Ghosting, Love Bombing und 333. Diese Dating-Codes solltest du kennen
Die Trennung von deiner Langzeitbeziehung liegt schon einige Zeit zurück und langsam wagst du dich wieder in die Welt des Datings. Du lädst eine Dating App herunter, beginnst zu swipen und merkst schon nach wenigen Minuten, dass hier nichts mehr so ist wie noch vor ein paar Jahren.
Plötzlich tauchen Begriffe wie Love Bombing oder Breadcrumbing auf. In Profilen stehen rätselhafte Zahlen oder Hinweise auf die 3 3 3 Regel. Dazu kommen kryptische Abkürzungen wie LTR oder FWB. Wer soll da noch den Überblick behalten?
Die Datingwelt hat ihre ganz eigene Sprache entwickelt. Viele Begriffe stammen aus den sozialen Medien, andere aus Dating Apps und manche sind erst in den vergangenen Jahren entstanden. Wir übersetzen für dich das Dating-Lexikon und erklären, was wirklich hinter den wichtigsten Begriffen, Codes und Abkürzungen steckt.
Das sind die wichtigsten Dating-Abkürzungen
Wenn du eine Dating-App öffnest, stolperst du in den Profilen schnell über einen ziemlichen Buchstabensalat. Wer diese Codes nicht kennt, versteht oft gar nicht, wonach das Gegenüber eigentlich sucht. Dabei verraten die wenigen Buchstaben häufig schon vor dem ersten „Hallo“, welche Erwartungen jemand an das Kennenlernen hat.
Stell dir vor, du wischst dich durch die ersten Profile und liest bei einem charmanten Kandidaten das Kürzel LTR. Das ist ein wunderbares Zeichen, wenn du keine Lust auf Spielchen hast, denn es steht für Long Term Relationship. Dieser Mann meint es ernst und wünscht sich eine feste, langfristige Partnerschaft statt eines lockeren Flirts. Ein paar Profile weiter springt dir jedoch ein ONS ins Auge. Hier wird nicht lange gefackelt, denn dahinter verbirgt sich der altbekannte One Night Stand, bei dem es rein um das körperliche Vergnügen für eine Nacht geht, ganz ohne Absicht auf Gefühle oder ein Wiedersehen.
Manche Männer suchen etwas dazwischen und schreiben FWB in ihren Steckbrief, was für Friends with Benefits steht. Im Deutschen kennen wir das als Freundschaft Plus. Man versteht sich gut, unternimmt etwas und teilt das Bett miteinander, verzichtet aber ganz bewusst auf die Verpflichtungen einer klassischen Beziehung. Noch ein Stück freier wird es, wenn dir das Kürzel ENM begegnet. Dahinter verbirgt sich die Ethical Non Monogamy, also die ethische Nicht-Monogamie. Das bedeutet, dass dieser Mann in einer einvernehmlichen offenen Beziehung oder Ehe lebt, in der alle Beteiligten voneinander wissen und mit dieser freien Lebensform absolut einverstanden sind.
Manche Profile sind in ihrer Absicht gar nicht zu übersehen, besonders wenn die Abkürzung DTF fällt. Das steht für Down To F… und ist wohl die direkteste Ansage auf den Apps, dass das Interesse ausschließlich auf schnellen, unverbindlichen Sex abzielt. Wenn du so jemanden direkt aussortiert hast, entdeckst du vielleicht ein unkompliziertes HMU bei einem anderen Single. Das bedeutet einfach nur Hit Me Up und ist die moderne Aufforderung für „Schreib mir einfach oder melde dich bei mir“, um ohne großes Zögern direkt ins Gespräch zu kommen.
Besonders sympathisch sind oft die Männer, die IRL in ihren Text packen. Das steht für In Real Life und signalisiert dir sofort, dass dieser Kandidat keine Lust auf wochenlanges virtuelles Hin und Her hat, sondern dich viel lieber ganz schnell im echten Leben persönlich bei einem Kaffee kennenlernen möchte. Damit das überhaupt klappt, fordert ein kurzes NPNC im Profil absolute Ehrlichkeit. Es bedeutet No Pic No Chat und ist eine klare Ansage für alle Profil-Geheimnisse. Wer hier kein echtes Gesicht zeigt, fliegt sofort vom Platz und bekommt schlichtweg keine Antwort.
Der Geheimcode und die Zahlen in den Profilen
Neben Abkürzungen wimmelt es in den Beschreibungen von Zahlen, die auf den ersten Blick wirken wie eine komplizierte Steuererklärung oder die geheime Kombination für einen Tresor. Keine Sorge, du musst jetzt nicht den Taschenrechner herausholen. Meistens versuchen die User damit nur, sich auf das Wesentliche zu reduzieren oder subtile Botschaften zu senden. Healthy Lady knackt für dich den mathematischen Dating-Code.
