Psychologie

Psychologin erklärt: Warum Frauen auf TikTok Hilfe bei psychischen Problemen suchen

Die Therapiecouch hat wohl längst Konkurrenz bekommen. Ob ChatGPT oder TikTok, digitale Räume sind für viele Frauen zur virtuellen Psychotherapie geworden. Dort, wo die Hemmschwelle niedrig ist und Algorithmen das Gefühl von „Du bist nicht allein“ vermitteln, sprechen immer mehr Frauen öffentlich über ihre psychischen Herausforderungen. Beatrice Köck ist eine von ihnen. Als Psychologin gibt sie ihrer Community nicht nur wertvolle Ratschläge, sondern bricht ein fundamentales Tabu ihrer Branche. Sie zeigt sich ohne Schutzschild und spricht offen über ihre eigene Psyche. Warum suchen Frauen heute Hilfe auf dem Bildschirm statt im Sprechzimmer? Und was macht Social Media eigentlich mit unserer Psyche? Das erklärt im Interview Psychologin und Mentorin Beatrice Köck.


Healthy Lady: Beatrice, du arbeitest speziell mit Frauen und Mädchen. Warum ist gerade diese Zielgruppe so wichtig für dich?

Beatrice Köck: Ich habe in der Beschäftigung mit meinen eigenen Problemen und denen meiner Kund:innen gemerkt, dass es bestimmte Themen gibt, die sehr viele Frauen betreffen – das Kollektiv von Frauen. Diese Themen sind oft sehr schmerzhaft, schambehaftet, versteckt und tief verwurzelt. Das betrifft zum Beispiel Sexualität, den Körper, Finanzen und die weibliche Kraft.

Auch wenn es nicht schön ist, aber Missbrauch, Ohnmacht im Bezug auf Finanzen, Hass auf den eigenen Körper, und vieles mehr betreffen den Großteil der Frauen und das in einer anderen Weise als bei Männern. Wir haben tief verwurzelte Ängste, Traumata, falsche Glaubensmuster, die viel Heilung brauchen und in denen ich durch meine eigene Geschichte zum Experten wurde. Ich habe gesehen wie meine Mutter abgerutscht ist – sozial, finanziell, beruflich, gesellschaftlich, gesundheitlich und daran zerbrochen ist. Während mein Vater aufgestiegen ist und sich ein tolles Leben aufgebaut hat.

„Mein Postfach ist ein starkes Indiz dafür, wie viele Menschen innerlich leiden – ehrlich gesagt ist etwa jede zweite Nachricht darin erschütternd.“


Healthy Lady: Viele Frauen ziehen sich bei Überforderung völlig zurück. Wie schafft Social Media es, diese Isolation zu durchbrechen?

Beatrice Köck: Social Media, insbesondere Plattformen wie TikTok, stellen für die Menschen heute eine wichtige Brücke dar. Viele Frauen, die zu mir finden, haben sich aufgrund von Angst, Erschöpfung oder innerer Überforderung stark aus dem sozialen Leben zurückgezogen und nehmen oft auch keine klassische psychologische Hilfe mehr in Anspruch. Über Social Media erleben sie erstmals wieder einen niederschwelligen Zugang zu Kontakt, neuen Lösungsansätzen und sogar zu Gemeinschaft, z.B. durch Live-Formate. Ich erlebe, dass viele Menschen dadurch Wissen, Impulse und Möglichkeiten erhalten, die sie sonst nie gefunden hätten. Das kann positive Veränderung anstoßen, ihnen Hoffnung zurückgeben und den negativen Kreislauf von Rückzug und Isolation durchbrechen.

Psychologin und Mentorin Beatrice Köck betreibt ein TikTok-Kanal.
(Foto: Beatrice Köck)

Healthy Lady: Wenn man in dein Postfach blickt, was spiegelt dir deine Community dort über den echten Zustand unserer Gesellschaft?

