Was du deinem Kind unbedingt beibringen solltest! 10 Regeln für den Ernstfall
Ein kurzer Blick aufs Handy, Gedränge vor der Eisdiele und plötzlich ist die kleine Hand nicht mehr in deiner. Meist löst sich die Situation schnell. Bis dahin kann sich jeder Augenblick endlos anfühlen. Gerade dann helfen klare Regeln, die ihr vorher gemeinsam besprochen habt.
Dabei sollte dein Kind nicht lernen, dass jeder unbekannte Mensch gefährlich ist. Nach Angaben der Polizei werden Kinder nur selten von völlig fremden Personen überfallen oder missbraucht. Viele Taten geschehen im familiären oder sozialen Umfeld. Sicherheitsregeln sollten deshalb immer gelten, unabhängig davon, ob dein Kind eine Person kennt oder ihr vertraut. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Deine Telefonnummer gehört in den Kopf und in den Schuh
Sobald dein Kind alt genug ist, sollte es deine Handynummer auswendig kennen. Übt sie regelmäßig, damit es sie auch in einer aufregenden Situation abrufen kann.
Für jüngere Kinder ist eine kleine wasserfeste Karte eine gute zusätzliche Absicherung. Darauf reichen dein Name und deine Handynummer. Du kannst die Karte in eine Innentasche stecken oder unter die Einlegesohle des Schuhs legen. Dein Kind muss wissen, wo sie sich befindet und wem es sie zeigen darf.
Bringe ihm einen einfachen Satz bei.
„Die Telefonnummer meiner Mama ist in meinem Schuh.“
Eine zweite erreichbare Nummer kann ebenfalls sinnvoll sein. Die vollständige Adresse gehört nicht auf die Karte. Name, Anschrift und Telefonnummer sollten niemals sichtbar am Rucksack oder außen an der Kleidung stehen.
Warum ein aktuelles Foto so wichtig ist
Ein aktuelles Foto kann bei der Suche nach einem vermissten Kind sehr wichtig sein. Du kannst einmal im Monat ein gut erkennbares Bild machen und es sicher auf deinem Smartphone speichern. Notiere dir außerdem die ungefähre Größe und auffällige Merkmale.
Nach einem neuen Haarschnitt, einer Brille oder einer anderen deutlichen Veränderung solltest du das Bild erneuern. Vor einem Besuch im Freizeitpark, auf einem Straßenfest oder bei einer großen Veranstaltung ist zusätzlich eine schnelle Ganzkörperaufnahme sinnvoll. So kannst du sofort zeigen, welche Kleidung dein Kind an diesem Tag trägt.
Die Polizei benötigt im Ernstfall eine genaue Beschreibung, den letzten bekannten Aufenthaltsort und ein aktuelles Foto. Initiative Vermisste Kinder
Ein fester Treffpunkt gibt Orientierung
Zeige deinem Kind an belebten Orten gleich zu Beginn einen gut sichtbaren Treffpunkt. Geeignet sind eine Information, eine Kasse oder ein markanter Platz innerhalb des Geländes.
Ein Ausgang ist meist keine gute Wahl. Viele Gebäude haben mehrere Ausgänge und dein Kind könnte den sicheren Bereich verlassen. Wenn ihr euch verliert, geht es zum vereinbarten Treffpunkt und bleibt dort. Es läuft nicht durch das gesamte Gelände und versteckt sich nicht.
Zeige deinem Kind, wer helfen kann
Eine Frau mit Kind ist nicht automatisch die sicherste Ansprechperson. Besser sind Menschen, die aufgrund ihrer Aufgabe klar zu erkennen sind. Dazu gehören die Polizei, der Sicherheitsdienst, Beschäftigte an einer Information oder das Personal an einer Kasse.
Gibt es keine solche Anlaufstelle, kann sich dein Kind an eine Familie mit Kindern wenden. Es bleibt an einem öffentlichen Ort und geht nicht mit der helfenden Person weg.
Dein Kind sollte deutlich sagen können, dass es dich nicht findet und deine Telefonnummer kennt oder bei sich trägt.
Ein geheimes Wort für eure Familie
Behauptet jemand, du hättest ihn geschickt, soll dein Kind nach eurem Familienwort fragen. Kennt die Person das Wort nicht, geht dein Kind nicht mit.
Das Familienwort ist eine zusätzliche Absicherung. Die wichtigste Regel bleibt, dass dein Kind niemals unerwartet von jemand anderem abgeholt wird. Wenn eine andere Person es von der Kita, der Schule oder einem Freizeitangebot abholen soll, kündigst du das vorher an.
Wählt ein Wort, das nicht leicht zu erraten ist. Sobald es benutzt oder versehentlich verraten wurde, vereinbart ihr ein neues.
Mitgehen nur nach vorheriger Absprache
Diese Regel gilt auch bei Bekannten. Dein Kind geht mit niemandem mit und steigt in kein Auto, wenn du es nicht vorher erlaubt hast.
Bleibt ein Fahrzeug neben deinem Kind stehen oder fährt auffällig langsam, soll es sofort zwei oder drei große Schritte zurücktreten. Dabei bewegt es sich vom Auto und von der Fahrbahn weg. Es geht nicht an die Tür oder an das geöffnete Fenster, auch wenn jemand nur nach dem Weg fragt.
