Liwia Tokoda

Leidenschaftliche Journalistin ✨ Chefredakteurin eines Frauenmagazins 📝 TV-Redakteurin bei Deutschlands Top-Sendern 📺 Überglückliche Mama ❤️

Blähbauch, Völlegefühl, träger Stoffwechsel? Warum die Artischocke mehr kann als viele denken

Ein schweres Gefühl nach dem Essen, ein aufgeblähter Bauch, Druck im Oberbauch oder das Gefühl, dass die Verdauung einfach nicht richtig in Gang kommt. Viele Menschen kennen solche Beschwerden. Oft wird dann zu Verdauungstees, Hausmitteln oder Medikamenten gegriffen. Dabei wächst eine der spannendsten Heilpflanzen für Darmfunktion und Stoffwechsel oft völlig unterschätzt im Gemüsefach, die Artischocke.

Was auf den ersten Blick wie ein mediterranes Feinschmecker-Gemüse wirkt, steckt voller Bitterstoffe, Ballaststoffe und antioxidativer Pflanzenstoffe. Genau diese Inhaltsstoffe werden seit Jahrhunderten mit einer gesunden Verdauung, der Unterstützung von Galle und Leber sowie einem ausgeglichenen Fettstoffwechsel in Verbindung gebracht. Doch was davon ist tatsächlich medizinisch belegt und was gehört eher ins Reich der Ernährungsmythen? Genau das schauen wir uns in diesem Artikel an.


Verdauung, Leber, Cholesterin – was ist medizinisch belegt?

Die Artischocke wird nicht nur in der mediterranen Küche geschätzt, sondern seit Jahren auch wissenschaftlich untersucht. Besonders im Fokus stehen dabei ihre Bitterstoffe, antioxidativen Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Artischockenextrakte die Verdauung unterstützen und die Produktion von Gallenflüssigkeit anregen können. Das kann vor allem Menschen helfen, die nach dem Essen häufig unter Völlegefühl, Blähungen oder einem Druckgefühl im Oberbauch leiden.

Auch im Bereich Lebergesundheit gibt es erste interessante Daten. Klinische Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Artischockenextrakte Leberwerte wie ALT oder AST positiv beeinflussen könnten. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe der Artischocke den Cholesterinstoffwechsel unterstützen und erhöhte LDL-Werte leicht beeinflussen können.

Die meisten dieser Daten beziehen sich auf standardisierte Extrakte und nicht automatisch auf eine einzelne Portion Gemüse. Die Artischocke ist kein Heilmittel, kann aber als Teil einer ausgewogenen Ernährung den Körper in mehreren Bereichen unterstützend begleiten.


Frisch, als Tee oder Kapsel – wie nutzt man Artischocken richtig?

Die Artischocke (Artichoke) kann auf unterschiedliche Weise in den Alltag integriert werden. Als frisches Gemüse liefert sie Ballaststoffe, Bitterstoffe und wichtige Pflanzenstoffe und passt zum Beispiel in Salate, Ofengerichte oder mediterrane Bowls. In Form von Tee oder Bitterextrakten wird sie traditionell vor allem bei Völlegefühl oder träger Verdauung eingesetzt. Nahrungsergänzungsmittel mit Artischockenextrakt sind meist höher konzentriert, sollten aber nicht wahllos eingenommen werden. Besonders Menschen mit Gallensteinen oder bestehenden Erkrankungen sollten die Einnahme vorher medizinisch abklären.



Der Biochemische Trick: Warum die Fettverdauung beschleunigt wird

Dass die Artischocke bei Völlegefühl hilft, liegt an einem spezifischen Mechanismus. Der Bitterstoff Cynarin. Er sorgt dafür, dass die Gallenblase sich zusammenzieht und konzentrierte Gallenflüssigkeit in den Dünndarm abgibt. Dies ist der entscheidende Flaschenhals der Verdauung. Fließt die Galle ungehindert, werden Fette sofort emulgiert und können vom Körper verarbeitet werden, anstatt schwer im Magen zu liegen oder im Dickdarm Gärungsprozesse (und damit Blähungen) auszulösen.

Inulin: Das Superfood für die Darmflora

Neben den Bitterstoffen enthält die Artischocke den Ballaststoff Inulin. Im Gegensatz zu anderen Kohlenhydraten wird Inulin nicht im Dünndarm resorbiert, sondern gelangt direkt in den Dickdarm. Dort dient es als "Präbiotikum", also als Nahrung für nützliche Darmbakterien wie Bifidobakterien. Ein gut genährter Darm ist widerstandsfähiger gegen Fehlbesiedlungen, was langfristig hilft, die Entstehung eines chronischen Blähbauchs zu reduzieren und den Stoffwechsel grundlegend zu vitalisieren.


Praxis-Tipps für den Alltag

Die Artischocke enthält Ballaststoffe, Vitamine wie C und B-Vitamine sowie Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium. Besonders interessant sind ihre Bitterstoffe wie Cynarin und antioxidative Pflanzenstoffe, die die Verdauung und den Stoffwechsel unterstützen können.(Foto: Nati/Pexels)

Wer die positiven Eigenschaften der Artischocke optimal nutzen möchte, sollte auch auf den richtigen Zeitpunkt und die passende Anwendung achten.

Der 20-Minuten-Vorlauf: Bitterstoffe (ob als Tee oder Tropfen) wirken am besten, wenn sie etwa 20 Minuten vor der Mahlzeit eingenommen werden. Das signalisiert dem System: „Bereite dich vor, es kommt Arbeit.“

Das vergessene Heilmittel: Beim Kochen frischer Artischocken gehen viele Wirkstoffe ins Wasser über. Anstatt es wegzuschütten, kann das abgekühlte Kochwasser mit etwas Zitrone als Stoffwechsel-Drink über den Tag verteilt getrunken werden.

Die Blatt-Regel: Die höchste Konzentration der heilenden Stoffe sitzt nicht im weichen Herz, sondern in den fleischigen Ansätzen der äußeren Blätter. Diese sollten beim Verzehr gründlich mit den Zähnen abgeschabt werden.


Wann ist Vorsicht geboten?

Trotz der positiven Effekte gibt es klare Grenzen. Menschen mit Gallensteine sollten auf hochkonzentrierte Artischocken-Produkte verzichten. Da die Artischocke die Gallenwege anregen kann, besteht im ungünstigsten Fall das Risiko einer Gallenkolik. Auch bei einer bekannten Allergie gegen Korbblütler, z.B. Arnika oder Kamille ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen ist es sinnvoll, vor der Einnahme ärztlichen Rat einzuholen.

Wenn du die Artischocke regelmäßig in deinen Ernährungsplan integrieren möchtest und dabei besonders auf Nahrungsergänzungsmittel oder hochdosierte Extrakte setzt, solltest du das am besten vorher mit deinem Arzt absprechen.


„Volle Schränke, leeres Konto: Wenn Shopping zur Sucht wird“

Das Paket lag vor ihrer Tür und Annika wusste eigentlich schon in dem Moment, dass sie den Inhalt nicht brauchte. Nicht das dritte Paar Schuhe. Nicht das Make-up, das sie wahrscheinlich nie benutzen würde. Und trotzdem raste ihr Herz. „Sobald ich die Versandbestätigung bekommen habe, war da dieses Gefühl von Erleichterung“, erinnert sie sich. „Fast wie Glück.“ Doch das Gefühl hielt nie lange.

Wenige Stunden später kamen die Schuldgefühle. Der Blick aufs Konto voller Angst vor offenen Rechnungen, versetzte sie in Panik. Trotzdem griff Annika Tage später wieder zum Handy. Wieder ein Kauf und wieder dieser kurze Moment, in dem alles leichter schien. „Irgendwann habe ich gemerkt, ich kaufe nicht, weil ich etwas brauche. Ich kaufe, weil ich etwas nicht fühlen will.“ Was für Außenstehende wie ein harmloser Shopping-Faible aussah, war in Wahrheit der Beginn einer Sucht.

Laut den deutschen Konsumforscher:innen Prof. Dr. Lucia A. Reisch und Prof. Dr. Gerhard Raab gelten zwischen 5 und 7 Prozent der Erwachsenen in Deutschland als stark kaufsuchtgefährdet. Das betrifft potenziell mehrere Millionen Menschen.

Kaufsucht wird oft belächelt, weil sie gesellschaftlich harmlos wirkt. Doch hinter vollen Einkaufstaschen können dieselben Mechanismen stecken wie bei Alkohol-, Glücksspiel- oder anderen Verhaltenssüchten.


Der kurze Kick, die lange Leere

Kaufsucht (oder fachsprachlich Pathologisches Kaufen) ist ein wiederkehrendes, schwer kontrollierbares Kaufverhalten. Betroffene kaufen Dinge, die sie oft weder brauchen noch finanziell tragen können und erleben trotzdem einen starken inneren Drang weiterzumachen. Es geht dabei fast nie um das Produkt selbst, sondern um den Moment, in dem man auf „Bestellen“ klickt. In diesem kurzen Augenblick verschwinden Stress, Einsamkeit oder Selbstzweifel wie auf Knopfdruck und machen Platz für ein extremes Hochgefühl.

