Schutz beim Sex

Das Femidom – Die unbekannte Alternative zum Kondom

Wer in eine Drogerie oder einen Supermarkt geht, findet oft ganze Regale voller Kondome. Es gibt sie in verschiedenen Größen, Materialien und Varianten. Extra dünn, gerippt, mit Geschmack oder besonders reißfest. Für fast jede Vorliebe scheint es das passende Kondom zu geben. Doch während es unzählige Varianten für Männer gibt, kennen viele Menschen eine andere Verhütungsmethode kaum. Das Femidom, auch Frauenkondom genannt, taucht in Gesprächen über Verhütung nur selten auf. Viele Frauen haben noch nie eines gesehen oder wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Dabei existiert das Femidom schon seit mehr als drei Jahrzehnten und erfüllt denselben Zweck wie ein klassisches Kondom. Es kann vor ungewollter Schwangerschaft und vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen. Trotzdem bleibt es für viele ein weitgehend unbekanntes Produkt. Warum eine so lange bekannte Verhütungsmethode bis heute kaum verbreitet ist und welche Vorteile sie haben kann, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.


Verhütung, die kaum eine Frau kennt

Das Femidom ist ein dünner Schlauch aus Kunststoff oder Nitril, der vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt wird. Es funktioniert ähnlich wie ein Kondom für Männer, sitzt jedoch im Inneren des Körpers. Am Femidom befinden sich zwei flexible Ringe. Ein Ring wird in die Vagina eingeführt und hält das Kondom an seinem Platz. Der äußere Ring bleibt außerhalb der Vagina und bedeckt einen Teil des äußeren Genitalbereichs. Dadurch wird eine Barriere zwischen den Körpern gebildet, die das Risiko einer Schwangerschaft und vieler sexuell übertragbarer Infektionen verringern kann.


Warum ist das Femidom immer noch so unbekannt?

Obwohl das Femidom bereits in den 1990er Jahren entwickelt wurde, ist es bis heute deutlich weniger verbreitet als das Kondom für Männer. Ein wichtiger Grund dafür ist die geringe Bekanntheit. In der Sexualaufklärung in Schulen oder in Medien wird meist über das klassische Kondom gesprochen, während das Femidom nur selten erwähnt wird. Auch Werbung spielt eine Rolle. Kondome für Männer werden seit Jahrzehnten intensiv vermarktet. Femidome hingegen tauchen nur selten in Kampagnen oder in Drogerien auf. Dadurch wissen viele Frauen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt. Hinzu kommt, dass viele Menschen die Anwendung zunächst als ungewohnt empfinden. Da das Femidom in die Vagina eingesetzt wird, sind manche Frauen unsicher, wie es richtig angewendet wird. Ohne Aufklärung oder Anleitung wirkt es für viele komplizierter als ein klassisches Kondom, auch wenn die Anwendung mit etwas Übung relativ einfach sein kann.


Gesundheitsorganisationen erkennen das Femidom als zuverlässige Barrieremethode an, wobei die Sicherheit wie bei allen Verhütungsmitteln von der richtigen Anwendung abhängt. (Foto: cottonbro studio/Pexels)

Richtige Anwendung – das solltest du wissen

Das Femidom wird vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt. Zunächst wird der innere Ring zusammengedrückt und vorsichtig in die Vagina geschoben. Anschließend wird er ähnlich wie ein Tampon möglichst weit nach innen platziert. Der äußere Ring bleibt außerhalb der Vagina und liegt flach auf dem äußeren Genitalbereich. Während des Geschlechtsverkehrs wird der Penis in das Femidom eingeführt. Nach dem Sex kann das Femidom einfach herausgezogen und entsorgt werden. Wichtig ist, dass es nur einmal verwendet wird. Femidome sollten nicht gleichzeitig mit einem klassischen Kondom verwendet werden, da die Reibung das Risiko eines Verrutschens erhöhen kann.

Viele Fachleute empfehlen, sich vor der ersten Anwendung mit der Handhabung vertraut zu machen. Wer sich unsicher fühlt, kann das Thema auch bei einer gynäkologischen Untersuchung ansprechen. Gynäkologinnen und Gynäkologen können erklären, wie das Femidom richtig angewendet wird und worauf dabei geachtet werden sollte. Eine fachliche Beratung kann helfen, mögliche Unsicherheiten zu klären und die Anwendung sicherer zu machen.


Ist das Femidom sicher?

Wenn das Femidom korrekt angewendet wird, kann es einen wirksamen Schutz vor ungewollter Schwangerschaft und vor sexuell übertragbaren Infektionen bieten. Wie bei allen Barrieremethoden hängt die Sicherheit jedoch auch davon ab, ob das Produkt richtig angewendet wird. Gesundheitsorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation und viele nationale Gesundheitsbehörden erkennen das Femidom als zuverlässige Verhütungsmethode an.


Das sagen die Studien

Studien zeigen, dass Femidome einen vergleichbaren Schutz bieten können wie klassische Kondome. Eine systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration unter der Leitung der Epidemiologin Anna Gallo untersuchte mehrere Studien zu Frauenkondomen und kam zu dem Ergebnis, dass sie bei korrekter Anwendung einen wirksamen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen bieten können.


Das Femidom gibt dir die Möglichkeit, selbst die Kontrolle über den Schutz beim Sex zu übernehmen. Der äußere Ring bedeckt zudem einen Teil der äußeren Genitalregion und kann zusätzlichen Schutz bieten.
(Foto: Anna Pou/Pexels)

Ein unterschätztes Verhütungsmittel

Obwohl das Femidom bereits seit mehreren Jahrzehnten existiert, ist es bis heute vielen Menschen kaum bekannt. Fachleute gehen davon aus, dass vor allem fehlende Aufklärung und die begrenzte Verfügbarkeit dazu beitragen, dass diese Verhütungsmethode selten genutzt wird. Dabei kann das Femidom für dich eine interessante Option sein, wenn du nach einer Alternative zum klassischen Kondom suchst oder selbst mehr Kontrolle über deinen Schutz übernehmen möchtest.

Wenn du dich für diese Methode interessierst, kannst du das Thema bei deinem nächsten Besuch bei deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen ansprechen. Dort kannst du erfahren, wie das Femidom richtig angewendet wird und ob es für dich geeignet sein könnte. Auch wenn es bislang weniger verbreitet ist, stellt das Femidom eine zusätzliche Möglichkeit der Verhütung dar, die mehr Aufmerksamkeit verdient.