Beatrice Köck: Ich bekomme sehr viele Nachrichten und ehrlich gesagt ist etwa jede zweite davon erschütternd. Das meine ich nicht dramatisierend, sondern nüchtern beobachtend. Mein Nachrichten-Postfach auf TikTok ist für mich ein starkes Indiz dafür, wie viele Menschen innerlich leiden, sich alleine fühlen oder keinen Ausweg mehr sehen. Es zeigt sehr deutlich, dass wir es hier nicht mit Einzelfällen zu tun haben, sondern mit einem tiefgehenden gesellschaftlichen Thema.


Healthy Lady: Welche emotionalen Muster begegnen dir dabei am häufigsten?

Beatrice Köck: Was ich sehr stark wahrnehme, ist das Feststecken in Symptomen und inneren Kreisläufen: Ängste, Panikattacken, Selbstzweifel, Süchte oder sehr intensive Emotionen. Viele leben in einem dauerhaften Gefühl von „nicht genug“. Nicht genug Gesundheit, nicht genug Geld, nicht genug Liebe oder Sicherheit. Obwohl sie bereits sehr viel versucht haben, wie Therapien, Selbsthilfe, Medikamente. Sie sind müde vom Kämpfen, ohne wirklich voranzukommen.

„Social Media ist für viele Frauen eine wichtige Brücke, um den negativen Kreislauf von Rückzug und Isolation endlich zu durchbrechen.“


Healthy Lady: Du bist auch auf TikTok unterwegs. Warum hast du dich entschieden, als Psychologin auf Social Media sichtbar zu sein, nicht nur als Expertin, sondern als diejenige, die ihre eigenen psychischen Herausforderungen anspricht?

Beatrice Köck: Ich war schon immer jemand, der gerne spricht, sich zeigt und für Herzensangelegenheiten einsetzt. Social Media bietet mir die Möglichkeit, genau das zu tun. Mich einzubringen, Erfahrungen zu teilen und gleichzeitig etwas Positives zu bewirken. Im Laufe meines Lebens und auf meinem Heilungsweg habe ich viel erlebt und erkannt, dass es mir davor niemand sagen konnte. Deshalb fühle ich mich auf eine Weise auch dazu verpflichtet, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, um anderen Menschen ähnliche schmerzhafte Erfahrungen zu ersparen.


Healthy Lady: Hattest du kenie Angst, dass man dich als Psychologin dann nicht mehr ernst nimmt?

Beatrice Köck: Ja, definitiv. Wir leben in einer Zeit, in der oft ein perfektes Bild erwartet wird. Ich habe mir früher oft die Frage gestellt, ob man mich als Psychologin/Energetikerin noch ernst nimmt oder ob es Kundinnen abschreckt. Aber das Feedback war meistens sehr positiv. Als würde ich einen „Nerv“ treffen und Dinge aussprechen, die viele beschäftigen, aber die sie nicht in Worte fassen können. Diese Ehrlichkeit ist der einzige Weg, der sich für mich stimmig anfühlt.

„Ehrlichkeit ist der einzige Weg, der sich für mich stimmig anfühlt – auch wenn ich mich als Psychologin damit sichtbar und angreifbar mache.“


Wo Social Media endet und echte Hilfe beginnt

Digitale Räume sind für viele Frauen zur virtuellen Anlaufstelle geworden, wenn der Druck im Alltag zu groß wird. Der Grund dafür ist so simpel wie schmerzhaft. In einem System aus monatelangen Wartelisten und oft sterilen Praxisräumen suchen viele verzweifelt nach einem Ort, der ihre Sprache spricht.