Vielleicht bist du beim Swipen schon einmal über die Zahl 420 gestolpert und hast dich gefragt, was sie eigentlich bedeutet. Und nein, das ist kein versteckter Rabattcode, sondern diese Zahl steht in der Popkultur weltweit für den Konsum von Cannabis. Wer das im Profil stehen hat, signalisiert damit eine sehr liberale Haltung dazu oder kifft selbst ganz gerne mal am Feierabend.
Ein sehr praktischer psychologischer Leitfaden für das Kennenlernen ist die 333-Regel. Sie besagt, dass du nach den ersten drei Minuten weißt, ob die optische Chemie stimmt. Nach drei Dates merkst du, ob der Charakter zu deinem Leben passt, und nach drei Monaten zeigt sich schließlich, ob das Ganze das Potenzial für eine echte, langfristige Beziehung hat.
Eher pragmatisch sind dreistellige Zahlen wie 180. Das ist schlichtweg die Körpergröße in Zentimetern. Da viele Frauen auf die Größe achten, schreiben Männer diese Angabe oft direkt an den Anfang, um den virtuellen Zollstock gleich zu bedienen.
Ein humorvolles Highlight auf den Plattformen ist die 666-Regel. Das ist eine virale, oft satirisch gemeinte Regel aus den sozialen Medien, die mit einem Augenzwinkern die perfekten Ansprüche beschreibt. Sie besagt, der absolute Traummann müsse mindestens 6 Fuß groß sein (umgerechnet etwa 1,83 Meter), ein 6-stelliges Gehalt verdienen und einen Sixpack haben. Heute wird dieser Begriff von Männern und Frauen meistens völlig ironisch verwendet, um die manchmal völlig überzogenen Erwartungen in der modernen Dating-Welt aufs Korn zu nehmen.
Die fiesen Dating-Spielchen rund um das Hinhalten und Abtauchen
Das erste Match ist da, die Nachrichten werden länger und vielleicht steht schon das erste Date bevor. Genau jetzt begegnen dir die Begriffe, die in der Datingwelt wohl am häufigsten verwendet werden. Diese beschreiben bestimmte Verhaltensweisen, die viele Singles schon einmal erlebt haben. Manche davon sind harmlos, andere können emotional ziemlich verletzend sein. Deshalb lohnt es sich, ihre Bedeutung zu kennen.
Ghosting gehört inzwischen zu den bekanntesten Begriffen der Datingwelt. Gemeint ist der plötzliche Kontaktabbruch ohne jede Erklärung. Nach mehreren Nachrichten oder sogar einigen Dates meldet sich die andere Person von einem Tag auf den anderen einfach nicht mehr. Keine Antwort, keine Absage, kein Abschied. Der Begriff stammt vom englischen Wort Ghost für Geist, denn genau so verhält sich die Person. Sie verschwindet, als hätte es sie nie gegeben.
Eine besonders feige Variante davon ist der Slow Fade. Anstatt ehrlich zu sagen, dass es nicht passt, schleift der Kontakt einfach langsam aus. Die Antworten werden immer kürzer, kälter und seltener, bis das Gespräch von ganz alleine stirbt.
Was zunächst wie ein Märchen beginnt, entpuppt sich manchmal als Warnsignal. Beim Love Bombing überschüttet dich dein Gegenüber schon nach kurzer Zeit mit Komplimenten, Aufmerksamkeit und großen Gefühlen. Du bist plötzlich die Traumfrau, bekommst ständig Nachrichten und vielleicht sogar Geschenke. So schön sich das anfühlt, kann dahinter auch der Versuch stecken, möglichst schnell eine starke emotionale Bindung aufzubauen.
Beim Future Faking geht es wiederum um Versprechen, die nie eingehalten werden sollen. Schon nach wenigen Tagen spricht dein Date vom gemeinsamen Urlaub, dem Zusammenziehen oder davon, wie perfekt du in seine Familie passen würdest. Die Zukunftspläne klingen wunderschön, dienen aber häufig nur dazu, Nähe und Verbindlichkeit vorzutäuschen, obwohl dafür noch gar keine Grundlage besteht.
Dann gibt es Menschen, die Breadcrumbing betreiben und dir sprichwörtlich digitale Brotkrumen hinwerfen. Es gibt hin und wieder eine unverbindliche Nachricht oder ein nettes Emoji, gerade genug, um dich warmzuhalten, aber es kommt trotz aller Bemühungen nie zu einem echten Treffen. Das geht oft Hand in Hand mit dem sogenannten Benching. Du wirst wie beim Fußball auf die Ersatzbank gesetzt. Dein Gegenüber mag dich zwar irgendwie, parkt dich aber als sichere Option, während im Hintergrund aktiv nach vermeintlich besseren Alternativen gesucht wird.
Weniger bekannt, aber mindestens genauso verwirrend ist das Orbiting. Die Person antwortet zwar im Chat nicht mehr auf deine Nachrichten, kreist aber wie ein Satellit in deinen sozialen Medien um dich herum. Er schaut jede deiner Instagram-Storys als Erster an und liked ab und zu ein Bild, bleibt aber unsichtbar im Hintergrund.
