Liwia Tokoda

Leidenschaftliche Journalistin ✹ Chefredakteurin eines Frauenmagazins 📝 TV-Redakteurin bei Deutschlands Top-Sendern đŸ“ș ÜberglĂŒckliche Mama ❀

SchilddrĂŒsenunterfunktion – diese Lebensmittel können helfen

StĂ€ndig mĂŒde, obwohl du genug schlĂ€fst. Die Waage zeigt plötzlich mehr an, obwohl sich an deiner ErnĂ€hrung kaum etwas verĂ€ndert hat. Du frierst schneller als andere, kĂ€mpfst mit Konzentrationsproblemen, trockener Haut oder dem GefĂŒhl, dass dein Körper irgendwie langsamer geworden ist. Viele Betroffene beschreiben es, als wĂŒrde plötzlich alles schwerer werden, der Alltag, der Stoffwechsel, manchmal sogar die eigenen Gedanken. Was zunĂ€chst nach Stress, Schlafmangel oder einem hormonellen Tief klingt, kann in manchen FĂ€llen auf eine SchilddrĂŒsenunterfunktion hinweisen.

Die SchilddrĂŒse ist nur wenige Zentimeter groß, beeinflusst aber nahezu jeden Bereich unseres Körpers. Sie steuert unter anderem Stoffwechsel, Energiehaushalt, Herzfrequenz, Körpertemperatur und hormonelle Prozesse. Produziert sie zu wenig Hormone, kann das weitreichende Folgen haben, körperlich wie psychisch. Allein in Deutschland sind Millionen Menschen betroffen, viele davon Frauen. Besonders hĂ€ufig steckt in IndustrielĂ€ndern eine autoimmune EntzĂŒndung der SchilddrĂŒse dahinter, bekannt als Hashimoto’s thyroiditis.

Doch gerade rund um ErnÀhrung herrscht viel Unsicherheit. Helfen Jod, Selen oder bestimmte Lebensmittel wirklich? Sollte man auf Gluten, Soja oder Kaffee verzichten? Und was ist medizinisch belegt und was hÀlt sich nur als Mythos? Genau darum geht es in diesem Artikel.


Welche Rolle spielen Jod, Selen, Eisen und Protein?

Wer die Diagnose SchilddrĂŒsenunterfunktion bekommt, fragt sich oft schnell, ob ErnĂ€hrung einen Unterschied machen kann. Die Antwort ist ja, allerdings nicht im Sinne von Wundermitteln oder speziellen „Heil-Lebensmitteln“. Die SchilddrĂŒse ist auf bestimmte NĂ€hrstoffe angewiesen, um Hormone ĂŒberhaupt produzieren, aktivieren und im Körper sinnvoll nutzen zu können. Fehlen diese Bausteine ĂŒber lĂ€ngere Zeit, können Beschwerden wie MĂŒdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein verlangsamter Stoffwechsel zusĂ€tzlich verstĂ€rkt werden.

Jod gehört zu den wichtigsten Bausteinen der SchilddrĂŒse. Ohne Jod kann der Körper die SchilddrĂŒsenhormone T3 und T4 nicht ausreichend bilden. Ein Jodmangel kann deshalb langfristig die SchilddrĂŒsenfunktion beeintrĂ€chtigen. Gleichzeitig gilt: Mehr Jod bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit. Besonders bei einer zugrunde liegenden Hashimoto kann eine dauerhaft zu hohe Jodzufuhr EntzĂŒndungsprozesse sogar verstĂ€rken. NahrungsergĂ€nzung sollte deshalb nie auf Verdacht, sondern nur nach Ă€rztlicher AbklĂ€rung erfolgen.

Selen ist ein Spurenelement, das hĂ€ufig unterschĂ€tzt wird. Es schĂŒtzt das empfindliche SchilddrĂŒsengewebe vor oxidativem Stress und hilft dem Körper dabei, das weniger aktive Hormon T4 in die stoffwechselaktive Form T3 umzuwandeln. Gerade bei Menschen mit Hashimoto zeigen einige Untersuchungen teilweise niedrigere Selenspiegel. Trotzdem gilt auch hier: Eine pauschale Einnahme ist nicht automatisch sinnvoll.

Eisen spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Das Spurenelement wird fĂŒr Enzyme benötigt, die an der Produktion von SchilddrĂŒsenhormonen beteiligt sind. Liegt zusĂ€tzlich ein Eisenmangel vor, was besonders bei Frauen nicht selten ist, können Symptome wie Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Haarausfall noch stĂ€rker wahrgenommen werden.

Auch Eiweiß, wird oft unterschĂ€tzt. Eine ausreichende Eiweißzufuhr unterstĂŒtzt Muskelerhalt, Stoffwechselprozesse und ein stabiles SĂ€ttigungsgefĂŒhl. Gerade weil viele Menschen mit einer SchilddrĂŒsenunterfunktion ĂŒber Gewichtszunahme, Muskelabbau oder chronische MĂŒdigkeit berichten, kann eine proteinreiche ErnĂ€hrung im Alltag unterstĂŒtzend wirken.


Welche Lebensmittel können sinnvoll sein?

Eine spezielle „SchilddrĂŒsen-DiĂ€t“ gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr ein langfristig ausgewogener ErnĂ€hrungsstil, der den Körper mit den NĂ€hrstoffen versorgt, die fĂŒr Hormonbildung, Stoffwechsel und Energiehaushalt wichtig sind.

Besonders relevant sind Lebensmittel, die natĂŒrlicherweise Jod, Selen, Eisen und hochwertiges Eiweiß liefern. Seefisch, Eier oder Milchprodukte können dabei helfen, den Körper mit Jod zu versorgen – einem zentralen Baustein der SchilddrĂŒsenhormone. NĂŒsse, Fisch oder HĂŒlsenfrĂŒchte liefern unter anderem Selen, das die SchilddrĂŒse vor oxidativem Stress schĂŒtzt und an wichtigen Umwandlungsprozessen beteiligt ist.

Auch Eisen spielt eine wichtige Rolle, da es fĂŒr die Bildung von SchilddrĂŒsenhormonen benötigt wird. Gute natĂŒrliche Quellen sind zum Beispiel Fleisch, HĂŒlsenfrĂŒchte, Haferflocken oder grĂŒnes BlattgemĂŒse. ZusĂ€tzlich sollte auf eine ausreichende Eiweißzufuhr geachtet werden. Lebensmittel wie Quark, Eier, Fisch, Naturjoghurt oder HĂŒlsenfrĂŒchtekönnen helfen, Muskelmasse zu erhalten, den Stoffwechsel zu unterstĂŒtzen und lĂ€nger satt zu bleiben.

Entscheidend ist dabei weniger ein einzelnes „Superfood“, sondern das große Ganze. Eine nĂ€hrstoffreiche, regelmĂ€ĂŸige ErnĂ€hrung kann den Körper unterstĂŒtzen, sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung oder individuell angepasste Therapie.

Fisch, Eier, HĂŒlsenfrĂŒchte, NĂŒsse und Milchprodukte liefern wichtige NĂ€hrstoffe, die bei einer SchilddrĂŒsenunterfunktion eine unterstĂŒtzende Rolle spielen können. (Symbolbild: Healthy Lady)

Was ist mit Soja, Kaffee oder Ballaststoffen?

Kaum eine Diagnose bringt so viele ErnĂ€hrungstipps, Warnungen und Halbwahrheiten mit sich wie eine SchilddrĂŒsenunterfunktion. Viele Betroffene hören schon kurz nach der Diagnose, sie mĂŒssten plötzlich auf Kaffee verzichten, Sojaprodukte meiden oder bestimmte GemĂŒsesorten wie Kohl komplett vom Speiseplan streichen. Medizinisch betrachtet ist das so pauschal jedoch nicht haltbar.

In den meisten FĂ€llen liegt das eigentliche Problem nicht beim Lebensmittel selbst, sondern beim Zeitpunkt der Einnahme des SchilddrĂŒsenmedikaments. Das Standardmedikament Levothyroxine wird in der Regel nĂŒchtern eingenommen, idealerweise 30 bis 60 Minuten vor dem FrĂŒhstĂŒck. Der Grund: Bestimmte Lebensmittel oder NahrungsergĂ€nzungen können die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm beeinflussen.

Dazu gehören unter anderem Kaffeecalciumreiche MilchprodukteEisenprĂ€parate, sehr ballaststoffreiche Mahlzeiten oder grĂ¶ĂŸere Mengen Soja. Werden sie zu nah an der Medikamenteneinnahme konsumiert, kann der Körper das Hormon unter UmstĂ€nden schlechter aufnehmen. Das kann langfristig sogar dazu fĂŒhren, dass Laborwerte schwanken oder Beschwerden trotz Therapie bestehen bleiben.

Die gute Nachricht: Kaffee, Soja oder ballaststoffreiche Lebensmittel sind bei einer SchilddrĂŒsenunterfunktion nicht grundsĂ€tzlich verboten. Entscheidend ist meist nicht was gegessen wird, sondern wann. Ein ausreichender zeitlicher Abstand zur Medikamenteneinnahme kann oft bereits den entscheidenden Unterschied machen.


Welche Mythen halten sich hartnÀckig?

Kaum ein Gesundheitsthema ist im Internet mit so vielen ErnĂ€hrungstipps, Selbsttests und vermeintlichen Wundermitteln verbunden wie SchilddrĂŒsenerkrankungen. Zwischen Social Media, Foren und Influencer-Empfehlungen fĂ€llt es vielen Betroffenen schwer zu unterscheiden, was medizinisch sinnvoll ist und was eher auf persönlichen Erfahrungen als auf wissenschaftlichen Daten basiert. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die hĂ€ufigsten IrrtĂŒmer.

Mythos 1: Gluten ist fĂŒr alle Menschen mit SchilddrĂŒsenunterfunktion schĂ€dlich.
Diese Aussage hĂ€lt sich hartnĂ€ckig, ist medizinisch aber so nicht haltbar. FĂŒr einen pauschalen Verzicht auf Gluten gibt es bei einer SchilddrĂŒsenunterfunktion keine wissenschaftliche Grundlage. Relevant kann Gluten dann werden, wenn zusĂ€tzlich eine diagnostizierte Celiac disease oder eine Ă€rztlich bestĂ€tigte UnvertrĂ€glichkeit vorliegt. Ohne medizinischen Grund kann ein unnötiger Verzicht sogar dazu fĂŒhren, dass die ErnĂ€hrung einseitiger wird.

