Mein Kind im fremden Körper: Ramona spricht über Leihmutterschaft, Verlust und harte Vorwürfe

Nicht mehr lange, dann wird für Ramona Sztankovics ein großer Traum Wirklichkeit. In wenigen Wochen soll ihre erste Tochter zur Welt kommen. Das Kinderzimmer ist längst fertig eingerichtet, jedes Detail mit Liebe ausgewählt, jeder kleine Gegenstand erinnert sie daran, wie nah dieser Moment inzwischen ist.

Nach Jahren des unerfüllten Kinderwunsches, zahlreichen Untersuchungen und einer schweren Bauchoperation wurde der gebürtigen Ungarin klar, dass eine eigene Schwangerschaft medizinisch zu riskant ist. Auch eine Adoption schien für das Paar kaum realistisch. So entschieden sie sich für eine Leihmutterschaft und damit für einen Weg, der in Deutschland rechtlich verboten ist und gesellschaftlich bis heute mit vielen Tabus behaftet bleibt.

Heute wächst Ramonas Tochter im Bauch einer anderen Frau. Genetisch ist das Mädchen ihr eigenes Kind und nicht das der Leihmutter. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Augsburgerin Anfang Juli 2026 in Tbilisi bei der Geburt direkt im Kreißsaal dabei sein.

Für die Sozialarbeiterin und ihren Mann ist es nicht der erste Versuch, Eltern zu werden. Bereits im September 2025 verloren sie ihr erstes Baby, das ebenfalls durch eine Leihmutterschaft erwartet wurde.

Ramona erzählt ihre Geschichte, weil sie anderen kinderlosen Paaren Hoffnung geben und mit Vorurteilen rund um das Thema Leihmutterschaft aufräumen möchte. Im Interview spricht sie über den Verlust ihres ersten Babys, den belastenden Vorwurf des „Menschenhandels“, rechtliche Herausforderungen und die Hoffnung auf ihre langersehnte Tochter.

„Es war früh am Morgen, wir sind sofort in die Klinik gefahren. Dort hat man uns gesagt, dass unser Baby kurz nach der Geburt verstorben ist.“


Der Flug, der alles veränderte

Healthy Lady: Im 2025 habt ihr bereits das erste mal Erfahrung mit Leihmutterschaft gemacht. Magst du mal erzählen, wie es damals für euch war?

Ramona: Im September 2025 waren wir gerade im Flugzeug auf dem Weg nach Tiflis zu unserer Leihmutter. Wir wollten beim nächsten Ultraschall dabei sein und einige rechtliche Dinge klären. Noch bevor das Flugzeug abgehoben ist, habe ich eine Nachricht von unserer Koordinatorin bekommen. Unser Baby ist viel zu früh auf die Welt gekommen und wird medizinisch versorgt. Unsere Leihmutter war stabil.

In dem Moment ist eine Welt in mir zusammengebrochen und gleichzeitig begann dieser endlose Flug. Ohne Internet, ohne neue Informationen. Ich saß dort und habe tief in mir gespürt, dass es nicht gut ausgehen wird. Es war einfach zu früh. Dieser Flug war der schlimmste meines Lebens. Mein Mann hat versucht, mich zu beruhigen, aber es gab nichts, was diesen Schmerz oder diese Angst hätte auffangen können. Fünf Stunden später sind wir in Tiflis gelandet. Es war früh am Morgen, wir sind sofort in die Klinik gefahren. Dort hat man uns gesagt, dass unser Baby kurz nach der Geburt verstorben ist.

Die Ärzte konnten uns nicht genau sagen, warum. Unsere Leihmutter hatte sich unwohl gefühlt und ist in die Klinik gefahren. Dort wurde festgestellt, dass unser Baby bereits schwere Hirnblutungen hatte und sofort geholt werden musste. Es ging alles viel zu schnell. Dieser Schmerz ist tief. Er ist geblieben bis heute. Und ich glaube, ein Teil davon wird immer bleiben. Man erholt sich nicht wirklich davon, egal ob man das Kind selbst getragen hat oder nicht. Es war unser Baby. Unser Wunsch. Unsere Hoffnung.