Doch dieses Glück ist eine Illusion und verfliegt sofort, sobald das Paket da ist. Was bleibt, ist eine noch größere Leere, Scham und oft ein Berg voller Schulden. Es ist ein Teufelskreis, bei dem das Shoppen zur Sucht wird. Häufige Auslöser sind emotionaler Stress, Einsamkeit, geringes Selbstwertgefühl, ungelöste Konflikte, depressive Phasen, Angst oder innere Leere.

Online-Shopping macht impulsives Kaufen leichter als je zuvor. Ein Klick genügt und der kurzfristige Glücksmoment ist da. Ohne Wartezeit, ohne sichtbare Konsequenzen und oft ohne sich mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, die den Kauf überhaupt ausgelöst haben. Zusätzliche Bezahldienste wie PayPalKlarna und ähnliche Anbieter senken diese Hemmschwelle weiter. Wer nicht sofort spürt, dass Geld das Konto verlässt, verliert schneller den Bezug zu den tatsächlichen Ausgaben. Es ist ein Mechanismus, der problematisches Kaufverhalten zusätzlich verstärken kann.


Wer besonders schnell in die Spirale gerät

Besonders gefährdet sind diejenigen, die sehr sensibel auf Stress reagieren oder dazu neigen, ihre Gefühle über äußere Reize zu regulieren, statt sich direkt mit ihnen auseinanderzusetzen. Wer oft Bestätigung im Außen sucht oder sich ständig mit dem vermeintlich perfekten Leben anderer vergleicht, rutscht schneller in das Gefühl, „noch etwas zu brauchen“, um dazuzugehören oder sich wertvoll zu fühlen.

Auch eine gewisse Impulsivität spielt oft eine Rolle, also der Drang, einem Bedürfnis sofort nachgeben zu müssen, ohne kurz innezuhalten. Social Media wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger. Der ständige Druck durch Influencer-Lifestyles und perfekt platzierte Werbung triggert unbewusst unsere tiefsten Unsicherheiten. Man kauft dann nicht nur ein Produkt, sondern das Versprechen auf ein besseres Ich, nur um kurz darauf festzustellen, dass die innere Leere durch keine Bestellung der Welt gefüllt werden kann.

Lange Zeit dachte man, Kaufsucht sei ein weibliches Problem. Studien zeigen aber, dass Männer fast genauso häufig betroffen sind. Der Unterschied liegt meist nur im Was: Frauen kaufen öfter Kleidung und Kosmetik, Männer eher Technik, Autozubehör oder Sammlerstücke.

Besonders Menschen zwischen 18 und 30 Jahren zeigen ein höheres Risiko. Das liegt vor allem an der ständigen Verfügbarkeit durch Online-Shopping und der starken Präsenz von Konsumvorbildern in den sozialen Medien.


Kaufst du das Produkt oder das Gefühl dahinter?

Emotionales Kaufen beginnt oft mit einer einfachen, aber ehrlichen Frage: Brauche ich dieses Produkt wirklich oder versuche ich gerade nur, ein unangenehmes Gefühl zu betäuben? Häufig entstehen solche Käufe nicht aus echtem Bedarf, sondern in emotionalen Momenten nach einem schlechten Tag, nach Streit, in Phasen von Einsamkeit oder Überforderung oder auch als vermeintliche Belohnung. Das Problem dabei ist, dass das gute Gefühl meist nur für kurze Zeit anhält.

Symbolbild: Healthy Lady

Wie du die Kontrolle zurückgewinnst

Bezahldienste und Shopping-Apps löschen
Dienste wie PayPal oder Klarna machen Kaufen extrem einfach. Je weniger Klicks zwischen Impuls und Kauf liegen, desto eher handeln wir emotional statt bewusst. Wenn gespeicherte Zahlungsdaten oder Shopping-Apps verschwinden, entsteht wieder eine kleine Hürde – und genau diese Sekunden können helfen, eine impulsive Entscheidung zu stoppen.

Nicht sofort kaufen – 24-Stunden-Regel
Wenn du etwas unbedingt haben willst, warte bewusst 24 Stunden. Viele Impulskäufe verlieren nach kurzer Zeit ihren Reiz. Was morgen immer noch wichtig wirkt, ist oft eher ein echter Bedarf als ein emotionaler Reflex.

Nur mit Liste einkaufen
Ob online oder im Laden: Wer ohne Plan einkauft, kauft häufiger aus Stimmung heraus. Eine feste Einkaufsliste hilft, den Fokus auf das zu legen, was wirklich gebraucht wird.

Newsletter, Rabattcodes und Shopping-Benachrichtigungen ausschalten
Ständige Rabatte, „Nur heute“-Aktionen oder Push-Nachrichten erzeugen künstlichen Druck. Weniger Reize bedeuten oft weniger Kaufimpulse.

Auslöser erkennen
Viele kaufen nicht wegen des Produkts, sondern wegen eines Gefühls – Stress, Einsamkeit, Frust oder Langeweile. Wer seine Trigger kennt, kann früher gegensteuern.

Alternative Belohnungen finden
Das Gehirn sucht nach schnellen Glücksgefühlen. Ein Spaziergang, Sport, Musik, Schreiben oder ein Gespräch mit vertrauten Menschen können helfen, ohne danach Schuldgefühle oder finanzielle Sorgen auszulösen.

Konto und Ausgaben sichtbar machen
Viele verdrängen ihre Käufe. Ein ehrlicher Blick auf Kontostand, offene Rechnungen und Ausgaben kann schmerzhaft sein – aber genau dort beginnt oft echte Veränderung.


Wo Betroffene echte Hilfe finden

Wenn der Kontrollverlust schon da ist, kann professionelle Hilfe der schnellere Weg sein als noch mehr Selbstdisziplin. Das ist keine Frage von Willenskraft allein. Eine erste Orientierung kann das Gespräch in der Hausarztpraxis oder bei einer psychologischen Beratungsstelle bieten, während eine Psychotherapie dabei hilft, die eigentlichen Ursachen hinter dem Kaufzwang aufzuarbeiten. Wenn der Druck durch offene Rechnungen bereits über den Kopf wächst, ist eine Schuldnerberatung der richtige Ort, um wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Oft hilft es auch schon enorm, sich einer vertrauten Person im persönlichen Umfeld zu öffnen, um die lähmende Scham zu durchbrechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Wenn du merkst, dass dir dein Kaufverhalten entgleitet, gibt es diskrete Anlaufstellen, bei denen du Hilfe finden kannst und das sogar anonym. Die Online-Schuldnerberatung der Caritas unterstützt Menschen, die durch Schulden den Überblick verloren haben und einen Weg zurück in finanzielle Stabilität suchen. Auch TelefonSeelsorge bietet per Telefon, Chat oder Mail einen geschützten Raum, wenn der Druck akut wird und du mit jemandem sprechen möchtest. Der wichtigste Klick ist nicht der im Warenkorb, sondern der hin zu echter Hilfe.


Beauty am Strand – das empfiehlt ein Dermatologe

Das Rauschen der Wellen im Ohr, der Duft von Sonnencreme in der Luft und das befreiende Gefühl, das azurblaue Meer endlich nicht nur auf Postkarten zu sehen. Für einen Moment scheint die Welt stillzustehen, während wir uns voll und ganz dem langersehnten Urlaub hingeben. Doch während unser Geist im „Out of Office“-Modus schwelgt, arbeitet unser Körper im Hintergrund auf Hochtouren.

Es ist eine Herausforderung für unsere äußere Schutzhülle, die im Urlaub mit extremen Einflüssen zurechtkommen muss. Damit die Urlaubserinnerung nicht in Form von trockenen Stellen oder Spliss bestehen bleibt, braucht es eine kluge Strategie für die Zeit am Strand. Hamburger Dermatologe Dr. Welf Prager kennt die unsichtbaren Gefahren für Haut und Haare sehr genau. Er erklärt in diesem Artikel, wie die Balance zwischen maximalem Sonnengenuss und nachhaltiger Pflege gelingt, damit das gesunde Strahlen auch nach dem Kofferpacken erhalten bleibt.


Goldener Glow statt Sonnenbrand: Wie dein Schutz die Bräune sogar schöner macht

Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor schützt die Haut vor schädlicher UV-Strahlung und hilft, Sonnenbrand zu vermeiden. (Foto: Mikhail Nilov/Pexels)

Die Sehnsucht nach einer perfekten, goldenen Bräune ist groß. Doch genau hier lauert die Falle, denn die Haut vergisst nichts. Wer den Sommer unbeschwert genießen will, kommt an Sonnencreme nicht vorbei, die im Reisegepäck eigentlich den Platz als wichtigster Begleiter verdient hat.

Dermatologe Dr. Welf Prager beobachtet oft, dass die Kraft der Sonne im Urlaub massiv unterschätzt wird. Gerade an den Partien, die wir der Welt am liebsten präsentieren, also im Gesicht, auf dem Dekolleté und den Schultern, ist die Haut besonders dünn und verletzlich. Er rät daher dringend zu einem Lichtschutzfaktor von mindestens 50. Es geht dabei um weit mehr, als nur einen Sonnenbrand zu verhindern. Ein hoher Schutz ist die beste Versicherung gegen vorzeitige Falten und bleibende Hautschäden, damit das Gesicht auch Jahre später noch von Erholung erzählt und nicht von Lichtschäden.

