haarfasern reduziert und die Kämmbarkeit verbessert. 

Ob dein Haar mit Conditioner vor dem Shampoo besser aussieht als andersherum, hängt deshalb stark von deinem Haartyp, den verwendeten Produkten und deinen persönlichen Vorlieben ab.


Drei Fehler kannst du dir sparen

Erstens musst du deine Kopfhaut nicht mit Conditioner eincremen, wenn sie schnell nachfettet. Bei feinem Haar reicht Pflege in den Längen und Spitzen häufig aus. 

Zweitens solltest du nicht plötzlich mehr Shampoo verwenden, nur weil vorher Conditioner im Haar war. Entscheidend ist eine ausreichende Reinigung der Kopfhaut, nicht möglichst viel Schaum.

Und drittens solltest du Reverse Washing nicht mit Co-Washing verwechseln. Beim Co-Washing wird auf klassisches Shampoo verzichtet und überwiegend mit einem dafür vorgesehenen Conditioner beziehungsweise Cleansing Conditioner gereinigt. Das ist eine andere Methode.


Lohnt sich der Trend?

Wenn deine Haare nach der klassischen Pflege regelmäßig platt am Kopf liegen, obwohl deine Spitzen Conditioner brauchen, ist Reverse Washing ein unkompliziertes Experiment. Erwarte nur keine Wunder.

Vielleicht sehen deine Haare danach tatsächlich luftiger aus. Vielleicht merkst du überhaupt keinen Unterschied.

Genau deshalb ist Reverse Washing einer dieser Beauty-Trends, bei denen du nicht entscheiden musst, ob TikTok „recht“ oder „unrecht“ hat. Deine Haare können dir die Antwort nach ein paar Wäschen selbst geben.


Quellen und weiterführende Informationen

American Academy of Dermatology, Tipps für gesundes Haar
American Academy of Dermatology, Empfehlungen für feines Haar
Fachübersicht zu Shampoo und Conditioner, Indian Journal of Dermatology
Wissenschaftliche Übersicht zu Haarkosmetik und Conditioner

Hinweis: Bei plötzlich auftretendem, starkem Haarausfall, Veränderungen der Kopfhaut oder Haarbruch unbekannter Ursache solltest du die Beschwerden dermatologisch abklären lassen.

Lachs-DNA fürs Gesicht? Was wirklich hinter dem PDRN-Hype steckt

Hyaluron, Retinol, Peptide und jetzt … Lachs-DNA? Wenn du dich gerade durch neue Seren und koreanische Beauty-Trends scrollst, ist dir die Abkürzung PDRN wahrscheinlich schon begegnet. Der Wirkstoff wird in der Beauty-Welt mit großen Versprechen beworben. Glattere Haut, weniger Fältchen, bessere Regeneration und ein frischerer Teint sollen möglich sein. Das klingt beeindruckend, aber kann ein PDRN-Serum wirklich all das leisten?

Die Forschung ist tatsächlich spannend. Gleichzeitig gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was über PDRN unter kontrollierten medizinischen Bedingungen untersucht wurde, und dem, was du dir als Serum zu Hause ins Gesicht streichst. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick.


Was ist PDRN überhaupt?

PDRN steht für Polydeoxyribonukleotid. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um gereinigte DNA-Fragmente. In der ästhetischen Medizin und Hautforschung werden PDRN und verwandte Polynukleotide schon länger untersucht, unter anderem im Zusammenhang mit Wundheilung und Hautregeneration. Viele der verwendeten Präparate werden aus DNA von Lachs- oder Forellenarten gewonnen. 

Daher kommt auch der aufmerksamkeitsstarke Begriff „Lachs-DNA“. Der klingt allerdings spektakulärer, als es die Sache tatsächlich ist. In einem PDRN-Produkt steckt nicht einfach unbehandelte Fisch-DNA, sondern entsprechend aufbereitetes Ausgangsmaterial.

Und noch etwas ist wichtig. Nicht jedes Produkt, auf dem „PDRN“ oder „Polynukleotide“ steht, ist automatisch mit den Präparaten vergleichbar, die in klinischen Studien untersucht wurden.

GUT ZU WISSEN:
PDRN und Polynukleotide, kurz PN, sind nicht einfach zwei Namen für exakt dasselbe Produkt. In der Forschung werden beide Gruppen untersucht, die verwendeten Präparate können sich jedoch unter anderem in ihren molekularen Eigenschaften unterscheiden. Deshalb solltest du Studien zu einem bestimmten PN- oder PDRN-Präparat nicht automatisch auf jedes Beauty-Serum übertragen. 


Was kann PDRN für die Haut tatsächlich leisten?

Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit wertete randomisierte klinische Studien zu PDRN und Polynukleotiden für Hautverjüngung, Narbenprävention und Wundheilung aus. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf positive Effekte. Besonders konsistent waren die Resultate im Bereich der Wundheilung. 

Das klingt zunächst ziemlich überzeugend. Dann kommt allerdings die Zahl, die du kennen solltest.

In die Übersichtsarbeit gingen lediglich sieben randomisierte Studien mit insgesamt 183 Teilnehmenden ein. Vier beschäftigten sich mit Hautverjüngung, eine mit Narbenprävention und zwei mit Wundheilung. Zudem unterschieden sich Präparate, Anwendungen und Messmethoden teilweise deutlich voneinander. Die Autoren fordern deshalb größere und methodisch robuste Studien. 

PDRN ist also kein Beauty-Märchen. Aber wir haben momentan auch noch keine wissenschaftliche Grundlage dafür, jedes PDRN-Serum zum Anti-Aging-Wundermittel zu erklären.


Funktioniert PDRN überhaupt als Creme oder Serum?

Das ist wahrscheinlich die spannendste Frage für deinen Badezimmerschrank.

Denn ein Wirkstoff, der injiziert oder medizinisch eingesetzt wird, muss als Creme auf der Haut nicht automatisch dasselbe bewirken. Bei topischen Produkten spielen unter anderem die konkrete Formulierung und die Eigenschaften des verwendeten PDRN eine Rolle.

Genau hierzu erschien im Juli 2026 eine interessante Studie. Forschende untersuchten ein bestimmtes mittelgroßes PDRN-Präparat mit der Bezeichnung PDRN-850K. In verschiedenen Modellen fanden sie Hinweise darauf, dass PDRN-assoziierte Signale bis in vitale Bereiche der Epidermis gelangen können. 

Besonders interessant war der klinische Teil der Untersuchung. In einer randomisierten, doppelblinden Split-Face-Studie verwendeten 31 Teilnehmende über 28 Tage auf einer Gesichtshälfte eine Augencreme mit 0,1 Prozent PDRN-850K und auf der anderen eine Creme mit 0,1 Prozent Retinol. Das untersuchte PDRN-Produkt erzielte bei mehreren gemessenen Parametern rund um die Augen stärkere kurzfristige Verbesserungen als die Retinol-Vergleichscreme. 

Das ist bemerkenswert. Es bedeutet aber nicht, dass dein PDRN-Serum zu Hause automatisch genauso wirkt.

Untersucht wurde eine ganz bestimmte Formulierung über einen relativ kurzen Zeitraum. Die Ergebnisse lassen sich deshalb weder auf sämtliche PDRN-Produkte übertragen noch beweisen sie, dass PDRN generell besser als Retinol ist.


PDRN oder Retinol?

Wenn du jetzt überlegst, dein Retinol auszusortieren, würde ich damit noch warten.

Retinoide besitzen eine wesentlich länger etablierte Forschungsgeschichte in der Dermatologie. PDRN ist als topischer Beauty-Wirkstoff dagegen noch vergleichsweise jung.

Die neue Studie macht PDRN gerade deshalb so interessant. Zum ersten Mal gibt es vielversprechende aktuelle Daten zu einer konkreten topischen Formulierung. Was jetzt fehlt, sind weitere unabhängige Studien mit mehr Teilnehmenden, längeren Beobachtungszeiträumen und unterschiedlichen Formulierungen. Die gesamte randomisierte Evidenz zu PDRN und PN ist bislang noch überschaubar. 

„Vielversprechend“ und „bewiesen“ sind eben zwei unterschiedliche Dinge.


Worauf solltest du beim Kauf eines PDRN-Serums achten?

Lass dich zunächst nicht allein von einer großen PDRN-Zahl auf der Verpackung überzeugen. Schau dir das gesamte Produkt an. Welche Inhaltsstoffe sind noch enthalten? Ist angegeben, welche Form von PDRN verwendet wird? Und vor allem, was verspricht der Hersteller tatsächlich?

Ein weiterer praktischer Punkt wird oft vergessen. Wenn deine neue PDRN-Creme deine Haut plötzlich praller und gepflegter wirken lässt, muss dieser Effekt nicht ausschließlich vom PDRN stammen. In einer fertigen Formulierung können beispielsweise auch Feuchthaltemittel und andere pflegende Inhaltsstoffe zum Hautgefühl beitragen.

DEIN TIPP:
Möchtest du PDRN ausprobieren, ändere nicht gleichzeitig deine komplette Hautpflege. Führe ein neues Produkt einzeln ein und verwende es entsprechend den Herstellerangaben. So kannst du wesentlich besser beurteilen, ob deine Haut es verträgt und ob du überhaupt einen Unterschied bemerkst.


