Liwia Tokoda

Leidenschaftliche Journalistin ✨ Chefredakteurin eines Frauenmagazins 📝 TV-Redakteurin bei Deutschlands Top-Sendern 📺 Überglückliche Mama ❤️

Waldbaden – mehr als nur ein Spaziergang: Wie du mit allen Sinnen in die Natur eintauchst

Hast du dieses Gefühl schon einmal erlebt? Du trittst in den Wald, und plötzlich ist alles anders. Die Bäume um dich herum wirken wie eine schützende Mauer. Die Luft wird kühler, sie riecht nach Erde, nach Moos, nach Nadelbäumen. Vögel singen, irgendwo knackt ein Ast, Blätter rascheln im Wind. Auf einmal hörst du, dass der Wald lebt. Dein Atem wird tiefer. Der Kopf wird ruhiger. Deine Anspannung verschwindet, wie durch ein Zauber. Viele Menschen kennen genau diesen Moment, ohne zu wissen, dass er einen Namen trägt.

Waldbaden ist in den letzten Jahren zu einem festen Begriff geworden. Auf Social Media berichten unzählige Menschen von tiefer Ruhe, innerer Klarheit und einem Gefühl, „endlich wieder bei sich anzukommen“, nachdem sie Zeit im Wald verbracht haben. Doch was steckt wirklich dahinter? Ist Waldbaden einfach ein schöner Spaziergang oder passiert dabei etwas Tieferes in unserem Körper und unserer Psyche?


Was im Körper geschieht, wenn wir in den Wald eintreten

Schon wenige Minuten im Wald verändern messbar unsere Körperreaktionen. Der Puls sinkt, der Blutdruck reguliert sich, die Atmung wird tiefer. Das Stresshormon Cortisol nimmt ab. Unser Nervensystem schaltet vom Dauer-Alarmmodus in den Ruhemodus.

Besonders bekannt sind die Arbeiten des japanischen Immunologen Prof. Dr. Qing Li. In seiner Studie „Forest Bathing Enhances Human Natural Killer Activity and Expression of Anti-Cancer Proteins“ konnte er zeigen, dass ein mehrstündiger Aufenthalt im Wald die Aktivität unserer natürlichen Killerzellen deutlich steigert – jener Immunzellen, die für die Abwehr von Viren und entarteten Zellen zuständig sind. Dieser Effekt hielt in seinen Untersuchungen sogar mehrere Tage an.

Ein Grund dafür liegt in den sogenannten Terpenen. Bäume sondern diese ätherischen Duftstoffe ab, um sich selbst zu schützen. Wir atmen sie unbewusst ein. Terpene wirken nachweislich entzündungshemmend, stressreduzierend und immunstärkend. Sie sind eine Art stille Medizin des Waldes, unsichtbar, aber wirksam. Hinzu kommt der hohe Sauerstoffgehalt, die gefilterte Luft, das gedämpfte Licht, die Geräusche von Blättern, Wind und Vögeln. All das wirkt auf unsere Sinne wie eine Rückkehr in einen natürlichen Rhythmus, den unser Körper seit Jahrtausenden kennt.


Was Waldbaden von einem Spaziergang unterscheidet

Ein Spaziergang hat meist ein Ziel: frische Luft, Bewegung, vielleicht eine Runde um den See. Man geht, denkt nach, hört Musik, telefoniert, ist „unterwegs“. Waldbaden dagegen kennt kein Tempo und kein Ankommen. Es geht nicht darum, Strecke zu machen, sondern präsent zu sein. Beim Waldbaden verlässt du den Modus des Funktionierens. Du gehst langsamer, manchmal bleibst du minutenlang stehen. Dein Blick schweift nicht nach vorn, sondern in die Tiefe: in Rinden, Blätter, Lichtspiele. Du bist nicht auf dem Weg, du bist da. Der Wald ist nicht Kulisse, sondern Begegnung.

Während ein Spaziergang oft im Kopf stattfindet, bringt Waldbaden dich in den Körper. Es ist eine Einladung, den inneren Lärm leiser werden zu lassen und die Außenwelt wieder wirklich wahrzunehmen. Nicht als Hintergrund, sondern als Erlebnis.


Symbolbild (Foto:Pixabay)

Wie du Waldbaden wirklich erlebst – und dich wie neugeboren fühlst

Beim Waldbaden wird das Tempo radikal verlangsamt. Man geht langsam, bleibt stehen, setzt sich, atmet, hört, riecht, fühlt. Die Aufmerksamkeit wird auf den Moment gelenkt. Auf das Knacken eines Astes. Auf die Struktur der Rinde. Auf das Licht zwischen den Blättern. Auf den eigenen Atem.

Du betrittst den Wald nicht wie einen Park, sondern wie einen Raum, der dich aufnimmt. Atme bewusst ein und aus, spüre den Boden unter deinen Füßen. Geh ein paar Schritte und bleib stehen. Lausche. Nicht nur auf Vögel, sondern auf das, was zwischen den Geräuschen liegt.

Streiche mit der Hand über Baumrinde, über Moos, über feuchte Erde. Spüre die Temperatur, die Struktur, das Leben darin. Beuge dich zu Blättern hinab und rieche an ihnen. Zerreibe eine Nadel zwischen den Fingern und atme den Duft ein. Lass deine Augen über Formen wandern: die Adern eines Blattes, das Spiel von Licht im Geäst, das Grün in all seinen Nuancen.

Setz dich auf einen Baumstumpf oder direkt auf den Boden. Lege die Hand auf deinen Bauch und atme so, dass sich dein Atem dort sammelt. Stell dir vor, dein Körper synchronisiert sich mit dem Rhythmus des Waldes – ruhig, gleichmäßig, ohne Eile. Du kannst barfuß ein paar Schritte gehen, um den Kontakt zur Erde zu spüren. Oder du schließt für einen Moment die Augen und lässt den Wald zu dir kommen.

Beim Waldbaden geht es nicht um Technik, sondern um Hingabe. Du musst nichts „leisten“. Du darfst wahrnehmen, fühlen, still sein. Genau darin liegt die Wirkung: Dein Nervensystem schaltet um. Dein Körper versteht, dass keine Gefahr droht. Dein Geist darf loslassen. Und irgendwann geschieht etwas Tiefes: Du bist nicht mehr Besucher im Wald. Du bist Teil davon.


Warum es nur im Wald funktioniert

Oft wird gefragt, ob man nicht genauso gut am Strand, auf einer Wiese oder im Park „waldbaden“ könne. Natürlich wirkt jede Natur beruhigend. Doch der Wald hat eine besondere Qualität.

Er ist ein geschlossenes Ökosystem. Die Luft ist dichter, feuchter, gefilterter. Die Geräusche sind gedämpft. Die visuelle Reizüberflutung unserer Alltagswelt fällt weg. Unser Blick ruht. Unser Nervensystem bekommt weniger Input und genau das braucht es, um zu regulieren.

Vor allem aber ist es die chemische Umgebung: Die Terpene der Bäume, die wir nur dort in dieser Konzentration einatmen. Studien wie „Physiological Effects of Shinrin-Yoku in a Forest Environment“ zeigen, dass diese Effekte in städtischen Parks oder offenen Landschaften deutlich schwächer sind.


Was Waldbaden mit unserer Psyche macht

Psychologisch wirkt Waldbaden wie ein Reset. Gedanken verlangsamen sich. Grübelschleifen lösen sich. Viele Menschen berichten, dass sie nach einer Waldbaden-Session klarer denken, besser schlafen und emotional stabiler sind. Die Erklärung liegt auch hier im Nervensystem. Im Wald wird der parasympathische Anteil aktiviert, jener Teil, der für Regeneration, Verdauung, Heilung und innere Sicherheit zuständig ist. Der Körper versteht: Es besteht keine Gefahr. Diese Erfahrung ist heute selten. Unser Alltag ist geprägt von Reizen, Terminen, Bildschirmen, Geschwindigkeit. Waldbaden ist das Gegenteil davon. Es ist ein Raum, in dem nichts gefordert wird. Kein Optimieren. Kein Leisten. Nur Sein.


Mehr als ein Trend

Waldbaden ist kein Wellness-Gimmick und kein kurzlebiger Hype. Seine Wurzeln liegen in Japan, wo es seit den 1980er-Jahren als Shinrin Yoku bekannt ist – übersetzt: „Eintauchen in die Waldatmosphäre“. Damals suchte das japanische Gesundheitsministerium nach Wegen, den steigenden Stress- und Burnout-Zahlen in der Bevölkerung zu begegnen. Der Wald wurde dabei nicht romantisiert, sondern als Gesundheitsraum verstanden. Seither wird Waldbaden in Japan wissenschaftlich erforscht, gefördert und sogar ärztlich empfohlen.

Heute ist diese Praxis längst international angekommen. In Südkorea, Skandinavien, den USA und zunehmend auch in Europa gibt es zertifizierte Waldtherapeutinnen und -therapeuten, geführte Waldbaden-Kurse und sogar spezielle „Heilwälder“. In einigen Ländern, etwa in Japan und Südkorea wird Waldbaden bereits in Reha-Programmen eingesetzt, bei Stressfolgestörungen, Bluthochdruck oder Erschöpfung. Auch in Deutschland entstehen immer mehr Kurorte und Waldgebiete, die offiziell als gesundheitsfördernde Räume anerkannt sind.

Die Schulmedizin begegnet dem Thema inzwischen mit wachsendem Interesse. Studien der Nippon Medical School in Tokio unter Leitung von Professor Qing Li zeigen, dass sich nach Aufenthalten im Wald der Stresshormonspiegel senkt, der Blutdruck sinkt und das Immunsystem messbar gestärkt wird. Besonders spannend, die Anzahl und Aktivität der sogenannten natürlichen Killerzellen – wichtige Zellen unserer Immunabwehr, steigt nach Waldbesuchen deutlich an und bleibt teilweise über Wochen erhöht.

Waldbaden wirkt also nicht nur „gefühlt“, sondern messbar. Es verbindet uraltes menschliches Wissen mit moderner Forschung. Unser Körper ist nicht für Beton, Dauerlärm und ständige Reizüberflutung gemacht. Er ist gemacht für Wind, Licht, Gerüche, Erde und lebendige Umgebungen. Der Wald erinnert uns daran.
Und vielleicht liegt genau darin seine größte Kraft. Er verlangt nichts von uns und gibt uns dennoch so viel zurück.