Einmal eincremen am Morgen reicht allerdings nicht aus, um den ganzen Tag sicher zu sein. Wasser, Sand und sogar das Handtuch tragen den Schutzfilm nach und nach ab. Wer aus den Wellen steigt und sich trocken rubbelt, hat meist schon einen Großteil der Barriere verloren. Es ist deshalb empfehlenswert das Eincremen als festes Ritual alle zwei Stunden einzuplanen. So bleibt die Haut geschützt und widerstandsfähig, damit du die schönste Zeit des Jahres unbeschwert genießen kannst.

Sonnenschutz verhindert keine Bräune sondern schützt dein Strahlen

Es ist übrigens ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine hohe Schutzschicht die ersehnte Bräune verhindert. Das Gegenteil ist der Fall, denn selbst ein hoher Lichtschutzfaktor lässt noch genügend Strahlen durch, um die Melaninproduktion sanft anzuregen. Während ein Sonnenbrand die Haut schädigt und sich die Farbe durch das anschließende Schälen schnell wieder verabschiedet, sorgt der Schutz für ein gesundes und deutlich länger anhaltendes Ergebnis. Die Haut bekommt durch die Creme die nötige Zeit, um eine gleichmäßige Goldfärbung zu entwickeln, die nicht nur schöner aussieht, sondern auch die Spannkraft des Gewebes bewahrt.


Die unterschätzte Belastung für Haut, Haare und Nägel

Was Sonne, Salz und Hitze wirklich mit Haut, Haaren und Nägeln machen und worauf du im Urlaub achten solltest, erklärt Dermatologe Dr. Welf Prager in unserem Video:


Das sanfte Erwachen nach dem Sonnenbad

Wenn der Tag am Meer zu Ende geht und die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, bleibt oft ein ganz besonderes Gefühl auf der Haut zurück. Es ist dieses wohlige aber auch fordernde Nachglühen der Sommerhitze. In diesen Momenten sehnt sich der Körper nach einer tiefen Abkühlung, die weit über das Duschen hinausgeht. Die Haut hat über Stunden Feuchtigkeit verloren und braucht nun eine intensive Zuwendung, um sich von der Anstrengung der UV-Strahlen zu regenerieren.

Ein kühlendes After Sun Produkt oder eine leichte Lotion mit Aloe Vera wirken jetzt wie ein erlösendes Glas Wasser für die Zellen. Wirkstoffe wie Panthenol helfen dabei, erste Rötungen sanft zu lindern und das Spannungsgefühl sofort zu nehmen. Es ist der Moment, in dem die Haut spürbar aufatmet und ihre Elastizität zurückgewinnt. Diese Pflege ist das entscheidende Puzzleteil, damit die Urlaubsbräune nicht schuppig wird, sondern ihren gesunden Glanz behält.

Wer seiner Haut eine besonders intensive Erholung gönnen möchte, greift am Abend zusätzlich zu reichhaltigen Cremes oder pflegenden Ölen. Diese bilden einen schützenden Film und stärken die natürliche Barriere, die durch Salz und Wind strapaziert wurde. So wird verhindert, dass die wertvolle Feuchtigkeit über Nacht einfach verdunstet. Es ist ein kleines Abendritual mit großer Wirkung, das dafür sorgt, dass man am nächsten Morgen wieder mit einem entspannten und frischen Gefühl in die Sonne blinzeln kann.

Nach dem Sonnenbad helfen feuchtigkeitsspendende Gesichtsmasken, die Haut zu beruhigen und zu regenerieren. (Foto: Ann Tarasevich/Pexels)

Wenn die Brise das Haar zum Strahlen bringt

Ein Tag am Meer hinterlässt nicht nur Spuren im Sand, sondern oft auch in unseren Haaren. Während wir den Wind und das Salz auf der Haut genießen, entzieht die Kombination aus intensiver UV-Strahlung und Meerwasser dem Haar wertvolle Feuchtigkeit. Die Folge ist oft ein strohiges Gefühl und eine spröde Struktur, die den sommerlichen Glanz schnell verblassen lässt. Wer sein Haar liebt, bereitet es deshalb schon vor dem ersten Sprung in die Wellen auf diese Belastung vor.

Dr. Welf Prager sieht in der täglichen Routine am Strand den Schlüssel für gesundes Haar. Ein leichter Leave-in-Conditioner oder ein spezielles UV-Schutz-Spray wirken wie ein unsichtbarer Schutzschild, der die Haarstruktur ummantelt und das Austrocknen verhindert. Es ist eine kleine Geste mit großer Wirkung, die das Kämmen nach dem Strandbad deutlich erleichtert und Haarbruch vorbeugt. Das Haar bleibt dadurch geschmeidig und behält seine natürliche Sprungkraft, selbst wenn die Sonne den ganzen Tag lacht.

Um den Feuchtigkeitsspeicher nach einem langen Urlaubstag wieder komplett aufzufüllen, ist eine reichhaltige Haarkur am Abend der perfekte Abschluss. Sie gibt dem Haar genau die Nährstoffe zurück, die es durch Salz und Hitze verloren hat. So wird die Regeneration tief im Inneren unterstützt und das Haar kann sich über Nacht erholen. Mit dieser gezielten Pflege bleibt die Mähne auch im tiefsten Sommer ein glänzender Blickfang und erzählt von unbeschwerten Stunden am azurblauen Meer.


Starke Nägel und gesunder Schutz am Strand

Nicht nur Haut und Haare, auch unsere Nägel reagieren empfindlich auf den Mix aus Sonne, Salz und Chlorwasser. Die Kombination entzieht dem Keratin Feuchtigkeit, lässt die Nägel spröde werden und die Nagelhaut schneller einreißen. Schon kleine Pflegeroutinen können hier viel bewirken. Ein nährendes Nagelöl und eine schützende Schicht Klarlack helfen, die Struktur zu bewahren und Feuchtigkeitsverlust vorzubeugen.

Besonders im Sommer haben Pilzinfektionen in der feuchtwarmen Umgebung von Pools und Gemeinschaftsduschen leichtes Spiel. Um das Risiko für Nagel und Fußpilz zu minimieren, rät der Experte konsequent zum Tragen von Badeschlappen auf allen öffentlichen Flächen. Wer seine Füße nach dem Schwimmen gründlich mit Süßwasser abspült und anschließend ein spezielles pilzvorbeugendes Spray verwendet, schafft eine zusätzliche Sicherheitsebene. Besonders wichtig bleibt dabei das sorgfältige Abtrocknen der Zehenzwischenräume, damit Krankheitserreger gar nicht erst den idealen Nährboden finden. So bleiben die Füße den gesamten Urlaub über gesund und gepflegt.


Die Quelle der Schönheit von innen

Kokoswasser liefert natürliche Elektrolyte und hilft, den Körper an heißen Tagen mit Flüssigkeit und Mineralstoffen zu versorgen. (Foto: Mikhail Nilov/ Pexels)

Ein strahlendes Äußeres beginnt im Sommer tief unter der Hautoberfläche. Durch die Hitze verliert der Körper weit mehr als nur Wasser, denn mit der Feuchtigkeit schwinden wertvolle Mineralien wie Magnesium und Calcium. Wer sein Depot mit zwei bis drei Litern Flüssigkeit am Tag auffüllt, schenkt seinen Zellen ein echtes Regenerationstreatment. Eine ausreichende Hydrierung sorgt dafür, dass die Collagenfasern elastisch bleiben und das Gesicht wie natürlich aufgepolstert wirkt.

Dieses innere Fundament lässt sich durch äußere Pflege ideal ergänzen. Eine feuchtigkeitsspendende Maske für Gesicht oder Haare versiegelt den Effekt und gibt dem Körper nach einem intensiven Tag in der Sonne die nötige Kraft zurück. Das Zusammenspiel aus mineralstoffreicher Erfrischung und gezielter Wirkstoffpflege bewahrt die Spannkraft und lässt den sommerlichen Glow der Haut dauerhaft leuchten.


Schöne Haut und gesundes Haar auch nach dem Urlaub

Ein strahlendes Aussehen nach der Reise ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von cleverem Timing und der richtigen Temperatur. Ein Geheimtipp für die maximale Regeneration ist es, After-Sun-Lotionen und Gesichtsmasken im Kühlschrank aufzubewahren. Der thermische Reiz verengt die durch die Hitze geweiteten Gefäße sofort, lindert Schwellungen und schleust beruhigende Wirkstoffe wie Aloe Vera oder Panthenol deutlich effektiver in die tieferen Hautschichten ein. Dieses kühle Treatment direkt nach der Dusche nutzt das kurze Zeitfenster, in dem die Poren am aufnahmefähigsten sind.