Ist PDRN also den Hype wert?

Interessant? Definitiv. Revolutionär? Dafür ist es noch zu früh.

PDRN gehört zu den Beauty-Wirkstoffen, bei denen hinter dem Social-Media-Hype tatsächlich wissenschaftliche Forschung steht. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt Potenzial für verschiedene dermatologische Anwendungen, und die neue Studie zur topischen Anwendung liefert spannende erste klinische Ergebnisse. Gleichzeitig ist die Studienlage noch klein und sehr unterschiedliche PDRN- und PN-Anwendungen werden unter einem großen Trendbegriff zusammengefasst. 

Du musst dein Retinol also nicht in den Müll werfen und auch nicht sofort das teuerste PDRN-Serum bestellen.

Aber wenn du Beauty-Trends gerne mit etwas Abstand beobachtest, darfst du dir PDRN definitiv merken. Diesmal steckt hinter dem Hype zumindest eine Forschungsfrage, deren nächste Antworten ziemlich interessant werden könnten.


Quellen und weiterführende Informationen

Systematic Review 2026 zu PDRN und Polynukleotiden in Hautverjüngung, Narbenprävention und Wundheilung
PLOS ONE 2026, Studie zu topischem PDRN-850K bei lichtgeschädigter Haut
PubMed, Topical medium-length PDRN in photodamaged skin
Dermatologic Surgery 2026, Systematic Review zu PN und PDRN in der Dermatologie

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle dermatologische Beratung oder Behandlung.

Große Poren trotz guter Pflege? Darauf kommt es bei deiner Haut an

Du stehst morgens vor dem Spiegel und plötzlich fallen sie dir wieder auf. Die Poren auf deiner Nase wirken größer als sonst, auf den Wangen ist die Hautstruktur deutlicher zu sehen und unter Make-up scheint das Ganze manchmal sogar noch stärker aufzufallen. Also doch ein „Pore Minimizing“-Serum kaufen?

Bevor du dein Badezimmer um das nächste Produkt erweiterst, gibt es eine wichtige Sache zu wissen: Poren gehören zu deiner Haut und lassen sich nicht einfach dauerhaft wegcremen oder „schließen“. Wie deutlich sie sichtbar sind, kannst du mit der richtigen Hautpflege aber durchaus beeinflussen.

„Ich fühlte mich wie im Zoo“: Mariams Weg aus der Schuppenflechte

Japans „Heiratsmarkt“ der Eltern: Zwischen Weihnachtskuchen-Angst und neuer Freiheit

Ghana: Die verborgene Macht der Market Queens

Island: Wenn die Frauen das Land lahmlegen


Warum wirken manche Poren größer als andere?

Wie sichtbar deine Poren sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem deine genetische Veranlagung, die Talgproduktion und die Beschaffenheit deiner Haut. Auch mit zunehmendem Alter können Poren auffälliger erscheinen, wenn die Haut an Festigkeit und Elastizität verliert. UV-bedingte Hautschäden können diesen Effekt zusätzlich begünstigen.

Wenn du also schon seit deiner Jugend deutlich sichtbare Poren hast, bedeutet das nicht, dass du deine Haut falsch gepflegt hast. Ein Teil davon ist schlicht Veranlagung.

GUT ZU WISSEN:
Kannst du Poren wirklich verkleinern?
Ihre anatomische Größe lässt sich mit Kosmetik nicht beliebig verändern. Mit einer passenden Hautpflege kannst du aber beeinflussen, wie auffällig sie erscheinen. Das ist ein wesentlich realistischeres Beauty-Ziel als vollkommen „porenlose“ Haut.


Reinige deine Haut gründlich, aber sanft

Wenn sich Talg und abgestorbene Hautzellen im Bereich der Poren ansammeln, können diese stärker auffallen. Das bedeutet allerdings nicht, dass du deine Haut kräftig schrubben solltest.

Die American Academy of Dermatology empfiehlt eine sanfte Reinigung. Starkes Reiben und aggressive Pflege können die Haut reizen und Poren dadurch sogar auffälliger erscheinen lassen.

Für deinen Alltag bedeutet das: Verwende einen milden Reiniger, massiere ihn vorsichtig mit den Fingerspitzen ein und wasche dein Gesicht mit lauwarmem Wasser. Deine Haut muss sich danach nicht „quietschsauber“ anfühlen.


Bei verstopften Poren kann Salicylsäure interessant sein

Wenn du neben sichtbaren Poren auch zu fettiger Haut oder Mitessern neigst, kann Salicylsäure ein sinnvoller Wirkstoff sein.