„Meine größte Angst war zu sterben. Dann starben meine Liebsten.“ – Wenn Angst das Leben bestimmt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Das, worüber wir heute sprechen, geht tief. Es berührt Themen wie Verlust, Suizid und Angst. Dinge, über die man selten spricht, die aber so viele von uns betreffen. Darum möchte ich euch, die gerade selbst durch Trauer gehen oder mit ähnlichen Gedanken ringen, bitten, diesen Artikel vielleicht ein andermal zu lesen. Allen anderen möchte ich heute eine junge Frau vorstellen, deren Geschichte mich tief berührt.


Wenn Angst den Alltag übernimmt

Es gibt Ängste, über die man spricht und Ängste, die man still mit sich trägt, weil sie so tief in einem wohnen, dass Worte kaum reichen. Janet lebt mit einer solchen Angst. Hypochondrie – so heißt ihre Diagnose. Ein Wort, das viele noch immer falsch verstehen.

Denn Hypochondrie bedeutet nicht, dass man sich „einbildet, krank zu sein“. Es bedeutet, dass die Angst vor Krankheit so real ist, dass sie den Alltag beherrscht. Janet lebt in einem ständigen Alarmzustand.

Wenn andere bei Kopfschmerzen nach einer Tablette greifen, denkt Janet an einen Hirntumor. Wenn ihr Herz kurz stolpert, sieht sie sich schon im Krankenhaus. Und wenn sie im Internet Symptome googelt, was sie oft tut, landet sie nach wenigen Minuten in einem Strudel aus Diagnosen, Bildern und Geschichten, die ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigen. Und obwohl Ärzte immer wieder sagen, sie sei körperlich gesund, bleibt die Angst. Weil sie nicht im Körper sitzt – sondern in der Seele.


Der Mut, hinzusehen

Was mich an Janet am meisten bewegt, ist ihre Offenheit. Sie läuft ihrer Angst nicht davon, sie schaut ihr ins Gesicht. Sie spricht über Dinge, über die viele schweigen würden.

Die dreißigjährige Pflegefachkraft zeigt, wie es ist, in einer Welt zu leben, in der das Internet jede Unsicherheit verstärkt. In der ein einziger Klick auf Google genügt, um aus einem leisen Zweifel eine Panikwelle werden zu lassen. In dieser ständigen Alarmbereitschaft aufzuwachsen, formt ein ganzes Leben. Und doch steht sie jeden Tag auf. Als alleinerziehende Mutter einer Tochter kämpft sie nicht nur gegen ihre große Angst, sondern vor allem für ein leichteres, freieres Leben ihrer kleinen Familie.

Wir sprechen heute über das Weitermachen, wenn das Leben einem alles nimmt, was Halt gibt.
Durch Janets Hypochondrie war der Tod für sie stets präsent als fürchterliche Angst vor dem eigenen Ende. Doch dann geschah das Unerwartete: Nicht ihr eigenes Leben endete, sondern das der Menschen, die sie am meisten liebte – derer, die ihr Halt gaben und auf einmal fehlten.

In der schlimmsten Phase wurde jedes körperliche Gefühl zur Bedrohung. Stundenlanges Googeln von Symptomen hielt Janet in einem Teufelskreis aus Angst und Selbstzweifel gefangen. (Foto: Janet)

Irgendetwas stimmt doch nicht

Healthy Lady: Ich habe dich in einem YouTube-Interview entdeckt und war sehr beeindruckt davon, wie offen du über deine Hypochondrie gesprochen hast. Ich fragte ich mich nur, ob die Zuschauer wirklich begreifen können, was du durchmachst. Doch dann las ich die Kommentare. Hunderte von Menschen schrieben: „Ich verstehe sie.“ „Mir geht es genauso.“ Laut Studien leidet etwa ein Prozent der Deutschen an Hypochondrie. Wenn man diese Stimmen liest, scheint die Dunkelziffer deutlich höher zu sein. Viele wissen nicht einmal, dass ihre Angst einen Namen hat.

Wie war das bei dir? Wie lange hat es gedauert, bis du wusstest, was mit dir los ist? Hattest du zuvor schon einmal von Hypochondrie gehört?

Janet: Bevor ich meine Diagnose „Hypochondrische Störung“ bekommen habe, hatte ich noch nie etwas von Hypochondrie gehört oder gelesen. Ich wusste aber, dass es Erkrankungen gibt, die sich durch krankhafte Ängste vor Krankheiten auszeichnen. Erst als meine Mutter, Ärzte oder Freunde immer wieder zu mir sagten, dass ich krankhafte Ängste vor Erkrankungen habe, die ich gar nicht habe, fing ich an, mich intensiver damit zu beschäftigen und tauschte mich in Foren mit anderen Betroffenen aus.
Als ich immer wieder die Bestätigung von Ärzten bekam, dass ich nicht an der Krankheit erkrankt bin, von der ich überzeugt war, merkte ich irgendwann, dass etwas an dem dran ist, was mir Ärzte und Angehörige erklärten.

„Der Suizid meines Vaters hat mir gezeigt, wie schnell sich das Leben ändern kann, wie schnell es vorbei sein kann – ohne ein Tschüss, ohne ein letztes Wort.“


Veränderung durch die Diagnose

Healthy Lady: Hat die Diagnose etwas in deinem Leben verändert? Hat es dir geholfen zu wissen, dass du körperlich gesund bist? Oder hat das die Angst vielleicht sogar noch verstärkt?

Janet: Die Diagnose hat mir langsam dabei geholfen, mit meinen Ängsten in Bezug auf Krankheiten besser umzugehen.
Trotzdem ging es nicht von heute auf morgen. Es war ein langer Weg.
Bei jedem noch so kleinen Symptom stand ich wieder in Alarmbereitschaft, aus Angst: „Diesmal ist es wirklich etwas Schlimmes.“ Ich hatte aber immer wieder die Diagnose „Hypochondrie“ im Kopf und versuchte, mich zu beruhigen. Ich erinnerte mich an all meine „Krankheiten“, die sich nie bestätigt hatten.

Ihr größter Halt und der Grund, jeden Tag aufs Neue zu kämpfen: Für ihre kleine Tochter überwindet Janet täglich ihre Grenzen – denn Liebe ist stärker als jede Panikattacke. (Foto: Janet)

Der Auslöser

Healthy Lady: Kannst du dich an den Moment erinnern, als alles begann? Gab es eine Situation, einen Auslöser, der die Krankheit in Gang setzte?

Janet: Ich weiß, dass ich schon immer ein Mensch war, der dazu neigte, schnell vom Schlimmsten auszugehen.
Seit 2012 arbeite ich im Gesundheitsbereich, dort sieht man sehr viel. Vieles, das einen prägt und mitnimmt.
Als eine Bekannte in meinem Alter mit Mitte 20 an Krebs starb, den man bei ihr lange nicht erkannt hatte, wurden meine Ängste immer schlimmer. Jahrelang lebte ich damit und schaffte es, das „Kartenhaus“ nicht zusammenfallen zu lassen.

Dann nahm sich im März 2022 mein Vater das Leben und für mich ging es psychisch steil bergab.
Meine Ängste und Sorgen waren kaum noch tragbar. Ich hatte panische Angst, todkrank zu sein und nicht mehr für meine Tochter da sein zu können. Ich hatte jeden Tag neue Symptome, die mir mein Körper „vorspielte“.
Ich wusste, ich brauchte Hilfe, ich schaffte es nicht mehr, die Ängste allein zu bewältigen.

„Bei jedem noch so kleinen Symptom stand ich wieder in Alarmbereitschaft, aus Angst: ‚Diesmal ist es wirklich etwas Schlimmes.“


Umgang mit dem Verlust

Healthy Lady: Der Verlust eines Elternteils ist immer schmerzhaft – doch wenn ein Elternteil durch Suizid geht, hinterlässt das oft viele offene Fragen. Wie bist du mit diesem Verlust umgegangen?

Janet: Der Suizid meines Vaters hat mir gezeigt, wie schnell sich das Leben ändern kann, wie schnell es vorbei sein kann, ohne ein Tschüss, ohne ein letztes Wort.
Ich bekam Angst vor dem Tod, Angst vor dem plötzlichen Sterben. Ich wollte bei jedem Symptom auf Nummer sicher gehen. Der Verlust war schwer, ich hatte viele offene Fragen. Fragen, die ich nie mehr beantwortet bekommen werde.


Schlimmste Phase der Krankheit

Healthy Lady: Wie hat sich dein Leben in der schlimmsten Phase der Hypochondrie angefühlt?

Janet: Die schlimmste Phase der Hypochondrie war einfach nur schrecklich. Ich hatte jeden Tag neue Symptome – und war überzeugt, dass ich bald sterben müsste. Ich dachte, dass mich niemand ernst nimmt, und war sicher, dass die Ärzte etwas übersehen haben. Ich war fast täglich bei Ärzten und hatte unzählige Untersuchungen.

Die Liste meiner Symptome war lang. Das Schlimmste waren Taubheitsgefühle, Kribbeln in Armen und Beinen, Stiche im Kopf und im Herzbereich. Ich hatte Zuckungen im Gesicht und konnte an manchen Tagen vor Schwindel kaum aufstehen. Zeitweise hatte ich eine Fußhebeschwäche und konnte kaum gehen. Es war eine schlimme Zeit.


Rolle des Internets

Healthy Lady: Welche Rolle hat das Internet in dieser Zeit gespielt?

Janet: Das Internet oder wie man sagt, „Dr. Google“ war Fluch und Segen zugleich.
Auf der einen Seite hat es meine Ängste verstärkt, weil bei jedem Symptom, das ich eingab, gleich eine schwere Krankheit angezeigt wurde. Auf der anderen Seite bin ich auf Foren gestoßen, in denen ich auf Gleichgesinnte traf. Das hat mich oft sehr beruhigt.


Therapie & Hilfen

Healthy Lady: Wie kämpft man gegen Hypochondrie? Was hat dir geholfen, mit deiner Angst umzugehen?

