Ungeschminkt geschminkt: So funktioniert der No-Make-up-Look wirklich
Du hast Concealer, Foundation, Rouge, Mascara und vielleicht sogar Bronzer benutzt und sollst am Ende aussehen, als hättest du kaum Make-up im Gesicht. Klingt ein bisschen widersprüchlich. Genau das ist aber die Idee hinter No-Make-up-Make-up.
Statt jede Rötung, Pore und Unebenheit verschwinden zu lassen, soll deine Haut noch wie Haut aussehen. Sommersprossen dürfen sichtbar bleiben, die Wangen bekommen etwas Farbe und selbst kleine Unebenheiten müssen nicht komplett abgedeckt werden.
Der Look wirkt unkompliziert. Tatsächlich entscheidet aber gerade beim natürlichen Make-up die richtige Dosierung darüber, ob dein Gesicht frisch oder am Ende doch stark geschminkt aussieht.
Fang nicht mit der Foundation an
Der größte Unterschied entsteht oft schon vor dem Make-up.
Wenn deine Haut trocken und schuppig ist, wird eine Foundation diese Struktur nicht einfach verschwinden lassen. Im Gegenteil, Make-up kann sich an trockenen Stellen absetzen und sie dadurch noch sichtbarer machen.
Reinige dein Gesicht deshalb wie gewohnt und verwende eine Feuchtigkeitspflege, die zu deiner Haut passt. Die American Academy of Dermatology empfiehlt, Feuchtigkeitspflege auf noch leicht feuchte Haut aufzutragen. Tagsüber gehört außerdem ein Breitband-Sonnenschutz mit mindestens SPF 30 zur Hautpflege.
Gib deinen Pflegeprodukten kurz Zeit, sich zu setzen, bevor du mit dem Make-up beginnst. Wenn du sofort mehrere Schichten übereinander aufträgst, kann sich das Make-up später leichter abrollen.
GUT ZU WISSEN:
Deine Tagespflege muss nicht besonders reichhaltig sein, damit dein Make-up schön aussieht. Entscheidend ist, dass sie zu deiner Haut passt. Wenn Foundation auf deiner Nase oder Stirn schnell verschwindet, während sie an den Wangen trocken aussieht, musst du außerdem nicht zwangsläufig überall dieselbe Menge Pflege verwenden.
Verdeck nicht dein ganzes Gesicht
Hier passiert beim No-Make-up-Look wahrscheinlich der häufigste Fehler.
Du möchtest drei kleine Rötungen abdecken und trägst dafür eine deckende Foundation über dein komplettes Gesicht auf. Plötzlich verschwinden aber auch natürliche Farbunterschiede, Sommersprossen und ein Teil der Hautstruktur. Versuch es andersherum.
Schau zuerst in den Spiegel und entscheide, was dich tatsächlich stört. Vielleicht brauchst du nur etwas Concealer um die Nase, an einem Pickel und unter den Augen.
Wenn du insgesamt etwas ausgleichen möchtest, kannst du eine leichte Foundation oder einen Skin Tint dünn von der Gesichtsmitte nach außen verteilen. Wo deine Haut ohnehin ebenmäßig aussieht, darf fast nichts liegen.
Das Ergebnis wirkt häufig natürlicher als eine gleichmäßig deckende Schicht.
Concealer gehört nicht automatisch unter das ganze Auge
Große helle Concealer-Dreiecke unter den Augen können das Gesicht stark verändern. Für einen natürlichen Look brauchst du meist wesentlich weniger.
Setze Concealer gezielt dort ein, wo tatsächlich Schatten liegen. Häufig befindet sich der dunkelste Bereich eher am inneren Augenwinkel beziehungsweise entlang der Vertiefung unter dem Auge.
Beginne mit einer kleinen Menge und arbeite sie ein. Mehr kannst du immer noch hinzufügen.
Wenn sich Concealer bei dir schnell in feinen Linien sammelt, hilft vor allem eines: weniger Produkt. Eine dicke Schicht wird nicht automatisch glatter, nur weil du anschließend mehr Puder darüber gibst.
Cremeprodukte können besonders natürlich wirken
Rouge ist beim No-Make-up-Look wichtiger, als du vielleicht denkst.
Wenn Foundation und Concealer Rötungen reduzieren, verschwindet gleichzeitig ein Teil der natürlichen Farbe aus deinem Gesicht. Ein wenig Rouge bringt diese Dimension zurück.
