Entspannung

ASMR im Selbsttest – Wie Pinselgeräusche mein Gedankenkarussell stoppten

Eine Frau streicht mit einem Make up Pinsel über ein Mikrofon. Dann nimmt sie einen Frisierkopf und fährt langsam mit den Fingern durch das Haar. Eigentlich passiert nichts. Trotzdem kann ich nicht wegsehen. Nach wenigen Minuten wird es still in meinem Kopf. Eine Stunde später lege ich das Handy beiseite und schlafe sofort ein. Was hatte ich da gerade entdeckt?

Es war ein ASMR Live auf TikTok. Am nächsten Abend suchte ich erneut danach. Die Wirkung kam zurück. Ich wurde ruhig, fühlte mich geborgen und schlief ungewöhnlich schnell ein. Also wollte ich wissen, ob das Zufall war. Sieben Tage lang sah ich mir jeden Abend ASMR Videos an.


Was ASMR eigentlich ist

ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Gemeint ist eine angenehme Reaktion auf bestimmte Geräusche und Bewegungen. Typische Auslöser sind Flüstern, leises Klopfen, Pinselgeräusche, langsame Handbewegungen und das Bürsten von Haaren.

Viele Menschen beschreiben ein Kribbeln, das am Kopf beginnt und sich über Nacken und Rücken ausbreitet. Manche empfinden daneben vor allem Ruhe oder Schläfrigkeit. ASMR ist keine anerkannte medizinische Therapie.

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Warum uns die Videos beruhigen können

Was dabei genau im Gehirn geschieht, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich wirken mehrere Dinge zusammen. Leise Geräusche, gleichmäßige Wiederholungen und langsame Bewegungen lenken die Aufmerksamkeit auf einen einzigen Moment.

Viele Videos vermitteln außerdem den Eindruck, dass sich jemand ruhig und aufmerksam kümmert. Forschende vermuten, dass diese nachgeahmte Nähe zur Entspannung beitragen kann. Bewiesen ist diese Erklärung bislang nicht.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 zeigte jedoch messbare körperliche Reaktionen. Bei Menschen, die ASMR empfanden, sank während der Videos die Herzfrequenz. Gleichzeitig stieg die Hautleitfähigkeit. Die Forschenden beschreiben ASMR deshalb als beruhigende und zugleich aktivierende Erfahrung. Studie von Poerio und ihrem Team


Was die Forschung bisher zeigt

Eine weitere Untersuchung mit 1037 Erwachsenen ergab direkt nach einem ASMR Video eine bessere Stimmung und mehr Entspannung. Zu den Teilnehmenden gehörten auch Menschen mit depressiven Beschwerden oder Schlafproblemen.

Das Ergebnis zeigt einen kurzfristigen Effekt nach einem einzigen Video. Es beweist nicht, dass ASMR Depressionen oder Schlafstörungen behandeln kann oder die Wirkung über längere Zeit anhält. Studie von Smejka und Wiggs

Hinzu kommt, dass nicht jeder Mensch auf ASMR anspricht. Eine deutsche Untersuchung zeigte, dass vor allem sogenannte ASMR Responder von mehr Entspannung und positiven Gefühlen berichteten. Andere Teilnehmende empfanden Videos von Spaziergängen teilweise als angenehmer. Studie der Ruhr Universität Bochum


Gibt es Risiken?

Die Forschung zu möglichen Risiken ist bislang begrenzt. Verlässliche Langzeitdaten fehlen.

Einige Geräusche können Unbehagen, Ekel oder Stress auslösen. Treten solche Reaktionen regelmäßig und sehr stark auf, kann eine Misophonie dahinterstecken. Eine Untersuchung fand entsprechende Beschwerden häufiger bei Menschen, die ASMR erleben. Sie beweist jedoch nicht, dass ASMR eine Misophonie verursacht. Untersuchung zu ASMR und Misophonie

Auch die Müdigkeit sollte nicht unterschätzt werden. ASMR eignet sich nicht beim Autofahren oder vor Aufgaben, die volle Konzentration verlangen. Wer die Videos im Bett ansieht, kann die Bildschirmhelligkeit reduzieren und einen Timer einstellen. So wird aus einer kurzen Entspannung nicht unbemerkt eine weitere Stunde am Handy.


Meine Erfahrung nach sieben Tagen

Die Videos machten mich jeden Abend innerhalb weniger Minuten ruhiger. Mein Gedankenkarussell stoppte und die innere Anspannung ließ nach. Es fühlte sich für mich ähnlich wie Meditation an, nur schneller und leichter.

Allein zuzuhören reichte mir allerdings nicht. Erst die langsamen Handbewegungen auf dem Bildschirm brachten diese besondere Ruhe. Am stärksten reagierte ich auf das Bürsten der Haare am Frisierkopf, den Pinsel am Mikrofon und leises Flüstern. Ein Geräusch, das mich störte, war in dieser Woche nicht dabei.

Vor dem Einschlafen hatte ich das Gefühl, schneller zur Ruhe zu kommen und besser zu schlafen. Ob mein Schlaf tatsächlich tiefer war, habe ich nicht gemessen. In stressigen Situationen sah ich mir kurze Videos an. Nach etwa zehn Minuten fühlte ich mich deutlich entspannter und erholter.

Die Wirkung hielt nicht dauerhaft an. Sie setzte beim Anschauen ein und ließ später wieder nach. Auch während der Arbeit half mir ASMR, herunterzufahren. Allerdings wurde ich dabei schnell schläfrig.

Für mich hat sich der Versuch gelohnt. Wenn du abends schwer abschalten kannst oder dich im Alltag häufig unruhig fühlst, kannst du ausprobieren, wie du auf ASMR reagierst. Zehn Minuten reichen für einen ersten Test. Bei anhaltenden Schlafproblemen oder starker Erschöpfung solltest du die Ursache ärztlich abklären lassen.


Hinweis: Dieser Erfahrungsbericht dient der allgemeinen Information und Unterhaltung. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht die Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.