Unsere damalige Leihmutter hat uns unendlich leid getan, und sie hat selbst sehr darunter gelitten. Zum Glück wurden wir in dieser Zeit nicht allein gelassen. Unsere Agentur hat direkt am nächsten Tag eine Krisensitzung mit uns organisiert mit Ärzten, Anwälten und Koordinatoren. Sie haben uns begleitet und versucht, uns in diesem unfassbar schweren Moment zu unterstützen. Aber trotz aller Unterstützung bleibt dieser Verlust ein Teil von uns. Für immer.

Seit drei Jahren wünscht sich Ramona nichts sehnlicher als ein eigenes Kind. Im Juli könnte ihr größter Traum dank einer Leihmutterschaft in Georgien endlich in Erfüllung gehen. (Bild: R. Sztankovics)

Healthy Lady: Wie ging es der Leihmutter nach diesem Vorfall? Was passiert in so einer Extremsituation zwischen euch?

Ramona: Die ersten Tage nach dem Kaiserschnitt waren für sie, wie für jede Frau nach so einem Eingriff, sehr anstrengend und schmerzhaft. Aber zusätzlich kam noch diese tiefe emotionale Belastung dazu. Was zwischen uns in dieser Extremsituation passiert ist, war vor allem eines: Menschlichkeit. Wir sind im Kontakt geblieben, haben miteinander gesprochen, uns gegenseitig unser Mitgefühl ausgesprochen. Es war kein „Verhältnis“ mehr wie am Anfang des Prozesses. Es war viel persönlicher, viel stiller, geprägt von einem gemeinsamen Verlust. Bis heute haben wir Kontakt. Sie weiß, dass unser Baby bald geboren wird, und sie freut sich ehrlich für uns. Das zeigt mir, wie groß ihr Herz ist und wie besonders diese Verbindung bleibt, auch über so einen schweren Moment hinaus.


Healthy Lady: Einige Monate später habt ihr einen weiteren Versuch gestartet mit einer neuen Leihmutter. Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass sie schwanger ist?

Ramona: Nach unserem großen Verlust hat sich etwas in mir verändert. Man wird zurückhaltender mit Hoffnung, weil man gelernt hat, wie schnell sich alles wieder verändern kann. Deshalb habe ich meine Gefühle nicht sofort komplett zugelassen, sondern sie eher Schritt für Schritt zugelassen.

Ich habe die Schwangerschaft bewusst begleitet, aber innerlich immer mit einer gewissen Vorsicht, besonders bis etwa zur 25.–27. Woche. Erst mit der Zeit konnte ich mich etwas mehr öffnen und wirklich anfangen, mich sicherer zu fühlen. Es ist eine Mischung aus Dankbarkeit, Hoffnung und einer tiefen Vorsicht geworden. Alles fühlt sich wertvoller, aber auch zerbrechlicher an.


Wenn der eigene Kinderwunsch stärker ist als jedes Verbot

Healthy Lady: Warum habt ihr euch letztlich für die Leihmutterschaft entschieden und gegen Alternativen wie Adoption oder künstliche Befruchtung?

Ramona: Grundsätzlich haben wir uns nicht bewusst gegen eine Adoption entschieden. Vielmehr mussten wir feststellen, dass dieser Weg für uns kaum realistisch ist. Auch wenn es nicht immer offen ausgesprochen wird, spielt das Alter meines Mannes dabei eine Rolle. In Gesprächen und durch unsere eigenen Recherchen, unter anderem auch mit dem Jugendamt, wurde uns deutlich, wie hoch die Hürden und Anforderungen sind. Der gesamte Prozess ist sehr langwierig und mit vielen Unsicherheiten verbunden.