Mythos 2: Jodtabletten helfen bei jeder SchilddrĂŒsenunterfunktion.
Auch das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Nicht jede SchilddrĂŒsenunterfunktion entsteht durch Jodmangel. Gerade bei einer zugrunde liegenden Hashimoto’s thyroiditis kann eine dauerhaft zu hohe Jodzufuhr EntzĂŒndungsprozesse sogar verstĂ€rken. NahrungsergĂ€nzung sollte deshalb nie auf Verdacht, sondern immer individuell medizinisch abgeklĂ€rt werden.

Mythos 3: Die richtige ErnÀhrung kann Medikamente ersetzen.
Eine ausgewogene ErnĂ€hrung kann den Körper unterstĂŒtzen, MangelzustĂ€nde ausgleichen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Bei einer diagnostizierten SchilddrĂŒsenunterfunktion ersetzt sie jedoch keine medizinische Therapie. Wenn der Körper dauerhaft zu wenig SchilddrĂŒsenhormone produziert, bleibt die Behandlung mit Levothyroxine in vielen FĂ€llen die medizinische Standardtherapie.


Wann ErnÀhrung allein nicht reicht

So wichtig ErnĂ€hrung fĂŒr das allgemeine Wohlbefinden und die UnterstĂŒtzung des Stoffwechsels auch sein kann, sie hat ihre Grenzen. Wenn Beschwerden wie anhaltende MĂŒdigkeit, unerklĂ€rliche Gewichtszunahme, Haarausfall, depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme, Zyklusstörungen oder ein stĂ€ndiges Frieren trotz einer ausgewogenen ErnĂ€hrung bestehen bleiben, sollte die Ursache medizinisch abgeklĂ€rt werden.

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Denn viele Symptome, die Betroffene zunĂ€chst auf Stress, Schlafmangel oder falsche ErnĂ€hrung schieben, können auf eine hormonelle Störung hinweisen. Um die Funktion der SchilddrĂŒse zuverlĂ€ssig beurteilen zu können, werden in der Regel bestimmte Blutwerte bestimmt. Dazu gehören vor allem TSHfreies T4 und je nach medizinischer Fragestellung auch freies T3. Besteht der Verdacht auf eine autoimmune Ursache wie Hashimoto's thyroiditis, können zusĂ€tzlich TPO-Antikörper wichtige Hinweise liefern.

Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass nicht jede MĂŒdigkeit automatisch von der SchilddrĂŒse kommt. Auch EisenmangelVitamin-D-Mangel, hormonelle VerĂ€nderungen oder andere internistische Ursachen können Ă€hnliche Beschwerden auslösen und sollten differenziert betrachtet werden.

Die wichtigste Botschaft bleibt deshalb: ErnĂ€hrung kann den Körper unterstĂŒtzen, Beschwerden teilweise lindern und den Alltag erleichtern. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose, keine regelmĂ€ĂŸige Verlaufskontrolle und keine individuell abgestimmte Therapie. Gerade bei hormonellen Erkrankungen macht oft nicht das Internet den Unterschied, sondern eine saubere medizinische AbklĂ€rung.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Ă€rztliche Diagnose oder individuelle medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder VerĂ€nderungen der Laborwerte sollte die Behandlung immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.

BlĂ€hbauch, VöllegefĂŒhl, trĂ€ger Stoffwechsel? Warum die Artischocke mehr kann als viele denken

Ein schweres GefĂŒhl nach dem Essen, ein aufgeblĂ€hter Bauch, Druck im Oberbauch oder das GefĂŒhl, dass die Verdauung einfach nicht richtig in Gang kommt. Viele Menschen kennen solche Beschwerden. Oft wird dann zu Verdauungstees, Hausmitteln oder Medikamenten gegriffen. Dabei wĂ€chst eine der spannendsten Heilpflanzen fĂŒr Darmfunktion und Stoffwechsel oft völlig unterschĂ€tzt im GemĂŒsefach, die Artischocke.

Was auf den ersten Blick wie ein mediterranes Feinschmecker-GemĂŒse wirkt, steckt voller Bitterstoffe, Ballaststoffe und antioxidativer Pflanzenstoffe. Genau diese Inhaltsstoffe werden seit Jahrhunderten mit einer gesunden Verdauung, der UnterstĂŒtzung von Galle und Leber sowie einem ausgeglichenen Fettstoffwechsel in Verbindung gebracht. Doch was davon ist tatsĂ€chlich medizinisch belegt und was gehört eher ins Reich der ErnĂ€hrungsmythen? Genau das schauen wir uns in diesem Artikel an.


Verdauung, Leber, Cholesterin – was ist medizinisch belegt?

Die Artischocke wird nicht nur in der mediterranen KĂŒche geschĂ€tzt, sondern seit Jahren auch wissenschaftlich untersucht. Besonders im Fokus stehen dabei ihre Bitterstoffe, antioxidativen Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Artischockenextrakte die Verdauung unterstĂŒtzen und die Produktion von GallenflĂŒssigkeit anregen können. Das kann vor allem Menschen helfen, die nach dem Essen hĂ€ufig unter VöllegefĂŒhl, BlĂ€hungen oder einem DruckgefĂŒhl im Oberbauch leiden.

Auch im Bereich Lebergesundheit gibt es erste interessante Daten. Klinische Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Artischockenextrakte Leberwerte wie ALT oder AST positiv beeinflussen könnten. DarĂŒber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe der Artischocke den Cholesterinstoffwechsel unterstĂŒtzen und erhöhte LDL-Werte leicht beeinflussen können.

Die meisten dieser Daten beziehen sich auf standardisierte Extrakte und nicht automatisch auf eine einzelne Portion GemĂŒse. Die Artischocke ist kein Heilmittel, kann aber als Teil einer ausgewogenen ErnĂ€hrung den Körper in mehreren Bereichen unterstĂŒtzend begleiten.


Frisch, als Tee oder Kapsel – wie nutzt man Artischocken richtig?

Die Artischocke (Artichoke) kann auf unterschiedliche Weise in den Alltag integriert werden. Als frisches GemĂŒse liefert sie Ballaststoffe, Bitterstoffe und wichtige Pflanzenstoffe und passt zum Beispiel in Salate, Ofengerichte oder mediterrane Bowls. In Form von Tee oder Bitterextrakten wird sie traditionell vor allem bei VöllegefĂŒhl oder trĂ€ger Verdauung eingesetzt. NahrungsergĂ€nzungsmittel mit Artischockenextrakt sind meist höher konzentriert, sollten aber nicht wahllos eingenommen werden. Besonders Menschen mit Gallensteinen oder bestehenden Erkrankungen sollten die Einnahme vorher medizinisch abklĂ€ren.



Der Biochemische Trick: Warum die Fettverdauung beschleunigt wird

Dass die Artischocke bei VöllegefĂŒhl hilft, liegt an einem spezifischen Mechanismus. Der Bitterstoff Cynarin. Er sorgt dafĂŒr, dass die Gallenblase sich zusammenzieht und konzentrierte GallenflĂŒssigkeit in den DĂŒnndarm abgibt. Dies ist der entscheidende Flaschenhals der Verdauung. Fließt die Galle ungehindert, werden Fette sofort emulgiert und können vom Körper verarbeitet werden, anstatt schwer im Magen zu liegen oder im Dickdarm GĂ€rungsprozesse (und damit BlĂ€hungen) auszulösen.

Inulin: Das Superfood fĂŒr die Darmflora

Neben den Bitterstoffen enthĂ€lt die Artischocke den Ballaststoff Inulin. Im Gegensatz zu anderen Kohlenhydraten wird Inulin nicht im DĂŒnndarm resorbiert, sondern gelangt direkt in den Dickdarm. Dort dient es als "PrĂ€biotikum", also als Nahrung fĂŒr nĂŒtzliche Darmbakterien wie Bifidobakterien. Ein gut genĂ€hrter Darm ist widerstandsfĂ€higer gegen Fehlbesiedlungen, was langfristig hilft, die Entstehung eines chronischen BlĂ€hbauchs zu reduzieren und den Stoffwechsel grundlegend zu vitalisieren.


Praxis-Tipps fĂŒr den Alltag

Die Artischocke enthĂ€lt Ballaststoffe, Vitamine wie C und B-Vitamine sowie Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Besonders interessant sind ihre Bitterstoffe wie Cynarin und antioxidative Pflanzenstoffe, die die Verdauung und den Stoffwechsel unterstĂŒtzen können.(Foto: Nati/Pexels)

Wer die positiven Eigenschaften der Artischocke optimal nutzen möchte, sollte auch auf den richtigen Zeitpunkt und die passende Anwendung achten.

Der 20-Minuten-Vorlauf: Bitterstoffe (ob als Tee oder Tropfen) wirken am besten, wenn sie etwa 20 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden. Das signalisiert dem System: „Bereite dich vor, es kommt Arbeit.“

Das vergessene Heilmittel: Beim Kochen frischer Artischocken gehen viele Wirkstoffe ins Wasser ĂŒber. Anstatt es wegzuschĂŒtten, kann das abgekĂŒhlte Kochwasser mit etwas Zitrone als Stoffwechsel-Drink ĂŒber den Tag verteilt getrunken werden.

Die Blatt-Regel: Die höchste Konzentration der heilenden Stoffe sitzt nicht im weichen Herz, sondern in den fleischigen AnsĂ€tzen der Ă€ußeren BlĂ€tter. Diese sollten beim Verzehr grĂŒndlich mit den ZĂ€hnen abgeschabt werden.


Wann ist Vorsicht geboten?

Trotz der positiven Effekte gibt es klare Grenzen. Menschen mit Gallensteine sollten auf hochkonzentrierte Artischocken-Produkte verzichten. Da die Artischocke die Gallenwege anregen kann, besteht im ungĂŒnstigsten Fall das Risiko einer Gallenkolik. Auch bei einer bekannten Allergie gegen KorbblĂŒtler, z.B. Arnika oder Kamille ist Vorsicht geboten. In solchen FĂ€llen ist es sinnvoll, vor der Einnahme Ă€rztlichen Rat einzuholen.

Wenn du die Artischocke regelmĂ€ĂŸig in deinen ErnĂ€hrungsplan integrieren möchtest und dabei besonders auf NahrungsergĂ€nzungsmittel oder hochdosierte Extrakte setzt, solltest du das am besten vorher mit deinem Arzt absprechen.