Erkläre deinem Kind, dass unbekannte Erwachsene sich Hilfe bei anderen Erwachsenen holen können. Wird es gebeten, einen Hund zu suchen, etwas zu tragen oder irgendwohin mitzukommen, lehnt es ab und geht zu einer vertrauten oder klar erkennbaren Ansprechperson. Höflichkeit ist in diesem Moment nicht wichtig.
Auch Süßigkeiten, Geld und andere Geschenke nimmt es von unbekannten Personen nicht an. Möchte ihm jemand etwas geben oder zeigen, braucht es vorher dein ausdrückliches Einverständnis. Ein einfacher Satz genügt.
„Ich muss zuerst meine Mama fragen.“
Die Polizei empfiehlt, Abstand zu fremden Fahrzeugen zu halten und ohne die Erlaubnis der Eltern mit niemandem mitzugehen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Begleite deine Kinder zur öffentlichen Toilette
Nutzt nach Möglichkeit eine Familientoilette. Alternativ begleitest du dein Kind bis zur Kabine oder wartest direkt davor. Bei älteren Kindern hängt die Begleitung von ihrer Selbstständigkeit und von der jeweiligen Umgebung ab.
Vereinbart vorher genau, wo du wartest. Dein Kind kehrt nach dem Toilettengang sofort zu diesem Platz zurück und verlässt den Bereich nicht durch einen anderen Ausgang.
Im Ernstfall darf es laut werden
In einer gefährlichen Situation darf dein Kind schreien, weglaufen und Aufmerksamkeit erregen. Ein konkreter Satz macht Außenstehenden schneller klar, was geschieht.
„Lassen Sie mich los. Ich kenne Sie nicht!“, oder „Das ist nicht meine Mama!“
Auch ein lauter Hilferuf ist richtig. Dein Kind sollte anschließend zu anderen Menschen, in ein geöffnetes Geschäft oder zu einer erkennbaren Anlaufstelle laufen. Verstecken sollte es sich nicht. Die Polizei empfiehlt, genau dieses Verhalten vorher ruhig mit Kindern zu besprechen.
Ein Nein gilt auch gegenüber Erwachsenen
Viele Kinder lernen früh, höflich zu sein und Erwachsenen zu gehorchen. Gleichzeitig müssen sie wissen, dass sie eine Berührung ablehnen, Abstand nehmen und Nein sagen dürfen. Das gilt auch gegenüber Verwandten, Freunden und anderen vertrauten Menschen.
Nimm diese Grenze im Familienalltag ernst. Wenn dein Kind jemanden nicht umarmen oder küssen möchte, sollte es nicht dazu gedrängt werden. So erfährt es, dass sein Körper ihm gehört und ein Nein akzeptiert wird.
Auch Geheimnisse, die Angst machen oder sich falsch anfühlen, darf dein Kind immer erzählen. Es sollte mehrere vertraute Erwachsene kennen, an die es sich wenden kann. Wird ihm nicht zugehört, darf es so lange weitererzählen, bis jemand handelt.
Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch betont die Bedeutung körperlicher Selbstbestimmung und persönlicher Grenzen. Kinder zu stärken kann Risiken verringern, garantiert jedoch keinen vollständigen Schutz. Die Verantwortung trägt niemals das Kind. Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
Üben ohne Angst zu machen
Du musst dein Kind nicht mit möglichen Gefahren überfordern. Nutze alltägliche Situationen, um die wichtigsten Regeln kurz zu wiederholen. Zeige ihm beim Einkaufen die Information, fragt euch gegenseitig das Familienwort ab und übt deine Telefonnummer.
Verzichte auf erschreckende Tests mit vermeintlich fremden Personen. Die Polizei warnt davor, weil solche Situationen unnötige Angst auslösen können.
Auch ein gut vorbereitetes Kind kann unter Stress erstarren oder eine Regel vergessen. Mache ihm deshalb deutlich, dass es dir alles erzählen darf und niemals Ärger bekommt, weil es falsch reagiert hat.
Wenn jede Minute zählt
Informiere sofort das Personal oder den Sicherheitsdienst und suche die unmittelbare Umgebung ab. Teile mit, wo du dein Kind zuletzt gesehen hast, was es trägt und in welche Richtung es gegangen sein könnte.
Wird es nicht innerhalb kurzer Zeit gefunden oder gibt es Hinweise auf eine Gefahr, rufst du die Polizei unter 110. Du musst keine 24 Stunden warten. Halte das aktuelle Foto bereit und bleibe telefonisch erreichbar.
Die europaweite Rufnummer 116000 unterstützt Familien vermisster Kinder kostenlos und rund um die Uhr. Sie ersetzt nicht den Anruf bei der Polizei. Suchmeldungen und die Veröffentlichung von Fotos solltest du vorher mit den Ermittlern abstimmen.
Dein Kind muss sich nicht zehn Regeln auf einmal merken. Beginne mit den Punkten, die zu seinem Alter passen, und wiederhole sie regelmäßig. Entscheidend ist, dass es weiß, wo es Hilfe findet und dass es dir jederzeit alles erzählen kann.