Hinzu kommt, dass es deutlich mehr Bewerber als zur Adoption freigegebene Kinder gibt. Teilweise stehen beispielsweise nur wenige Kinder einer großen Zahl an adoptionswilligen Eltern gegenüber. Für uns hat sich dadurch das Gefühl verstärkt, dass unsere Chancen sehr gering sind bzw. unmöglich.  Nach diesen Erfahrungen und auch vor dem Hintergrund meiner gesundheitlichen Situation haben wir uns letztlich für die Leihmutterschaft entschieden.

„Wenn man von einem idealen Verlauf ausgeht, ohne Komplikationen, ohne zusätzliche Versicherungen und ohne besondere medizinische Zusatzleistungen, liegt man mindestens bei etwa 60.000 Euro.“


Healthy Lady: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, diesen Weg in Georgien zu gehen?

Ramona: Die Idee, diesen Weg zu gehen, ist vor etwa zwei Jahren entstanden, während eines Urlaubs in Punta Cana. Ich habe damals durch Instagram gescrollt und bin auf eine Schauspielerin aufmerksam geworden, die ihr zweites Kind durch Leihmutterschaft bekommen hat, nachdem sie aufgrund einer Krebserkrankung ihre Gebärmutter verloren hatte. In diesem Moment wurde mir überhaupt erst richtig bewusst, dass es diese Möglichkeit gibt. Das hat mich sehr bewegt und gleichzeitig neugierig gemacht. Noch vor Ort habe ich angefangen, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und erste Recherchen zu machen.


Healthy Lady: In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten. Kannst du persönlich nachvollziehen, warum der Gesetzgeber hier so streng ist, oder empfindest du es als veraltet?

Ramona: Ich kann teilweise nachvollziehen, warum der Gesetzgeber in Deutschland so streng ist. Es geht dabei vor allem um den Schutz von Frauen und die Sorge, dass Leihmutterschaft zu Ausbeutung führen könnte. Gleichzeitig empfinde ich die aktuelle Regelung aber als veraltet.

Aus meiner Sicht sollte der Fokus weniger darauf liegen, ob Leihmutterschaft grundsätzlich verboten ist oder nicht, sondern vielmehr darauf, wie man sie verantwortungsvoll und sicher gestalten kann. Es geht darum, klare Rahmenbedingungen zu schaffen, die alle Beteiligten schützen. Letztendlich handelt es sich um erwachsene Menschen, die bewusst eine Entscheidung treffen. Wenn eine Frau sich freiwillig dazu entscheidet, ein Kind für ein anderes Paar auszutragen und das nicht aus finanzieller Not heraus, dann sollte man das respektieren.

Das derzeitige Verbot löst das eigentliche Problem nicht. Der Wunsch nach einem eigenen Kind verschwindet dadurch ja nicht. Stattdessen wird das Thema ins Ausland verlagert, wo die Bedingungen oft weniger transparent sind. Paare mit Kinderwunsch werden dadurch eher alleingelassen, anstatt sie innerhalb eines klar geregelten Systems zu unterstützen.


Menschenhandel, Ausbeutung, Egoismus

Healthy Lady: Gibt es in so einem sensiblen Prozess Versicherungen oder rechtliche Absicherungen für medizinische Notfälle oder unerwartete Komplikationen, sowohl für das Baby als auch für die Leihmutter?

Ramona: Man kann spezielle Versicherungen abschließen, die in bestimmten Fällen greifen, zum Beispiel, wenn das Baby zu früh geboren wird oder verstirbt. Diese können dann einen Teil der medizinischen Kosten, etwa für Intensivbehandlungen, sowie bestimmte Kosten im Zusammenhang mit der Leihmutterschaft übernehmen.

Es gibt auch separate Versicherungen, die die medizinischen Kosten der Leihmutter abdecken, falls ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird oder Komplikationen auftreten. Allerdings sind diese Versicherungen keine Pflicht, sondern eine zusätzliche Absicherung und sie sind oft sehr teuer. Wir sprechen hier von mehreren tausend Euro. Am Anfang denkt man vielleicht, dass man an dieser Stelle sparen kann, weil man hofft, dass alles gut verläuft. Aber wenn dann doch etwas passiert, wenn ein Baby viel zu früh kommt und intensivmedizinisch versorgt werden muss oder die Leihmutter medizinische Hilfe braucht, können die Kosten schnell noch viel höher werden.