Volle SchrÀnke, leeres Konto: Wenn Shopping zur Sucht wird

Das Paket lag vor ihrer TĂŒr und Annika wusste eigentlich schon in dem Moment, dass sie den Inhalt nicht brauchte. Nicht das dritte Paar Schuhe. Nicht das Make-up, das sie wahrscheinlich nie benutzen wĂŒrde. Und trotzdem raste ihr Herz. „Sobald ich die VersandbestĂ€tigung bekommen habe, war da dieses GefĂŒhl von Erleichterung“, erinnert sie sich. „Fast wie GlĂŒck.“ Doch das GefĂŒhl hielt nie lange.

Wenige Stunden spĂ€ter kamen die SchuldgefĂŒhle. Der Blick aufs Konto voller Angst vor offenen Rechnungen, versetzte sie in Panik. Trotzdem griff Annika Tage spĂ€ter wieder zum Handy. Wieder ein Kauf und wieder dieser kurze Moment, in dem alles leichter schien. „Irgendwann habe ich gemerkt, ich kaufe nicht, weil ich etwas brauche. Ich kaufe, weil ich etwas nicht fĂŒhlen will.“ Was fĂŒr Außenstehende wie ein harmloser Shopping-Faible aussah, war in Wahrheit der Beginn einer Sucht.

Laut den deutschen Konsumforscher:innen Prof. Dr. Lucia A. Reisch und Prof. Dr. Gerhard Raab gelten zwischen 5 und 7 Prozent der Erwachsenen in Deutschland als stark kaufsuchtgefĂ€hrdet. Das betrifft potenziell mehrere Millionen Menschen.

Kaufsucht wird oft belĂ€chelt, weil sie gesellschaftlich harmlos wirkt. Doch hinter vollen Einkaufstaschen können dieselben Mechanismen stecken wie bei Alkohol-, GlĂŒcksspiel- oder anderen VerhaltenssĂŒchten.


Der kurze Kick, die lange Leere

Kaufsucht (oder fachsprachlich Pathologisches Kaufen) ist ein wiederkehrendes, schwer kontrollierbares Kaufverhalten. Betroffene kaufen Dinge, die sie oft weder brauchen noch finanziell tragen können und erleben trotzdem einen starken inneren Drang weiterzumachen. Es geht dabei fast nie um das Produkt selbst, sondern um den Moment, in dem man auf „Bestellen“ klickt. In diesem kurzen Augenblick verschwinden Stress, Einsamkeit oder Selbstzweifel wie auf Knopfdruck und machen Platz fĂŒr ein extremes HochgefĂŒhl.

Doch dieses GlĂŒck ist eine Illusion und verfliegt sofort, sobald das Paket da ist. Was bleibt, ist eine noch grĂ¶ĂŸere Leere, Scham und oft ein Berg voller Schulden. Es ist ein Teufelskreis, bei dem das Shoppen zur Sucht wird. HĂ€ufige Auslöser sind emotionaler Stress, Einsamkeit, geringes SelbstwertgefĂŒhl, ungelöste Konflikte, depressive Phasen, Angst oder innere Leere.

Online-Shopping macht impulsives Kaufen leichter als je zuvor. Ein Klick genĂŒgt und der kurzfristige GlĂŒcksmoment ist da. Ohne Wartezeit, ohne sichtbare Konsequenzen und oft ohne sich mit den GefĂŒhlen auseinanderzusetzen, die den Kauf ĂŒberhaupt ausgelöst haben. ZusĂ€tzliche Bezahldienste wie PayPalKlarna und Ă€hnliche Anbieter senken diese Hemmschwelle weiter. Wer nicht sofort spĂŒrt, dass Geld das Konto verlĂ€sst, verliert schneller den Bezug zu den tatsĂ€chlichen Ausgaben. Es ist ein Mechanismus, der problematisches Kaufverhalten zusĂ€tzlich verstĂ€rken kann.


Wer besonders schnell in die Spirale gerÀt

Besonders gefĂ€hrdet sind diejenigen, die sehr sensibel auf Stress reagieren oder dazu neigen, ihre GefĂŒhle ĂŒber Ă€ußere Reize zu regulieren, statt sich direkt mit ihnen auseinanderzusetzen. Wer oft BestĂ€tigung im Außen sucht oder sich stĂ€ndig mit dem vermeintlich perfekten Leben anderer vergleicht, rutscht schneller in das GefĂŒhl, „noch etwas zu brauchen“, um dazuzugehören oder sich wertvoll zu fĂŒhlen.

Auch eine gewisse ImpulsivitĂ€t spielt oft eine Rolle, also der Drang, einem BedĂŒrfnis sofort nachgeben zu mĂŒssen, ohne kurz innezuhalten. Social Media wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger. Der stĂ€ndige Druck durch Influencer-Lifestyles und perfekt platzierte Werbung triggert unbewusst unsere tiefsten Unsicherheiten. Man kauft dann nicht nur ein Produkt, sondern das Versprechen auf ein besseres Ich, nur um kurz darauf festzustellen, dass die innere Leere durch keine Bestellung der Welt gefĂŒllt werden kann.

Lange Zeit dachte man, Kaufsucht sei ein weibliches Problem. Studien zeigen aber, dass MĂ€nner fast genauso hĂ€ufig betroffen sind. Der Unterschied liegt meist nur im Was: Frauen kaufen öfter Kleidung und Kosmetik, MĂ€nner eher Technik, Autozubehör oder SammlerstĂŒcke.

Besonders Menschen zwischen 18 und 30 Jahren zeigen ein höheres Risiko. Das liegt vor allem an der stĂ€ndigen VerfĂŒgbarkeit durch Online-Shopping und der starken PrĂ€senz von Konsumvorbildern in den sozialen Medien.


Kaufst du das Produkt oder das GefĂŒhl dahinter?

Emotionales Kaufen beginnt oft mit einer einfachen, aber ehrlichen Frage: Brauche ich dieses Produkt wirklich oder versuche ich gerade nur, ein unangenehmes GefĂŒhl zu betĂ€uben? HĂ€ufig entstehen solche KĂ€ufe nicht aus echtem Bedarf, sondern in emotionalen Momenten nach einem schlechten Tag, nach Streit, in Phasen von Einsamkeit oder Überforderung oder auch als vermeintliche Belohnung. Das Problem dabei ist, dass das gute GefĂŒhl meist nur fĂŒr kurze Zeit anhĂ€lt.

Symbolbild: Healthy Lady

Wie du die Kontrolle zurĂŒckgewinnst

Bezahldienste und Shopping-Apps löschen
Dienste wie PayPal oder Klarna machen Kaufen extrem einfach. Je weniger Klicks zwischen Impuls und Kauf liegen, desto eher handeln wir emotional statt bewusst. Wenn gespeicherte Zahlungsdaten oder Shopping-Apps verschwinden, entsteht wieder eine kleine HĂŒrde – und genau diese Sekunden können helfen, eine impulsive Entscheidung zu stoppen.

Nicht sofort kaufen – 24-Stunden-Regel
Wenn du etwas unbedingt haben willst, warte bewusst 24 Stunden. Viele ImpulskÀufe verlieren nach kurzer Zeit ihren Reiz. Was morgen immer noch wichtig wirkt, ist oft eher ein echter Bedarf als ein emotionaler Reflex.

Nur mit Liste einkaufen
Ob online oder im Laden: Wer ohne Plan einkauft, kauft hÀufiger aus Stimmung heraus. Eine feste Einkaufsliste hilft, den Fokus auf das zu legen, was wirklich gebraucht wird.

Newsletter, Rabattcodes und Shopping-Benachrichtigungen ausschalten
StĂ€ndige Rabatte, „Nur heute“-Aktionen oder Push-Nachrichten erzeugen kĂŒnstlichen Druck. Weniger Reize bedeuten oft weniger Kaufimpulse.

Auslöser erkennen
Viele kaufen nicht wegen des Produkts, sondern wegen eines GefĂŒhls – Stress, Einsamkeit, Frust oder Langeweile. Wer seine Trigger kennt, kann frĂŒher gegensteuern.

Alternative Belohnungen finden
Das Gehirn sucht nach schnellen GlĂŒcksgefĂŒhlen. Ein Spaziergang, Sport, Musik, Schreiben oder ein GesprĂ€ch mit vertrauten Menschen können helfen, ohne danach SchuldgefĂŒhle oder finanzielle Sorgen auszulösen.

Konto und Ausgaben sichtbar machen
Viele verdrĂ€ngen ihre KĂ€ufe. Ein ehrlicher Blick auf Kontostand, offene Rechnungen und Ausgaben kann schmerzhaft sein – aber genau dort beginnt oft echte VerĂ€nderung.


Wo Betroffene echte Hilfe finden

Wenn der Kontrollverlust schon da ist, kann professionelle Hilfe der schnellere Weg sein als noch mehr Selbstdisziplin. Das ist keine Frage von Willenskraft allein. Eine erste Orientierung kann das GesprĂ€ch in der Hausarztpraxis oder bei einer psychologischen Beratungsstelle bieten, wĂ€hrend eine Psychotherapie dabei hilft, die eigentlichen Ursachen hinter dem Kaufzwang aufzuarbeiten. Wenn der Druck durch offene Rechnungen bereits ĂŒber den Kopf wĂ€chst, ist eine Schuldnerberatung der richtige Ort, um wieder Boden unter den FĂŒĂŸen zu gewinnen. Oft hilft es auch schon enorm, sich einer vertrauten Person im persönlichen Umfeld zu öffnen, um die lĂ€hmende Scham zu durchbrechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wenn du merkst, dass dir dein Kaufverhalten entgleitet, gibt es diskrete Anlaufstellen, bei denen du Hilfe finden kannst und das sogar anonym. Die Online-Schuldnerberatung der Caritas unterstĂŒtzt Menschen, die durch Schulden den Überblick verloren haben und einen Weg zurĂŒck in finanzielle StabilitĂ€t suchen. Auch TelefonSeelsorge bietet per Telefon, Chat oder Mail einen geschĂŒtzten Raum, wenn der Druck akut wird und du mit jemandem sprechen möchtest. Der wichtigste Klick ist nicht der im Warenkorb, sondern der hin zu echter Hilfe.


Beauty am Strand – das empfiehlt ein Dermatologe

Das Rauschen der Wellen im Ohr, der Duft von Sonnencreme in der Luft und das befreiende GefĂŒhl, das azurblaue Meer endlich nicht nur auf Postkarten zu sehen. FĂŒr einen Moment scheint die Welt stillzustehen, wĂ€hrend wir uns voll und ganz dem langersehnten Urlaub hingeben. Doch wĂ€hrend unser Geist im „Out of Office“-Modus schwelgt, arbeitet unser Körper im Hintergrund auf Hochtouren.