Es ist die Sehnsucht nach einem Raum, an dem man sich von der eigenen Couch aus verstanden fühlt, ohne sofort die schwere Hürde der Scham und des „Patienten-Seins“ überwinden zu müssen. In den Kommentaren auf TikTok finden Frauen eine Resonanz, die ihnen das Gefühl gibt: „Ich bin nicht allein.“

Doch bei aller Offenheit im Netz bleibt eine wichtige Grenze. Social Media kann ein wertvoller Impulsgeber sein, eine Brücke aus der Isolation schlagen und den Mut für den ersten Schritt geben. Aber sie kann und darf eine professionelle Therapie oder psychologische Beratung nicht ersetzen. Ein Algorithmus erkennt keine Krisen in ihrer vollen Tiefe, und ein Video kann kein persönliches Gespräch ersetzen. Social Media kann hilfreich sein, um Tabus zu brechen, doch die echte, nachhaltige Heilung findet oft dort statt, wo das Handy ausgeschaltet ist.

Wenn du merkst, dass es dir nicht gut geht oder du dich dauerhaft überfordert fühlst, bleib damit nicht allein. In akuten Krisen wende dich bitte an einen Notruf oder eine Krisenstelle in deiner Region.


Auch Psychologinnen brauchen Hilfe – Beatrice Köck spricht offen über ihre eigenen Krisen

Beatrice Köck kennt beide Seiten, als Psychologin und als Frau, die selbst durch Krisen gegangen ist. Die gebürtige Österreicherin hat einen Master in Psychologie und mehrere Ausbildungen im Bereich ganzheitlicher und energetischer Arbeit absolviert. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie es sich anfühlt, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. Heute begleitet sie als Psychologin und Mentorin Frauen und Mädchen durch schwierige Phasen. Doch wenn die Tür ihrer Praxis schließt, bleibt sie kein unantastbarer Profi, sondern ein Mensch mit eigener Geschichte.

Wir wollen Ärzte, die vor Vitalität strotzen. Vermögensverwalter, die Wohlstand ausstrahlen. Und Psychologinnen, die ihre eigene Psyche im Griff haben. Doch was, wenn genau dieses Ideal das Problem ist? Was passiert, wenn die Maske der Stärke selbst zur Barriere wird? Brauchen wir Menschen, die uns Panikattacken aus Lehrbüchern erklären oder solche, die wirklich wissen, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper zittert?

Beatrice Köck gehört zu denen, die dieses Spiel nicht mehr mitspielen. Auf TikTok erreicht die Österreicherin Tausende, weil sie etwas tut, das lange ein Tabu war. Sie spricht offen über ihre eigenen Krisen. Nicht als Strategie, sondern, weil sie weiß, wie es sich anfühlt.


Der Bruch mit dem Tabu

Healthy Lady: Beatrice, du begleitest als Psychologin Menschen durch ihre dunkelsten Phasen. Was passiert eigentlich, wenn du selbst an einen Punkt kommst, an dem du nicht mehr weiterweißt? Wie fühlt es sich an, wenn sich die Rollen plötzlich tauschen und du selbst zur Klientin wirst?

Beatrice Köck: Für mich ist das kein Widerspruch, sondern gelebte Menschlichkeit. Ich bin quasi von der Klientenrolle zur Expertin geworden. Meine eigene Leidensgeschichte hat mich zu dem gebracht, was ich heute tue. Ich werde nie aufhören, mir selbst Unterstützung zu holen, wenn ich alleine nicht weiterkomme. Das macht mich zu einer guten Psychologin und nicht zu einer schlechten. Auch wenn in helfenden Berufen oft das Tabu herrscht, nicht über eigene Probleme sprechen zu dürfen.


„Ein Coach/Therapeut/Begleiter muss immer nur einen Schritt weiter sein, als der Klient.“

Healthy Lady: Ich kann mir vorstellen, dass sowas ziemlich schwer sein muss, anderen Halt zu geben, während man selbst innerlich wankt. Wie gehst du damit um?