Janet: Gegen Hypochondrie zu kämpfen oder einzusehen, dass dies die eigentliche Krankheit ist, war ein schwerer Prozess. Es hat lange gedauert. Am meisten geholfen haben mir der Austausch mit anderen Betroffenen, das Kennenlernen der Krankheit, Gesprächstherapie und eine medikamentöse Behandlung.

„Ich bekomme oft Panikattacken aus Angst, meine Tochter zu verlieren. Durch meine Verluste habe ich eine starke Verlustangst entwickelt.“


Umfeld & Verständnis

Healthy Lady: Gab es in deinem Leben Momente, in denen du dich nicht verstanden gefühlt hast?

Janet: Vor allem am Anfang habe ich mich von allen falsch verstanden und nicht ernst genommen gefühlt.
Menschen, die solche Ängste nicht kennen, wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.
Nur wenige Personen in meinem Umfeld haben mich ernst genommen oder mir geglaubt.
Einige Ärzte, vor allem mein Psychiater und Psychologe haben das Ausmaß erkannt.
Das meiste Verständnis bekam ich von Menschen, die dasselbe erleben. Diese habe ich in einer Klinik kennengelernt. Das hat mir unheimlich viel Kraft gegeben.


Verlust der Mutter & Rückfall

Healthy Lady: Du hast im vergangenen Jahr erneut einen schweren Verlust erlebt – deine Mutter ist gestorben. Wie ging es dir in dieser Zeit?

Janet: Im April 2024 passierte etwas Schreckliches: Als ich mich gerade wieder etwas stabilisiert hatte, starb meine Mutter. Nur einen Tag nach der Diagnose akute Leukämie. Es war eine sehr seltene Form, „APL“ genannt. Einen Tag nach einer Krebsdiagnose. So etwas hatte ich in all meinen Jahren im Krankenhaus nie erlebt.
Nach kurzer Zeit verschlechterte sich mein psychischer Zustand rapide. Aber ich musste stark bleiben. Ich bin alleinerziehende Mama einer vierjährigen Tochter. Meine Mutter, mein größter Halt, war plötzlich nicht mehr da. Mein ganzes Leben veränderte sich in nur 24 Stunden. Ihr Tod war für mich unfassbar. Gerade weil es so eine seltene Erkrankung war, konnte ich es nicht fassen. Das hat mir gezeigt, dass nichts unmöglich ist und meine Ängste und Sorgen wieder stark verschlimmert. Medikamente waren unumgänglich, um nicht völlig abzustürzen.

„Manchmal habe ich sogar Angst, meine Tochter in den Kindergarten zu bringen, weil etwas passieren könnte.“


Mama sein mit Angst

Janet (30), Pflegefachkraft und alleinerziehende Mutter – dank therapeutischer Unterstützung hat sie heute gelernt, mit ihrer Angst zu leben und ihr Leben Stück für Stück zurückzuerobern. (Foto: Janet)

Healthy Lady: Du bist Mama einer kleinen Tochter. Wie gehst du mit deiner Angst um, wenn es um sie geht?

Janet: Meine Ängste und Sorgen sind, besonders wenn es um meine Tochter geht sehr stark. Jedes Symptom bei ihr, und wenn es nur Husten oder Schnupfen ist, löst in mir große Sorge aus. Ich recherchiere sofort oder gehe direkt zum Arzt, wenn ich beunruhigt bin. Wenn sie krank ist, bin ich sehr angespannt. Manchmal Tag und Nacht.
Ich bekomme oft Panikattacken aus Angst, sie zu verlieren.

Durch meine Verluste habe ich eine starke Verlustangst entwickelt.
Manchmal habe ich sogar Angst, sie in den Kindergarten zu bringen, weil etwas passieren könnte.
Natürlich denke ich auch oft daran, was wäre, wenn ich schwer krank wäre, wer dann für sie da wäre.
Diese Gedanken begleiten mich jeden Tag. Mal mehr, mal weniger.


Die Botschaft

Healthy Lady: Wenn du heute zurückblickst – was hat dir geholfen, nicht völlig den Boden unter den Füßen zu verlieren?

Janet: Rückblickend kann ich sagen: Meine Tochter ist mein größter Halt und meine Kraft, weiterzumachen und jeden Tag aufzustehen. Allen Betroffenen kann ich nur sagen: Holt euch Hilfe. Hypochondrie ist keine Spinnerei, es ist eine Erkrankung. Niemand sollte sich damit allein fühlen, denn wir sind viele.

Der Austausch mit anderen Betroffenen war für mich heilsam. Mir helfen außerdem Entspannungsübungen, Spaziergänge und bewusste Pausen ohne Handy. Ich habe mein Umfeld verändert und nur noch Menschen in mein Leben gelassen, die mir guttun, mich ernst nehmen und mir zuhören. Stück für Stück habe ich Lebensfreude zurückgewonnen mit Therapien, Hobbys und kleinen Momenten für mich selbst.
Es geht nicht von heute auf morgen. Es ist Arbeit, ein Prozess, ein Auf und Ab. Jeder in seinem Tempo.

Rückschläge annehmen und das Beste daraus machen. Tag für Tag.
Wer diese Krankheit annehmen kann und sie versteht, kann lernen, mit ihr zu leben.

„Hypochondrie ist keine Spinnerei – es ist eine Erkrankung. Niemand sollte sich damit allein fühlen.“


Hilfe und Unterstützung

Wenn du selbst unter starken Ängsten leidest, dich oft krank fühlst, obwohl Ärzte nichts finden, oder jemanden verloren hast und nicht mehr weiterweißt – du bist nicht allein.
Sprich mit deinem Hausarzt, einer Psychotherapeutin oder wende dich an eine der folgenden Anlaufstellen.

  • Telefonseelsorge (kostenfrei, anonym, rund um die Uhr): 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • Nummer gegen Kummer (für Kinder, Jugendliche & Eltern): 116 111
  • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117 (auch bei psychischen Krisen)
  • In akuten Notfällen: Wähle die 112 oder geh in die nächste Notaufnahme.

Auch Online-Angebote können helfen:



„Zu gut für den Job – und trotzdem will mich niemand“ – Der Bewerbungsdschungel am Limit

Viele Bewerberinnen und Bewerber kennen dieses Gefühl. Man investiert Zeit, Mühe und Hoffnung in jede einzelne Bewerbung und erhält trotzdem Absage um Absage. Mit der Zeit beginnen viele, an sich selbst zu zweifeln. Dabei liegt das Problem oft nicht an fehlender Qualifikation, sondern an einem Arbeitsmarkt, der immer komplexer und unübersichtlicher geworden ist.

Ein Blick in soziale Netzwerke zeigt, wie verbreitet diese Erfahrung inzwischen ist. Auf Plattformen wie TikTok berichten tausende Menschen davon, trotz guter Ausbildung und Motivation immer wieder übersehen zu werden. Schnell wird deutlich, das Scheitern bei der Jobsuche ist längst kein individuelles Problem mehr, sondern häufig ein strukturelles.

Genau hier setzt die Recruiting-Expertin und Karriere-Coach Rebecca Santos Costa an. Unter dem Namen „KarriereTok“ begleitet sie auf TikTok und Instagram täglich Menschen auf ihrem Weg zu neuen beruflichen Chancen. Von Berufseinsteiger:innen bis hin zu erfahrenen Fachkräften, die im Bewerbungsprozess nicht mehr wissen, wie sie sichtbar werden können.

Mit ihrem Gespür für moderne Lebensläufe und ihrer praxisnahen, authentischen Art zeigt sie, wie Bewerberinnen und Bewerber ihre Stärken klar positionieren, sich im Bewerbungsprozess besser präsentieren und wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen.


Warum der Arbeitsmarkt heute so gnadenlos ist

Healthy Lady:
Warum ist es heutzutage so schwer, einen guten Job zu bekommen? Woran liegt es, dass selbst sehr kompetente Menschen immer wieder Absagen erhalten?

Rebecca Santos Costa:
Ich glaube, viele unterschätzen, wie komplex der Bewerbungsprozess heute geworden ist. Es reicht nicht mehr, „nur“ qualifiziert zu sein. Der Markt ist übersättigt, die Anforderungen steigen, und gleichzeitig fehlt oft Transparenz: Bewerber:innen wissen gar nicht genau, was Unternehmen wirklich suchen und Unternehmen wissen manchmal selbst nicht, wie sie die passenden Menschen finden. Dazu kommt, dass viele Prozesse automatisiert sind. Eine Bewerbung landet im ersten Schritt oft gar nicht auf einem echten Tisch, sondern wird durch Software vorsortiert. Das heißt: Auch richtig gute Bewerbungen können durchrutschen, wenn sie nicht die „richtigen“ Schlagworte enthalten oder nicht formal exakt zum Prozess passen.

Und dann ist da noch das Thema Mut und Selbstvermarktung. Ich sehe viele Menschen, die unglaublich viel können, aber sich in ihren Unterlagen einfach nicht trauen, es sichtbar zu machen. Sie bleiben zu allgemein, zu vorsichtig, zu „angepasst“. Dabei suchen Unternehmen nicht die perfekte Schablone, sondern jemanden, der wirklich passt. Nur trauen sich viele nicht, wirklich sichtbar zu werden.

„Es gibt den Fall, dass Stellenanzeigen eher ‚strategisch‘ geschaltet werden. Zum Beispiel, um Investoren Aktivität zu zeigen (…).  Sie sind von Anfang an gar nicht ernst gemeint.“


Healthy Lady:
Was erwarten Recruiter wirklich von uns? Es fühlt sich manchmal so an, als würden sie nach dem Gelben vom Ei suchen. Viele Stellenanzeigen bleiben über Jahre online, immer wieder dieselbe Position, immer wieder dieselben Bewerbungen und trotzdem bekommt niemand den Job. Das wirft Fragen auf. Suchen die Unternehmen wirklich? Oder sind manche Anzeigen eher Scheinplätze, um Kandidatenlisten aufzubauen oder die Zahlen gut aussehen zu lassen?