„Als Eltern bekommt man dann einen Vorschlag für eine mögliche Leihmutter. Wichtig ist, dass daraus ein sogenanntes „Match“ entsteht, also dass beide Seiten zueinander passen.“


Healthy Lady: Was kostet eine Leihmutterschaft in Georgien insgesamt, wenn man alle Prozeduren und Gebühren einrechnet?

Ramona: Jede Agentur bietet verschiedene Pakete an, und genau hier entstehen oft große Preisunterschiede.Wenn man von einem idealen Verlauf ausgeht, ohne Komplikationen, ohne zusätzliche Versicherungen und ohne besondere medizinische Zusatzleistungen, liegt man mindestens bei etwa 60.000 Euro. Das ist wirklich das absolute Minimum, und darin ist meist ein Paket mit einem Versuch enthalten, der im besten Fall direkt erfolgreich ist. Untersuchungen der biologischen Eltern sind dabei jedoch nicht immer in vollem Umfang eingerechnet, obwohl sie in der Praxis eine wichtige Voraussetzung sind.

Sobald man Versicherungen, zusätzliche medizinische Absicherungen und mögliche Extrakosten mit einrechnet, kann man schnell in einen Bereich von etwa 100.000 bis 150.000 Euro kommen. Am Ende ist es ein sehr komplexer und individueller Prozess, bei dem viele Faktoren den Gesamtpreis beeinflussen.


Mit ihrer Geschichte klärt Ramona auf Social Media über Leihmutterschaft auf und gibt anderen Betroffenen Hoffnung.
(Bild: R. Sztankovics)

Healthy Lady: In einem deiner Videos reagierst du auf Hate-Kommentare rund um das Thema Leihmutterschaft. Besonders häufig fällt dabei der schwere Vorwurf des ‚Menschenhandels‘. Was machen solche Worte mit dir?

Ramona: In den meisten Fällen versuche ich zuerst, ruhig zu bleiben. Begriffe wie „Menschenhandel“ treffen natürlich, weil sie sehr schwer und verletzend sind. Gleichzeitig merke ich oft, dass solche Aussagen aus Unwissenheit entstehen und nicht aus echter Erfahrung mit dem Thema. Deshalb versuche ich, wenn es möglich ist, zu erklären, wie komplex und reguliert dieser Prozess tatsächlich ist.

Manche Diskussionen lohnen sich aber auch nicht. Wenn Menschen nur urteilen, ohne wirklich zuzuhören, dann schützt es mich selbst, nicht in jede Konfrontation einzusteigen. Was ich über die Zeit gelernt habe: Nicht jeder Kommentar verdient meine Energie. Ich konzentriere mich lieber auf die Menschen, die wirklich offen sind, die Fragen haben und verstehen wollen.


Healthy Lady: Ein häufiger Kritikpunkt lautet, dass Leihmutterschaft wirtschaftlich schwächere Frauen ausnutzen könnte. Wie begegnest du solchen ethischen Bedenken?

Ramona: Ich verstehe diesen Vorwurf und nehme ihn ernst, weil er eine wichtige ethische Frage berührt. Gleichzeitig sehe ich das Thema differenzierter. Jede Frau ist grundsätzlich eine eigenständige Person, die Entscheidungen über ihren Körper und ihren Lebensweg trifft. Dazu gehört auch die Entscheidung, ob sie eine Leihmutterschaft eingehen möchte oder nicht. In seriösen Programmen gibt es zudem klare medizinische, psychologische und soziale Prüfungen, die sicherstellen sollen, dass diese Entscheidung nicht unter Druck oder aus akuter Not heraus getroffen wird.

