Bewerbung

„Zu gut für den Job – und trotzdem will mich niemand“ – Der Bewerbungsdschungel am Limit

Viele Bewerberinnen und Bewerber kennen dieses Gefühl. Man investiert Zeit, Mühe und Hoffnung in jede einzelne Bewerbung und erhält trotzdem Absage um Absage. Mit der Zeit beginnen viele, an sich selbst zu zweifeln. Dabei liegt das Problem oft nicht an fehlender Qualifikation, sondern an einem Arbeitsmarkt, der immer komplexer und unübersichtlicher geworden ist.

Ein Blick in soziale Netzwerke zeigt, wie verbreitet diese Erfahrung inzwischen ist. Auf Plattformen wie TikTok berichten tausende Menschen davon, trotz guter Ausbildung und Motivation immer wieder übersehen zu werden. Schnell wird deutlich, das Scheitern bei der Jobsuche ist längst kein individuelles Problem mehr, sondern häufig ein strukturelles.

Genau hier setzt die Recruiting-Expertin und Karriere-Coach Rebecca Santos Costa an. Unter dem Namen „KarriereTok“ begleitet sie auf TikTok und Instagram täglich Menschen auf ihrem Weg zu neuen beruflichen Chancen. Von Berufseinsteiger:innen bis hin zu erfahrenen Fachkräften, die im Bewerbungsprozess nicht mehr wissen, wie sie sichtbar werden können.

Mit ihrem Gespür für moderne Lebensläufe und ihrer praxisnahen, authentischen Art zeigt sie, wie Bewerberinnen und Bewerber ihre Stärken klar positionieren, sich im Bewerbungsprozess besser präsentieren und wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen.


Warum der Arbeitsmarkt heute so gnadenlos ist

Healthy Lady:
Warum ist es heutzutage so schwer, einen guten Job zu bekommen? Woran liegt es, dass selbst sehr kompetente Menschen immer wieder Absagen erhalten?

Rebecca Santos Costa:
Ich glaube, viele unterschätzen, wie komplex der Bewerbungsprozess heute geworden ist. Es reicht nicht mehr, „nur“ qualifiziert zu sein. Der Markt ist übersättigt, die Anforderungen steigen, und gleichzeitig fehlt oft Transparenz: Bewerber:innen wissen gar nicht genau, was Unternehmen wirklich suchen und Unternehmen wissen manchmal selbst nicht, wie sie die passenden Menschen finden. Dazu kommt, dass viele Prozesse automatisiert sind. Eine Bewerbung landet im ersten Schritt oft gar nicht auf einem echten Tisch, sondern wird durch Software vorsortiert. Das heißt: Auch richtig gute Bewerbungen können durchrutschen, wenn sie nicht die „richtigen“ Schlagworte enthalten oder nicht formal exakt zum Prozess passen.

Und dann ist da noch das Thema Mut und Selbstvermarktung. Ich sehe viele Menschen, die unglaublich viel können, aber sich in ihren Unterlagen einfach nicht trauen, es sichtbar zu machen. Sie bleiben zu allgemein, zu vorsichtig, zu „angepasst“. Dabei suchen Unternehmen nicht die perfekte Schablone, sondern jemanden, der wirklich passt. Nur trauen sich viele nicht, wirklich sichtbar zu werden.

„Es gibt den Fall, dass Stellenanzeigen eher ‚strategisch‘ geschaltet werden. Zum Beispiel, um Investoren Aktivität zu zeigen (…).  Sie sind von Anfang an gar nicht ernst gemeint.“


Healthy Lady:
Was erwarten Recruiter wirklich von uns? Es fühlt sich manchmal so an, als würden sie nach dem Gelben vom Ei suchen. Viele Stellenanzeigen bleiben über Jahre online, immer wieder dieselbe Position, immer wieder dieselben Bewerbungen und trotzdem bekommt niemand den Job. Das wirft Fragen auf. Suchen die Unternehmen wirklich? Oder sind manche Anzeigen eher Scheinplätze, um Kandidatenlisten aufzubauen oder die Zahlen gut aussehen zu lassen?