Rebecca Santos Costa:
Ja, das ist eine sehr berechtigte Frage und ehrlich gesagt: Beides kommt vor. Es gibt viele Unternehmen, die ernsthaft und dringend suchen, aber trotzdem keine geeigneten Bewerbungen bekommen, weil entweder die Darstellung in der Stellenanzeige nicht attraktiv oder der interne Auswahlprozess nicht gut aufgesetzt ist. Manche Unternehmen wissen auch gar nicht, wie sie Talente ansprechen sollen oder haben intern nicht die Strukturen, um schnell Entscheidungen zu treffen. Dann hängen Stellen monatelang online, ohne dass etwas passiert.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Fall, dass Stellenanzeigen eher „strategisch“ geschaltet werden. Zum Beispiel, um ein Bewerber:innen-Portfolio aufzubauen, um Investoren Aktivität zu zeigen oder weil man grundsätzlich offen für Talente sein möchte auch wenn akut gar kein Bedarf da ist. Das ist für Bewerber:innen extrem frustrierend, weil sie dann Zeit und Energie in etwas stecken, das von Anfang an gar nicht ernst gemeint war. Recruiter wünschen sich im Kern keine „perfekten“ Menschen, sondern Bewerber:innen, die eine konkrete Lösung für ein Problem im Unternehmen sind – also jemanden, der fachlich, menschlich und vom Mindset her zu dem passt, was das Unternehmen gerade wirklich braucht. Je klarer man das als Bewerber:in zeigen kann, desto besser.

Rebecca Santos Costa, bekannt als „KarriereTok“, erreicht mit ihren Inhalten hunderttausende Menschen auf TikTok und unterstützt sie auf dem Weg zu neuen beruflichen Chancen. (Foto: Rebecca Santos Costa)

Der Lebenslauf 2026

Healthy Lady: Wie sieht für dich ein moderner Lebenslauf im Jahr 2026 aus? Worauf sollte man unbedingt achten, wenn man herausstechen möchte?

Rebecca Santos Costa: Ein moderner Lebenslauf 2026 ist klar, übersichtlich und auf den Punkt. Das Wichtigste: Er muss innerhalb von wenigen Sekunden erfassbar sein. Recruiter*innen scannen Lebensläufe oft in unter einer Minute, da bleibt keine Zeit für langatmige Texte oder kreative Spielereien. Was zählt, ist Struktur, Klarheit und Relevanz. Das heißt: Aktuelle Berufserfahrung und Aufgabenbereiche gehören ganz nach oben, nicht irgendwo unter den Schulabschluss von 2007. Besonders wichtig sind konkrete Erfolge, messbare Ergebnisse oder Verantwortlichkeiten, also nicht nur „Vertrieb“, sondern z. B. „Umsatzsteigerung von 20 % durch Neukundenakquise im B2B-Bereich“.

Außerdem sollte der Lebenslauf zum Job passen: Wer sich im Marketing bewirbt, darf gestalterisch mutiger sein bei einer Position im Controlling zählt eher Seriosität und Struktur. Und: Soft Skills gehören nicht einfach als Liste unter „Stärken“, sondern sollten sich aus den Stationen und Aufgaben ergeben. Und ganz klar: Lücken sind nicht automatisch ein Problem – solange man sie ehrlich und strategisch einordnet. Lieber ein kurzer Satz zur beruflichen Orientierung, Familienzeit oder Krankheit als eine „Lücke“, die Fragen offenlässt. Transparenz und Haltung kommen besser an als Versteckspiel.

„Eine Bewerbung landet im ersten Schritt oft gar nicht auf einem echten Tisch, sondern wird durch Software vorsortiert. Das heißt: Auch richtig gute Bewerbungen können durchrutschen, wenn sie nicht die ‚richtigen‘ Schlagworte enthalten.“


Healthy Lady: Viele Bewerberinnen und Bewerber fühlen sich unsicher, wie viel von der eigenen Persönlichkeit sie im Lebenslauf oder in der Bewerbung zeigen sollten. Auf deinem Profil habe ich Kommentare gelesen, in denen empfohlen wird, bei jungen Frauen das Geburtsdatum oder das Bild wegzulassen. Warum ist das sinnvoll und was würdest du raten?

Rebecca Santos Costa: Wir leben leider nicht in einer völlig diskriminierungsfreien Arbeitswelt. Auch wenn es offiziell nicht erlaubt ist, spielen Alter, Geschlecht, Herkunft oder Aussehen in manchen Auswahlprozessen immer noch eine Rolle. Bewusst oder unbewusst. Genau deshalb empfehle ich manchmal: Lass das Bewerbungsfoto weg, ebenso das Geburtsdatum. Vor allem, wenn du sehr jung oder sehr erfahren bist und genau das zu Vorurteilen führen könnte. Das ist kein Verstecken, sondern eine strategische Entscheidung: Ich gebe nur so viel von mir preis, wie nötig ist und setze den Fokus ganz bewusst auf meine Qualifikation. Denn am Ende zählen nicht Haarfarbe oder Jahrgang, sondern Kompetenz und Persönlichkeit.

Wer dennoch ein Foto einfügen möchte, sollte es professionell halten und selbstbewusst auftreten – kein Passbild, sondern ein sympathisches Porträt, das zur angestrebten Position passt. Wichtig ist: Du entscheidest, was du zeigen willst – nicht die Konventionen von früher.


Healthy Lady: Gibt es Unterschiede in männlichen und weiblichen Bewerbungen?

Rebecca Santos Costa: Ja, die gibt es tatsächlich – sowohl in der Art, wie Bewerbungen geschrieben werden, als auch in der Wirkung auf Personaler. Frauen neigen oft dazu, sich zurückhaltender zu präsentieren. Sie formulieren vorsichtiger, betonen Teamfähigkeit und Lernbereitschaft, während Männer tendenziell selbstbewusster auftreten und ihre Erfolge klarer herausstellen. Das ist natürlich nicht bei allen so – aber diese Tendenzen sehe ich immer wieder. Ein weiterer Unterschied liegt in der Selbsteinschätzung: Männer bewerben sich oft schon, wenn sie etwa 60 % der Anforderungen erfüllen. Viele Frauen hingegen glauben, sie müssten 100 % abdecken, bevor sie sich überhaupt trauen, sich zu bewerben. Dadurch verpassen sie Chancen, obwohl sie inhaltlich locker mithalten könnten.

Mein Tipp: Unabhängig vom Geschlecht – trau dich, deine Stärken klar zu benennen. Nimm Raum ein, sei konkret und zeig, was du kannst. Der Lebenslauf ist kein Ort für falsche Bescheidenheit – sondern dein persönlicher Pitch.

„Männer bewerben sich oft schon, wenn sie etwa 60 % der Anforderungen erfüllen. Viele Frauen hingegen glauben, sie müssten 100 % abdecken, bevor sie sich überhaupt trauen.“


Mit Rückschlägen umgehen und sich nicht verlieren

Healthy Lady: Wenn jemand viele Absagen erhalten hat – wie gewinnt man neuen Mut? Wie kann man mit Rückschlägen umgehen, ohne das Selbstvertrauen zu verlieren?

Rebecca Santos Costa: Absagen fühlen sich immer persönlich an – gerade, wenn man sich viel Mühe gibt. Doch in den meisten Fällen sagen Absagen nichts über den eigenen Wert aus. Sie entstehen durch interne Umstrukturierungen, Budgetfragen, zu viele Bewerbungen oder unklare Prozesse – das hat oft wenig mit deiner Qualifikation zu tun.

Was hilft: Abstand gewinnen und den Fokus neu ausrichten. Statt nur zu fragen „Warum habe ich den Job nicht bekommen?“, lohnt sich die Frage: „Was will ich wirklich – und wie will ich wirken?“ Es kann hilfreich sein, sich Feedback zu holen, den Lebenslauf noch einmal kritisch zu prüfen oder sich auf Stellen zu konzentrieren, die wirklich zur eigenen Persönlichkeit passen. Ich sage immer: Eine Absage ist kein Stopp – sie ist ein Hinweis. Und manchmal ist sie sogar ein Schutz davor, in einem Job zu landen, der gar nicht zu dir passt.

Was Mut macht: Erfolgsgeschichten von anderen. Deshalb teile ich auf meinen Kanälen auch echte Erfahrungen und positive Wendepunkte – damit man sieht: Es geht. Und du bist nicht allein.


Sichtbar oder privat? Die Rolle von Social Media

Healthy Lady: Social Media ist heute ein Teil der Außendarstellung. Sollte man seine Profile aktiv nutzen, um sich positiv zu präsentieren, oder ist es besser, alles privat zu halten?

Rebecca Santos Costa: Das kommt ganz darauf an, wohin du beruflich willst. Wer im kreativen Bereich, im Marketing, Vertrieb oder Personalwesen arbeitet, kann Social Media gezielt nutzen, um seine Kompetenzen sichtbar zu machen – zum Beispiel durch geteilte Inhalte auf LinkedIn, ein gepflegtes Profil oder Beiträge zu eigenen Themen.

Gleichzeitig gilt: Du musst nicht überall sichtbar sein. Viele Menschen fühlen sich wohler, wenn sie ihre Privatsphäre wahren – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass man keine Spuren hinterlässt, die einem später schaden. Ein kurzer Selbst-Check mit dem Satz „Würde ich das auch posten, wenn mein zukünftiger Chef es sieht?“ kann hier helfen.

Wer also Lust hat, sich zu zeigen: go for it. Aber immer mit Strategie und Authentizität – und nie mit dem Gefühl, sich verbiegen zu müssen.

„Wir leben leider nicht in einer völlig diskriminierungsfreien Arbeitswelt. (…) Genau deshalb empfehle ich manchmal: Lass das Bewerbungsfoto weg, ebenso das Geburtsdatum. Vor allem, wenn du sehr jung oder sehr erfahren bist.„


Healthy Lady: Du sprichst oft von Authentizität: Wie kann man im Lebenslauf und im Anschreiben authentisch bleiben und gleichzeitig professionell wirken?

Rebecca Santos Costa: Authentizität heißt für mich: Klarheit, Ehrlichkeit und Fokus. Es geht nicht darum, jeden Aspekt seiner Persönlichkeit auszubreiten – sondern darum, die eigenen Stärken verständlich und glaubwürdig zu vermitteln. Wer zum Beispiel schreibt „Ich übernehme gerne Verantwortung“, sollte auch kurz erklären, wo und wie das konkret passiert ist. So wirkt es ehrlich – nicht auswendig gelernt.