Für mich ist deshalb entscheidend, wenn eine Frau diesen Weg bewusst, informiert und freiwillig geht, dann sollte diese Entscheidung respektiert werden. Ich sehe Leihmütter nicht als „ausgenutzt“, sondern als Frauen, die in einem sehr besonderen und anspruchsvollen Prozess eine wichtige Rolle übernehmen. Sie tragen Leben aus mit Verantwortung, medizinischer Begleitung und oft auch viel persönlicher Stärke.

Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass diese Themen nicht emotional überhöht oder pauschal verurteilt werden. Die Realität ist komplexer als Schlagworte. Mir geht es am Ende darum, dass man Frauen in ihrer Entscheidungsfreiheit ernst nimmt und gleichzeitig hohe ethische und medizinische Standards einhält.

„Begriffe wie ‚Menschenhandel‘ treffen natürlich, weil sie sehr schwer und verletzend sind.“


Der perfekte Match – Auf der Suche nach der Richtigen

Healthy Lady: Wie findet man eine Leihmutter in Georgien? Bekommt man tatsächlich eine Art „Modelkartei“ mit Bildern und Daten, aus der man auswählen kann?

Ramona: Nein, so etwas wie einen Katalog gibt es nicht. Im Idealfall sucht man auch nicht selbst aktiv nach einer Leihmutter. Stattdessen melden sich potenzielle Leihmütter freiwillig bei Agenturen oder Kliniken. Dort durchlaufen sie umfassende Prüfungen, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, werden sie in ein Programm aufgenommen.

Als Eltern bekommt man dann einen Vorschlag für eine mögliche Leihmutter. Wichtig ist, dass daraus ein sogenanntes „Match“ entsteht, also dass beide Seiten zueinander passen. In der Regel lernt man sich zunächst über ein Telefonat oder eine Videokonferenz kennen. Wenn sich beide Parteien wohlfühlen und einverstanden sind, entscheiden sie sich bewusst füreinander.

Man erhält allerdings schon im Vorfeld einige Informationen über die vorgeschlagene Leihmutter. Dazu gehören zum Beispiel ein Foto sowie Daten wie Größe, Gewicht, Informationen zu früheren Schwangerschaften (Verlauf, Geburtswochen, Geburtsgewicht der Kinder), persönliche Interessen und auch der Wohnort. Diese Informationen sind wichtig, um ein erstes Gefühl zu bekommen und Vertrauen aufzubauen.

Gleichzeitig bekommt auch die Leihmutter Informationen über die Wunscheltern, zum Beispiel, wo sie leben, was sie beruflich machen und wie ihre Lebenssituation ist. Denn am Ende basiert dieser Weg stark auf gegenseitigem Vertrauen. Schließlich trägt diese Frau das Kind der Eltern aus.


Healthy Lady: Worauf achtet man bei der Auswahl einer Frau, der man sein ungeborenes Kind anvertraut?

Ramona: Für mich war es besonders wichtig, dass unsere Leihmutter in der Nähe der Klinik lebt, damit die medizinische Betreuung reibungslos und gut organisiert ist. Außerdem war mir ein geregelter Alltag wichtig sowie, dass sie finanziell abgesichert ist, damit sichergestellt ist, dass ihre Entscheidung nicht aus einer Notlage heraus entsteht.

Ein weiterer wichtiger Punkt war für mich das Alter. Idealerweise sollte sie nicht älter als 35 Jahre sein. Ebenso war es mir sehr wichtig, dass sie bereits eigene Kinder hat und dass ihre vorherigen Schwangerschaften und Geburten gut und ohne Komplikationen verlaufen sind. Am Ende spielt aber auch das persönliche Gefühl eine große Rolle. Vertrauen ist in diesem Prozess entscheidend, denn man gibt dieser Frau das Wertvollste an, was man hat.

Unsere Leihmutter ist genetisch nicht mit dem Kind verwandt. Die Eizellen stammen von mir, das bedeutet, dass die biologische Verbindung bei uns als Eltern liegt.


Healthy Lady: Wie würdest du euer aktuelles Verhältnis beschreiben? Seid ihr befreundet oder ist sie für euch ein Stück Familie geworden?

