Du reinigst dein Gesicht, trägst deine Pflege auf und trotzdem fühlt sich deine Haut plötzlich trocken, rau oder unangenehm gespannt an. Vielleicht brennt sogar die Creme, die du bisher problemlos vertragen hast. Der erste Impuls ist oft, noch ein Serum, eine reichhaltigere Maske oder ein neues „Barrier Repair“-Produkt zu kaufen. Dabei kann gerade jetzt weniger mehr sein.
Denn hinter trockener und empfindlicher Haut kann eine beeinträchtigte Hautbarriere stecken. Sie ist keine Beauty-Erfindung aus den sozialen Medien, sondern erfüllt eine wichtige Aufgabe. Die äußerste Hautschicht hilft dabei, Wasser in der Haut zu halten und sie gegenüber äußeren Einflüssen zu schützen. Wird diese Schutzfunktion beeinträchtigt, kann die Haut schneller Feuchtigkeit verlieren und empfindlicher reagieren.
Woran merkst du, dass deine Haut gerade überfordert ist?
Trockene Haut kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Typisch sind Spannungsgefühl, raue oder schuppige Stellen und Juckreiz. Bei ausgeprägter Trockenheit können auch Rötungen, Brennen oder kleine Risse auftreten.
Das bedeutet aber nicht, dass hinter jedem Pickel oder jeder Rötung automatisch eine „kaputte Hautbarriere“ steckt. Hautveränderungen können viele Ursachen haben. Gerade wenn Beschwerden anhalten, stärker werden oder immer wiederkehren, sollte nicht nur die Pflegeroutine betrachtet werden.
1. Du reinigst deine Haut zu aggressiv
Dieses Gefühl von „quietschsauber“ nach der Reinigung klingt zunächst nach besonders gründlicher Pflege. Für trockene oder empfindliche Haut ist es aber nicht unbedingt ein gutes Zeichen.
Aggressive Seifen und Reinigungsprodukte können Fette von der Haut entfernen und Trockenheit verstärken. Dermatologinnen und Dermatologen empfehlen bei trockener Haut deshalb milde Reinigungsprodukte und möglichst parfümfreie Pflege.
Du musst deine Haut nach der Reinigung also nicht spüren können. Wenn sie regelmäßig spannt, lohnt sich ein Blick auf deinen Cleanser.
2. Dein Wasser ist zu heiß
Eine lange heiße Dusche kann wunderbar entspannend sein. Deine trockene Haut ist davon allerdings möglicherweise weniger begeistert.
Die American Academy of Dermatology empfiehlt bei trockener Haut warmes statt heißes Wasser und eher kurze Duschen oder Bäder von etwa fünf bis zehn Minuten. Zu langes und heißes Duschen kann die Trockenheit verstärken.
Das gilt nicht nur für dein Gesicht. Auch trockene Haut an Beinen, Armen und Händen kann von einer sanfteren Routine profitieren.
GUT ZU WISSEN:
Wann ist der beste Zeitpunkt für deine Creme?
Direkt nach dem Waschen oder Duschen, wenn deine Haut noch etwas feucht ist. Eine Feuchtigkeitspflege hilft dabei, Wasser in der Haut zu halten.
3. Du peelst trockene Haut einfach weg
Die kleinen Hautschüppchen stören und schon greifst du zum Peeling. Verständlich, aber nicht immer die beste Idee.
Gerade bei trockener, gereizter Haut kann zusätzliches Peelen die Haut weiter irritieren. Die American Academy of Dermatology rät bei trockener, schuppender Haut dazu, nicht reflexartig zu exfolieren, sondern die Haut zunächst konsequent mit Feuchtigkeitspflege zu unterstützen.
Wenn deine Haut plötzlich empfindlich geworden ist, kannst du deshalb überprüfen, wie viele Peelings und aktive Wirkstoffe sich inzwischen in deinem Badezimmer angesammelt haben.
4. Du verwendest zu viele Wirkstoffe gleichzeitig
Retinoide, Säuren und andere aktive Wirkstoffe können in einer gut abgestimmten Hautpflege durchaus ihren Platz haben. Mehr Wirkstoffe bedeuten aber nicht automatisch bessere Haut.
Besonders wenn deine Haut bereits trocken und gereizt ist, können bestimmte aktive Produkte die Beschwerden zusätzlich verstärken. Die AAD empfiehlt bei sehr trockener Haut unter anderem, Retinoide vorübergehend zu meiden. Auch bei Peelings ist bei trockener Haut Zurückhaltung sinnvoll.
Statt fünf neue Produkte gleichzeitig auszuprobieren, kann eine überschaubare Routine sinnvoller sein. So lässt sich außerdem viel leichter erkennen, welches Produkt deine Haut tatsächlich verträgt.
5. Deine Creme passt gerade nicht zu deiner Haut
Nicht jede trockene Haut braucht dieselbe Pflege. Bei stärkerer Trockenheit können Cremes oder Salben mehr Feuchtigkeit in der Haut halten als leichte Lotionen. Inhaltsstoffe wie Glycerin, Ceramide oder Hyaluronsäure finden sich häufig in Feuchtigkeitspflege und können bei trockener Haut sinnvoll sein.
Bei empfindlicher Haut lohnt es sich außerdem, auf parfümfreie Produkte zu achten. Wichtig ist die kleine sprachliche Falle auf Verpackungen: „parfümfrei“ beziehungsweise „fragrance-free“ ist nicht zwangsläufig dasselbe wie lediglich „duftneutral“ oder „unscented“. Produkte ohne wahrnehmbaren Duft können trotzdem Duftstoffe oder Stoffe zur Maskierung von Gerüchen enthalten.
DEIN TIPP:
Wenn deine Haut gerade ungewöhnlich empfindlich reagiert, mach deine Routine zunächst übersichtlich: milde Reinigung, eine gut verträgliche Feuchtigkeitspflege und tagsüber geeigneter Sonnenschutz. Führe neue Produkte anschließend lieber einzeln ein, statt deine gesamte Routine gleichzeitig auszutauschen.
Wann solltest du deine Haut dermatologisch abklären lassen?
Nicht jede trockene Haut braucht einen Arzttermin. Wenn sie sich trotz angepasster Pflege aber nicht bessert, stark juckt, schmerzt, brennt, einreißt, blutet oder sich ein Ausschlag entwickelt, solltest du sie dermatologisch untersuchen lassen. Hinter ausgeprägter trockener Haut können beispielsweise auch Hauterkrankungen wie eine atopische Dermatitis oder Psoriasis stecken.
Und vielleicht ist das die wichtigste Beauty-Regel für Tage, an denen deine Haut scheinbar gar nichts mehr verträgt: Du musst sie nicht mit immer mehr Produkten überzeugen. Manchmal braucht gute Hautpflege vor allem eine einfachere Routine.
Quellen und weiterführende Informationen
American Academy of Dermatology, Tipps bei trockener Haut
American Academy of Dermatology, Feuchtigkeitspflege auswählen
DermNet, Emollients and Moisturisers
NHS, Emollients
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle dermatologische Diagnose oder Behandlung.
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