Es ist eine Herausforderung fĂŒr unsere Ă€ußere SchutzhĂŒlle, die im Urlaub mit extremen EinflĂŒssen zurechtkommen muss. Damit die Urlaubserinnerung nicht in Form von trockenen Stellen oder Spliss bestehen bleibt, braucht es eine kluge Strategie fĂŒr die Zeit am Strand. Hamburger Dermatologe Dr. Welf Prager kennt die unsichtbaren Gefahren fĂŒr Haut und Haare sehr genau. Er erklĂ€rt in diesem Artikel, wie die Balance zwischen maximalem Sonnengenuss und nachhaltiger Pflege gelingt, damit das gesunde Strahlen auch nach dem Kofferpacken erhalten bleibt.


Goldener Glow statt Sonnenbrand: Wie dein Schutz die BrÀune sogar schöner macht

Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor schĂŒtzt die Haut vor schĂ€dlicher UV-Strahlung und hilft, Sonnenbrand zu vermeiden. (Foto: Mikhail Nilov/Pexels)

Die Sehnsucht nach einer perfekten, goldenen BrĂ€une ist groß. Doch genau hier lauert die Falle, denn die Haut vergisst nichts. Wer den Sommer unbeschwert genießen will, kommt an Sonnencreme nicht vorbei, die im ReisegepĂ€ck eigentlich den Platz als wichtigster Begleiter verdient hat.

Dermatologe Dr. Welf Prager beobachtet oft, dass die Kraft der Sonne im Urlaub massiv unterschĂ€tzt wird. Gerade an den Partien, die wir der Welt am liebsten prĂ€sentieren, also im Gesicht, auf dem DekolletĂ© und den Schultern, ist die Haut besonders dĂŒnn und verletzlich. Er rĂ€t daher dringend zu einem Lichtschutzfaktor von mindestens 50. Es geht dabei um weit mehr, als nur einen Sonnenbrand zu verhindern. Ein hoher Schutz ist die beste Versicherung gegen vorzeitige Falten und bleibende HautschĂ€den, damit das Gesicht auch Jahre spĂ€ter noch von Erholung erzĂ€hlt und nicht von LichtschĂ€den.

Einmal eincremen am Morgen reicht allerdings nicht aus, um den ganzen Tag sicher zu sein. Wasser, Sand und sogar das Handtuch tragen den Schutzfilm nach und nach ab. Wer aus den Wellen steigt und sich trocken rubbelt, hat meist schon einen Großteil der Barriere verloren. Es ist deshalb empfehlenswert das Eincremen als festes Ritual alle zwei Stunden einzuplanen. So bleibt die Haut geschĂŒtzt und widerstandsfĂ€hig, damit du die schönste Zeit des Jahres unbeschwert genießen kannst.

Sonnenschutz verhindert keine BrĂ€une sondern schĂŒtzt dein Strahlen

Es ist ĂŒbrigens ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine hohe Schutzschicht die ersehnte BrĂ€une verhindert. Das Gegenteil ist der Fall, denn selbst ein hoher Lichtschutzfaktor lĂ€sst noch genĂŒgend Strahlen durch, um die Melaninproduktion sanft anzuregen. WĂ€hrend ein Sonnenbrand die Haut schĂ€digt und sich die Farbe durch das anschließende SchĂ€len schnell wieder verabschiedet, sorgt der Schutz fĂŒr ein gesundes und deutlich lĂ€nger anhaltendes Ergebnis. Die Haut bekommt durch die Creme die nötige Zeit, um eine gleichmĂ€ĂŸige GoldfĂ€rbung zu entwickeln, die nicht nur schöner aussieht, sondern auch die Spannkraft des Gewebes bewahrt.


Die unterschĂ€tzte Belastung fĂŒr Haut, Haare und NĂ€gel

Was Sonne, Salz und Hitze wirklich mit Haut, Haaren und NÀgeln machen und worauf du im Urlaub achten solltest, erklÀrt Dermatologe Dr. Welf Prager in unserem Video:


Das sanfte Erwachen nach dem Sonnenbad

Wenn der Tag am Meer zu Ende geht und die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, bleibt oft ein ganz besonderes GefĂŒhl auf der Haut zurĂŒck. Es ist dieses wohlige aber auch fordernde NachglĂŒhen der Sommerhitze. In diesen Momenten sehnt sich der Körper nach einer tiefen AbkĂŒhlung, die weit ĂŒber das Duschen hinausgeht. Die Haut hat ĂŒber Stunden Feuchtigkeit verloren und braucht nun eine intensive Zuwendung, um sich von der Anstrengung der UV-Strahlen zu regenerieren.

Ein kĂŒhlendes After Sun Produkt oder eine leichte Lotion mit Aloe Vera wirken jetzt wie ein erlösendes Glas Wasser fĂŒr die Zellen. Wirkstoffe wie Panthenol helfen dabei, erste Rötungen sanft zu lindern und das SpannungsgefĂŒhl sofort zu nehmen. Es ist der Moment, in dem die Haut spĂŒrbar aufatmet und ihre ElastizitĂ€t zurĂŒckgewinnt. Diese Pflege ist das entscheidende Puzzleteil, damit die UrlaubsbrĂ€une nicht schuppig wird, sondern ihren gesunden Glanz behĂ€lt.

Wer seiner Haut eine besonders intensive Erholung gönnen möchte, greift am Abend zusĂ€tzlich zu reichhaltigen Cremes oder pflegenden Ölen. Diese bilden einen schĂŒtzenden Film und stĂ€rken die natĂŒrliche Barriere, die durch Salz und Wind strapaziert wurde. So wird verhindert, dass die wertvolle Feuchtigkeit ĂŒber Nacht einfach verdunstet. Es ist ein kleines Abendritual mit großer Wirkung, das dafĂŒr sorgt, dass man am nĂ€chsten Morgen wieder mit einem entspannten und frischen GefĂŒhl in die Sonne blinzeln kann.

Nach dem Sonnenbad helfen feuchtigkeitsspendende Gesichtsmasken, die Haut zu beruhigen und zu regenerieren. (Foto: Ann Tarasevich/Pexels)

Wenn die Brise das Haar zum Strahlen bringt

Ein Tag am Meer hinterlĂ€sst nicht nur Spuren im Sand, sondern oft auch in unseren Haaren. WĂ€hrend wir den Wind und das Salz auf der Haut genießen, entzieht die Kombination aus intensiver UV-Strahlung und Meerwasser dem Haar wertvolle Feuchtigkeit. Die Folge ist oft ein strohiges GefĂŒhl und eine spröde Struktur, die den sommerlichen Glanz schnell verblassen lĂ€sst. Wer sein Haar liebt, bereitet es deshalb schon vor dem ersten Sprung in die Wellen auf diese Belastung vor.

Dr. Welf Prager sieht in der tĂ€glichen Routine am Strand den SchlĂŒssel fĂŒr gesundes Haar. Ein leichter Leave-in-Conditioner oder ein spezielles UV-Schutz-Spray wirken wie ein unsichtbarer Schutzschild, der die Haarstruktur ummantelt und das Austrocknen verhindert. Es ist eine kleine Geste mit großer Wirkung, die das KĂ€mmen nach dem Strandbad deutlich erleichtert und Haarbruch vorbeugt. Das Haar bleibt dadurch geschmeidig und behĂ€lt seine natĂŒrliche Sprungkraft, selbst wenn die Sonne den ganzen Tag lacht.

Um den Feuchtigkeitsspeicher nach einem langen Urlaubstag wieder komplett aufzufĂŒllen, ist eine reichhaltige Haarkur am Abend der perfekte Abschluss. Sie gibt dem Haar genau die NĂ€hrstoffe zurĂŒck, die es durch Salz und Hitze verloren hat. So wird die Regeneration tief im Inneren unterstĂŒtzt und das Haar kann sich ĂŒber Nacht erholen. Mit dieser gezielten Pflege bleibt die MĂ€hne auch im tiefsten Sommer ein glĂ€nzender Blickfang und erzĂ€hlt von unbeschwerten Stunden am azurblauen Meer.


Starke NĂ€gel und gesunder Schutz am Strand

Nicht nur Haut und Haare, auch unsere NĂ€gel reagieren empfindlich auf den Mix aus Sonne, Salz und Chlorwasser. Die Kombination entzieht dem Keratin Feuchtigkeit, lĂ€sst die NĂ€gel spröde werden und die Nagelhaut schneller einreißen. Schon kleine Pflegeroutinen können hier viel bewirken. Ein nĂ€hrendes Nagelöl und eine schĂŒtzende Schicht Klarlack helfen, die Struktur zu bewahren und Feuchtigkeitsverlust vorzubeugen.

Besonders im Sommer haben Pilzinfektionen in der feuchtwarmen Umgebung von Pools und Gemeinschaftsduschen leichtes Spiel. Um das Risiko fĂŒr Nagel und Fußpilz zu minimieren, rĂ€t der Experte konsequent zum Tragen von Badeschlappen auf allen öffentlichen FlĂ€chen. Wer seine FĂŒĂŸe nach dem Schwimmen grĂŒndlich mit SĂŒĂŸwasser abspĂŒlt und anschließend ein spezielles pilzvorbeugendes Spray verwendet, schafft eine zusĂ€tzliche Sicherheitsebene. Besonders wichtig bleibt dabei das sorgfĂ€ltige Abtrocknen der ZehenzwischenrĂ€ume, damit Krankheitserreger gar nicht erst den idealen NĂ€hrboden finden. So bleiben die FĂŒĂŸe den gesamten Urlaub ĂŒber gesund und gepflegt.


Die Quelle der Schönheit von innen

Kokoswasser liefert natĂŒrliche Elektrolyte und hilft, den Körper an heißen Tagen mit FlĂŒssigkeit und Mineralstoffen zu versorgen. (Foto: Mikhail Nilov/ Pexels)

Ein strahlendes Äußeres beginnt im Sommer tief unter der HautoberflĂ€che. Durch die Hitze verliert der Körper weit mehr als nur Wasser, denn mit der Feuchtigkeit schwinden wertvolle Mineralien wie Magnesium und Calcium. Wer sein Depot mit zwei bis drei Litern FlĂŒssigkeit am Tag auffĂŒllt, schenkt seinen Zellen ein echtes Regenerationstreatment. Eine ausreichende Hydrierung sorgt dafĂŒr, dass die Collagenfasern elastisch bleiben und das Gesicht wie natĂŒrlich aufgepolstert wirkt.