Wenn du diesen äußeren Frischekick zusätzlich mit einer Ernährung reich an Vitamin C und Antioxidantien kombinierst, schützt du dein Kollagen-Gerüst direkt von der Basis aus. Es ist ein Zusammenspiel aus gezielter Abkühlung und innerer Nährstoffzufuhr, das den entscheidenden Unterschied zwischen gestresster und vitaler Haut macht. Mit diesem Wissen im Gepäck wird die Pflege zu einem echten High-End-Erlebnis, das dein gesundes Strahlen weit über die Urlaubszeit hinaus konserviert und dich jeden Tag im Spiegel an die schönste Zeit des Jahres erinnert.



Goodbye Hornhaut! Tipps, Tricks und Hausmittel, die wirklich helfen

Barfuß über warmen Sand laufen, die Füße ins kühle Wasser tauchen oder an einem sonnigen Tag in offenen Sandalen durch die Stadt gehen. Gerade im Sommer rücken unsere Füße plötzlich in den Mittelpunkt. Doch nicht immer fühlen wir uns dabei wohl. Raue, verhärtete Haut an den Fersen oder unter den Fußballen kann schnell unangenehm wirken und viele greifen dann zu dicken Cremeschichten oder teuren Spezialgeräten aus der Apotheke.

Dabei erfüllt Hornhaut eigentlich eine wichtige Aufgabe. Sie ist ein natürlicher Schutz der Haut und entsteht dort, wo Druck und Reibung besonders stark sind. Problematisch wird es erst, wenn sie zu dick wird oder sich an ungünstigen Stellen bildet.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass man Hornhaut nicht mit komplizierten Methoden bekämpfen muss. Oft reichen schon einfache, natürliche Pflegegewohnheiten aus, um die Haut wieder geschmeidig zu machen. Mit ein wenig Aufmerksamkeit fühlen sich die Füße bald wieder weich, gepflegt und angenehm glatt an. Wir zeigen dir, wie das funktioniert.


Ein echter Geheimtipp: Leinsamen-Fußbad:

Symbolbild (Foto:Taryn Elliott/Pexels)

Leinsamen sind reich an wertvollen Fettsäuren und Antioxidantien. Sie spenden der Haut Feuchtigkeit und helfen dabei, sie weich und geschmeidig zu halten. Gleichzeitig können sie dazu beitragen, verhärtete Hautstellen zu lockern und die Bildung übermäßiger Hornhaut zu reduzieren. Minze bringt eine angenehme Frische ins Fußbad. Sie wirkt belebend, hat antibakterielle Eigenschaften und kann helfen, unangenehmen Geruch zu mindern. Auch Bockshornklee wird seit langem in der Hautpflege geschätzt. Er unterstützt die Regeneration der Haut, beruhigt kleine Irritationen und sorgt dafür, dass sich die Füße nach der Anwendung spürbar gepflegt anfühlen. Gerade nach einem langen Tag kann ein solches Fußbad wahre Wunder wirken. Es entspannt müde Füße, pflegt die Haut und hilft gleichzeitig dabei, übermäßiges Schwitzen oder unangenehme Gerüche zu reduzieren.

Das Rezept: Für das Leinsamen-Fußbad benötigst du sechs Esslöffel Leinsamen, ein paar frische Minzblätter, etwas Bockshornklee aus der Apotheke oder dem Reformhaus und etwa einen Liter Wasser. Gib die Leinsamen zusammen mit der Minze und dem Bockshornklee in einen Topf und übergieße alles mit dem Wasser. Lass die Mischung einige Minuten leicht köcheln, damit sich die wohltuenden Inhaltsstoffe der Pflanzen lösen können.

Stelle den Topf anschließend zur Seite und lasse das Fußbad etwa 30 Minuten abkühlen, bis es angenehm warm ist. Danach tauchst du deine Füße in das Bad und lässt sie etwa 20 bis 30 Minuten darin entspannen, damit die pflegenden Wirkstoffe ihre Wirkung entfalten können.


Bimsstein: Die bewährte Methode für hartnäckige Stellen

Bimsstein. Poröses Vulkangestein aus erstarrter Lava, ideal zur sanften Hornhautentfernung. Seine raue, luftige Struktur entsteht durch eingeschlossene Gasblasen und macht ihn zu einem natürlichen Peeling für die Haut. (Foto: www.kaboompics.com/Pexels)

Der Bimsstein ist ein seit langem bewährtes Hilfsmittel im Kampf gegen Hornhaut. Nach einem Fußbad ist er ideal geeignet, um die erweichte Hornhaut behutsam abzutragen. Um die Haut nicht unnötig zu verletzen, sollte der Bimsstein nur vorsichtig angewendet werden. Durch leichtes Rubbeln werden die abgestorbenen Hautzellen entfernt und die Füße werden glatt.


Feuchtigkeitscremes und natürliche Öle

Auch Feuchtigkeitscremes oder natürliche Öle wie Olivenöl, Kokosöl oder Sheabutter eignen sich hervorragend, um die Haut intensiv zu pflegen und der Bildung von Hornhaut vorzubeugen. Diese natürlichen Pflegeprodukte versorgen die Haut mit wertvollen Fettsäuren und Feuchtigkeit, wodurch trockene und verhärtete Stellen wieder geschmeidiger werden können.

Massiere die Öle am besten nach einem warmen Fußbad sanft in die noch leicht feuchte Haut ein. Trockene Stellen wie Fersen oder Fußballen dürfen dabei ruhig etwas gründlicher einmassiert werden.

Ein kleiner Tipp für eine besonders intensive Pflege. Zieh nach dem Einmassieren der Öle ein Paar Baumwollsocken an und lass die Pflege über Nacht einwirken. Die Wärme der Socken unterstützt die Aufnahme der Wirkstoffe, während sich die Haut in Ruhe regenerieren kann. Am nächsten Morgen fühlen sich deine Füße meist deutlich weicher, glatter und gepflegter an.


Natron-Fußbad – Natürliche Hilfe gegen raue Haut

Ein Natronbad hilft, verhärtete Haut aufzuweichen und wirkt gleichzeitig geruchsneutralisierend. Gib ein bis zwei Esslöffel Natron in eine Schüssel mit warmem Wasser und bade die Füße etwa fünfzehn Minuten darin. Danach lässt sich die aufgeweichte Hornhaut besonders leicht mit einem Bimsstein oder einer Fußfeile entfernen.


Fruchtsäuren können helfen, verhärtete Haut zu lösen

Apfelessig enthält natürliche Fruchtsäuren, die abgestorbene Hautschüppchen sanft lösen können. Misch zwei bis drei Esslöffel Apfelessig in warmes Wasser und bade die Füße etwa zehn bis fünfzehn Minuten darin. Anschließend die Haut vorsichtig mit einer Feile glätten und gut eincremen.

Zusätzlich kann Apfelessig auch dabei helfen, das Wachstum von Bakterien und Pilzen zu hemmen. Durch seinen leicht sauren pH-Wert entsteht ein Hautmilieu, in dem sich Pilze schlechter vermehren können. Deshalb wird ein Apfelessig-Fußbad häufig auch als unterstützendes Hausmittel bei unangenehmem Fußgeruch oder leichten Pilzproblemen empfohlen.


Natürliche Feuchtigkeitspflege für strapazierte Haut

Honig wirkt antibakteriell und spendet intensive Feuchtigkeit. Trage eine dünne Schicht Honig auf die Fersen und trockenen Stellen auf, zieh Baumwollsocken darüber und lass die Maske etwa zwanzig Minuten einwirken. Danach mit warmem Wasser abspülen.


Bequeme Schuhe als Schutz

Auch die richtigen Schuhe spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Hornhaut. Zu enge oder harte Schuhe erzeugen Druckstellen, wodurch sich die Haut stärker verhärtet. Bequeme, gut sitzende Schuhe und atmungsaktive Materialien helfen, Reibung zu reduzieren und die Füße gesund zu halten.


Luxusbehandlung für weiche, gepflegte Füße

Ein Fußparaffinbad gilt als besonders wohltuende Pflegebehandlung für strapazierte Füße. Das warme Paraffinwachs umhüllt die Haut, speichert die Wärme und sorgt dafür, dass Feuchtigkeit tief in die Haut eindringen kann. Dadurch werden trockene Stellen intensiv gepflegt und die Haut fühlt sich anschließend spürbar weicher und glatter an.

Gleichzeitig wirkt die Wärme entspannend auf die Füße, kann Verspannungen lösen und die Durchblutung anregen. Gerade nach einem langen Tag empfinden viele Menschen ein Paraffinbad daher als angenehm beruhigend und regenerierend.


Wann hilft ein Besuch beim Podologen?

Ein Podologe ist ein medizinischer Fußspezialist. Podologie ist ein Gesundheitsberuf, der sich mit der medizinischen Behandlung und Pflege von Füßen beschäftigt. Besonders Menschen mit Fußproblemen oder Erkrankungen profitieren davon. (Foto: RDNE Stock project/Pexels)

In vielen Fällen lassen sich Hornhaut und trockene, rissige Füße mit den oben genannten Methoden gut selbst behandeln. Solltest du jedoch feststellen, dass die Hornhaut immer dicker wird, schmerzt oder sich Risse bilden, die nicht von selbst heilen, ist es ratsam, einen Podologen aufzusuchen. Der Fußspezialist kann die Hornhaut fachgerecht entfernen und dir hilfreiche Tipps zur Pflege deiner Füße geben.