Salicylsäure kann dabei helfen, abgestorbene Hautzellen zu lösen und verstopfte Poren zu reduzieren. Die AAD nennt salicylsäurehaltige Produkte deshalb ausdrücklich als eine mögliche Option bei sichtbaren Poren. Allerdings kann der Wirkstoff die Haut bei manchen Menschen austrocknen oder reizen.

Du musst also nicht morgens und abends mehrere Säureprodukte übereinanderschichten. Starte lieber vorsichtig und beobachte, wie deine Haut reagiert.


Retinol kann auch bei sichtbaren Poren interessant sein

Retinol wird meistens mit Anti-Aging verbunden. Der Wirkstoff kann aber auch interessant sein, wenn fettige Haut, leichte Akne oder nachlassende Hautfestigkeit dazu beitragen, dass deine Poren deutlicher erscheinen.

Die AAD nennt Retinol in diesen Fällen als mögliche Option. Allerdings können Retinol und andere Retinoide besonders zu Beginn Trockenheit und Hautreizungen verursachen.

Wenn du bereits Säuren verwendest und zusätzlich Retinol ausprobieren möchtest, führe nicht gleichzeitig mehrere neue Wirkstoffe ein. So kannst du viel besser beurteilen, was deine Haut tatsächlich verträgt.

Wichtig: Während einer Schwangerschaft solltest du Retinoide nicht verwenden. Wenn du schwanger bist oder eine Schwangerschaft planst, besprich deine Hautpflege und mögliche Aknebehandlungen am besten mit deiner Hautärztin oder deinem Hautarzt.


Sonnenschutz gehört auch bei Poren zur Routine

Sonnenschutz klingt vielleicht nicht nach dem spektakulärsten Poren-Trick. Langfristig ist er aber wesentlich sinnvoller als viele vermeintliche Wundermittel.

UV-Strahlung trägt zur vorzeitigen Hautalterung bei. Verliert deine Haut an Festigkeit, können Poren stärker auffallen. Die AAD empfiehlt deshalb auch bei sichtbaren Poren täglich einen Breitband-Sonnenschutz mit mindestens SPF 30.

Wenn du also nur einen zusätzlichen Schritt konsequent in deine Morgenroutine integrieren möchtest, ist Sonnenschutz eine gute Wahl.

DEIN TIPP:
Fotografiere deine Haut bei natürlichem Tageslicht, bevor du deine Pflegeroutine veränderst. Bleib anschließend einige Wochen bei einer überschaubaren Routine und mach unter ähnlichen Lichtbedingungen ein neues Foto. So kannst du Veränderungen realistischer beurteilen, statt deine Haut jeden Morgen aus zehn Zentimetern Entfernung im Vergrößerungsspiegel zu analysieren.


Lass deine Mitesser möglichst in Ruhe

Es ist verlockend. Du entdeckst einen dunklen Punkt auf deiner Nase und schon drücken zwei Finger daran herum.

Drück Mitesser möglichst nicht selbst aus. Durch das Quetschen kann Material tiefer in die Haut gedrückt werden, Entzündungen können sich verstärken und das Risiko für Infektionen oder Narben kann steigen.

Wenn du viele Mitesser oder zusätzlich entzündliche Hautveränderungen hast, ist eine dermatologische Beratung sinnvoller als regelmäßiges Ausdrücken vor dem Badezimmerspiegel.


Und was ist mit kaltem Wasser und heißem Dampf?

Der Mythos hält sich hartnäckig: Heißes Wasser „öffnet“ die Poren, kaltes Wasser „schließt“ sie anschließend wieder.

So funktionieren Poren nicht.

Kaltes Wasser kann sich angenehm anfühlen, lässt deine Poren aber nicht dauerhaft verschwinden. Sehr heißes Wasser kann deine Haut dagegen reizen. Für die tägliche Gesichtsreinigung ist lauwarmes Wasser die bessere Wahl.

Und vielleicht ist das der Beauty-Tipp, den wir zwischen Filtern und makellosen Social-Media-Gesichtern viel zu selten hören: Du brauchst keine porenlose Haut.

Haut hat Struktur. Das ist normal. Eine gute Pflegeroutine muss dein Gesicht deshalb nicht möglichst glatt aussehen lassen, sondern sollte zu deinem Hauttyp passen, gut verträglich sein und deine Haut gesund halten.


Quellen und weiterführende Informationen

American Academy of Dermatology, What can treat large facial pores?
American Academy of Dermatology, Pregnancy and skin care
American Academy of Dermatology, Acne and the risk of scarring
DermNet, Enlarged pores


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle dermatologische Beratung oder Behandlung.