Dieses innere Fundament lĂ€sst sich durch Ă€ußere Pflege ideal ergĂ€nzen. Eine feuchtigkeitsspendende Maske fĂŒr Gesicht oder Haare versiegelt den Effekt und gibt dem Körper nach einem intensiven Tag in der Sonne die nötige Kraft zurĂŒck. Das Zusammenspiel aus mineralstoffreicher Erfrischung und gezielter Wirkstoffpflege bewahrt die Spannkraft und lĂ€sst den sommerlichen Glow der Haut dauerhaft leuchten.


Schöne Haut und gesundes Haar auch nach dem Urlaub

Ein strahlendes Aussehen nach der Reise ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von cleverem Timing und der richtigen Temperatur. Ein Geheimtipp fĂŒr die maximale Regeneration ist es, After-Sun-Lotionen und Gesichtsmasken im KĂŒhlschrank aufzubewahren. Der thermische Reiz verengt die durch die Hitze geweiteten GefĂ€ĂŸe sofort, lindert Schwellungen und schleust beruhigende Wirkstoffe wie Aloe Vera oder Panthenol deutlich effektiver in die tieferen Hautschichten ein. Dieses kĂŒhle Treatment direkt nach der Dusche nutzt das kurze Zeitfenster, in dem die Poren am aufnahmefĂ€higsten sind.

Wenn du diesen Ă€ußeren Frischekick zusĂ€tzlich mit einer ErnĂ€hrung reich an Vitamin C und Antioxidantien kombinierst, schĂŒtzt du dein Kollagen-GerĂŒst direkt von der Basis aus. Es ist ein Zusammenspiel aus gezielter AbkĂŒhlung und innerer NĂ€hrstoffzufuhr, das den entscheidenden Unterschied zwischen gestresster und vitaler Haut macht. Mit diesem Wissen im GepĂ€ck wird die Pflege zu einem echten High-End-Erlebnis, das dein gesundes Strahlen weit ĂŒber die Urlaubszeit hinaus konserviert und dich jeden Tag im Spiegel an die schönste Zeit des Jahres erinnert.



Goodbye Hornhaut! Tipps, Tricks und Hausmittel, die wirklich helfen

Barfuß ĂŒber warmen Sand laufen, die FĂŒĂŸe ins kĂŒhle Wasser tauchen oder an einem sonnigen Tag in offenen Sandalen durch die Stadt gehen. Gerade im Sommer rĂŒcken unsere FĂŒĂŸe plötzlich in den Mittelpunkt. Doch nicht immer fĂŒhlen wir uns dabei wohl. Raue, verhĂ€rtete Haut an den Fersen oder unter den Fußballen kann schnell unangenehm wirken und viele greifen dann zu dicken Cremeschichten oder teuren SpezialgerĂ€ten aus der Apotheke.

Dabei erfĂŒllt Hornhaut eigentlich eine wichtige Aufgabe. Sie ist ein natĂŒrlicher Schutz der Haut und entsteht dort, wo Druck und Reibung besonders stark sind. Problematisch wird es erst, wenn sie zu dick wird oder sich an ungĂŒnstigen Stellen bildet.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass man Hornhaut nicht mit komplizierten Methoden bekĂ€mpfen muss. Oft reichen schon einfache, natĂŒrliche Pflegegewohnheiten aus, um die Haut wieder geschmeidig zu machen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit fĂŒhlen sich die FĂŒĂŸe bald wieder weich, gepflegt und angenehm glatt an. Wir zeigen dir, wie das funktioniert.


Ein echter Geheimtipp: Leinsamen-Fußbad:

Symbolbild (Foto:Taryn Elliott/Pexels)

Leinsamen sind reich an wertvollen FettsĂ€uren und Antioxidantien. Sie spenden der Haut Feuchtigkeit und helfen dabei, sie weich und geschmeidig zu halten. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, verhĂ€rtete Hautstellen zu lockern und die Bildung ĂŒbermĂ€ĂŸiger Hornhaut zu reduzieren. Minze bringt eine angenehme Frische ins Fußbad. Sie wirkt belebend, hat antibakterielle Eigenschaften und kann helfen, unangenehmen Geruch zu mindern. Auch Bockshornklee wird seit langem in der Hautpflege geschĂ€tzt. Er unterstĂŒtzt die Regeneration der Haut, beruhigt kleine Irritationen und sorgt dafĂŒr, dass sich die FĂŒĂŸe nach der Anwendung spĂŒrbar gepflegt anfĂŒhlen. Gerade nach einem langen Tag kann ein solches Fußbad wahre Wunder wirken. Es entspannt mĂŒde FĂŒĂŸe, pflegt die Haut und hilft gleichzeitig dabei, ĂŒbermĂ€ĂŸiges Schwitzen oder unangenehme GerĂŒche zu reduzieren.

Das Rezept: FĂŒr das Leinsamen-Fußbad benötigst du sechs Esslöffel Leinsamen, ein paar frische MinzblĂ€tter, etwas Bockshornklee aus der Apotheke oder dem Reformhaus und etwa einen Liter Wasser. Gib die Leinsamen zusammen mit der Minze und dem Bockshornklee in einen Topf und ĂŒbergieße alles mit dem Wasser. Lass die Mischung einige Minuten leicht köcheln, damit sich die wohltuenden Inhaltsstoffe der Pflanzen lösen können.

Stelle den Topf anschließend zur Seite und lasse das Fußbad etwa 30 Minuten abkĂŒhlen, bis es angenehm warm ist. Danach tauchst du deine FĂŒĂŸe in das Bad und lĂ€sst sie etwa 20 bis 30 Minuten darin entspannen, damit die pflegenden Wirkstoffe ihre Wirkung entfalten können.


Bimsstein: Die bewĂ€hrte Methode fĂŒr hartnĂ€ckige Stellen

Bimsstein. Poröses Vulkangestein aus erstarrter Lava, ideal zur sanften Hornhautentfernung. Seine raue, luftige Struktur entsteht durch eingeschlossene Gasblasen und macht ihn zu einem natĂŒrlichen Peeling fĂŒr die Haut. (Foto: www.kaboompics.com/Pexels)

Der Bimsstein ist ein seit langem bewĂ€hrtes Hilfsmittel im Kampf gegen Hornhaut. Nach einem Fußbad ist er ideal geeignet, um die erweichte Hornhaut behutsam abzutragen. Um die Haut nicht unnötig zu verletzen, sollte der Bimsstein nur vorsichtig angewendet werden. Durch leichtes Rubbeln werden die abgestorbenen Hautzellen entfernt und die FĂŒĂŸe werden glatt.


Feuchtigkeitscremes und natĂŒrliche Öle

Auch Feuchtigkeitscremes oder natĂŒrliche Öle wie Olivenöl, Kokosöl oder Sheabutter eignen sich hervorragend, um die Haut intensiv zu pflegen und der Bildung von Hornhaut vorzubeugen. Diese natĂŒrlichen Pflegeprodukte versorgen die Haut mit wertvollen FettsĂ€uren und Feuchtigkeit, wodurch trockene und verhĂ€rtete Stellen wieder geschmeidiger werden können.

Massiere die Öle am besten nach einem warmen Fußbad sanft in die noch leicht feuchte Haut ein. Trockene Stellen wie Fersen oder Fußballen dĂŒrfen dabei ruhig etwas grĂŒndlicher einmassiert werden.

Ein kleiner Tipp fĂŒr eine besonders intensive Pflege. Zieh nach dem Einmassieren der Öle ein Paar Baumwollsocken an und lass die Pflege ĂŒber Nacht einwirken. Die WĂ€rme der Socken unterstĂŒtzt die Aufnahme der Wirkstoffe, wĂ€hrend sich die Haut in Ruhe regenerieren kann. Am nĂ€chsten Morgen fĂŒhlen sich deine FĂŒĂŸe meist deutlich weicher, glatter und gepflegter an.


Natron-Fußbad – NatĂŒrliche Hilfe gegen raue Haut

Ein Natronbad hilft, verhĂ€rtete Haut aufzuweichen und wirkt gleichzeitig geruchsneutralisierend. Gib ein bis zwei Esslöffel Natron in eine SchĂŒssel mit warmem Wasser und bade die FĂŒĂŸe etwa fĂŒnfzehn Minuten darin. Danach lĂ€sst sich die aufgeweichte Hornhaut besonders leicht mit einem Bimsstein oder einer Fußfeile entfernen.


FruchtsÀuren können helfen, verhÀrtete Haut zu lösen

Apfelessig enthĂ€lt natĂŒrliche FruchtsĂ€uren, die abgestorbene HautschĂŒppchen sanft lösen können. Misch zwei bis drei Esslöffel Apfelessig in warmes Wasser und bade die FĂŒĂŸe etwa zehn bis fĂŒnfzehn Minuten darin. Anschließend die Haut vorsichtig mit einer Feile glĂ€tten und gut eincremen.

ZusĂ€tzlich kann Apfelessig auch dabei helfen, das Wachstum von Bakterien und Pilzen zu hemmen. Durch seinen leicht sauren pH-Wert entsteht ein Hautmilieu, in dem sich Pilze schlechter vermehren können. Deshalb wird ein Apfelessig-Fußbad hĂ€ufig auch als unterstĂŒtzendes Hausmittel bei unangenehmem Fußgeruch oder leichten Pilzproblemen empfohlen.


NatĂŒrliche Feuchtigkeitspflege fĂŒr strapazierte Haut

Honig wirkt antibakteriell und spendet intensive Feuchtigkeit. Trage eine dĂŒnne Schicht Honig auf die Fersen und trockenen Stellen auf, zieh Baumwollsocken darĂŒber und lass die Maske etwa zwanzig Minuten einwirken. Danach mit warmem Wasser abspĂŒlen.


Bequeme Schuhe als Schutz

Auch die richtigen Schuhe spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Hornhaut. Zu enge oder harte Schuhe erzeugen Druckstellen, wodurch sich die Haut stĂ€rker verhĂ€rtet. Bequeme, gut sitzende Schuhe und atmungsaktive Materialien helfen, Reibung zu reduzieren und die FĂŒĂŸe gesund zu halten.