Hornhaut – das muss nicht sein

Hornhaut ist eigentlich ein natürlicher Schutzmechanismus der Haut. Sie entsteht dort, wo unsere Füße besonders starkem Druck und Reibung ausgesetzt sind. Trotzdem möchte niemand verhärtete Hautstellen in unangenehmem Ausmaß an den Füßen haben.

Mit einfachen, natürlichen Hausmitteln wie einem Leinsamen-Fußbad, der sanften Anwendung eines Bimssteins und der richtigen Feuchtigkeitspflege lässt sich Hornhaut jedoch gut in den Griff bekommen. Oft sind dafür keine teuren Produkte notwendig. Schon ein paar gezielte Pflegerituale können helfen, die Haut wieder weich und geschmeidig zu machen.

Gönn deinen Füßen deshalb hin und wieder eine kleine Auszeit und achte auf regelmäßige Pflege. Deine Füße tragen dich schließlich jeden Tag durchs Leben und verdienen genauso viel Aufmerksamkeit wie der Rest deines Körpers.


„Zwischen Genie und Überforderung: Valerias Leben mit einem hochbegabten Kind“

Als gelernte Erzieherin mit 15 Jahren Berufserfahrung kennt Valeria (37) jedes Entwicklungsschema. Doch als ihr Sohn vor neun Jahren zur Welt kommt, stoßen klassische Ratgeber schnell an ihre Grenzen. Während andere Kinder im Sandkasten spielen, beobachtet ihr Zweijähriger die Welt mit einer Intensität, die auffällt. Er stellt Fragen über den Tod, das Universum und Gott, lange bevor er sicher Fahrrad fährt.

Was folgt, ist ein jahrelanger Weg voller Fragen, der die Familie von der Großstadt München zurück in die beschauliche Kleinstadt Bad Neustadt an der Saale führt. Eine Zeit, die geprägt ist von Zweifeln, ärztlichen Fehldiagnosen und der Isolation einer Mutter, die auf dem Spielplatz plötzlich nicht mehr dazugehört, weil ihr Kind „anders“ ist. Erst Jahre später bringt ein Test Gewissheit: Valerias Sohn gehört zu den wenigen Menschen mit einem IQ von über 130.

Hochbegabung ist keine Frage von Fleiß, sondern eine neurobiologische Besonderheit. Das Gehirn arbeitet anders. Es verarbeitet Informationen schneller, vernetzt sie dichter und denkt tiefer. Trotzdem halten sich Klischees hartnäckig. Viele denken bei Hochbegabung an kleine Genies mit Hornbrille und Geige, die Relativitätstheorien zerlegen. Während diese Wunderkinder tatsächlich existieren, bilden sie nur einen winzigen Bruchteil dessen ab, was Hochbegabung eigentlich bedeutet. In der Realität ist Hochbegabung oft unsichtbar, manchmal anstrengend und selten deckungsgleich mit perfekten Schulnoten.

Im Interview spricht Valeria offen über die Kehrseite der Medaille. Sie erklärt, warum hochbegabte Kinder oft wie kleine „Sheldon Coopers“ wirken, warum das Schulsystem bei ihnen an seine Grenzen stößt und wie sie heute andere Eltern begleitet und ihnen den Stupser gibt, den sie selbst so dringend gebraucht hat. Ein Gespräch über die Herausforderung, einen Platz in einer Welt zu finden, die für den Durchschnitt gemacht ist.


Die ersten Anzeichen: Wenn das Kind aus dem Raster fällt

Healthy Lady: Das Thema Hochbegabung wird oft missverstanden. Viele denken direkt an „kleine Einsteins“ oder „Wunderkinder“, aber für Eltern bedeutet es oft eine tägliche Herausforderung. Wann hast du zum ersten Mal gespürt, dass dein Sohn sich anders entwickelt als Gleichaltrige?

Valeria: Das erste Mal, dass ich auf den Gedanken „Hochbegabung“ gekommen bin, war zwischen seinem zweiten und dritten Lebensjahr. Es war wieder einmal ein Tag, an dem ich abends fix und fertig war und nicht wusste, was mit ihm los ist. Er hatte nie wirklich Freunde. Ich habe mich mit zwei Müttern verabredet, deren Kinder im gleichen Alter waren. Die Kinder spielten zusammen auf dem Spielplatz, während mein Sohn bei mir saß und Angst hatte, den Sand anzufassen. Er ist mit einer geschlossenen Faust geklettert, wollte barfuß nicht über die Wiese laufen oder im Pool plantschen. Er hat sich bei den Spieldates von sich aus isoliert. Er wirkte irgendwie anders, und so habe auch ich mich etwas distanziert. Das hat mich verletzt, weil ich irgendwann nicht mehr gefragt wurde.

Eines Abends habe ich gegoogelt und wollte wissen, was das Internet so ausspuckt. Über Umwege bin ich auf „Merkmale einer Hochbegabung“ gestoßen.

Mein Sohn hat mich mit zweieinhalb Jahren über den Tod ausgefragt.“


Healthy Lady: Woran hast du gemerkt, dass dein Sohn anders denkt, unabhängig von Schulnoten und Klischees?

Valeria: Wir standen im Stau in München nach der Krippe, und er fragte mich plötzlich: Was passiert, wenn wir sterben? Warum müssen wir sterben? Wie sieht Gott aus? Warum leben wir?

Er konnte grammatikalisch richtig sprechen und hatte einen großen Wortschatz. Er kannte alle Farben, auch Begriffe wie Türkis, Hell- und Dunkelblau. Schon mit zwei Jahren bekam er sein erstes Lego-Set und konnte es direkt zusammenbauen. Er war sehr neugierig. Nur das Schlafen war eine absolute Katastrophe, bis heute. Auch das Sozialverhalten war schwierig, besonders Freundschaften. Er war sehr ängstlich in neuen Situationen. Fahrradfahren zu lernen war sehr schwierig und hat lange gedauert. Er sagte immer: „Wenn ich hinfalle, tue ich mir weh“, obwohl er vorher nie Fahrrad gefahren ist.

Die Anzeichen sind im Alltag ständig präsent, in verschiedenen Situationen. Hochbegabte Kinder sind oft in der Grundschule gut, aber später können sie abrutschen, wenn sie nicht erkannt werden. Hochbegabung fällt also nicht unbedingt durch Schulnoten auf, sondern schon viel früher.

Oft werden Kinder erst erkannt, wenn sie in der Schule stören oder den Klassenclown spielen, dann wird schnell ADHS vermutet. Mein Sohn hat zum Beispiel schon in der Kinderkrippe an Sankt Martin das ABC-Lied gesungen. Wir wissen bis heute nicht, wie er sich das beigebracht hat.

Gemeinsame Zeit ist Valeria sehr wichtig – genauso wie die Privatsphäre ihres neunjährigen Sohnes, dessen Name im Interview nicht genannt wird. (Foto: Valeria)

Healthy Lady: Wie unterscheidet sich ein hochbegabtes Kind in deiner Wahrnehmung von einem Kind, das einfach nur „sehr gut“ gefördert oder besonders fleißig ist?

Valeria: Ein hochbegabtes Kind eignet sich Wissen selbstständig an, es ist ständig am Lernen. Als mein Sohn sprechen gelernt hat, hat er alles wiederholt, was wir gesagt haben, und es sich gemerkt. Er hat die Wörter dann selbstständig verwendet, um sie zu festigen. Der Spracherwerb ging extrem schnell.

Ich erinnere mich auch daran, wie er die Farben gelernt hat. Das hat etwa drei Tage gedauert. Er hatte ein Puzzle aus Schaumstoff mit verschiedenen Farben. Mehrmals am Tag fragte er: „Was ist das für eine Farbe?“ Besonders bei Türkis hat er immer wieder nachgefragt. Dann hatte er es verstanden und für sich abgeschlossen. Danach hat er uns die Farben selbstständig benannt, die er gesehen hat.

Das ist kein Fleiß. Er lernt nichts, was ihn nicht interessiert. Er wirkt eher faul. Hausaufgaben oder Lernen sind oft ein Kampf, weil er keine Lust hat. Er sagt immer, er kann es und oft stimmt das auch. Fleißige Kinder lernen gezielt und brauchen Wiederholungen. Hochbegabte Kinder lernen durch Verstehen. Sie erkennen Zusammenhänge und können das Wissen jederzeit wieder abrufen.


Healthy Lady: In welchem Alter habt ihr euch für eine offizielle Diagnostik entschieden? Wie muss man sich den Test vorstellen – eher spielerisch oder wie eine Prüfungssituation?

Valeria: Ich wollte ihn schon mit fünf Jahren testen lassen, aber mein Mann war damals noch nicht davon überzeugt. Ein hochbegabter sieht nicht zwingend wie ein Wunderkind aus. Er wirkt oft ganz normal, ist aber gleichzeitig sehr fordernd. Letztendlich haben wir unseren Sohn mit acht Jahren testen lassen. Der IQ-Test wurde von einer Psychologin durchgeführt, die selbst hochbegabt ist und sich mit dem Thema auskennt. Wir haben etwa 500 Euro bezahlt.