Rebecca Santos Costa:
Ja, das ist eine sehr berechtigte Frage und ehrlich gesagt: Beides kommt vor. Es gibt viele Unternehmen, die ernsthaft und dringend suchen, aber trotzdem keine geeigneten Bewerbungen bekommen, weil entweder die Darstellung in der Stellenanzeige nicht attraktiv oder der interne Auswahlprozess nicht gut aufgesetzt ist. Manche Unternehmen wissen auch gar nicht, wie sie Talente ansprechen sollen oder haben intern nicht die Strukturen, um schnell Entscheidungen zu treffen. Dann hängen Stellen monatelang online, ohne dass etwas passiert.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch den Fall, dass Stellenanzeigen eher „strategisch“ geschaltet werden. Zum Beispiel, um ein Bewerber:innen-Portfolio aufzubauen, um Investoren Aktivität zu zeigen oder weil man grundsätzlich offen für Talente sein möchte auch wenn akut gar kein Bedarf da ist. Das ist für Bewerber:innen extrem frustrierend, weil sie dann Zeit und Energie in etwas stecken, das von Anfang an gar nicht ernst gemeint war. Recruiter wünschen sich im Kern keine „perfekten“ Menschen, sondern Bewerber:innen, die eine konkrete Lösung für ein Problem im Unternehmen sind – also jemanden, der fachlich, menschlich und vom Mindset her zu dem passt, was das Unternehmen gerade wirklich braucht. Je klarer man das als Bewerber:in zeigen kann, desto besser.

Rebecca Santos Costa, bekannt als „KarriereTok“, erreicht mit ihren Inhalten hunderttausende Menschen auf TikTok und unterstützt sie auf dem Weg zu neuen beruflichen Chancen. (Foto: Rebecca Santos Costa)

Der Lebenslauf 2026

Healthy Lady: Wie sieht für dich ein moderner Lebenslauf im Jahr 2026 aus? Worauf sollte man unbedingt achten, wenn man herausstechen möchte?

Rebecca Santos Costa: Ein moderner Lebenslauf 2026 ist klar, übersichtlich und auf den Punkt. Das Wichtigste: Er muss innerhalb von wenigen Sekunden erfassbar sein. Recruiter*innen scannen Lebensläufe oft in unter einer Minute, da bleibt keine Zeit für langatmige Texte oder kreative Spielereien. Was zählt, ist Struktur, Klarheit und Relevanz. Das heißt: Aktuelle Berufserfahrung und Aufgabenbereiche gehören ganz nach oben, nicht irgendwo unter den Schulabschluss von 2007. Besonders wichtig sind konkrete Erfolge, messbare Ergebnisse oder Verantwortlichkeiten, also nicht nur „Vertrieb“, sondern z. B. „Umsatzsteigerung von 20 % durch Neukundenakquise im B2B-Bereich“.

Außerdem sollte der Lebenslauf zum Job passen: Wer sich im Marketing bewirbt, darf gestalterisch mutiger sein bei einer Position im Controlling zählt eher Seriosität und Struktur. Und: Soft Skills gehören nicht einfach als Liste unter „Stärken“, sondern sollten sich aus den Stationen und Aufgaben ergeben. Und ganz klar: Lücken sind nicht automatisch ein Problem – solange man sie ehrlich und strategisch einordnet. Lieber ein kurzer Satz zur beruflichen Orientierung, Familienzeit oder Krankheit als eine „Lücke“, die Fragen offenlässt. Transparenz und Haltung kommen besser an als Versteckspiel.