Luxusbehandlung fĂŒr weiche, gepflegte FĂŒĂŸe

Ein Fußparaffinbad gilt als besonders wohltuende Pflegebehandlung fĂŒr strapazierte FĂŒĂŸe. Das warme Paraffinwachs umhĂŒllt die Haut, speichert die WĂ€rme und sorgt dafĂŒr, dass Feuchtigkeit tief in die Haut eindringen kann. Dadurch werden trockene Stellen intensiv gepflegt und die Haut fĂŒhlt sich anschließend spĂŒrbar weicher und glatter an.

Gleichzeitig wirkt die WĂ€rme entspannend auf die FĂŒĂŸe, kann Verspannungen lösen und die Durchblutung anregen. Gerade nach einem langen Tag empfinden viele Menschen ein Paraffinbad daher als angenehm beruhigend und regenerierend.


Wann hilft ein Besuch beim Podologen?

Ein Podologe ist ein medizinischer Fußspezialist. Podologie ist ein Gesundheitsberuf, der sich mit der medizinischen Behandlung und Pflege von FĂŒĂŸen beschĂ€ftigt. Besonders Menschen mit Fußproblemen oder Erkrankungen profitieren davon. (Foto: RDNE Stock project/Pexels)

In vielen FĂ€llen lassen sich Hornhaut und trockene, rissige FĂŒĂŸe mit den oben genannten Methoden gut selbst behandeln. Solltest du jedoch feststellen, dass die Hornhaut immer dicker wird, schmerzt oder sich Risse bilden, die nicht von selbst heilen, ist es ratsam, einen Podologen aufzusuchen. Der Fußspezialist kann die Hornhaut fachgerecht entfernen und dir hilfreiche Tipps zur Pflege deiner FĂŒĂŸe geben.


Hornhaut – das muss nicht sein

Hornhaut ist eigentlich ein natĂŒrlicher Schutzmechanismus der Haut. Sie entsteht dort, wo unsere FĂŒĂŸe besonders starkem Druck und Reibung ausgesetzt sind. Trotzdem möchte niemand verhĂ€rtete Hautstellen in unangenehmem Ausmaß an den FĂŒĂŸen haben.

Mit einfachen, natĂŒrlichen Hausmitteln wie einem Leinsamen-Fußbad, der sanften Anwendung eines Bimssteins und der richtigen Feuchtigkeitspflege lĂ€sst sich Hornhaut jedoch gut in den Griff bekommen. Oft sind dafĂŒr keine teuren Produkte notwendig. Schon ein paar gezielte Pflegerituale können helfen, die Haut wieder weich und geschmeidig zu machen.

Gönn deinen FĂŒĂŸen deshalb hin und wieder eine kleine Auszeit und achte auf regelmĂ€ĂŸige Pflege. Deine FĂŒĂŸe tragen dich schließlich jeden Tag durchs Leben und verdienen genauso viel Aufmerksamkeit wie der Rest deines Körpers.


„Zwischen Genie und Überforderung: Valerias Leben mit einem hochbegabten Kind“

Als gelernte Erzieherin mit 15 Jahren Berufserfahrung kennt Valeria (37) jedes Entwicklungsschema. Doch als ihr Sohn vor neun Jahren zur Welt kommt, stoßen klassische Ratgeber schnell an ihre Grenzen. WĂ€hrend andere Kinder im Sandkasten spielen, beobachtet ihr ZweijĂ€hriger die Welt mit einer IntensitĂ€t, die auffĂ€llt. Er stellt Fragen ĂŒber den Tod, das Universum und Gott, lange bevor er sicher Fahrrad fĂ€hrt.

Was folgt, ist ein jahrelanger Weg voller Fragen, der die Familie von der Großstadt MĂŒnchen zurĂŒck in die beschauliche Kleinstadt Bad Neustadt an der Saale fĂŒhrt. Eine Zeit, die geprĂ€gt ist von Zweifeln, Ă€rztlichen Fehldiagnosen und der Isolation einer Mutter, die auf dem Spielplatz plötzlich nicht mehr dazugehört, weil ihr Kind „anders“ ist. Erst Jahre spĂ€ter bringt ein Test Gewissheit: Valerias Sohn gehört zu den wenigen Menschen mit einem IQ von ĂŒber 130.

Hochbegabung ist keine Frage von Fleiß, sondern eine neurobiologische Besonderheit. Das Gehirn arbeitet anders. Es verarbeitet Informationen schneller, vernetzt sie dichter und denkt tiefer. Trotzdem halten sich Klischees hartnĂ€ckig. Viele denken bei Hochbegabung an kleine Genies mit Hornbrille und Geige, die RelativitĂ€tstheorien zerlegen. WĂ€hrend diese Wunderkinder tatsĂ€chlich existieren, bilden sie nur einen winzigen Bruchteil dessen ab, was Hochbegabung eigentlich bedeutet. In der RealitĂ€t ist Hochbegabung oft unsichtbar, manchmal anstrengend und selten deckungsgleich mit perfekten Schulnoten.

Im Interview spricht Valeria offen ĂŒber die Kehrseite der Medaille. Sie erklĂ€rt, warum hochbegabte Kinder oft wie kleine „Sheldon Coopers“ wirken, warum das Schulsystem bei ihnen an seine Grenzen stĂ¶ĂŸt und wie sie heute andere Eltern begleitet und ihnen den Stupser gibt, den sie selbst so dringend gebraucht hat. Ein GesprĂ€ch ĂŒber die Herausforderung, einen Platz in einer Welt zu finden, die fĂŒr den Durchschnitt gemacht ist.


Die ersten Anzeichen: Wenn das Kind aus dem Raster fÀllt

Healthy Lady: Das Thema Hochbegabung wird oft missverstanden. Viele denken direkt an „kleine Einsteins“ oder „Wunderkinder“, aber fĂŒr Eltern bedeutet es oft eine tĂ€gliche Herausforderung. Wann hast du zum ersten Mal gespĂŒrt, dass dein Sohn sich anders entwickelt als Gleichaltrige?

Valeria: Das erste Mal, dass ich auf den Gedanken „Hochbegabung“ gekommen bin, war zwischen seinem zweiten und dritten Lebensjahr. Es war wieder einmal ein Tag, an dem ich abends fix und fertig war und nicht wusste, was mit ihm los ist. Er hatte nie wirklich Freunde. Ich habe mich mit zwei MĂŒttern verabredet, deren Kinder im gleichen Alter waren. Die Kinder spielten zusammen auf dem Spielplatz, wĂ€hrend mein Sohn bei mir saß und Angst hatte, den Sand anzufassen. Er ist mit einer geschlossenen Faust geklettert, wollte barfuß nicht ĂŒber die Wiese laufen oder im Pool plantschen. Er hat sich bei den Spieldates von sich aus isoliert. Er wirkte irgendwie anders, und so habe auch ich mich etwas distanziert. Das hat mich verletzt, weil ich irgendwann nicht mehr gefragt wurde.

Eines Abends habe ich gegoogelt und wollte wissen, was das Internet so ausspuckt. Über Umwege bin ich auf „Merkmale einer Hochbegabung“ gestoßen.

Mein Sohn hat mich mit zweieinhalb Jahren ĂŒber den Tod ausgefragt.“


Healthy Lady: Woran hast du gemerkt, dass dein Sohn anders denkt, unabhĂ€ngig von Schulnoten und Klischees?

Valeria: Wir standen im Stau in MĂŒnchen nach der Krippe, und er fragte mich plötzlich: Was passiert, wenn wir sterben? Warum mĂŒssen wir sterben? Wie sieht Gott aus? Warum leben wir?

Er konnte grammatikalisch richtig sprechen und hatte einen großen Wortschatz. Er kannte alle Farben, auch Begriffe wie TĂŒrkis, Hell- und Dunkelblau. Schon mit zwei Jahren bekam er sein erstes Lego-Set und konnte es direkt zusammenbauen. Er war sehr neugierig. Nur das Schlafen war eine absolute Katastrophe, bis heute. Auch das Sozialverhalten war schwierig, besonders Freundschaften. Er war sehr Ă€ngstlich in neuen Situationen. Fahrradfahren zu lernen war sehr schwierig und hat lange gedauert. Er sagte immer: „Wenn ich hinfalle, tue ich mir weh“, obwohl er vorher nie Fahrrad gefahren ist.

Die Anzeichen sind im Alltag stĂ€ndig prĂ€sent, in verschiedenen Situationen. Hochbegabte Kinder sind oft in der Grundschule gut, aber spĂ€ter können sie abrutschen, wenn sie nicht erkannt werden. Hochbegabung fĂ€llt also nicht unbedingt durch Schulnoten auf, sondern schon viel frĂŒher.

Oft werden Kinder erst erkannt, wenn sie in der Schule stören oder den Klassenclown spielen, dann wird schnell ADHS vermutet. Mein Sohn hat zum Beispiel schon in der Kinderkrippe an Sankt Martin das ABC-Lied gesungen. Wir wissen bis heute nicht, wie er sich das beigebracht hat.

Gemeinsame Zeit ist Valeria sehr wichtig – genauso wie die PrivatsphĂ€re ihres neunjĂ€hrigen Sohnes, dessen Name im Interview nicht genannt wird. (Foto: Valeria)

Healthy Lady: Wie unterscheidet sich ein hochbegabtes Kind in deiner Wahrnehmung von einem Kind, das einfach nur „sehr gut“ gefördert oder besonders fleißig ist?

Valeria: Ein hochbegabtes Kind eignet sich Wissen selbststĂ€ndig an, es ist stĂ€ndig am Lernen. Als mein Sohn sprechen gelernt hat, hat er alles wiederholt, was wir gesagt haben, und es sich gemerkt. Er hat die Wörter dann selbststĂ€ndig verwendet, um sie zu festigen. Der Spracherwerb ging extrem schnell.

Ich erinnere mich auch daran, wie er die Farben gelernt hat. Das hat etwa drei Tage gedauert. Er hatte ein Puzzle aus Schaumstoff mit verschiedenen Farben. Mehrmals am Tag fragte er: „Was ist das fĂŒr eine Farbe?“ Besonders bei TĂŒrkis hat er immer wieder nachgefragt. Dann hatte er es verstanden und fĂŒr sich abgeschlossen. Danach hat er uns die Farben selbststĂ€ndig benannt, die er gesehen hat.

Das ist kein Fleiß. Er lernt nichts, was ihn nicht interessiert. Er wirkt eher faul. Hausaufgaben oder Lernen sind oft ein Kampf, weil er keine Lust hat. Er sagt immer, er kann es und oft stimmt das auch. Fleißige Kinder lernen gezielt und brauchen Wiederholungen. Hochbegabte Kinder lernen durch Verstehen. Sie erkennen ZusammenhĂ€nge und können das Wissen jederzeit wieder abrufen.