Der Test dauerte ungefähr eine Stunde. Er ist spielerisch aufgebaut und die Kinder empfinden ihn eher wie das Lösen von Rätseln. Die Aufgaben beginnen leicht und werden immer schwieriger. Am Ende wird geschaut, wie weit das Kind im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters gekommen ist. Getestet wurde mit dem WISC-V. Ab einem IQ von über 130 gilt man offiziell als hochbegabt.


Healthy Lady: Was hat sich durch die Diagnose konkret für euch verändert?

Valeria: Wir sind als Familie deutlich gelassener geworden. Viele Verhaltensweisen können wir jetzt besser einordnen. Zum Beispiel sein ständiges „gleich“. Mein Kind ist so vertieft in seinen Gedanken, dass er sich schwer von ihnen lösen kann.

Auch beim Schlafen hat sich unser Verständnis verändert. Egal wann wir ihn ins Bett bringen – vor 22 Uhr schläft er selten ein. Jetzt wissen wir, dass er schwer abschalten kann. Es gab auch körperliche Auffälligkeiten, wie Tics, besonders in Zeiten von Unterforderung. Einmal dachten wir sogar an Epilepsie und haben eine Untersuchung machen lassen. Ein Hobby zu finden ist ebenfalls schwierig. Klassische Vereinsangebote langweilen ihn oft. Beim Handball war er zwar dabei, aber ohne Freude.

Mit einem offiziellen Test hat man etwas „in der Hand“. Ich wollte die Gewissheit, dass ich mich nicht irre und dass meinem Sohn gezielt geholfen werden kann. Die Diagnose gab mir Sicherheit im Umgang mit ihm.

„Die Tage kamen mir oft endlos lang vor und ich hatte morgens schon Angst vor dem, was kommt. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm noch anbieten soll.“


Zu viele Reize, zu viele Gefühle

Healthy Lady: Hochbegabung geht oft Hand in Hand mit Hochsensibilität. Kämpft ihr im Alltag mit starken emotionalen Ausbrüchen oder schneller Reizüberflutung?

Valeria: Ja, sehr. Beim Essen ist er extrem wählerisch. Er isst nur das, was er kennt. Mittlerweile möchte er aus ethischen Gründen auch kein Fleisch mehr essen. Wurst und Käse hat er allerdings noch nie gegessen, das fand er schon als Kleinkind eklig.

Wenn es Streit mit Freunden gibt, trifft ihn das sehr. Er war mal mit einem Mädchen aus seiner Klasse eng befreundet, sie mochten sich wirklich sehr. Doch dann hat sie sich ihm gegenüber nicht mehr fair verhalten. Es war nichts Dramatisches, sie hat sich einfach einem anderen Kind mehr zugewandt. Dazu kamen ein paar Äußerungen, die ihn verletzt haben. Er hat mehrere Tage geweint und immer wieder gefragt: „Was mache ich denn immer falsch? Warum werde ich so blöd behandelt?“

Schon als Kleinkind war er sehr sensibel gegenüber Reizen. Als er noch ein Baby war, waren wir in Florida, und er hatte Angst vor dem Strand. Wir sind dann mit dem Buggy rückwärts Richtung Meer gefahren, damit er den Ozean nicht sieht. Wenn er auf dem Strandtuch saß, war es für ihn in Ordnung – wahrscheinlich, weil es dann nicht mehr so überwältigend wirkte.

Meine Tochter, bei der wir ebenfalls Hochbegabung vermuten, ist auch sehr sensibel, vor allem gegenüber Sinnesreizen. Sie reagiert stark auf Gerüche und ist empfindlich bei Kleidung – Socken, Strumpfhosen, Schuhe oder kratzige Stoffe sind für sie oft schwer auszuhalten.


Healthy Lady: Fühlst du dich als Mutter manchmal von der schieren Intensität und dem Wissensdurst deines Kindes überfordert?

Valeria: Ja, absolut. Ich konnte seinen Wissensdurst nie wirklich stillen. Die Tage kamen mir oft endlos lang vor und ich hatte morgens schon Angst vor dem, was kommt. Ich wusste einfach nicht, was ich ihm noch anbieten soll. Spielplätze waren für ihn nicht besonders spannend. Deshalb waren wir oft in Kirchen, in der Bücherei oder an der Isar. Wir haben gebastelt, geschrieben, gemalt und gebaut. Ich habe so viele Tonies zu Hause, aber die hat er alle durchgehört. Mit zweieinhalb Jahren hat er Bügelperlen für sich entdeckt, und damit hat er sich bis etwa fünf Jahre intensiv beschäftigt. Ein Hörspiel im Hintergrund und unzählige Bügelperlenbilder – das war lange seine Welt.

Heute ist es immer noch anstrengend, aber etwas einfacher, weil er sich viele Informationen selbst beschafft. Trotzdem springt er ständig von einer Idee zur nächsten und oft braucht er mich dann auch dafür. Wenn ich keine Zeit habe, kippt die Stimmung schnell.

Valeria mit ihrem Sohn während eines gemeinsamen Ausflugs. (Foto: Valeria)

Hochbegabt, unterfordert, allein: Ein Alltag abseits der Norm

Healthy Lady: Was sind deine größten Sorgen für die Zukunft deines Sohnes? Hast du Angst vor sozialer Ausgrenzung oder einer Unterforderung im System?

Valeria: Ich habe vor allem Angst, dass er seinen Platz nicht findet. Ich erkenne vieles von mir in ihm wieder und weiß, dass hochbegabte Menschen oft sehr sprunghaft sind, weil sie sich schnell langweilen. Im Arbeitsleben kann das schwierig werden, weil vieles nach einer gewissen Zeit eintönig wirkt.

Er sagt jetzt schon, dass er nicht weiß, was er später machen möchte. Mal will er Wissenschaftler, dann Architekt, Ingenieur, Astrologe, YouTuber oder Schauspieler werden. Aktuell beschäftigt mich eher die Sorge, dass ich ihn zu wenig fördere oder dass wir noch nicht herausgefunden haben, was ihm langfristig wirklich Spaß macht und wobei wir ihn gezielt unterstützen können.

Wir haben schon viele Vereine ausprobiert, aber er findet alles schnell langweilig. Er spielt Klavier, und ansonsten sind wir viel in Museen unterwegs oder machen Ausflüge in Städte. Er hat große Wünsche. Er möchte zum Beispiel nach Japan reisen oder einmal einen Airbus A380 fliegen. Seine Vorstellungen werden immer größer.

Er hat eine VR-Brille und einen 3D-Drucker. Mir ist bewusst, dass das ungewöhnlich ist, aber mit klassischen Spielsachen gibt er sich schon lange nicht mehr zufrieden. Weihnachten 2024 war besonders schwierig. Wir wussten nicht, was wir ihm schenken sollen. Am Ende haben wir ihm verschiedene Dinge unter dem Tannenbaum gelegt. Doch statt Freude flossen bitterliche Tränen, weil nichts dabei war, was er sich wirklich gewünscht hat, obwohl er selbst auch nicht sagen konnte, was er möchte.

Das macht den Alltag oft herausfordernd. Er wird älter, und wir sind immer noch auf der Suche nach dem, was ihn wirklich begeistert. Als Nächstes wollen wir mit ihm Go-Kart fahren ausprobieren. Vielleicht gefällt ihm das. Aber selbst beim Sport ist er zurückhaltend, weil er vieles als zu gefährlich empfindet.


Wie sich „Wunderkinder“ selbst wahrnehmen

Healthy Lady: Wie geht er selbst mit seinem Wissen um? Empfindet er seine schnellen Gedankengänge als ganz natürlich oder reflektiert er bereits, dass er anders denkt als seine Freunde?

Valeria: Er sagt selbst, dass seine Freunde ihn oft nicht verstehen. Wenn er sich für etwas interessiert, geht er sehr tief in das Thema hinein und erzählt dann auch ausführlich davon. Seine Freunde steigen dabei irgendwann aus, weil sie nicht mehr mitkommen. Er merkt das natürlich, entweder wird ihm nicht mehr richtig zugehört oder die anderen Kinder sagen ganz offen: „Ich verstehe das nicht.“ Das macht den Alltag für ihn schwierig, weil er niemanden hat, der seine Interessen wirklich teilt oder auf seinem Niveau mitgehen kann. Gleichgesinnte zu finden, ist nicht einfach. Ich hoffe, dass sich das mit dem Wechsel aufs Gymnasium verändert und er dort Kinder trifft, die ähnlich denken wie er.

Hochbegabte Kinder lernen durch Verstehen. Sie erkennen Zusammenhänge und können das Wissen jederzeit wieder abrufen.


Healthy Lady: Wie zeigt sich die Hochbegabung deines Sohnes im sozialen Miteinander mit anderen Kindern?

Valeria: Im Kindergarten hat eine Erzieherin einmal gesagt, sie habe noch nie ein Kind erlebt, das so sozial ist. Er hat oft die „benachteiligten“ Kinder, z.B. Kinder, die die Sprache noch nicht konnten oder die Jüngeren – ganz selbstverständlich in sein Spiel integriert. Er ist dabei ein bisschen wie ein kleiner Lehrer. Er überlegt sich Projekte, zum Beispiel ein Haus aus Lego zu bauen, und verteilt dann Aufgaben an die anderen Kinder. Die Erzieherin war total begeistert davon.