Im Lebenslauf bedeutet Authentizität, nichts zu verstecken, aber auch nichts unnötig aufzublasen. Lücken oder Umwege gehören zum Leben – sie werden dann zum Problem, wenn man versucht, sie zu vertuschen. Im Anschreiben geht es darum, in einem klaren, auf den Punkt gebrachten Stil zu zeigen: „Das bin ich – und das kann ich beitragen.“

Mein Tipp: Lies dein Anschreiben laut vor. Wenn es sich nach dir anhört – aber eben nach einer souveränen Version von dir – dann passt es.


Die häufigsten Fehler – und wie man sie vermeidet

Healthy Lady: Welche Fehler beobachtest du bei Bewerbungen am häufigsten?

Rebecca Santos Costa: Die häufigsten Fehler sind oft gar keine inhaltlichen, sondern formale und strategische. Ganz oben auf der Liste steht: Einheitsbewerbungen. Viele verschicken dieselbe Bewerbung an zig Stellen ohne echten Bezug zur Anzeige. Das merkt man sofort. Ein weiterer häufiger Fehler: Lebensläufe ohne klare Struktur. Wenn ich als Leserin überlegen muss, was du aktuell machst oder wie dein Weg verlaufen ist, verliere ich schnell das Interesse. Auch überholte Formulierungen wie „Hiermit bewerbe ich mich…“ oder „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“ wirken heute blass und unpersönlich. Man sollte lieber direkt einsteigen und zeigen, was man konkret bietet.

Fehler Nummer vier ist, zu sehr in die Vergangenheit zu gehen – Bewerbungen sollten immer zukunftsgerichtet sein: Was kann ich im neuen Job beitragen? Und zu guter Letzt: Keine Gehaltsvorstellungen nennen, wenn es verlangt wird. Viele trauen sich da nicht ran, aber wenn man sich nicht positioniert, wirkt das schnell unsicher.

„Es reicht nicht mehr, ‚nur‘ qualifiziert zu sein.“


Von Katzenvideos zu KarriereTok

Healthy Lady: Rebecca, wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, anderen bei Lebensläufen zu helfen? Gab es ein Schlüsselerlebnis? Wie funktioniert dein Job?

Rebecca Santos Costa: Ich habe viele Jahre im Personalbereich gearbeitet – von der operativen Personalarbeit über Recruiting, Training bis hin zur Führung von Teams. Irgendwann hat mein Sohn sich TikTok heruntergeladen, einfach nur zum Gucken, was da so los ist. Wir haben dann aus Spaß zusammen Katzenvideos gemacht – das war witzig, aber irgendwann dachte ich: Eigentlich könnte man da auch mal was Sinnvolles draus machen.

Also habe ich angefangen, typische Szenen aus dem Berufsleben nachzuspielen – Bewerbungsgespräche, Personaleralltag, witzige Recruiting-Erlebnisse. Und plötzlich kamen die ersten Fragen: „Bietest du eigentlich Coaching an?“ – so ist das Ganze dann ins Rollen gekommen. Zuerst habe ich angefangen, Stellenanzeigen zu analysieren – das kam total gut an, weil sich viele Bewerber:innen überhaupt nicht auskannten, was da wirklich zwischen den Zeilen steht. Später kam dann der Fokus auf Lebensläufe. Und inzwischen gebe ich täglich Bewerbungsfeedback, bewerte Lebensläufe, analysiere Stellenausschreibungen und gebe Tipps, wie man sich authentisch und gleichzeitig professionell präsentiert.

Ich habe über TikTok so viele Rückmeldungen bekommen von Menschen, die durch meine Tipps endlich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden oder ihren Traumjob bekommen haben. Diese Energie und das Vertrauen, das mir da entgegengebracht wird, motivieren mich jeden Tag aufs Neue. Das Format ist einfach ehrlich, direkt und alltagstauglich – genau das, was viele da draußen brauchen.


Healthy Lady: Dein Format „KarriereTok“ erreicht viele junge Menschen. Hattest du am Anfang Zweifel, ob Bewerbungs-Content dort überhaupt funktioniert?

Rebecca Santos Costa: Total! TikTok war für mich am Anfang einfach eine Plattform für Katzenvideos, Tänze und lustige Clips – nichts, wo man ernsthaft dachte: „Hier bring ich jetzt mal Bewerbungstipps unter.“ Ich habe mir anfangs selbst nicht vorstellen können, dass das jemanden interessiert. Aber je mehr ich einfach aus dem echten Leben erzählt habe – also Dinge, die ich aus dem Personalalltag kenne oder Situationen aus Bewerbungsgesprächen –, desto mehr Resonanz kam.

Viele haben sich in meinen Videos wiedergefunden: Bewerber:innen, die mit typischen Fehlern kämpfen, die einfach nicht wissen, wie sie sich gut präsentieren können. Und genau da setzt mein Format an – es soll nahbar sein, aber gleichzeitig Klartext reden. Ich glaube, gerade weil es eben nicht trocken ist, sondern real und manchmal auch mit einem Augenzwinkern, funktioniert es so gut. Ich hätte nie gedacht, dass Bewerbungstipps auf TikTok viral gehen – aber offensichtlich gibt es da einen riesigen Bedarf. Und es zeigt auch: Bildung, Aufklärung und Empowerment haben definitiv ihren Platz auf Social Media.

„In den meisten Fällen sagen Absagen nichts über den eigenen Wert aus. Sie entstehen durch interne Umstrukturierungen oder Budgetfragen – das hat oft wenig mit deiner Qualifikation zu tun.“


Warum sich all das lohnt

Healthy Lady: Wenn man sich deinen TikTok-Kanal anschaut, merkt man sofort, dass dein Account lebt. Was sagen dir deine Follower und Klienten am meisten? Gibt es einen Moment, auf den du besonders stolz bist?

Rebecca Santos Costa: Ja, absolut – der Bedarf ist riesig. Ich bekomme täglich Nachrichten wie: „Dank dir hatte ich heute mein erstes Vorstellungsgespräch“ oder „Ich hätte nie gedacht, dass mein Lebenslauf so viel ausmacht.“ Viele schreiben mir auch, dass sie sich zum ersten Mal ernst genommen fühlen – dass sie durch meine Videos den Mut bekommen haben, sich überhaupt zu bewerben oder sich beruflich neu zu orientieren.

Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war eine junge Frau, die schon lange in einer belastenden Arbeitssituation festhing. Sie hatte sich dutzende Male beworben, immer wieder Absagen. Nach meiner Beratung hat sie ihren Lebenslauf komplett überarbeitet – und plötzlich hagelte es Einladungen. Als sie mir dann schrieb, dass sie einen Job gefunden hat, in dem sie sich endlich wertgeschätzt fühlt, war das Gänsehaut pur. Solche Nachrichten sind für mich der Grund, warum ich das mache.

Und ja – ich finde auch, das Thema Bewerbung und Berufsorientierung müsste viel früher, zum Beispiel schon in der Schule, mitgedacht werden. Die meisten stolpern da völlig unvorbereitet rein. Und genau deshalb sehe ich meine Aufgabe nicht nur im Bewerbungscoaching, sondern auch in der Aufklärung.


Ein Blick nach vorn

Healthy Lady: Und eine letzte persönliche Frage: Was wäre dein absoluter Traumjob, wenn du nicht schon deinen gefunden hättest?

Rebecca Santos Costa: Ich glaube, ich habe meinen Traumjob tatsächlich selbst erschaffen. Aber wenn ich träumen dürfte, ganz ohne Einschränkungen, dann wäre es ein Beruf, in dem ich jeden Tag Menschen motivieren, inspirieren und ganz praktisch unterstützen kann. Am liebsten in einem Mix aus Bühne, Beratung und Community.

Vielleicht eine eigene Show oder ein Format, in dem echte Lebensgeschichten und Karrieren gezeigt werden – nicht die Hochglanz-Erfolge, sondern die echten Brüche, die Rückschläge und das Aufstehen danach. Ich liebe es, wenn ich Menschen helfen kann, sich neu zu entdecken und zu sehen: „Da steckt so viel mehr in mir, als ich selbst geglaubt habe.“

Ich habe mittlerweile auch eine eigene Recruiting-Plattform: Foundl.de. Dort können Menschen ein berufliches Profil erstellen, ihren Lebenslauf hochladen und sich von Unternehmen finden lassen. Und wenn ich das irgendwann noch größer denken darf – mit einem eigenen Team, mit noch mehr Reichweite – dann ist das für mich kein Traum mehr, sondern eine Vision. Und daran arbeite ich jeden Tag.



Natürliche Hautpeelings zum selbermachen – Dein Glow aus dem Vorratsschrank

Strahlende Haut muss kein kompliziertes Projekt sein. Oft verbirgt sich das Geheimnis für einen frischen Teint direkt hinter deiner Küchentür, zwischen Kaffeemaschine und Gewürzregal. Ein goldener Löffel Honig, eine Prise Zucker oder der duftende Kaffeesatz vom Morgen. Dinge, die wir sonst ganz selbstverständlich genießen, können auch deiner Haut eine kleine Auszeit schenken. Der Trend zur „Kitchen-Cosmetic“ wächst nicht ohne Grund. Es ist das gute Gefühl, ganz genau zu wissen, was man an seine Haut lässt, fernab von langen, unverständlichen Zutatenlisten. Ein selbstgemachtes Peeling ist dabei der Klassiker der natürlichen Pflege. Es wirkt wie ein sanfter Weckruf für dein Gesicht und deinen Körper. Viele nutzen diesen Moment als festes Ritual in ihrer Pflegeroutine, um die Haut optimal auf die anschließende Pflege vorzubereiten, denn auf einer geklärten Basis können Seren und Cremes ihre Wirkung viel besser entfalten. Doch so verlockend die schnelle DIY-Lösung auch ist, wie bei jedem guten Rezept kommt es auf die richtige Dosierung und die passende Technik an. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, welche Zutat zu deinem Hauttyp passt und wie oft du deiner Haut dieses Peeling-Erlebnis gönnen solltest, um sie zu verwöhnen, statt sie zu strapazieren. Dermatologe Dr. Welf Prager betont, dass die Körnung eines Peelings immer zum Hauttyp passen sollte. Im Gesicht deutlich feiner als am Körper. Im Video erklärt er außerdem, worauf du bei natürlichen Peelings achten solltest.