Healthy Lady: In welchem Alter habt ihr euch fĂŒr eine offizielle Diagnostik entschieden? Wie muss man sich den Test vorstellen – eher spielerisch oder wie eine PrĂŒfungssituation?

Valeria: Ich wollte ihn schon mit fĂŒnf Jahren testen lassen, aber mein Mann war damals noch nicht davon ĂŒberzeugt. Ein hochbegabter sieht nicht zwingend wie ein Wunderkind aus. Er wirkt oft ganz normal, ist aber gleichzeitig sehr fordernd. Letztendlich haben wir unseren Sohn mit acht Jahren testen lassen. Der IQ-Test wurde von einer Psychologin durchgefĂŒhrt, die selbst hochbegabt ist und sich mit dem Thema auskennt. Wir haben etwa 500 Euro bezahlt.

Der Test dauerte ungefĂ€hr eine Stunde. Er ist spielerisch aufgebaut und die Kinder empfinden ihn eher wie das Lösen von RĂ€tseln. Die Aufgaben beginnen leicht und werden immer schwieriger. Am Ende wird geschaut, wie weit das Kind im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters gekommen ist. Getestet wurde mit dem WISC-V. Ab einem IQ von ĂŒber 130 gilt man offiziell als hochbegabt.


Healthy Lady: Was hat sich durch die Diagnose konkret fĂŒr euch verĂ€ndert?

Valeria: Wir sind als Familie deutlich gelassener geworden. Viele Verhaltensweisen können wir jetzt besser einordnen. Zum Beispiel sein stĂ€ndiges „gleich“. Mein Kind ist so vertieft in seinen Gedanken, dass er sich schwer von ihnen lösen kann.

Auch beim Schlafen hat sich unser VerstĂ€ndnis verĂ€ndert. Egal wann wir ihn ins Bett bringen – vor 22 Uhr schlĂ€ft er selten ein. Jetzt wissen wir, dass er schwer abschalten kann. Es gab auch körperliche AuffĂ€lligkeiten, wie Tics, besonders in Zeiten von Unterforderung. Einmal dachten wir sogar an Epilepsie und haben eine Untersuchung machen lassen. Ein Hobby zu finden ist ebenfalls schwierig. Klassische Vereinsangebote langweilen ihn oft. Beim Handball war er zwar dabei, aber ohne Freude.

Mit einem offiziellen Test hat man etwas „in der Hand“. Ich wollte die Gewissheit, dass ich mich nicht irre und dass meinem Sohn gezielt geholfen werden kann. Die Diagnose gab mir Sicherheit im Umgang mit ihm.

„Die Tage kamen mir oft endlos lang vor und ich hatte morgens schon Angst vor dem, was kommt. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm noch anbieten soll.“


Zu viele Reize, zu viele GefĂŒhle

Healthy Lady: Hochbegabung geht oft Hand in Hand mit HochsensibilitĂ€t. KĂ€mpft ihr im Alltag mit starken emotionalen AusbrĂŒchen oder schneller ReizĂŒberflutung?

Valeria: Ja, sehr. Beim Essen ist er extrem wĂ€hlerisch. Er isst nur das, was er kennt. Mittlerweile möchte er aus ethischen GrĂŒnden auch kein Fleisch mehr essen. Wurst und KĂ€se hat er allerdings noch nie gegessen, das fand er schon als Kleinkind eklig.

Wenn es Streit mit Freunden gibt, trifft ihn das sehr. Er war mal mit einem MĂ€dchen aus seiner Klasse eng befreundet, sie mochten sich wirklich sehr. Doch dann hat sie sich ihm gegenĂŒber nicht mehr fair verhalten. Es war nichts Dramatisches, sie hat sich einfach einem anderen Kind mehr zugewandt. Dazu kamen ein paar Äußerungen, die ihn verletzt haben. Er hat mehrere Tage geweint und immer wieder gefragt: „Was mache ich denn immer falsch? Warum werde ich so blöd behandelt?“

Schon als Kleinkind war er sehr sensibel gegenĂŒber Reizen. Als er noch ein Baby war, waren wir in Florida, und er hatte Angst vor dem Strand. Wir sind dann mit dem Buggy rĂŒckwĂ€rts Richtung Meer gefahren, damit er den Ozean nicht sieht. Wenn er auf dem Strandtuch saß, war es fĂŒr ihn in Ordnung – wahrscheinlich, weil es dann nicht mehr so ĂŒberwĂ€ltigend wirkte.

Meine Tochter, bei der wir ebenfalls Hochbegabung vermuten, ist auch sehr sensibel, vor allem gegenĂŒber Sinnesreizen. Sie reagiert stark auf GerĂŒche und ist empfindlich bei Kleidung – Socken, Strumpfhosen, Schuhe oder kratzige Stoffe sind fĂŒr sie oft schwer auszuhalten.

Valeria mit ihrem Sohn wÀhrend eines gemeinsamen Ausflugs. (Foto: Valeria)

Healthy Lady: FĂŒhlst du dich als Mutter manchmal von der schieren IntensitĂ€t und dem Wissensdurst deines Kindes ĂŒberfordert?

Valeria: Ja, absolut. Ich konnte seinen Wissensdurst nie wirklich stillen. Die Tage kamen mir oft endlos lang vor und ich hatte morgens schon Angst vor dem, was kommt. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm noch anbieten soll. SpielplĂ€tze waren fĂŒr ihn nicht besonders spannend. Deshalb waren wir oft in Kirchen, in der BĂŒcherei oder an der Isar. Wir haben gebastelt, geschrieben, gemalt und gebaut. Ich habe so viele Tonies zu Hause, aber die hat er alle durchgehört. Mit zweieinhalb Jahren hat er BĂŒgelperlen fĂŒr sich entdeckt, und damit hat er sich bis etwa fĂŒnf Jahre intensiv beschĂ€ftigt. Ein Hörspiel im Hintergrund und unzĂ€hlige BĂŒgelperlenbilder – das war lange seine Welt.

Heute ist es immer noch anstrengend, aber etwas einfacher, weil er sich viele Informationen selbst beschafft. Trotzdem springt er stĂ€ndig von einer Idee zur nĂ€chsten und oft braucht er mich dann auch dafĂŒr. Wenn ich keine Zeit habe, kippt die Stimmung schnell.


Hochbegabt, unterfordert, allein: Ein Alltag abseits der Norm

Healthy Lady: Was sind deine grĂ¶ĂŸten Sorgen fĂŒr die Zukunft deines Sohnes? Hast du Angst vor sozialer Ausgrenzung oder einer Unterforderung im System?

Valeria: Ich habe vor allem Angst, dass er seinen Platz nicht findet. Ich erkenne vieles von mir in ihm wieder und weiß, dass hochbegabte Menschen oft sehr sprunghaft sind, weil sie sich schnell langweilen. Im Arbeitsleben kann das schwierig werden, weil vieles nach einer gewissen Zeit eintönig wirkt.

Er sagt jetzt schon, dass er nicht weiß, was er spĂ€ter machen möchte. Mal will er Wissenschaftler, dann Architekt, Ingenieur, Astrologe, YouTuber oder Schauspieler werden. Aktuell beschĂ€ftigt mich eher die Sorge, dass ich ihn zu wenig fördere oder dass wir noch nicht herausgefunden haben, was ihm langfristig wirklich Spaß macht und wobei wir ihn gezielt unterstĂŒtzen können.

Wir haben schon viele Vereine ausprobiert, aber er findet alles schnell langweilig. Er spielt Klavier, und ansonsten sind wir viel in Museen unterwegs oder machen AusflĂŒge in StĂ€dte. Er hat große WĂŒnsche. Er möchte zum Beispiel nach Japan reisen oder einmal einen Airbus A380 fliegen. Seine Vorstellungen werden immer grĂ¶ĂŸer.

Er hat eine VR-Brille und einen 3D-Drucker. Mir ist bewusst, dass das ungewöhnlich ist, aber mit klassischen Spielsachen gibt er sich schon lange nicht mehr zufrieden. Weihnachten 2024 war besonders schwierig. Wir wussten nicht, was wir ihm schenken sollen. Am Ende haben wir ihm verschiedene Dinge unter dem Tannenbaum gelegt. Doch statt Freude flossen bitterliche TrĂ€nen, weil nichts dabei war, was er sich wirklich gewĂŒnscht hat, obwohl er selbst auch nicht sagen konnte, was er möchte.

Das macht den Alltag oft herausfordernd. Er wird Ă€lter, und wir sind immer noch auf der Suche nach dem, was ihn wirklich begeistert. Als NĂ€chstes wollen wir mit ihm Go-Kart fahren ausprobieren. Vielleicht gefĂ€llt ihm das. Aber selbst beim Sport ist er zurĂŒckhaltend, weil er vieles als zu gefĂ€hrlich empfindet.


Wie sich „Wunderkinder“ selbst wahrnehmen

Healthy Lady: Wie geht er selbst mit seinem Wissen um? Empfindet er seine schnellen GedankengĂ€nge als ganz natĂŒrlich oder reflektiert er bereits, dass er anders denkt als seine Freunde?

Valeria: Er sagt selbst, dass seine Freunde ihn oft nicht verstehen. Wenn er sich fĂŒr etwas interessiert, geht er sehr tief in das Thema hinein und erzĂ€hlt dann auch ausfĂŒhrlich davon. Seine Freunde steigen dabei irgendwann aus, weil sie nicht mehr mitkommen. Er merkt das natĂŒrlich, entweder wird ihm nicht mehr richtig zugehört oder die anderen Kinder sagen ganz offen: „Ich verstehe das nicht.“ Das macht den Alltag fĂŒr ihn schwierig, weil er niemanden hat, der seine Interessen wirklich teilt oder auf seinem Niveau mitgehen kann. Gleichgesinnte zu finden, ist nicht einfach. Ich hoffe, dass sich das mit dem Wechsel aufs Gymnasium verĂ€ndert und er dort Kinder trifft, die Ă€hnlich denken wie er.

Hochbegabte Kinder lernen durch Verstehen. Sie erkennen ZusammenhÀnge und können das Wissen jederzeit wieder abrufen.


Healthy Lady: Wie zeigt sich die Hochbegabung deines Sohnes im sozialen Miteinander mit anderen Kindern?