Beatrice Köck: Das war früher manchmal schwierig, weil ich mir nicht sicher war, ob ich meinen Kund:innen genug helfen kann, weil ich selbst noch nicht ganz stabil war. Aber deren Feedback hat mich bestärkt weiter zu machen. Sie berichteten mir von Erfolgen dank meiner Begleitung und zeigten sich dankbar.

Ich habe am Anfang meiner Arbeit mal gehört, dass ein Coach/Therapeut/Begleiter immer nur einen Schritt weiter sein muss, als der Klient. Und genau so habe ich es erlebt. Zu mir haben immer Menschen gefunden, denen ich helfen konnte, obwohl ich noch nicht perfekt war. Die mit mir den nächsten Schritt gehen konnten, den ich selbst schon gegangen war.


Psychologin Beatrice Köck spricht offen über eigene psychische Krisen auf TikTok. (Foto: B. Köck)

Healthy Lady: Du hörst täglich Geschichten von Angst, Schmerz und Verlust. Was passiert mit all dem, wenn die Stunde vorbei ist? Wohin geht der Schmerz der anderen?

Beatrice Köck: Ich denke, ich kann damit ganz gut umgehen. Nach der Stunde begleiten mich die Themen meiner Kund:innen kaum. Manchmal denke ich darüber nach, bekomme damit intuitive Einsichten über Hintergründe, Zusammenhänge, verstehe plötzlich Teile meiner Geschichte oder Verhalten meiner Familie besser. Für mich ist es unheimlich spannend zu verstehen, zu lernen auch über die Abgründe, die dunklen Seiten der menschlichen Psyche.

Was mir immer hilft ist Sport und Natur. Ich mache jeden Tag Sport und ich bewege mich jeden Tag in der Natur. Das hilft mir immer, zu mir zurückzufinden, mich zu erden und auch den Sinn hinter meinem Weg und meinem Wirken wieder zu spüren.

Natürlich gibt es Tage oder Kund:innen, wo es schwerer ist, in meinem Wohlbefinden zu bleiben, aber in der Regel geht das. Ein Freund hat mal zu mir gesagt: „Du bist wie eine Blume, aber eine die nicht zur Sonne hin wächst, sondern zur Dunkelheit. Und dort bestens gedeiht“.


„Ich sehe meine Stärke in meiner Verletzlichkeit

Healthy Lady: Wie geht eine Psychologin mit eigener Verletzlichkeit um?

Beatrice Köck: Ich gehe damit mittlerweile ziemlich offen und ehrlich um. Mir ist das sehr wichtig und ich würde mir wünschen, das es in der Welt normal ist. Aber ich bin aufgewachsen mit einer Mutter, die sehr viel Scham und Schuld erlebt hat, weil sie psychische Probleme hatte und dadurch bin ich natürlich auch geprägt worden. Ich hab mich sehr lange Zeit wie die „arme Kleine“, die zu sensibel ist, gefühlt und das war sehr unangenehm. Heute habe ich sehr viel an Selbstvertrauen gewonnen und sehe meine Stärke in meiner Verletzlichkeit.


Healthy Lady: Was war der Moment, in dem du gemerkt hast: Ich brauche Hilfe, ich kann das nicht mehr allein?

Beatrice Köck: Durch meine traumatische Geschichte habe ich schon sehr früh, mit etwa 12 Jahren, mit Therapie begonnen und auch viele Jahre gemacht. Für mich war es ganz normal sich therapeutische Hilfe zu holen und ich war mein ganzes Leben immer wieder bei Therapeut:innen, Ärzten, Coaches, Energetiker:innen und das wird sich auch nicht ändern.


Das perfekte Image

Healthy Lady: Warum fällt es selbst Fachleuten oft so schwer, offen über eigene Krisen zu sprechen?