„Eine Bewerbung landet im ersten Schritt oft gar nicht auf einem echten Tisch, sondern wird durch Software vorsortiert. Das heißt: Auch richtig gute Bewerbungen können durchrutschen, wenn sie nicht die ‚richtigen‘ Schlagworte enthalten.“


Healthy Lady: Viele Bewerberinnen und Bewerber fühlen sich unsicher, wie viel von der eigenen Persönlichkeit sie im Lebenslauf oder in der Bewerbung zeigen sollten. Auf deinem Profil habe ich Kommentare gelesen, in denen empfohlen wird, bei jungen Frauen das Geburtsdatum oder das Bild wegzulassen. Warum ist das sinnvoll und was würdest du raten?

Rebecca Santos Costa: Wir leben leider nicht in einer völlig diskriminierungsfreien Arbeitswelt. Auch wenn es offiziell nicht erlaubt ist, spielen Alter, Geschlecht, Herkunft oder Aussehen in manchen Auswahlprozessen immer noch eine Rolle. Bewusst oder unbewusst. Genau deshalb empfehle ich manchmal: Lass das Bewerbungsfoto weg, ebenso das Geburtsdatum. Vor allem, wenn du sehr jung oder sehr erfahren bist und genau das zu Vorurteilen führen könnte. Das ist kein Verstecken, sondern eine strategische Entscheidung: Ich gebe nur so viel von mir preis, wie nötig ist und setze den Fokus ganz bewusst auf meine Qualifikation. Denn am Ende zählen nicht Haarfarbe oder Jahrgang, sondern Kompetenz und Persönlichkeit.

Wer dennoch ein Foto einfügen möchte, sollte es professionell halten und selbstbewusst auftreten – kein Passbild, sondern ein sympathisches Porträt, das zur angestrebten Position passt. Wichtig ist: Du entscheidest, was du zeigen willst – nicht die Konventionen von früher.


Healthy Lady: Gibt es Unterschiede in männlichen und weiblichen Bewerbungen?

Rebecca Santos Costa: Ja, die gibt es tatsächlich – sowohl in der Art, wie Bewerbungen geschrieben werden, als auch in der Wirkung auf Personaler. Frauen neigen oft dazu, sich zurückhaltender zu präsentieren. Sie formulieren vorsichtiger, betonen Teamfähigkeit und Lernbereitschaft, während Männer tendenziell selbstbewusster auftreten und ihre Erfolge klarer herausstellen. Das ist natürlich nicht bei allen so – aber diese Tendenzen sehe ich immer wieder. Ein weiterer Unterschied liegt in der Selbsteinschätzung: Männer bewerben sich oft schon, wenn sie etwa 60 % der Anforderungen erfüllen. Viele Frauen hingegen glauben, sie müssten 100 % abdecken, bevor sie sich überhaupt trauen, sich zu bewerben. Dadurch verpassen sie Chancen, obwohl sie inhaltlich locker mithalten könnten.

Mein Tipp: Unabhängig vom Geschlecht – trau dich, deine Stärken klar zu benennen. Nimm Raum ein, sei konkret und zeig, was du kannst. Der Lebenslauf ist kein Ort für falsche Bescheidenheit – sondern dein persönlicher Pitch.

„Männer bewerben sich oft schon, wenn sie etwa 60 % der Anforderungen erfüllen. Viele Frauen hingegen glauben, sie müssten 100 % abdecken, bevor sie sich überhaupt trauen.“


Mit Rückschlägen umgehen und sich nicht verlieren

Healthy Lady: Wenn jemand viele Absagen erhalten hat – wie gewinnt man neuen Mut? Wie kann man mit Rückschlägen umgehen, ohne das Selbstvertrauen zu verlieren?

Rebecca Santos Costa: Absagen fühlen sich immer persönlich an – gerade, wenn man sich viel Mühe gibt. Doch in den meisten Fällen sagen Absagen nichts über den eigenen Wert aus. Sie entstehen durch interne Umstrukturierungen, Budgetfragen, zu viele Bewerbungen oder unklare Prozesse – das hat oft wenig mit deiner Qualifikation zu tun.