Was passiert eigentlich bei einem Peeling auf deiner Haut?

Deine Haut erneuert sich ständig. Neue Zellen entstehen in den tieferen Hautschichten und wandern nach und nach an die Oberfläche. Dieser Prozess dauert im Schnitt etwa 28 Tage, kann aber je nach Alter und Hautzustand auch länger dauern. Mit der Zeit sammeln sich abgestorbene Hautzellen auf der Oberfläche an. Das kann dazu führen, dass die Haut etwas fahl wirkt oder sich weniger glatt anfühlt. Genau hier kommt ein Peeling ins Spiel. Es hilft dabei, diese abgestorbenen Hautzellen zu lösen und die Haut wieder frischer und ebenmäßiger erscheinen zu lassen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Pflegeprodukte danach oft besser aufgenommen werden können, da die Hautoberfläche gleichmäßiger ist. Wichtig ist aber auch, dass deine Haut nach einem Peeling empfindlicher sein kann. Deshalb solltest du sie danach besonders gut pflegen und vor Sonne schützen.


Drei einfache Peelings zum Selbermachen für deinen Glow

Wenn du Lust hast, dein Badezimmer in ein kleines Natur-Spa zu verwandeln, brauchst du keine aufwendigen Produkte. Viele Zutaten, die du bereits zu Hause hast, lassen sich ganz einfach für ein sanftes Peeling verwenden. Hier sind drei Klassiker, die sich unkompliziert in deine Pflegeroutine integrieren lassen.

Honig und Zucker: Diese Kombination gehört zu den bekanntesten DIY-Peelings. Die feinen Zuckerkristalle sorgen für einen sanften Peeling-Effekt, während Honig von vielen als angenehm pflegend empfunden wird. Gerade für Gesicht und Lippen eignet sich diese Mischung, wenn du es eher mild magst. Dafür kannst du einen Teelöffel feinen Zucker mit etwa einem Teelöffel Honig vermischen, bis eine gleichmäßige Masse entsteht. Massiere das Peeling anschließend mit wenig Druck in kreisenden Bewegungen ein und spüle es mit lauwarmem Wasser ab.

Kaffee und Öl: Für den Körper wird häufig Kaffeesatz verwendet. Zusammen mit einem pflanzlichen Öl entsteht daraus ein Peeling, das sich besonders gut für größere Hautflächen eignet. Viele empfinden die Anwendung als belebend, vor allem am Morgen oder nach dem Sport. Dafür kannst du den abgekühlten Kaffeesatz mit ein bis zwei Esslöffeln eines Öls, etwa Oliven- oder Kokosöl, vermischen, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Trage das Peeling auf die feuchte Haut auf, massiere es in kreisenden Bewegungen ein und spüle es anschließend gründlich ab.

Hafer und Joghurt: Wenn deine Haut empfindlicher reagiert, sind mildere Zutaten eine gute Wahl. Fein gemahlene Haferflocken, angerührt mit Joghurt oder alternativ etwas zerdrückter Banane, werden oft als besonders sanft wahrgenommen. Diese Mischung eignet sich gut, wenn du deine Haut reinigen möchtest, ohne sie zu stark zu reizen. Dafür kannst du etwa einen Esslöffel fein gemahlene Haferflocken mit einem Esslöffel Joghurt verrühren, bis eine cremige Paste entsteht. Trage sie sanft auf das Gesicht auf, lasse sie kurz einwirken und massiere sie anschließend vorsichtig ein, bevor du sie mit lauwarmem Wasser abspülst.

Symbolbild (Foto: IslandHopper X/Pexels)

Weniger ist mehr – Der richtige Rhythmus für deine Haut

Ein Peeling kann deiner Haut gut tun, sollte aber nicht zu häufig angewendet werden. Dermatologe Dr. Welf Prager weist darauf hin, dass zu häufiges oder zu intensives Peelen die natürliche Hautbarriere stören kann. Denn auch die Haut braucht Zeit, um sich zu regenerieren und ihre natürliche Schutzbarriere zu erhalten. In der Regel reicht es aus, ein Peeling ein bis zwei Mal pro Woche zu verwenden. So können abgestorbene Hautzellen entfernt werden, ohne die Haut unnötig zu reizen. Wichtig ist dabei vor allem dein eigenes Hautgefühl. Wenn deine Haut empfindlich reagiert, spannt oder gerötet ist, solltest du ihr lieber eine Pause gönnen.


Was sagt der Hautarzt?

DIY-Peelings sind beliebt, doch wie sinnvoll sind sie aus fachlicher Sicht? Dazu haben wir den Dermatologen Dr. Welf Prager befragt. Im Video erklärt er, welche natürlichen Zutaten sich für Peelings eignen und worauf du bei der Anwendung achten solltest.

Diese Fehler solltest du vermeiden

Auch bei selbstgemachten Peelings gibt es ein paar Dinge, die du im Blick behalten solltest. Zu grobe Zutaten können die Haut reizen, vor allem im Gesicht. Während Kaffee oder gröbere Partikel am Körper oft gut vertragen werden, solltest du im Gesicht eher zu feineren Texturen greifen. Auch zu häufiges Peelen ist keine gute Idee. Deine Haut braucht Zeit, um sich zu regenerieren. Ein bis zwei Anwendungen pro Woche reichen in der Regel völlig aus. Wenn deine Haut gerade gereizt ist, etwa bei Unreinheiten, Rötungen oder Sonnenbrand, solltest du lieber pausieren. In solchen Momenten braucht sie vor allem Ruhe und Pflege. Auch natürliche Zutaten sind nicht automatisch für jede Haut geeignet. Es kann in einzelnen Fällen zu Unverträglichkeiten oder allergischen Reaktionen kommen. Wenn du ein neues Peeling ausprobierst, teste es am besten zunächst an einer kleinen Hautstelle.

Jede Haut ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Was bei deiner besten Freundin für Porzellanhaut sorgt, kann bei dir vielleicht zu viel des Guten sein. Besonders wenn du zu Sensibilität oder Akne neigst, ist ein kurzer Check-in beim Hautarzt immer eine gute Idee. Deine Haut wird es dir mit einem gesunden Strahlen danken.


„Ich hatte Entzugserscheinungen, weil ich nichts kaufen durfte“ – Zişans Leben mit Kaufsucht

Man möchte eigentlich nur kurz in die Drogerie, wirklich nur für das Nötigste. Doch dann passiert es. Plötzlich liegen mehrere Lippenstifte im Körbchen, jeder in einem leicht anderen Ton, der „irgendwie doch ganz anders“ aussieht. Dazu kommen ein paar Nagellacke und vielleicht noch ein Duft, der einfach zu gut riecht, um ihn stehen zu lassen. Alles irgendwie völlig harmlos … oder?

Doch Vorsicht, denn genau so kann ein ernsthaftes Problem beginnen. Ein Problem, das leise kommt, sich unbemerkt einnistet und irgendwann ein ganzes Leben bestimmt. Es geht um Kaufsucht, um eine Abhängigkeit, von der in Deutschland Schätzungen zufolge mehrere Millionen Menschen betroffen oder gefährdet sind. Ein Zustand, über den oft gelächelt wird, obwohl er genauso zerstörerisch sein kann wie jede andere Form der Abhängigkeit. Ein Verhaltensmuster, das sich tarnt als Belohnung, als Trost, als kurzer Moment des Glanzes. Bis sie Besitz ergreift. Von Beziehungen. Vom Konto. Vom Selbstwert.

Mein heutiger Gast ist Zişan und sie ist eine dieser Betroffenen. Auf TikTok führt sie ein Kaufsucht-Tagebuch und lässt ihre Zuschauer tief in ihre dunkelsten Ecken blicken. Zişan macht sich sichtbar für all die stillen Stimmen da draußen, die glauben, sie seien allein. Für all die Menschen, die denken: „Es ist normal, was ich mache.“ Und irgendwann merken: Es ist doch eine Krankheit. Sie klärt auf, bricht Tabus und zeigt, dass man eine Abhängigkeit benennen muss, um sie zu besiegen. In unserem Gespräch erzählt sie, wie alles begann, wie es ihr heute ergeht – und vor allem, warum es so wichtig ist, darüber zu sprechen.


Die Suche nach dem Ich jenseits der Sucht

Die 35-jährige Sachbearbeiterin lebt seit über zehn Jahren mit ihrer Kaufsucht. (Foto: Zisan)

Healthy Lady:
Zişan, bevor wir über die Kaufsucht sprechen – wer bist du? Wie würdest du dich selbst als Mensch vorstellen, abseits der Abhängigkeit?

Zişan:
Ich bin eigentlich ein sehr lebensfroher, humorvoller und aktiver Mensch. Viele denken, ich sei immer stark und offen, dabei trage ich in mir eine Geschichte, die mich schon sehr früh geprägt hat.

Als Kind hatte ich Krebs. Die Ärzte gaben mir damals nur sechs Monate zu leben. Wenn man als kleines Mädchen hört, dass es keinen Morgen geben könnte, verändert das alles. Ich habe schon früh gelernt, dass jeder Tag der letzte sein könnte. Diese Erfahrung hat mich zu jemandem gemacht, der jeden Moment aufsaugt, der sich nach Leben sehnt, nach Glück, aber auch nach Sicherheit.

Ich wollte als Kind Moderatorin werden, weil ich es geliebt habe, vor der Kamera Geschichten zu erzählen. Heute bin ich tatsächlich jeden Tag vor einer Kamera – aber ich moderiere keine Show. Ich moderiere meine eigene Realität, meine Heilung und meine Sucht. Abseits der Abhängigkeit bin ich jemand, der liebt, lacht, kämpft und nie aufgibt. Vielleicht auch, weil ich schon einmal um mein Leben kämpfen musste.