Noch kurioser ist das Zombieing, wenn eine Person, die dich vor Monaten erfolgreich geghostet hat, plötzlich wie ein Untoter wieder aus der Versenkung aufersteht und eine Nachricht wie „Hey, wie geht’s dir?“ schreibt, als wäre absolut nie etwas vorgefallen.
Der Begriff Ick hat seinen Ursprung in den sozialen Medien und beschreibt ein Phänomen, das viele Menschen kennen. Plötzlich tut dein Gegenüber eine ganz alltägliche Kleinigkeit und die Anziehung ist wie weggeblasen. Vielleicht kaut er mit offenem Mund, lacht auf eine bestimmte Weise oder behandelt den Kellner unfreundlich. Eigentlich ist nichts Schlimmes passiert und trotzdem meldet sich dein Bauchgefühl mit einem klaren Nein.
Beim Catfishing hingegen gibt sich jemand im Internet bewusst als eine andere Person aus. Häufig werden gestohlene Fotos, ein falscher Name oder sogar eine komplett erfundene Identität verwendet. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und das Gegenüber zu täuschen. Besonders auf Dating Apps kommt Catfishing immer wieder vor. Spätestens wenn Ausreden für ein persönliches Treffen oder einen Videoanruf zur Regel werden, solltest du aufmerksam werden.
Etwas harmloser, aber deutlich häufiger ist das sogenannte Kittenfishing. Hier verwendet die Person zwar ihre echten Fotos, allerdings sind diese stark bearbeitet, viele Jahre alt oder besonders vorteilhaft ausgewählt. Beim ersten Treffen folgt deshalb nicht selten eine böse Überraschung.
Wenn es ernster wird
Mit einer neuen Beziehung tauchen oft die nächsten Begriffe auf, vor allem auf TikTok und Instagram. Hinter den englischen Stichwörtern verbirgt sich nichts anderes als die Frage, wie offen jemand mit einer neuen Partnerschaft umgeht.
Von Pocketing spricht man, wenn dich dein Partner oder deine Partnerin regelrecht versteckt. Obwohl ihr euch regelmäßig trefft oder sogar schon länger zusammen seid, lernst du weder Freunde noch Familie kennen. Auch in den sozialen Medien gibt es keinen Hinweis darauf, dass es dich überhaupt gibt. Für viele gilt Pocketing deshalb als Warnsignal, denn wer eine Beziehung dauerhaft geheim hält, hat dafür oft einen Grund.
Genau das Gegenteil ist der Hard Launch. Der Begriff beschreibt den Moment, in dem eine Beziehung offiziell gemacht wird. Das gemeinsame Foto erscheint auf Instagram, der Partner wird verlinkt und spätestens jetzt weiß das gesamte Umfeld, dass ihr zusammen seid.
Dazwischen liegt der sogenannte Soft Launch, ein Trend, der vor allem auf TikTok und Instagram entstanden ist. Statt eines gemeinsamen Fotos werden nur kleine Hinweise geteilt. Zwei Kaffeetassen auf dem Tisch, zwei Gläser Wein oder eine Hand, die ins Bild ragt. Für Außenstehende ist klar, dass jemand Neues im Leben ist, ohne dass die Beziehung ausdrücklich bestätigt wird.
Braucht man diesen ganzen Buchstabensalat überhaupt?
Am Ende bleibt natürlich die Frage, wozu das alles gut sein soll und wer diese Flut an Begriffen überhaupt braucht. Die ehrliche Antwort lautet, dass du für dein Liebesglück kein einziges dieser Wörter lernen musst. Diese Bezeichnungen sind am Ende nur moderne Etiketten für Verhaltensweisen, die es schon immer gab. Egoismus hieß früher eben nicht Ghosting, sondern schlicht Unzuverlässigkeit, und ein Hallodri brauchte kein Kürzel im Profil, um zu zeigen, dass er nur das Eine will. Das Rad wurde nicht neu erfunden, es trägt heute nur ein digitales Gewand.
Es geht auch völlig ohne dieses Lexikon, denn deine größte Stärke steht in keinem Wörterbuch. Es ist deine Intuition. Du brauchst keine Vokabeln, um zu spüren, ob sich ein Gegenüber gut anfühlt oder ob er dich nur hinhält. Wenn er sich tagelang nicht meldet, ist dir die Definition völlig egal, weil du einfach weißt, dass deine Zeit zu wertvoll für so etwas ist. Wenn er dich mit Komplimenten überschüttet, aber keine Taten folgen lässt, schlägt dein Bauchgefühl auch Alarm, ganz ohne das Wort Love Bombing im Kopf zu haben.
Nutze dieses Wissen nicht als strikte Anleitung, sondern als Werkzeug, um den Dating-Dschungel mit einem Schmunzeln zu nehmen. Am Ende des Tages zählen beim Kennenlernen immer noch die alten, zeitlosen Werte, die keine Abkürzung der Welt ersetzen kann. Verlass dich auf dein Gefühl, filtere die Spielchen aus und vertraue darauf, dass die richtige Verbindung keine Codes braucht, um verstanden zu werden.