Was hilft: Abstand gewinnen und den Fokus neu ausrichten. Statt nur zu fragen „Warum habe ich den Job nicht bekommen?“, lohnt sich die Frage: „Was will ich wirklich – und wie will ich wirken?“ Es kann hilfreich sein, sich Feedback zu holen, den Lebenslauf noch einmal kritisch zu prüfen oder sich auf Stellen zu konzentrieren, die wirklich zur eigenen Persönlichkeit passen. Ich sage immer: Eine Absage ist kein Stopp – sie ist ein Hinweis. Und manchmal ist sie sogar ein Schutz davor, in einem Job zu landen, der gar nicht zu dir passt.

Was Mut macht: Erfolgsgeschichten von anderen. Deshalb teile ich auf meinen Kanälen auch echte Erfahrungen und positive Wendepunkte – damit man sieht: Es geht. Und du bist nicht allein.


Sichtbar oder privat? Die Rolle von Social Media

Healthy Lady: Social Media ist heute ein Teil der Außendarstellung. Sollte man seine Profile aktiv nutzen, um sich positiv zu präsentieren, oder ist es besser, alles privat zu halten?

Rebecca Santos Costa: Das kommt ganz darauf an, wohin du beruflich willst. Wer im kreativen Bereich, im Marketing, Vertrieb oder Personalwesen arbeitet, kann Social Media gezielt nutzen, um seine Kompetenzen sichtbar zu machen – zum Beispiel durch geteilte Inhalte auf LinkedIn, ein gepflegtes Profil oder Beiträge zu eigenen Themen.

Gleichzeitig gilt: Du musst nicht überall sichtbar sein. Viele Menschen fühlen sich wohler, wenn sie ihre Privatsphäre wahren – und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass man keine Spuren hinterlässt, die einem später schaden. Ein kurzer Selbst-Check mit dem Satz „Würde ich das auch posten, wenn mein zukünftiger Chef es sieht?“ kann hier helfen.

Wer also Lust hat, sich zu zeigen: go for it. Aber immer mit Strategie und Authentizität – und nie mit dem Gefühl, sich verbiegen zu müssen.

Wir leben leider nicht in einer völlig diskriminierungsfreien Arbeitswelt. (…) Genau deshalb empfehle ich manchmal: Lass das Bewerbungsfoto weg, ebenso das Geburtsdatum. Vor allem, wenn du sehr jung oder sehr erfahren bist.


Healthy Lady: Du sprichst oft von Authentizität: Wie kann man im Lebenslauf und im Anschreiben authentisch bleiben und gleichzeitig professionell wirken?

Rebecca Santos Costa: Authentizität heißt für mich: Klarheit, Ehrlichkeit und Fokus. Es geht nicht darum, jeden Aspekt seiner Persönlichkeit auszubreiten – sondern darum, die eigenen Stärken verständlich und glaubwürdig zu vermitteln. Wer zum Beispiel schreibt „Ich übernehme gerne Verantwortung“, sollte auch kurz erklären, wo und wie das konkret passiert ist. So wirkt es ehrlich – nicht auswendig gelernt.

Im Lebenslauf bedeutet Authentizität, nichts zu verstecken, aber auch nichts unnötig aufzublasen. Lücken oder Umwege gehören zum Leben – sie werden dann zum Problem, wenn man versucht, sie zu vertuschen. Im Anschreiben geht es darum, in einem klaren, auf den Punkt gebrachten Stil zu zeigen: „Das bin ich – und das kann ich beitragen.“

Mein Tipp: Lies dein Anschreiben laut vor. Wenn es sich nach dir anhört – aber eben nach einer souveränen Version von dir – dann passt es.


Die häufigsten Fehler – und wie man sie vermeidet

Healthy Lady: Welche Fehler beobachtest du bei Bewerbungen am häufigsten?