Kaufsucht hat nichts mit Luxus zu tun. Es geht um Schmerz.


Der Moment, der alles veränderte

Healthy Lady:
Wie kam es dazu, dass du dein Kaufsucht-Tagebuch auf TikTok begonnen hast? Was war der Auslöser, so offen damit rauszugehen?

Zişan:
Der Moment, der alles ins Rollen gebracht hat, war ehrlich gesagt ziemlich surreal. Ich kam aus einem Urlaub in Barcelona zurück, müde, aber gut gelaunt und vor meiner Haustür stapelten sich Pakete. Zehn, fünfzehn, vielleicht zwanzig Stück. Einige davon waren so fremd, dass ich nicht einmal mehr wusste, was ich bestellt hatte oder warum. Ich stand davor und dachte: „Zişan, das ist nicht mehr normal.“ Ich war wütend auf mich, aber auch verzweifelt. Und dann kam mir die Idee: Was wäre, wenn ich öffentlich dokumentiere, wie ich 30 Tage lang nichts kaufe? Ein Versuch, mir selbst etwas zu beweisen. Eine Challenge, aber auch eine Art Hilferuf.

Die ersten Tage waren noch lustig. Ich habe gelacht, gejoked, dachte mir: „Ach, easy.“
Doch spätestens am vierten Tag kippte alles, und ich merkte: Das ist nicht einfach nur ein schlechtes Kaufverhalten. Es ist eine Sucht.


Healthy Lady:
Kannst du uns mitnehmen zu dem Moment, in dem dir klar wurde: „Ich habe ein Problem“?

Zişan:
Ganz klar: am vierten Tag meiner Challenge. Ich bin morgens aufgewacht und hatte das Gefühl, mein Körper funktioniert nicht. Meine Hände waren schweißnass, mein Herz raste wie verrückt. Ich bekam kaum Luft, als würde etwas auf meiner Brust sitzen. Ich dachte wirklich: „Ich sterbe gleich.“ Und diese Angst kannte ich nur aus meiner Kindheit, aus dieser Zeit, in der Ärzte mir erklärten, ich hätte vielleicht nicht mehr lange. Dass ich diese körperliche Panik wieder spürte, nur weil ich nichts kaufen durfte, hat mich schockiert.


Wenn Trost zur Strategie wird

Healthy Lady:
Gab es in deiner Kindheit oder Jugend erste Anzeichen, die du heute als Warnsignale deuten würdest?

Zişan:
Ja. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich es ganz klar. Die Diagnose Krebs hat in mir eine permanente Angst ausgelöst: Angst, etwas zu verpassen. Angst, nicht genug erlebt zu haben. Angst, nicht genug zu fühlen. Schon als Teenager habe ich begonnen, Käufe als eine Art Trost zu benutzen. Ich erinnere mich an Situationen, in denen ich traurig war oder mich unsicher fühlte – und anstatt darüber zu sprechen, bin ich ins Einkaufszentrum gefahren. Ein neues Oberteil, ein kleines Accessoire, irgendetwas, das mir einen kurzen Kick gab.

Dieser Moment, in dem man etwas Neues besitzt, fühlte sich an wie: „Ich lebe noch. Ich kann wenigstens das kontrollieren.“. Es war mein kleiner Fluchtweg vor dem Schmerz.

Ich stand vor 20 Paketen und wusste nicht einmal mehr, was ich bestellt hatte.


Healthy Lady:
Wie hat sich die Kaufsucht schleichend aufgebaut – war es ein plötzlicher Kontrollverlust oder ein langsamer Prozess?

Zişan:
Die Sucht ist nicht über Nacht gekommen. Sie ist gewachsen – leise, schleichend, fast unbemerkt. In meinen Zwanzigern begann der Kontrollverlust. Damals hatte ich schon starke Probleme: Ich habe impulsiv gekauft, oft heimlich, oft ohne Plan. Es wurde jedes Jahr mehr. Pakete kamen täglich, manchmal zweimal am Tag. Ich wusste irgendwann nicht mehr, was ich alles besitze. Ich habe mich mit jedem Klick für einen Moment lebendig gefühlt.
Aber gleichzeitig war ich innerlich vollkommen leer.


Das Innenleben einer Kaufsucht

Kontrollverlust sichtbar: Zeitweise stapelten sich bis zu 20 Pakete vor Zişans Tür. In dieser Phase häufte sie rund 12.000 Euro Schulden an. (Foto: Zişan)

Healthy Lady:
Wie fühlt sich ein typischer „Kaufdrang“ an? Was passiert emotional und körperlich in dir?

Zişan:
Man kann sich das kaum vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Es beginnt wie ein Kitzeln im Kopf, ein Gedanke, der sich festsetzt. Dann wird es körperlich. Ich werde unruhig, mein Puls steigt, ich schwitze, ich habe das Gefühl, etwas extrem Wichtiges zu verpassen. Es ist fast wie ein Zwang: „Du musst jetzt etwas kaufen.“ Während der Challenge war es besonders schlimm. Morgens aufzuwachen und sofort dieses Gefühl zu haben, etwas kaufen zu müssen, aber nicht zu können. Das war Folter. Ohne Challenge würde ich aktuell jeden Tag eskalieren.


In diesem Moment wusste ich: Das ist nicht einfach „lustiges Shopping“. Das ist eine Krankheit.

Healthy Lady:
Welche Rolle spielen Stress, Einsamkeit, Belohnung oder Selbstwert in deiner Sucht?

Zişan:
Stress ist mein größter Trigger. Wenn ich überfordert bin oder sehr viel Druck spüre, suche ich eine schnelle Erleichterung. Und die kam jahrelang über Käufe. Einsamkeit ist bei mir nicht das Hauptthema – es sind meine unverarbeiteten Kindheitserlebnisse. Die Angst vor dem Tod. Die Angst vor dem Verlust. Die Angst, nicht genug Zeit zu haben. All das sitzt tief.


Healthy Lady:
Viele denken bei Kaufsucht an „Shopping aus Spaß“. Kannst du beschreiben, was in Wahrheit dahintersteckt?

Zişan:
Viele denken, es geht um Geld oder Luxus. Aber es geht um Schmerz. Kaufsucht kann ein Leben zerstören und sie wird kaum ernst genommen. Ich hatte als Jugendliche rund 12.000 Euro Schulden.
Heute bin ich schuldenfrei – dank harter Arbeit und stabiler Strukturen. Aber die Sucht ist geblieben. Sie ist nicht einfach weg. Man muss sie verstehen, bearbeiten und akzeptieren, dass sie ein Teil von einem ist.


Schulden, Scham und Unsichtbarkeit

Healthy Lady:
Welche Auswirkungen hatte die Sucht auf deine Finanzen?

Zişan:
Früher war es schlimm: Schulden, Stress, Angst. Heute verdiene ich genug, um meine Käufe „zu finanzieren“.
Aber genau das ist ein gefährlicher Punkt, denn deshalb blieb das Problem lange unsichtbar. Unsere Haushaltskosten laufen über das Ehekonto. Meine Käufe dagegen über mein eigenes Einkommen.
So hat es lange niemand gemerkt. Nicht einmal ich selbst richtig.


Healthy Lady:
Wie hat dein Umfeld reagiert?

Zişan:
Überraschend positiv. Viele sagten mir, dass ihnen mein Kaufverhalten schon aufgefallen sei – aber nicht das Ausmaß. Meine Familie und Freunde unterstützen mich. Aber es ist nicht leicht für sie. Es gab Momente, in denen ich weinend aus einem Laden rausgelaufen bin, weil ich etwas nicht kaufen durfte wegen der Challenge.
Das mit anzusehen, ist für meine Liebsten manchmal genauso schwer wie für mich.


Healthy Lady:
Hast du Beziehungen oder Freundschaften verloren?

Zişan:
Nein, verloren habe ich zum Glück niemanden. Aber mein Umfeld musste lernen, was Kaufsucht wirklich bedeutet und wie sie mir helfen können, ohne mich zu bevormunden.


Healthy Lady:
Was war der schlimmste Moment?

Zişan:
Ganz klar: die Entzugserscheinungen während der Challenge. Dieses Gefühl, nicht atmen zu können.
Dieses Zittern, Panik, Gefühle, die kaum noch Raum haben. Es war der Moment, in dem mir bewusst wurde:
„Zişan, du bist krank. Du brauchst Hilfe.“

Es beginnt wie ein Kitzeln im Kopf und endet in einem Zwang: Du musst jetzt etwas kaufen.


Leben mit der Sucht und der Weg in die Heilung

Healthy Lady:
Was ist bei deiner Challenge am schwierigsten?

Zişan:
Dass ich die Dinge, die ich liebe, nicht kaufen kann, selbst wenn sie günstig sind.
Dass ich ständig das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Dass mein Gehirn mir sagt: „Du brauchst das!“ Obwohl ich heute weiß, dass ich es nicht brauche. Aber mit der Challenge bin ich auch auf einer ganz anderen Ebene gewachsen.


Healthy Lady:
Wie gehst du mit Rückfällen um?

Zişan:
Rückfälle gehören dazu. Kaufsucht ist kein Schalter, den man einfach umlegen kann. Man braucht Struktur, Begleitung und vor allem Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.


Healthy Lady:
Hast du professionelle Hilfe in Anspruch genommen?

Zişan:
Ja. Ich mache Verhaltenstherapie. Es war schwer, mir einzugestehen, dass ich es allein nicht schaffe, aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Meine ersten Therapiestunden bestanden nur daraus, dazusitzen und zu weinen. Ich konnte meine Tränen nicht mehr halten.


Healthy Lady:
Welche Rolle spielt dein TikTok-Tagebuch für deine Heilung?

Zişan:
Eine riesengroße. Es ist mein Ventil, meine Motivation und mein Anker.
Jede Nachricht, jeder Kommentar von Menschen, die sagen, dass sie sich in mir wiedererkennen, gibt mir Kraft. Ich erzähle dort die Wahrheit, auch wenn sie weh tut. Ich motiviere so viele Menschen, und das macht mich unglaublich glücklich.


Warum wir über Kaufsucht sprechen müssen

Healthy Lady:
Warum wird Kaufsucht in unserer Gesellschaft so oft belächelt?