Ramona: Unser Verhältnis ist sehr eng und von großem Vertrauen geprägt. Wir stehen in regelmäßigem Austausch und fühlen uns sehr verbunden. Trotzdem würde ich sie nicht einfach als „Freundin“ bezeichnen, denn das wird der Situation nicht ganz gerecht. Aber auch der Begriff „Familie“ passt nicht vollständig. Uns verbindet etwas ganz Besonderes, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist eine sehr tiefe, einzigartige Verbindung, die durch diesen gemeinsamen Weg entstanden ist. Was ich aber mit voller Überzeugung sagen kann, ich vertraue ihr zu Hundert Prozent. Ich weiß, dass unser Baby bei ihr in den besten Händen ist.


Healthy Lady: Hast du mit eurer Leihmutter darüber gesprochen, warum sie das tut? Warum gebärt sie Kinder für fremde Menschen?

Ramona: Sie hat erklärt, dass sie sich ganz bewusst dafür entschieden hat, weil sie Schwangerschaft als etwas Positives empfindet. Sie mag dieses Gefühl und den gesamten Prozess, der damitverbunden ist, und sie empfindet es als etwas sehr Besonderes, einem anderen Paar zu helfen, ein Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig hat sie bereits zwei eigene Kinder und möchte kein weiteres eigenes Kind bekommen. Deshalb hat sie für sich entschieden, diesen Weg als Leihmutter zu gehen und so anderen Menschen ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

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Liebt sie das Baby vielleicht irgendwann wie ihr eigenes?

Healthy Lady: Viele Außenstehende fragen sich, ob eine Leihmutter nach neun Monaten überhaupt emotional Abstand zu dem Baby halten kann. War das auch eine Sorge, die dich beschäftigt hat?

Ramona: Am Anfang des Prozesses habe ich mir genau dieselbe Frage gestellt. Doch je mehr Einblick ich hinter die Kulissen bekommen habe, desto mehr hat sich mein Gefühl verändert. Potenzielle Leihmütter durchlaufen einen sehr sorgfältigen und strengen Auswahlprozess, sowohl medizinisch als auch psychologisch. Sie werden intensiv begleitet, führen Gespräche mit Fachpersonen, in denen genau solche Themen offen angesprochen werden.

Besonders wichtig war für mich auch der persönliche Austausch mit unserer Leihmutter. Wir haben oft darüber gesprochen, und sie hat immer sehr klar und reflektiert ausgedrückt, wie sie dazu steht. Sie trägt unser Baby mit viel Fürsorge und Respekt aus, aber gleichzeitig ist ihr bewusst, dass es unser Kind ist. Sie hat selbst gesagt, dass sie keine eigenen Kinder mehr möchte.

Natürlich entwickelt sie eine Verbindung zu dem Baby in ihrem Bauch, das ist etwas sehr Menschliches. Aber sie beschreibt diese Verbindung anders als die zu ihren eigenen Kindern. Für sie ist es vor allem ein Akt der Hilfe und des Vertrauens. Dieses offene Miteinander und das gegenseitige Verständnis geben mir viel Sicherheit und ein gutes Gefühl.


Healthy Lady: Wird die Frau, die dein Kind neun Monate lang unter ihrem Herzen getragen hat, auch später ein Teil eurer Familiengeschichte bleiben? Wirst du deinem Kind eines Tages von ihr erzählen?

Ramona: Mein Kind soll von Anfang an wissen, wie sehr es geliebt, gewollt und ersehnt war. Dass es nicht „einfach so“ auf die Welt gekommen ist, sondern dass wir diesen besonderen Weg gegangen sind, weil wir uns nichts sehnlicher gewünscht haben als genau dieses Kind.

Der Kontakt zur Leihmutter ist mir sehr wichtig. Sie ist ein besonderer Teil unserer Geschichte, und ich möchte, dass mein Kind das auch so erleben darf, ganz natürlich und ohne Geheimnisse. Es ist zum Beispiel geplant, dass sie uns an Weihnachten mit ihren Kindern besucht. Dieser Gedanke fühlt sich für mich einfach richtig an, weil er von Dankbarkeit und Verbundenheit geprägt ist.