Beatrice Köck: Es herrscht der gesellschaftliche Anspruch, funktionieren zu müssen. Und dann ist es natürlich für Menschen, die auf einem Gebiet Experten sein sollen, nochmal schambehafteter und auch existenzbedrohender. Wer hat denn Lust zu einem Arzt zu gehen, von dem man weiß, er hat selbst eine schwere Krankheit? Genauso wenig, wie man Lust hat, sich von einem Menschen im Heilberuf helfen zu lassen, von dem man weiß, „er kriegt seine eigenen Krisen nicht in den Griff“. Oder? Es ist ein Imagethema und damit für viele leider auch eine existenzielle Frage. Wir haben Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden, wenn wir unsere Risse zeigen.


Healthy Lady: Viele Psychologinnen lernen, Distanz zu wahren, aber was, wenn man sich in einem Thema plötzlich selbst erkennt? Hattest du schon einmal eine Klientin, die etwas in dir ausgelöst hat, das du nicht erwartet hast?

Beatrice Köck: Ich denke, das ist eher die Regel als die Ausnahme. Als Psycholog:innen werden wir sehr oft mit Themen konfrontiert, die wir selbst kennen oder zumindest in ähnlicher Form erlebt haben. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie wir damit umgehen. Im Idealfall ist es keine offene, unverarbeitete Wunde mehr, sondern ein Thema, mit dem wir uns bewusst auseinandergesetzt haben, für das wir Wege, Perspektiven und Strategien entwickelt haben.

Genau darin liegt auch eine große Ressource für Klient:innen. Es ist völlig normal, berührt oder auch einmal getriggert zu sein. Wichtig ist, diese Prozesse zu reflektieren – während der Stunde und danach.

Ich erlebe es oft so, dass Klientinnen mir Themen bewusst machen, die bei mir selbst noch Entwicklungspotenzial haben. Dafür bin ich im Nachhinein sogar dankbar. Wer glaubt, nichts von seinen Klient:innen zu lernen, ist meiner Meinung nach nicht ganz ehrlich, weder mit sich selbst noch mit dem Beruf.

„Wir tragen als Frauen tief verwurzelte Ängste und Traumata in uns, die viel Heilung brauchen“


Die Brücke ins Netz: Warum Sichtbarkeit heilsam ist

Healthy Lady: Warum hast du dich entschieden, als Psychologin auf Social Media so offen über deine eigenen Krisen zu sprechen?

Beatrice Köck: Ich war schon immer jemand, der gerne spricht, sich zeigt und für Herzensangelegenheiten einsetzt. Social Media bietet mir die Möglichkeit, genau das zu tun. Mich einzubringen, Erfahrungen zu teilen und gleichzeitig etwas Positives zu bewirken. Im Laufe meines Lebens und auf meinem Heilungsweg habe ich viel erlebt und erkannt, dass es mir davor niemand sagen konnte. Deshalb fühle ich mich auf eine Weise auch dazu verpflichtet, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, um anderen Menschen ähnliche schmerzhafte Erfahrungen zu ersparen.


Healthy Lady: Gab es anfangs Zweifel oder Angst, dich mit diesen Themen öffentlich zu zeigen?

Beatrice Köck: Ja, definitiv. Wir leben in einer Zeit, in der oft ein perfektes Bild von sich selbst erwartet wird und in der Menschen schnell beurteilen oder verurteilen. Mit meiner Offenheit mache ich mich sichtbar und damit auch angreifbar. Das kann Kritik bedeuten oder sogar den Verlust von Kundinnen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass genau diese Ehrlichkeit der einzige Weg ist, der sich für mich stimmig anfühlt.


Frauen brauchen mehr Unterstützung

Healthy Lady: Du arbeitest speziell mit Frauen und Mädchen. Warum ist dir gerade diese Zielgruppe so wichtig?

Beatrice Köck: Ich habe in der Beschäftigung mit meinen eigenen Problemen und denen meiner Kund:innen gemerkt, dass es bestimmte Themen gibt, die sehr viele Frauen betreffen. Ich würde sogar sagen: das Kollektiv von Frauen. Und diese Themen sind oft sehr schmerzhaft, schambehaftet, versteckt und tief verwurzelt. Das betrifft z.B. Sexualität, den Körper, Finanzen und die weibliche Kraft/Gaben.