Rebecca Santos Costa: Die häufigsten Fehler sind oft gar keine inhaltlichen, sondern formale und strategische. Ganz oben auf der Liste steht: Einheitsbewerbungen. Viele verschicken dieselbe Bewerbung an zig Stellen ohne echten Bezug zur Anzeige. Das merkt man sofort. Ein weiterer häufiger Fehler: Lebensläufe ohne klare Struktur. Wenn ich als Leserin überlegen muss, was du aktuell machst oder wie dein Weg verlaufen ist, verliere ich schnell das Interesse. Auch überholte Formulierungen wie „Hiermit bewerbe ich mich…“ oder „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“ wirken heute blass und unpersönlich. Man sollte lieber direkt einsteigen und zeigen, was man konkret bietet.

Fehler Nummer vier ist, zu sehr in die Vergangenheit zu gehen – Bewerbungen sollten immer zukunftsgerichtet sein: Was kann ich im neuen Job beitragen? Und zu guter Letzt: Keine Gehaltsvorstellungen nennen, wenn es verlangt wird. Viele trauen sich da nicht ran, aber wenn man sich nicht positioniert, wirkt das schnell unsicher.

„Es reicht nicht mehr, ‚nur‘ qualifiziert zu sein.“


Von Katzenvideos zu KarriereTok

Healthy Lady: Rebecca, wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, anderen bei Lebensläufen zu helfen? Gab es ein Schlüsselerlebnis? Wie funktioniert dein Job?

Rebecca Santos Costa: Ich habe viele Jahre im Personalbereich gearbeitet – von der operativen Personalarbeit über Recruiting, Training bis hin zur Führung von Teams. Irgendwann hat mein Sohn sich TikTok heruntergeladen, einfach nur zum Gucken, was da so los ist. Wir haben dann aus Spaß zusammen Katzenvideos gemacht – das war witzig, aber irgendwann dachte ich: Eigentlich könnte man da auch mal was Sinnvolles draus machen.

Also habe ich angefangen, typische Szenen aus dem Berufsleben nachzuspielen – Bewerbungsgespräche, Personaleralltag, witzige Recruiting-Erlebnisse. Und plötzlich kamen die ersten Fragen: „Bietest du eigentlich Coaching an?“ – so ist das Ganze dann ins Rollen gekommen. Zuerst habe ich angefangen, Stellenanzeigen zu analysieren – das kam total gut an, weil sich viele Bewerber:innen überhaupt nicht auskannten, was da wirklich zwischen den Zeilen steht. Später kam dann der Fokus auf Lebensläufe. Und inzwischen gebe ich täglich Bewerbungsfeedback, bewerte Lebensläufe, analysiere Stellenausschreibungen und gebe Tipps, wie man sich authentisch und gleichzeitig professionell präsentiert.

Ich habe über TikTok so viele Rückmeldungen bekommen von Menschen, die durch meine Tipps endlich zu Vorstellungsgesprächen eingeladen wurden oder ihren Traumjob bekommen haben. Diese Energie und das Vertrauen, das mir da entgegengebracht wird, motivieren mich jeden Tag aufs Neue. Das Format ist einfach ehrlich, direkt und alltagstauglich – genau das, was viele da draußen brauchen.


Healthy Lady: Dein Format „KarriereTok“ erreicht viele junge Menschen. Hattest du am Anfang Zweifel, ob Bewerbungs-Content dort überhaupt funktioniert?

Rebecca Santos Costa: Total! TikTok war für mich am Anfang einfach eine Plattform für Katzenvideos, Tänze und lustige Clips – nichts, wo man ernsthaft dachte: „Hier bring ich jetzt mal Bewerbungstipps unter.“ Ich habe mir anfangs selbst nicht vorstellen können, dass das jemanden interessiert. Aber je mehr ich einfach aus dem echten Leben erzählt habe – also Dinge, die ich aus dem Personalalltag kenne oder Situationen aus Bewerbungsgesprächen –, desto mehr Resonanz kam.