Valeria: Im Kindergarten hat eine Erzieherin einmal gesagt, sie habe noch nie ein Kind erlebt, das so sozial ist. Er hat oft die „benachteiligten“ Kinder, z.B. Kinder, die die Sprache noch nicht konnten oder die JĂŒngeren – ganz selbstverstĂ€ndlich in sein Spiel integriert. Er ist dabei ein bisschen wie ein kleiner Lehrer. Er ĂŒberlegt sich Projekte, zum Beispiel ein Haus aus Lego zu bauen, und verteilt dann Aufgaben an die anderen Kinder. Die Erzieherin war total begeistert davon.

Auch auf dem Pausenhof erfindet er eigene Spiele und plötzlich spielt die ganze Schule mit. Dabei achtet er immer darauf, dass alle eingebunden sind. Er setzt oft Trends aus seinen eigenen Interessen heraus. Eine Zeit lang haben sich alle fĂŒr das Universum interessiert, rund um Weihnachten war es Harry Potter, aktuell sind es Flugzeuge.

Wenn ihn allerdings jemand verletzt, zieht er sich konsequent zurĂŒck. Dann möchte er mit dem Kind nicht mehr spielen und rennt auch niemandem hinterher. Er bleibt dann lieber fĂŒr sich allein.

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Healthy Lady: Was passiert mit dem SelbstwertgefĂŒhl eines Kindes, wenn es merkt, dass ihm vieles „zufliegt“, wĂ€hrend andere hart arbeiten mĂŒssen?

Valeria: Das ist ein schwieriges Thema. Er lernt eigentlich nicht, aber er kann es trotzdem. Ich sage bewusst „noch“, weil irgendwann der Punkt kommt, an dem er wirklich lernen muss. Und dann wird es schwierig, weil er nie gelernt hat, wie Lernen ĂŒberhaupt funktioniert.

Ich setze mich trotzdem mit ihm hin, und wir wiederholen die Inhalte gemeinsam. In den Tests macht er oft Leichtsinnsfehler oder liest Aufgaben nicht richtig zu Ende. Dadurch verliert er Punkte, und am Ende wird es vielleicht „nur“ eine Zwei, obwohl er den Stoff eigentlich komplett verstanden hat.

Das SelbstwertgefĂŒhl ist nochmal ein anderes Thema, das war bei ihm von Anfang an nicht besonders stark. Schon in der Kinderkrippe hat er gesagt: „Ich kann das nicht, mach du das.“ Und bis heute sieht er selbst gar nicht, wie toll er ist und wieviel er eigentlich kann. Ich sage es ihm zwar, aber er hat oft das GefĂŒhl, dass die anderen besser sind.


Zu klug fĂŒrs System? Wenn Schule nicht mehr reicht

Healthy Lady: Wie fördert man ein hochbegabtes Kind richtig, ohne in die Falle des „Drillens“ zu tappen oder unnötigen Leistungsdruck aufzubauen?

Valeria: Ehrlich gesagt habe ich darauf keine richtige Antwort. Ich habe das GefĂŒhl, wir fördern ihn vor allem im Alltag. Wenn er zum Beispiel fragt, was die Zahl „Pi“ ist, erklĂ€ren wir es ihm und am Ende weiß er oft mehr als wir. Oder er erklĂ€rt mir Dinge wie Astralreisen und wie sie funktionieren sollen.

Ich schaue, dass ich ihn bei Ferienprogrammen anmelde, die ihn interessieren könnten. Er ist bei einer Kinderuni angemeldet, und wir fahren viel in verschiedene StĂ€dte, schauen uns SehenswĂŒrdigkeiten an und gehen in Planetarium oder Museen, da sind wir quasi DauergĂ€ste. Wir kaufen viele BĂŒcher, und er darf auch YouTube schauen. DarĂŒber holt er sich viel Wissen, genau zu den Themen, die ihn interessieren.

Meine grĂ¶ĂŸte Sorge ist, dass er unterfordert ist und wir sein Potenzial nicht richtig ausschöpfen. Gleichzeitig macht er nichts, was ihm keinen Spaß macht und ihn zu etwas zu zwingen, wĂŒrde bei ihm einfach nicht funktionieren.


Healthy Lady: StĂ¶ĂŸt das normale Schulsystem bei euch an Grenzen? Benötigt dein Sohn spezielle Programme oder vielleicht sogar eine spezialisierte Schule?

Valeria: Noch nicht. Er sagt zwar, dass es manchmal etwas langweilig ist, aber er arbeitet nicht besonders schnell. Ihm ist wichtig, dass alles perfekt ist, durch seinen Perfektionismus kann er gar nicht schnell sein. Die Lehrerin ist informiert, und er fĂ€llt im Unterricht nicht negativ auf. Meine Sorge ist eher, dass er sich innerlich zurĂŒckzieht und vielleicht sogar in eine depressive Stimmung rutscht. Ein Überspringen der Klasse wollte er selbst nicht. Theoretisch könnte er schon bis eine Million rechnen, aber hochbegabte Kinder haben oft ein geringes Selbstvertrauen und trauen sich solche Schritte nicht zu.

Nach dem Sommer kommt er in die vierte Klasse, und danach steht der Wechsel aufs Gymnasium an. Unser Gymnasium hier in der Kleinstadt hat wohl auch eine Beratung fĂŒr Hochbegabung, und ich hoffe, dass er dort die passende Förderung bekommt.


Healthy Lady: Wie reagieren Lehrer, wenn man das Thema Hochbegabung anspricht? ErfĂ€hrt man dort UnterstĂŒtzung oder stĂ¶ĂŸt man eher auf Skepsis?

Valeria: Als in der Vorschule sich die Hinweise auf die Hochbegabung weiter massiv verstĂ€rkten, kontaktierte ich einen Schulpsychologen. Er hat mich an eine Schulsozialpsychologin der Grundschule verwiesen. Mit ihr hatte ich mehrere Telefonate, und sie meinte, wir sollten erst einmal die Einschulung abwarten. Etwa vier Wochen nach Schulstart habe ich mich wieder bei ihr gemeldet. Sie sagte mir, sie habe mit der Klassenlehrerin gesprochen, und die EinschĂ€tzung sei: Mein Sohn sei ein ganz normaler ErstklĂ€ssler. Ich habe daraufhin gefragt, woran man denn einen „ganz normalen“ ErstklĂ€ssler erkennt – darauf habe ich leider nie eine Antwort bekommen.

Heute ist er in der dritten Klasse und wir haben jetzt eine neue Klassenlehrerin. Sie ist offen, interessiert und wirklich bemĂŒht, ihn zu unterstĂŒtzen. Sie hat sich auch informiert, was sie ihm im Unterricht zusĂ€tzlich anbieten kann. Da er nicht negativ auffĂ€llt, also weder durch Stören noch durch schlechte oder beste Noten – ist es fĂŒr viele Lehrer einfach, ihn „mitlaufen“ zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass das fĂŒr LehrkrĂ€fte dann deutlich herausfordernder ist.

Als Mutter von zwei Kindern kennt Valeria die besonderen Herausforderungen im Alltag mit hochbegabten Kindern. Über soziale Netzwerke teilt sie ihre Erfahrungen und steht anderen Eltern unterstĂŒtzend zur Seite. (Foto: Valeria)

Wenn dein Kind ein hohes IQ hat

Healthy Lady: Liebe Valeria, vielen dank, dass du uns so offen und ehrlich deine Geschichte erzĂ€hlt hast. Wenn du heute auf eure Reise zurĂŒckblickst: Was ist dein wichtigster Rat an MĂŒtter, die gerade erst am Anfang stehen und sich aufgrund der ersten Anzeichen noch unsicher sind?

Valeria: Macht euch nicht verrĂŒckt und lasst die anderen reden. Ich habe so viele RatschlĂ€ge bekommen, dass ich irgendwann total verunsichert war und dachte, mein Kind sei „komisch“. Lasst euch nicht stressen und vergleicht euer Kind nicht stĂ€ndig mit anderen. Wenn ihr das GefĂŒhl habt, da ist etwas anders, dann ist da meistens auch etwas anders. Dieses GefĂŒhl tĂ€uscht einen nicht.

Versucht, euer Kind zu entlasten. Wenn es zum Beispiel nicht in den Kindergarten gehen möchte, schaut, ob es andere Möglichkeiten gibt oder wie man die Situation fĂŒr das Kind angenehmer gestalten kann. Gleichzeitig kann es helfen, sich ĂŒber typische Anzeichen zu informieren, um dann die nĂ€chsten Schritte einleiten zu können.

Ich habe damals selbst angefangen zu recherchieren, habe ĂŒber Facebook Gruppen andere Eltern gesucht, die Ähnliches erleben, und schließlich meinen TikTok-Account gestartet. Mir ist es wichtig, anderen Eltern das GefĂŒhl zu geben, dass sie nicht allein sind, dass es jemanden gibt, der sie versteht und weiß, wie sich diese Unsicherheit anfĂŒhlt.

"Er lernt eigentlich nicht, aber er kann es trotzdem. Ich sage bewusst ‚noch‘, weil irgendwann der Punkt kommt, an dem er wirklich lernen muss."


Mehr als man denkt: Hochbegabung in Zahlen

Laut statistischen Erhebungen gelten etwa 2 % bis 3 % der Kinder in Deutschland als hochbegabt. Das bedeutet, dass in fast jeder dritten oder vierten Schulklasse ein Kind mit einem IQ ĂŒber 130 sitzt. Doch viele dieser hochintelligenten Kinder werden nie erkannt, weil sie sich perfekt anpassen oder ihre Unterforderung hinter schlechten Noten und VerhaltensauffĂ€lligkeiten verstecken.

Wird dieses Potenzial nicht gefördert, droht das sogenannte Underachievement – die Kinder verlieren die Lust am Lernen, ziehen sich deprimiert zurĂŒck oder entwickeln psychische Probleme. Wird die Begabung jedoch erkannt, können diese Kinder lernen, ihre intensiven Gedanken als StĂ€rke zu nutzen.

Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, nimm dieses GefĂŒhl ernst. Such dir UnterstĂŒtzung bei schulpsychologischen Beratungsstellen, spezialisierten Psychologen oder Organisationen wie der DGhK (Deutsche Gesellschaft fĂŒr das hochbegabte Kind). Der Austausch mit Eltern wie Valeria hilft dabei, die Situation nicht mehr als Last, sondern als besondere Ausstattung zu begreifen. Es dient der Zukunft deines Kindes und deiner eigenen Gelassenheit.


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