Der Moment, auf den sie jahrelang gewartet hat

Healthy Lady: Wirst du den Moment erleben, in dem deine Tochter zum ersten Mal auf die Welt kommt?

Ramona: Wenn alles wie geplant verläuft, werde ich bei der Geburt dabei sein. Wir haben das offen und ehrlich mit unserer Leihmutter besprochen. Für sie ist es in Ordnung, dass ich und mein Mann dabei sind und sie hat sogar den Wunsch geäußert, dass ich sie in diesem Moment begleite. Zwischen uns ist über die Zeit eine sehr besondere und tiefe Verbindung entstanden, die schwer in Worte zu fassen ist. Sie hat sich meine Unterstützung gewünscht, und ich möchte für sie da sein, so gut ich kann. Es bedeutet mir unglaublich viel, diesen Moment gemeinsam zu erleben und meine Tochter auf die Welt kommen zu sehen.

"Mein Kind soll von Anfang an wissen, wie sehr es geliebt, gewollt und ersehnt war."


Healthy Lady: Wie sieht es rechtlich direkt nach der Geburt aus? Wie bekommt ihr das Kind nach Deutschland, und wie gehen die deutschen Behörden damit um?

Ramona: Rechtlich ist der Ablauf nach der Geburt klar strukturiert, auch wenn es für viele überraschend ist, wie gut sich die deutschen Behörden mit diesem Prozess auskennen. Ich habe selbst nachgefragt und war erstaunt, dass Leihmutterschaft in der Praxis häufiger vorkommt, als man denkt, auch wenn öffentlich kaum darüber gesprochen wird.

Direkt nach der Geburt werden wir zunächst beide in die Geburtsurkunde eingetragen. Mein Mann erkennt anschließend die Vaterschaft bei der deutschen Botschaft in Tiflis offiziell an. Damit können wir dann die notwendigen Reisedokumente bzw. einen deutschen Pass für unser Kind beantragen, um nach Hause reisen zu können. Einige Wochen später folgt dann der rechtliche Teil in Deutschland. Ich stelle über einen Notar einen vereinfachten Antrag auf Stiefkindadoption, damit auch die rechtliche Elternschaft vollständig geklärt ist. Es ist ein Prozess mit mehreren Schritten, aber er ist klar geregelt und wir fühlen uns dabei gut begleitet.


Healthy Lady: Wenn du auf alles zurückblickst, wie groß ist die Dankbarkeit für dieses „Geschenk“, das euch diese Frau macht?

Ramona: Diese Dankbarkeit ist kaum in Worte zu fassen. Am Anfang habe ich selbst unterschätzt, was eine Schwangerschaft wirklich bedeutet. Viele sagen, es sei „das Natürlichste auf der Welt“ oder etwas Selbstverständliches, aber die Realität ist viel komplexer. Es ist körperlich und emotional ein großes Risiko, und unsere Leihmutter geht diesen Weg trotzdem mit, um uns zu helfen. Allein dieser Gedanke berührt mich sehr tief. Dass ein Mensch so viel Vertrauen, Stärke und Bereitschaft mitbringt, um einem anderen den größten Wunsch zu erfüllen, ist nichts, was man einfach als selbstverständlich sehen kann.


Ein Kinderzimmer voller Hoffnung

Ramonas Geschichte zeigt, dass der Weg zum Familienglück keine gerade Linie ist, sondern manchmal durch die tiefsten Täler führt. Am 1. Juli soll ihre Tochter in Georgien zur Welt kommen. Bis dahin bleibt das Kinderzimmer in Deutschland ein Raum des Wartens, gefüllt mit Möbeln, aber vor allem mit einer Hoffnung, die nach all dem Schmerz zwar leise geworden ist, aber nicht mehr totzukriegen ist. Es ist Ramona zu wünschen, dass aus dieser vorsichtigen Hoffnung im Sommer endlich greifbares Glück wird.


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