Creme- und Flüssigtexturen lassen sich häufig sehr dünn in die Haut einarbeiten. Setze zunächst wenig Produkt auf die Wangen und verblende es, bevor du nachlegst.
Ein guter Test ist der Blick bei Tageslicht. Wenn du zuerst das Rouge und erst danach dein Gesicht wahrnimmst, war es für diesen Look wahrscheinlich etwas zu viel.
Bronzer ist übrigens kein Pflichtprogramm. Wenn deine Haut ohne ihn frisch aussieht, lass ihn einfach weg.
Puder nur dort, wo du ihn wirklich brauchst
Das ganze Gesicht großzügig abzupudern kann genau den Effekt zerstören, den du gerade aufgebaut hast.
Wenn deine T-Zone schnell glänzt, setze eine kleine Menge Puder gezielt auf Stirn, Nase und Kinn. Unter den Augen kann ebenfalls eine sehr dünne Schicht sinnvoll sein, wenn dein Concealer sonst stark verrutscht.
Deine Wangen müssen aber nicht komplett matt sein. Natürliche Haut reflektiert Licht. Ein leichter Glanz ist deshalb nicht automatisch etwas, das du beseitigen musst.
Bei den Augen darfst du auf Perfektion verzichten
Für einen No-Make-up-Look brauchst du keine komplizierte Lidschattenpalette.
Bürste deine Augenbrauen in Form und fülle nur sichtbare Lücken auf. Statt eine komplett neue Brauenform zu zeichnen, orientiere dich an deinem natürlichen Verlauf.
Bei den Wimpern kann bereits eine dünne Schicht Mascara reichen. Wenn schwarze Mascara bei sehr hellem Typ schnell hart wirkt, kann Braun eine weichere Alternative sein.
Auch hier gilt, dass der Look nicht davon lebt, möglichst viele Produkte zu benutzen. Er lebt davon, dass kein einzelnes Produkt die Aufmerksamkeit übernimmt.
DEIN 5-MINUTEN-LOOK:
Feuchtigkeitspflege und Sonnenschutz, punktuell Concealer, etwas Creme-Rouge, Augenbrauen bürsten, eine dünne Schicht Mascara und Lippenpflege. Wenn dir das Ergebnis gefällt, bist du fertig. Du brauchst nicht noch drei Schritte, nur weil sie in einem Tutorial vorkommen.
Und was kommt auf die Lippen?
Eine Lippenfarbe, die deiner natürlichen Lippenfarbe ähnelt, funktioniert besonders unkompliziert. Du kannst einen getönten Balm verwenden oder deinen Lippenstift mit dem Finger auftupfen, statt ihn vollkommen deckend aufzutragen.
Wenn deine Lippenkontur dadurch etwas weniger perfekt aussieht, ist das sogar erwünscht. Der gesamte Look lebt davon, dass nichts zu exakt wirkt.
Der wichtigste Trick kostet keinen Cent
Bevor du dein Make-up für fertig erklärst, geh ans Fenster. Badezimmerlicht kann täuschen. Tageslicht zeigt dir ziemlich zuverlässig, ob sich Foundation am Haaransatz gesammelt hat, der Concealer zu hell ist oder das Rouge plötzlich viel intensiver aussieht als gedacht. Und dann hör auf, sobald es gut aussieht.
Genau das ist vielleicht die eigentliche Kunst hinter No-Make-up-Make-up. Nicht möglichst wenig Make-up zu besitzen, sondern zu wissen, wann genug auf deinem Gesicht ist.
Deine Poren dürfen sichtbar bleiben. Deine Haut muss nicht überall dieselbe Farbe haben. Und eine kleine Falte unter deinem Auge muss nicht mit fünf Schichten Concealer verschwinden. Denn der schönste No-Make-up-Look sieht nicht danach aus, als hättest du perfekte Haut. Er sieht aus wie deine Haut an einem richtig guten Tag.
Quellen und weiterführende Informationen
American Academy of Dermatology, Hautpflege bei trockener Haut
American Academy of Dermatology, Sonnenschutz richtig auswählen
Hinweis: Die Make-up-Empfehlungen in diesem Artikel sind kosmetische Anwendungstipps und keine medizinischen Behandlungsempfehlungen.