Zişan:
Weil viele denken, es sei ein „Luxusproblem“. Aber Jugendliche verschulden sich. Familien zerbrechen.
Menschen verzweifeln. Ich spreche darüber, um genau das sichtbar zu machen.

Mein Körper hat reagiert, als würde ich sterben – nur weil ich nichts kaufen durfte.


Healthy Lady:
Welche Vorurteile begegnen dir am häufigsten?

Zişan:
„Du hast zu viel Geld.“ „Ich hätte gern dein Leben.“ „Dann kauf halt weniger.“

Diese Sätze tun weh, weil sie meine Geschichte ignorieren.
Niemand sieht, was in mir passiert.


Ausblick & Botschaft

Healthy Lady:
Was sind deine langfristigen Ziele?

Zişan:
Ein gesundes Kaufverhalten. Nicht panisch werden. Nicht dieses Gefühl haben, dass ich ständig etwas Neues brauche. Ich möchte lernen, im Moment zu leben, ohne Käufe als Krücke. Und ich möchte zeigen: Man kann es schaffen.


Healthy Lady:
Was wünschst du dir von Angehörigen?

Zişan:
Zuhören. Ernst nehmen. Unterstützen, ohne zu verurteilen. Begleiten bei Challenges oder Therapie. Und vor allem: Nicht lachen. Nicht kleinreden.


Healthy Lady:
Welche Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die still kämpfen?

Zişan:
Ich möchte dir etwas sagen, das ich mir früher selbst so sehr gewünscht hätte:
Du musst dich nicht schämen. Du musst nichts verstecken. Und du bist nicht zu schwach, weil du kämpfst. Im Gegenteil. Dieser Kampf zeigt, wie stark du bist. Viele denken, Kaufsucht sei ein oberflächliches Problem. Doch in Wahrheit geht es um Schmerz, um alte Wunden und um Gefühle, die man oft lange mit sich herumträgt. Wenn du gerade kämpfst, dann sollst du wissen: Du bist nicht allein. Du hast das Recht auf Hilfe, auf Verständnis und darauf, dich selbst nicht aufzugeben.

Du musst dich nicht schämen. Du bist nicht allein.


Hilfe bei Kaufsucht – du bist nicht allein

Wenn du merkst, dass Kaufen dein Leben bestimmt, dich belastet oder dich finanziell und emotional unter Druck setzt, bist du damit nicht allein. Unterstützung und erste Hilfe findest du hier:

Erste Anlaufstelle: Hausarzt oder Hausärztin
Sie können einschätzen, wie stark die Belastung ist und an passende Fachstellen überweisen.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen
Übersicht über Beratungsstellen in ganz Deutschland:
 www.dhs.de

Telefonische Beratung bei psychischer Belastung
Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei:
Tel.: 0800 111 0 111
Tel.: 0800 111 0 222

Online-Hilfe speziell bei Kaufsucht Beratung und Selbsthilfeangebote: www.kaufsucht.de



Omas Geheimwaffe ist zurück: Warum Schröpfen heute sanfter und moderner ist als je zuvor

Erinnerst du dich noch an die Zeit, als Schröpfgläser mit brennender Watte und echtem Feuer „gesetzt“ wurden? Wenn der Husten hartnäckig festsaß oder der Rücken schmerzte, wusste die Großmutter oft sofort, was zu tun war. Auch wenn das Ganze im ersten Moment fast magisch und ein wenig unheimlich wirkte, blieb vor allem eines im Gedächtnis. Dieses Gefühl, dass sich jemand kümmert und versucht, den Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Lange Zeit schien diese traditionelle Methode aus dem Alltag verschwunden zu sein. Doch inzwischen erlebt das Schröpfen ein Comeback. Immer mehr Menschen interessieren sich wieder für natürliche und ganzheitliche Ansätze und entdecken alte Anwendungen neu. Was früher vor allem in der Hausmedizin genutzt wurde, findet heute auch in Naturheilpraxen, Wellnesszentren und sportmedizinischen Einrichtungen Anwendung.


Früher mit Feuer und Alkohol, heute mit moderner Saugtechnik – Schröpfen hat sich deutlich weiterentwickelt. (Foto: RDNE Stock project/Pexels)

Die zeitlose Faszination des Schröpfens

Schröpfen gehört zu den ältesten bekannten Behandlungsmethoden und wird seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Kulturen angewendet. Sowohl in der traditionellen chinesischen Medizin als auch in westlichen Heiltraditionen spielte diese Technik eine Rolle und wird heute in verschiedenen Bereichen wieder häufiger eingesetzt. Im Zentrum der Anwendung steht ein einfaches Prinzip. Durch ein Vakuum im Inneren der Schröpfgläser entsteht ein Unterdruck auf der Haut. Dadurch wird das Gewebe leicht angehoben und die lokale Durchblutung kann angeregt werden. Beim Trockenschröpfen geschieht dies ohne Verletzung der Haut, während beim sogenannten blutigen Schröpfen die Haut zuvor leicht angeritzt wird, sodass kleine Mengen Blut austreten können.


Das sagt die Wissenschaft

Auch wenn Schröpfen gerade ein echtes Comeback erlebt, ist die wissenschaftliche Studienlage noch nicht eindeutig. Einige Untersuchungen zeigen zwar, dass die Methode bei Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen unterstützend wirken kann, gleichzeitig weisen Fachleute darauf hin, dass viele Studien bisher nur eine begrenzte Aussagekraft haben. Deshalb gilt Schröpfen heute vor allem als ergänzende Anwendung und nicht als Ersatz für eine medizinische Behandlung. Wenn du es ausprobierst, solltest du es eher als Teil deiner persönlichen Wellness- oder Selfcare-Routine sehen und nicht als alleinige Lösung für gesundheitliche Probleme.

Schröpfen im unteren Rückenbereich wird häufig bei Verspannungen im Lendenbereich angewendet. (Foto: RDNE Stock project/Pexels)

Zwischen Tradition und moderner Anwendung

In der Naturheilkunde wird Schröpfen traditionell bei ganz unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Erkältungen, Muskelverspannungen oder Verdauungsprobleme. Auch wenn es um Stress oder innere Unruhe geht, greifen manche Menschen auf diese Methode zurück. Heute hat Schröpfen längst auch in der Beauty- und Wellnesswelt seinen Platz gefunden. Vielleicht hast du es schon mal im Zusammenhang mit Cellulite oder Hautpflege gesehen. Viele nutzen es hier einfach, um sich etwas Gutes zu tun und die Haut sanft zu stimulieren.


Wie lange dauert die Behandlung?

Die Schröpfgläser werden in der Regel für etwa fünf bis fünfzehn Minuten auf der Haut belassen, je nach Anwendung und Empfinden. Wenn das Schröpfen als Massage angewendet wird, kann die Behandlung auch etwas länger dauern, da die Gläser dabei langsam über die Haut bewegt werden. Insgesamt liegt die Dauer dann meist bei etwa zehn bis zwanzig Minuten. Wichtig ist dabei vor allem dein eigenes Gefühl. Die Anwendung sollte sich angenehm anfühlen und nicht zu stark oder schmerzhaft sein. Gerade am Anfang ist es sinnvoll, mit kürzeren Zeiten und weniger Druck zu starten.


Wo solltest du lieber nicht schröpfen?

Auch wenn Schröpfen einfach wirkt, gibt es einige Bereiche, die du besser aussparen solltest. Empfindliche Hautstellen, offene Wunden, entzündete Haut oder Ausschlag sind für die Anwendung nicht geeignet. Auch an Stellen mit Krampfadern oder sehr dünner Haut solltest du vorsichtig sein und lieber auf Schröpfen verzichten. Besonders sensibel sind außerdem Bereiche rund um die Wirbelsäule, Knochenvorsprünge oder Gelenke, hier sollte der Druck nicht direkt angesetzt werden.


Wie kannst du es anwenden?

Schröpfen wird heute in verschiedenen Bereichen angeboten, z.B. in naturheilkundlichen Praxen, bei Heilpraktikern oder auch bei speziell geschulten Therapeuten wie Physiotherapeuten oder Masseuren. (Foto: RDNE Stock project/Pexels)

Wie oft du schröpfen kannst, hängt ein bisschen davon ab, wie dein Körper darauf reagiert und welche Form du anwendest. Für viele reicht es völlig aus, die Anwendung ein- bis zweimal pro Woche durchzuführen. Wichtig ist, dass du deiner Haut genug Zeit gibst, sich zu erholen. Die typischen runden Abdrücke sollten in der Regel erst vollständig abgeklungen sein, bevor du die gleiche Stelle erneut behandelst. Wenn du Schröpfen regelmäßig in deine Routine einbauen möchtest, ist es sinnvoll, mit längeren Abständen zu starten und dann zu schauen, was sich für dich gut anfühlt. Bei Unsicherheiten oder wenn du Beschwerden hast, kann es hilfreich sein, dich vorher fachlich beraten zu lassen.


Das solltest du beachten

Auch wenn Schröpfen für viele entspannend ist, kann dein Körper darauf reagieren. Typisch sind die runden, oft dunklen Flecken auf der Haut. Die sehen vielleicht erstmal ungewohnt aus, sind aber in der Regel harmlos und verschwinden nach ein paar Tagen wieder. Wenn du empfindliche Haut hast oder den Sog zu stark einstellst, kann es auch zu leichten Schmerzen, Druckgefühl oder Hautreizungen kommen. Wichtig ist deshalb, dass du langsam anfängst und schaust, wie dein Körper reagiert.

Bei akuten Hautentzündungen, Verletzungen oder schweren chronischen Hautleiden sollte man auf die Anwendung verzichten. Ein ganz entscheidender Punkt ist die Sicherheit. Menschen mit Blutgerinnungsstörungen oder jene, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten auf das Schröpfen verzichten, da es zu Gewebeverletzungen kommen kann. Auch während der Schwangerschaft oder bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Vorsicht geboten.

Vom blutigen Schröpfen solltest du zu Hause lieber die Finger lassen, das gehört in professionelle Hände. Wenn du unsicher bist oder bestimmte Vorerkrankungen hast, sprich am besten vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. So kannst du sicherstellen, dass die Anwendung für dich geeignet ist.