Auch auf dem Pausenhof erfindet er eigene Spiele und plötzlich spielt die ganze Schule mit. Dabei achtet er immer darauf, dass alle eingebunden sind. Er setzt oft Trends aus seinen eigenen Interessen heraus. Eine Zeit lang haben sich alle für das Universum interessiert, rund um Weihnachten war es Harry Potter, aktuell sind es Flugzeuge.

Wenn ihn allerdings jemand verletzt, zieht er sich konsequent zurück. Dann möchte er mit dem Kind nicht mehr spielen und rennt auch niemandem hinterher. Er bleibt dann lieber für sich allein.


Healthy Lady: Was passiert mit dem Selbstwertgefühl eines Kindes, wenn es merkt, dass ihm vieles „zufliegt“, während andere hart arbeiten müssen?

Valeria: Das ist ein schwieriges Thema. Er lernt eigentlich nicht, aber er kann es trotzdem. Ich sage bewusst „noch“, weil irgendwann der Punkt kommt, an dem er wirklich lernen muss. Und dann wird es schwierig, weil er nie gelernt hat, wie Lernen überhaupt funktioniert.

Ich setze mich trotzdem mit ihm hin, und wir wiederholen die Inhalte gemeinsam. In den Tests macht er oft Leichtsinnsfehler oder liest Aufgaben nicht richtig zu Ende. Dadurch verliert er Punkte, und am Ende wird es vielleicht „nur“ eine Zwei, obwohl er den Stoff eigentlich komplett verstanden hat.

Das Selbstwertgefühl ist nochmal ein anderes Thema, das war bei ihm von Anfang an nicht besonders stark. Schon in der Kinderkrippe hat er gesagt: „Ich kann das nicht, mach du das.“ Und bis heute sieht er selbst gar nicht, wie toll er ist und wieviel er eigentlich kann. Ich sage es ihm zwar, aber er hat oft das Gefühl, dass die anderen besser sind.


Zu klug fürs System? Wenn Schule nicht mehr reicht

Healthy Lady: Wie fördert man ein hochbegabtes Kind richtig, ohne in die Falle des „Drillens“ zu tappen oder unnötigen Leistungsdruck aufzubauen?

Valeria: Ehrlich gesagt habe ich darauf keine richtige Antwort. Ich habe das Gefühl, wir fördern ihn vor allem im Alltag. Wenn er zum Beispiel fragt, was die Zahl „Pi“ ist, erklären wir es ihm und am Ende weiß er oft mehr als wir. Oder er erklärt mir Dinge wie Astralreisen und wie sie funktionieren sollen.

Ich schaue, dass ich ihn bei Ferienprogrammen anmelde, die ihn interessieren könnten. Er ist bei einer Kinderuni angemeldet, und wir fahren viel in verschiedene Städte, schauen uns Sehenswürdigkeiten an und gehen in Planetarium oder Museen, da sind wir quasi Dauergäste. Wir kaufen viele Bücher, und er darf auch YouTube schauen. Darüber holt er sich viel Wissen, genau zu den Themen, die ihn interessieren.

Meine größte Sorge ist, dass er unterfordert ist und wir sein Potenzial nicht richtig ausschöpfen. Gleichzeitig macht er nichts, was ihm keinen Spaß macht und ihn zu etwas zu zwingen, würde bei ihm einfach nicht funktionieren.


Healthy Lady: Stößt das normale Schulsystem bei euch an Grenzen? Benötigt dein Sohn spezielle Programme oder vielleicht sogar eine spezialisierte Schule?

Valeria: Noch nicht. Er sagt zwar, dass es manchmal etwas langweilig ist, aber er arbeitet nicht besonders schnell. Ihm ist wichtig, dass alles perfekt ist, durch seinen Perfektionismus kann er gar nicht schnell sein. Die Lehrerin ist informiert, und er fällt im Unterricht nicht negativ auf. Meine Sorge ist eher, dass er sich innerlich zurückzieht und vielleicht sogar in eine depressive Stimmung rutscht. Ein Überspringen der Klasse wollte er selbst nicht. Theoretisch könnte er schon bis eine Million rechnen, aber hochbegabte Kinder haben oft ein geringes Selbstvertrauen und trauen sich solche Schritte nicht zu.

Nach dem Sommer kommt er in die vierte Klasse, und danach steht der Wechsel aufs Gymnasium an. Unser Gymnasium hier in der Kleinstadt hat wohl auch eine Beratung für Hochbegabung, und ich hoffe, dass er dort die passende Förderung bekommt.


Healthy Lady: Wie reagieren Lehrer, wenn man das Thema Hochbegabung anspricht? Erfährt man dort Unterstützung oder stößt man eher auf Skepsis?

Valeria: Als in der Vorschule sich die Hinweise auf die Hochbegabung weiter massiv verstärkten, kontaktierte ich einen Schulpsychologen. Er hat mich an eine Schulsozialpsychologin der Grundschule verwiesen. Mit ihr hatte ich mehrere Telefonate, und sie meinte, wir sollten erst einmal die Einschulung abwarten. Etwa vier Wochen nach Schulstart habe ich mich wieder bei ihr gemeldet. Sie sagte mir, sie habe mit der Klassenlehrerin gesprochen, und die Einschätzung sei: Mein Sohn sei ein ganz normaler Erstklässler. Ich habe daraufhin gefragt, woran man denn einen „ganz normalen“ Erstklässler erkennt – darauf habe ich leider nie eine Antwort bekommen.

Heute ist er in der dritten Klasse und wir haben jetzt eine neue Klassenlehrerin. Sie ist offen, interessiert und wirklich bemüht, ihn zu unterstützen. Sie hat sich auch informiert, was sie ihm im Unterricht zusätzlich anbieten kann. Da er nicht negativ auffällt, also weder durch Stören noch durch schlechte oder beste Noten – ist es für viele Lehrer einfach, ihn „mitlaufen“ zu lassen. Ich kann mir vorstellen, dass das für Lehrkräfte dann deutlich herausfordernder ist.

Als Mutter von zwei Kindern kennt Valeria die besonderen Herausforderungen im Alltag mit hochbegabten Kindern. Über soziale Netzwerke teilt sie ihre Erfahrungen und steht anderen Eltern unterstützend zur Seite. (Foto: Valeria)

Wenn dein Kind ein hohes IQ hat

Healthy Lady: Liebe Valeria, vielen dank, dass du uns so offen und ehrlich deine Geschichte erzählt hast. Wenn du heute auf eure Reise zurückblickst: Was ist dein wichtigster Rat an Mütter, die gerade erst am Anfang stehen und sich aufgrund der ersten Anzeichen noch unsicher sind?

Valeria: Macht euch nicht verrückt und lasst die anderen reden. Ich habe so viele Ratschläge bekommen, dass ich irgendwann total verunsichert war und dachte, mein Kind sei „komisch“. Lasst euch nicht stressen und vergleicht euer Kind nicht ständig mit anderen. Wenn ihr das Gefühl habt, da ist etwas anders, dann ist da meistens auch etwas anders. Dieses Gefühl täuscht einen nicht.

Versucht, euer Kind zu entlasten. Wenn es zum Beispiel nicht in den Kindergarten gehen möchte, schaut, ob es andere Möglichkeiten gibt oder wie man die Situation für das Kind angenehmer gestalten kann. Gleichzeitig kann es helfen, sich über typische Anzeichen zu informieren, um dann die nächsten Schritte einleiten zu können.

Ich habe damals selbst angefangen zu recherchieren, habe über Facebook Gruppen andere Eltern gesucht, die Ähnliches erleben, und schließlich meinen TikTok-Account gestartet. Mir ist es wichtig, anderen Eltern das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind, dass es jemanden gibt, der sie versteht und weiß, wie sich diese Unsicherheit anfühlt.

„Er lernt eigentlich nicht, aber er kann es trotzdem. Ich sage bewusst ‚noch‘, weil irgendwann der Punkt kommt, an dem er wirklich lernen muss.“


Mehr als man denkt: Hochbegabung in Zahlen

Laut statistischen Erhebungen gelten etwa 2 % bis 3 % der Kinder in Deutschland als hochbegabt. Das bedeutet, dass in fast jeder dritten oder vierten Schulklasse ein Kind mit einem IQ über 130 sitzt. Doch viele dieser hochintelligenten Kinder werden nie erkannt, weil sie sich perfekt anpassen oder ihre Unterforderung hinter schlechten Noten und Verhaltensauffälligkeiten verstecken.

Wird dieses Potenzial nicht gefördert, droht das sogenannte Underachievement – die Kinder verlieren die Lust am Lernen, ziehen sich deprimiert zurück oder entwickeln psychische Probleme. Wird die Begabung jedoch erkannt, können diese Kinder lernen, ihre intensiven Gedanken als Stärke zu nutzen.

Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, nimm dieses Gefühl ernst. Such dir Unterstützung bei schulpsychologischen Beratungsstellen, spezialisierten Psychologen oder Organisationen wie der DGhK (Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind). Der Austausch mit Eltern wie Valeria hilft dabei, die Situation nicht mehr als Last, sondern als besondere Ausstattung zu begreifen. Es dient der Zukunft deines Kindes und deiner eigenen Gelassenheit.


THE WALKING DAD: Manuel Hasni schafft Raum für moderne Väter

Zyklusfreundliche Ernährung – 5 Rezepte für Hormone, Periode und PMS

„Mein System konnte den Druck nicht mehr tragen“ – Wie Klangtherapie Lisa aus dem Zusammenbruch holte

Pille ist nicht gleich Pille – Welche passt zu dir am besten?

Psychologin erklärt: Warum Frauen auf TikTok Hilfe bei psychischen Problemen suchen

Die Therapiecouch hat wohl längst Konkurrenz bekommen. Ob ChatGPT oder TikTok, digitale Räume sind für viele Frauen zur virtuellen Psychotherapie geworden. Dort, wo die Hemmschwelle niedrig ist und Algorithmen das Gefühl von „Du bist nicht allein“ vermitteln, sprechen immer mehr Frauen öffentlich über ihre psychischen Herausforderungen. Beatrice Köck ist eine von ihnen. Als Psychologin gibt sie ihrer Community nicht nur wertvolle Ratschläge, sondern bricht ein fundamentales Tabu ihrer Branche. Sie zeigt sich ohne Schutzschild und spricht offen über ihre eigene Psyche. Warum suchen Frauen heute Hilfe auf dem Bildschirm statt im Sprechzimmer? Und was macht Social Media eigentlich mit unserer Psyche? Das erklärt im Interview Psychologin und Mentorin Beatrice Köck.


Healthy Lady: Beatrice, du arbeitest speziell mit Frauen und Mädchen. Warum ist gerade diese Zielgruppe so wichtig für dich?

Beatrice Köck: Ich habe in der Beschäftigung mit meinen eigenen Problemen und denen meiner Kund:innen gemerkt, dass es bestimmte Themen gibt, die sehr viele Frauen betreffen – das Kollektiv von Frauen. Diese Themen sind oft sehr schmerzhaft, schambehaftet, versteckt und tief verwurzelt. Das betrifft zum Beispiel Sexualität, den Körper, Finanzen und die weibliche Kraft.

Auch wenn es nicht schön ist, aber Missbrauch, Ohnmacht im Bezug auf Finanzen, Hass auf den eigenen Körper, und vieles mehr betreffen den Großteil der Frauen und das in einer anderen Weise als bei Männern. Wir haben tief verwurzelte Ängste, Traumata, falsche Glaubensmuster, die viel Heilung brauchen und in denen ich durch meine eigene Geschichte zum Experten wurde. Ich habe gesehen wie meine Mutter abgerutscht ist – sozial, finanziell, beruflich, gesellschaftlich, gesundheitlich und daran zerbrochen ist. Während mein Vater aufgestiegen ist und sich ein tolles Leben aufgebaut hat.

„Mein Postfach ist ein starkes Indiz dafür, wie viele Menschen innerlich leiden – ehrlich gesagt ist etwa jede zweite Nachricht darin erschütternd.“


Healthy Lady: Viele Frauen ziehen sich bei Überforderung völlig zurück. Wie schafft Social Media es, diese Isolation zu durchbrechen?

Beatrice Köck: Social Media, insbesondere Plattformen wie TikTok, stellen für die Menschen heute eine wichtige Brücke dar. Viele Frauen, die zu mir finden, haben sich aufgrund von Angst, Erschöpfung oder innerer Überforderung stark aus dem sozialen Leben zurückgezogen und nehmen oft auch keine klassische psychologische Hilfe mehr in Anspruch. Über Social Media erleben sie erstmals wieder einen niederschwelligen Zugang zu Kontakt, neuen Lösungsansätzen und sogar zu Gemeinschaft, z.B. durch Live-Formate. Ich erlebe, dass viele Menschen dadurch Wissen, Impulse und Möglichkeiten erhalten, die sie sonst nie gefunden hätten. Das kann positive Veränderung anstoßen, ihnen Hoffnung zurückgeben und den negativen Kreislauf von Rückzug und Isolation durchbrechen.

Psychologin und Mentorin Beatrice Köck betreibt ein TikTok-Kanal.
(Foto: Beatrice Köck)

Healthy Lady: Wenn man in dein Postfach blickt, was spiegelt dir deine Community dort über den echten Zustand unserer Gesellschaft?

Beatrice Köck: Ich bekomme sehr viele Nachrichten und ehrlich gesagt ist etwa jede zweite davon erschütternd. Das meine ich nicht dramatisierend, sondern nüchtern beobachtend. Mein Nachrichten-Postfach auf TikTok ist für mich ein starkes Indiz dafür, wie viele Menschen innerlich leiden, sich alleine fühlen oder keinen Ausweg mehr sehen. Es zeigt sehr deutlich, dass wir es hier nicht mit Einzelfällen zu tun haben, sondern mit einem tiefgehenden gesellschaftlichen Thema.


Healthy Lady: Welche emotionalen Muster begegnen dir dabei am häufigsten?

Beatrice Köck: Was ich sehr stark wahrnehme, ist das Feststecken in Symptomen und inneren Kreisläufen: Ängste, Panikattacken, Selbstzweifel, Süchte oder sehr intensive Emotionen. Viele leben in einem dauerhaften Gefühl von „nicht genug“. Nicht genug Gesundheit, nicht genug Geld, nicht genug Liebe oder Sicherheit. Obwohl sie bereits sehr viel versucht haben, wie Therapien, Selbsthilfe, Medikamente. Sie sind müde vom Kämpfen, ohne wirklich voranzukommen.

„Social Media ist für viele Frauen eine wichtige Brücke, um den negativen Kreislauf von Rückzug und Isolation endlich zu durchbrechen.“


Healthy Lady: Du bist auch auf TikTok unterwegs. Warum hast du dich entschieden, als Psychologin auf Social Media sichtbar zu sein, nicht nur als Expertin, sondern als diejenige, die ihre eigenen psychischen Herausforderungen anspricht?

Beatrice Köck: Ich war schon immer jemand, der gerne spricht, sich zeigt und für Herzensangelegenheiten einsetzt. Social Media bietet mir die Möglichkeit, genau das zu tun. Mich einzubringen, Erfahrungen zu teilen und gleichzeitig etwas Positives zu bewirken. Im Laufe meines Lebens und auf meinem Heilungsweg habe ich viel erlebt und erkannt, dass es mir davor niemand sagen konnte. Deshalb fühle ich mich auf eine Weise auch dazu verpflichtet, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, um anderen Menschen ähnliche schmerzhafte Erfahrungen zu ersparen.


Healthy Lady: Hattest du kenie Angst, dass man dich als Psychologin dann nicht mehr ernst nimmt?

Beatrice Köck: Ja, definitiv. Wir leben in einer Zeit, in der oft ein perfektes Bild erwartet wird. Ich habe mir früher oft die Frage gestellt, ob man mich als Psychologin/Energetikerin noch ernst nimmt oder ob es Kundinnen abschreckt. Aber das Feedback war meistens sehr positiv. Als würde ich einen „Nerv“ treffen und Dinge aussprechen, die viele beschäftigen, aber die sie nicht in Worte fassen können. Diese Ehrlichkeit ist der einzige Weg, der sich für mich stimmig anfühlt.

„Ehrlichkeit ist der einzige Weg, der sich für mich stimmig anfühlt – auch wenn ich mich als Psychologin damit sichtbar und angreifbar mache.“


Wo Social Media endet und echte Hilfe beginnt

Digitale Räume sind für viele Frauen zur virtuellen Anlaufstelle geworden, wenn der Druck im Alltag zu groß wird. Der Grund dafür ist so simpel wie schmerzhaft. In einem System aus monatelangen Wartelisten und oft sterilen Praxisräumen suchen viele verzweifelt nach einem Ort, der ihre Sprache spricht.

Es ist die Sehnsucht nach einem Raum, an dem man sich von der eigenen Couch aus verstanden fühlt, ohne sofort die schwere Hürde der Scham und des „Patienten-Seins“ überwinden zu müssen. In den Kommentaren auf TikTok finden Frauen eine Resonanz, die ihnen das Gefühl gibt: „Ich bin nicht allein.“

Doch bei aller Offenheit im Netz bleibt eine wichtige Grenze. Social Media kann ein wertvoller Impulsgeber sein, eine Brücke aus der Isolation schlagen und den Mut für den ersten Schritt geben. Aber sie kann und darf eine professionelle Therapie oder psychologische Beratung nicht ersetzen. Ein Algorithmus erkennt keine Krisen in ihrer vollen Tiefe, und ein Video kann kein persönliches Gespräch ersetzen. Social Media kann hilfreich sein, um Tabus zu brechen, doch die echte, nachhaltige Heilung findet oft dort statt, wo das Handy ausgeschaltet ist.

Wenn du merkst, dass es dir nicht gut geht oder du dich dauerhaft überfordert fühlst, bleib damit nicht allein. In akuten Krisen wende dich bitte an einen Notruf oder eine Krisenstelle in deiner Region.