Was jede Frau wissen sollte: Der Beckenboden und seine lebenswichtige Rolle
Viele Frauen hören das Wort „Beckenboden“ zum ersten Mal, wenn sie im Rückbildungskurs sitzen. Davor haben die meisten nie darüber nachgedacht, was sich dort unten im Körper eigentlich befindet, welche Aufgaben dieser Bereich übernimmt oder welche Folgen es haben kann, wenn er nicht richtig arbeitet.
Dabei ist der Beckenboden viel mehr als ein Thema für frischgebackene Mütter. Er begleitet uns durch jede Lebensphase, ganz unabhängig davon, ob wir ein Kind bekommen haben oder nicht. Und ja, auch Männer haben einen Beckenboden. Nur wissen selbst sie oft nicht, wie wichtig dieses Muskelnetz für ihre Haltung, ihre Kontinenz und ihre Sexualität ist.
„Der Beckenboden ist kein Frauenproblem. Er ist ein Körperthema.“
Was ist der Beckenboden überhaupt?
Der Beckenboden ist eine Gruppe kräftiger Muskeln und Bindegewebe, die wie ein flexibler Boden den unteren Teil des Beckens abschließt. Er hält Blase, Gebärmutter und Darm dort, wo sie hingehören, und ermöglicht, dass wir Kontrolle über Wasserlassen und Stuhlgang haben. Gleichzeitig stabilisiert er unseren ganzen Rumpf, wie eine Art inneres Fundament. Wenn der Beckenboden gut funktioniert, merkt man ihn kaum. Wenn er schwach wird, merkt man ihn umso deutlicher.
Warum der Beckenboden in der Schwangerschaft so belastet wird
Während der Schwangerschaft trägt der Beckenboden monatelang das gesamte Gewicht des Babys. Mit jedem Monat steigt der Druck, der auf dieser Muskelplatte lastet. Bei der Geburt wird der Beckenboden zusätzlich stark gedehnt – egal, ob es eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt ist. Nach der Geburt ist diese Muskulatur deshalb häufig überdehnt und geschwächt. Sie braucht Zeit, um sich zu erholen, und danach gezieltes Training.
„Nach der Geburt muss der Beckenboden heilen – genauso wie jeder andere Muskel, der Höchstleistung erbracht hat.“
Aber: Ein schwacher Beckenboden betrifft nicht nur Mütter
Viele Frauen glauben, dass nur Schwangerschaft und Geburt den Beckenboden schwächen. Aber das stimmt nicht. Ein instabiler Beckenboden kann in jedem Alter auftreten, auch bei Frauen ohne Kinder. Hormonveränderungen (z. B. in den Wechseljahren), Übergewicht, sehr viel Sitzen, falsches Krafttraining, genetisch schwaches Bindegewebe oder Operationen im Bauch-/Beckenbereich können ebenfalls dafür sorgen, dass diese Muskulatur an Kraft verliert. Männer haben ebenfalls einen Beckenboden. Bei ihnen spielt er u. a. bei Kontinenz, Erektionsfähigkeit und Rumpfstabilität eine Rolle. Frauen sind jedoch deutlich häufiger betroffen, weil ihre Anatomie und hormonellen Lebensphasen den Beckenboden stärker beanspruchen.
Was passiert, wenn der Beckenboden schwach wird?
Ein geschwächter Beckenboden macht sich bemerkbar, oft früher, als viele erwarten. Typische Anzeichen sind:
- Urinverlust beim Lachen, Springen, Husten oder Niesen
- ein Druck- oder Schweregefühl im Becken
- das Gefühl „da unten stimmt etwas nicht“
- Schmerzen beim Sex
- Rückenschmerzen, weil dem Körper die Stabilität fehlt
- Verdauungsbeschwerden
- Absenkung von Blase, Gebärmutter oder Darm
„Inkontinenz ist kein Tabuthema. Es ist ein Signal deines Körpers.“
Warum Beckenbodentraining so wichtig ist
Ein trainierter Beckenboden verbessert fast jede Alltagssituation: Haltung, Stabilität, Sexualität, Wohlbefinden. Er verhindert Senkungen, unterstützt die Organe und sorgt dafür, dass wir uns sicher fühlen – beim Sport, beim Lachen und im Alltag.
Ein starker Beckenboden kann sogar Rückenschmerzen reduzieren, weil er mit der Bauch- und Rückenmuskulatur zusammenarbeitet.
„Ein starker Beckenboden ist keine Nebensache – er ist die Basis für ein gutes Körpergefühl.“
Wie man den Beckenboden trainieren kann
Beckenbodentraining ist nicht kompliziert, aber man muss wissen, wie es geht. Viele Frauen spannen im Alltag die falschen Muskeln an, zum Beispiel den Po oder die Bauchmuskeln. Ein guter Start ist eine einfache Grundübung:
Beim Einatmen entspannen.
Beim Ausatmen den Beckenboden sanft nach innen/oben ziehen.
Kurz halten, wieder lösen.
Das kann man im Sitzen, Liegen oder Stehen machen. Zusätzlich helfen:
- Rückbildungskurse
- Beckenboden-Workshops
- Physiotherapie
- Mama-/Postnatal-Workouts
- gezielte Fitnesskurse
Es gibt auch einen sogenannten Beckenbodenstuhl – ein spezieller Hocker, der die richtige Haltung fördert, sodass Frauen die Muskulatur besser spüren und gezielt ansteuern können.
„Viele Frauen spüren ihren Beckenboden erst, wenn sie lernen, ihn richtig anzusteuern.“
Drei einfache Übungsillustrationen
Übung 1: Die Grundspannung („sanfter Lift“)
- Setz dich aufrecht hin oder leg dich entspannt auf den Rücken.
- Atme ein – der Beckenboden bleibt locker.
- Atme aus – stell dir vor, du ziehst den Beckenboden sanft nach innen/oben.
- Halte 3–5 Sekunden, dann lösen.
So fühlt es sich an: Wie ein kleiner „Lift“ im Inneren, ohne Bauch oder Po anzuspannen.
Übung 2: Der Stuhl-Test
- Setz dich auf einen harten Stuhl, sodass du die Sitzbeinhöcker spürst.
- Stell dir vor, du möchtest diese beiden Knochen sanft zueinander ziehen.
- Halten – atmen – lösen.
So wirkt die Übung: Du lernst, den Beckenboden gezielt anzusteuern, ohne andere Muskeln zu benutzen.
Übung 3: Die Alltagseinheit („Zähneputz-Training“)
- Beim Zähneputzen aufrecht stehen.
- Alle 10 Sekunden sanft anspannen – loslassen – anspannen – loslassen.
Warum diese Übung gut ist: Sie baut Training in deinen Alltag ein, ohne zusätzliche Zeit einzuplanen.
„Der Beckenboden trägt dich durchs Leben – gib ihm die Aufmerksamkeit, die er verdient.“
Ein starkes Fundament – ein besseres Leben
„Ein funktionierender Beckenboden ist der stille Unterstützer des Körpers. Viele Frauen merken erst, wie wichtig er ist, wenn er schwach wird. Dabei kann man ihn in jedem Alter stärken. Er stabilisiert nicht nur die Körpermitte, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Blase und Darm. Je früher man ihn versteht, desto besser kann man Beschwerden vorbeugen. Schon kleine, regelmäßige Übungen im Alltag können helfen, ihn langfristig zu kräftigen und Beschwerden wie Inkontinenz oder Rückenschmerzen vorzubeugen.“

