Viele haben sich in meinen Videos wiedergefunden: Bewerber:innen, die mit typischen Fehlern kämpfen, die einfach nicht wissen, wie sie sich gut präsentieren können. Und genau da setzt mein Format an – es soll nahbar sein, aber gleichzeitig Klartext reden. Ich glaube, gerade weil es eben nicht trocken ist, sondern real und manchmal auch mit einem Augenzwinkern, funktioniert es so gut. Ich hätte nie gedacht, dass Bewerbungstipps auf TikTok viral gehen – aber offensichtlich gibt es da einen riesigen Bedarf. Und es zeigt auch: Bildung, Aufklärung und Empowerment haben definitiv ihren Platz auf Social Media.

„In den meisten Fällen sagen Absagen nichts über den eigenen Wert aus. Sie entstehen durch interne Umstrukturierungen oder Budgetfragen – das hat oft wenig mit deiner Qualifikation zu tun.“


Warum sich all das lohnt

Healthy Lady: Wenn man sich deinen TikTok-Kanal anschaut, merkt man sofort, dass dein Account lebt. Was sagen dir deine Follower und Klienten am meisten? Gibt es einen Moment, auf den du besonders stolz bist?

Rebecca Santos Costa: Ja, absolut – der Bedarf ist riesig. Ich bekomme täglich Nachrichten wie: „Dank dir hatte ich heute mein erstes Vorstellungsgespräch“ oder „Ich hätte nie gedacht, dass mein Lebenslauf so viel ausmacht.“ Viele schreiben mir auch, dass sie sich zum ersten Mal ernst genommen fühlen – dass sie durch meine Videos den Mut bekommen haben, sich überhaupt zu bewerben oder sich beruflich neu zu orientieren.

Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war eine junge Frau, die schon lange in einer belastenden Arbeitssituation festhing. Sie hatte sich dutzende Male beworben, immer wieder Absagen. Nach meiner Beratung hat sie ihren Lebenslauf komplett überarbeitet – und plötzlich hagelte es Einladungen. Als sie mir dann schrieb, dass sie einen Job gefunden hat, in dem sie sich endlich wertgeschätzt fühlt, war das Gänsehaut pur. Solche Nachrichten sind für mich der Grund, warum ich das mache.

Und ja – ich finde auch, das Thema Bewerbung und Berufsorientierung müsste viel früher, zum Beispiel schon in der Schule, mitgedacht werden. Die meisten stolpern da völlig unvorbereitet rein. Und genau deshalb sehe ich meine Aufgabe nicht nur im Bewerbungscoaching, sondern auch in der Aufklärung.


Ein Blick nach vorn

Healthy Lady: Und eine letzte persönliche Frage: Was wäre dein absoluter Traumjob, wenn du nicht schon deinen gefunden hättest?

Rebecca Santos Costa: Ich glaube, ich habe meinen Traumjob tatsächlich selbst erschaffen. Aber wenn ich träumen dürfte, ganz ohne Einschränkungen, dann wäre es ein Beruf, in dem ich jeden Tag Menschen motivieren, inspirieren und ganz praktisch unterstützen kann. Am liebsten in einem Mix aus Bühne, Beratung und Community.

Vielleicht eine eigene Show oder ein Format, in dem echte Lebensgeschichten und Karrieren gezeigt werden – nicht die Hochglanz-Erfolge, sondern die echten Brüche, die Rückschläge und das Aufstehen danach. Ich liebe es, wenn ich Menschen helfen kann, sich neu zu entdecken und zu sehen: „Da steckt so viel mehr in mir, als ich selbst geglaubt habe.“

Ich habe mittlerweile auch eine eigene Recruiting-Plattform: Foundl.de. Dort können Menschen ein berufliches Profil erstellen, ihren Lebenslauf hochladen und sich von Unternehmen finden lassen. Und wenn ich das irgendwann noch größer denken darf – mit einem eigenen Team, mit noch mehr Reichweite – dann ist das für mich kein Traum mehr, sondern eine Vision. Und daran arbeite ich jeden Tag.