Auch wenn es nicht schön ist, aber Missbrauch, Ohnmacht im Bezug auf Finanzen, Hass auf den eigenen Körper, und vieles mehr betreffen den Großteil der Frauen und das in einer anderen Weise als bei Männern. Wir haben tief verwurzelte Ängste, Traumata, falsche Glaubensmuster, die viel Heilung brauchen und in denen ich durch meine eigene Geschichte zum Experten wurde. Ich habe gesehen wie meine Mutter abgerutscht ist – sozial, finanziell, beruflich, gesellschaftlich, gesundheitlich – und daran zerbrochen ist. Während mein Vater aufgestiegen ist und sich ein tolles Leben aufgebaut hat.

„Wer glaubt, nichts von seinen Klient:innen zu lernen, ist meiner Meinung nach nicht ganz ehrlich.“


Heilung ist kein Alleingang

Healthy Lady: Kann man sich als Psychologin selbst heilen oder braucht es dafür manchmal jemanden von außen?

Beatrice Köck: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir einerseits angeborene Selbstheilungskräfte haben und vieles selbst heilen können. Aber andererseits brauchen wir oft Menschen, um zu heilen. Einerseits weil Verletzung in Beziehung auch durch neue Erfahrungen in Beziehungen geheilt werden kann/muss. Und andererseits wie wir nicht alle Aspekte an uns und unserer Lebenswelt wirklich sehen können (sowas wie ein „blinder Fleck“).

Also ja, ich denke, es braucht manchmal jemanden von außen. Das muss aber nicht zwangsläufig ein Therapeut/Psychologe/oder ähnliches sein, aber ein Mensch, der uns hilft, blinde Flecken aufzudecken, der uns spiegelt, der uns hält in unserem Schmerz.


Healthy Lady: Du hast das Programm „Diamond Way“ entwickelt – ein Konzept, das Frauen und Mädchen auf ihrem Heilungsweg begleiten soll. Was genau passiert dort?

Beatrice Köck: Mein Projekt „Diamond Way“ ist noch in Entstehung. Es wird ein ganzheitliches, alltagstaugliches Angebot, bei dem es um die Kombination aus körperbezogenen Interventionen (Sport, Ernährung, Entspannung), psychologischem Wissen und seelischen Themen (Berufung, eigene Energie, Energiearbeit) geht. Ziel ist es, den Weg in ein glücklicheres Leben auf eine gesunde, liebevolle, moderne und wirksame Weise zu gehen und vor allem nicht mehr allein. Den ersten Durchlauf möchte ich Mitte des Jahres starten.


Healthy Lady: Was möchtest du Frauen mitgeben, die gerade selbst kämpfen, die vielleicht jeden Tag stark sein müssen, obwohl sie innerlich längst müde sind?

Beatrice Köck: Das ist schwer zu beantworten, denn ich habe selbst so viel erlebt und mit so vielen Menschen gearbeitet, dass ich weiß, dass keine Phrase für alle passt. Für die eine Person ist etwas ermutigend, für die andere Person ist das selbe zerschmetternd. Ich kann nur sagen: Es liegt nicht an dir. Bitte gib nicht auf. Such dir Hilfe, wenn auch von ChatGPT. Oder komm mal in ein Live von mir.


Ein neuer Blick

Das Gespräch mit Beatrice Köck macht eines deutlich: Wir brauchen ein neues Bild von mentaler Gesundheit. Eines, in dem Fachwissen und menschliche Verletzlichkeit keine Gegenspieler sind, sondern sich gegenseitig stärken. Wer tiefer eintauchen möchte, findet Beatrice Köck auf TikTok unter @beatrice_dw. Dort spricht sie weiter über das, worüber viele noch schweigen.