Hashimoto

Nuklearmedizinerin erklärt: Was Frauen über die Schilddrüse, Kinderwunsch und Radioaktivität wissen sollten

Warst du schon einmal bei einer Nuklearmedizinerin? Viele Frauen würden diese Frage verneinen und könnten vermutlich nicht genau erklären, was dort eigentlich untersucht wird.

Allein das Wort „nuklear“ weckt eher Gedanken an Atomkraft und Radioaktivität als an Schilddrüse, Hashimoto oder unerfüllten Kinderwunsch. Dabei kann die Nuklearmedizin gerade bei Beschwerden, die viele Frauen betreffen, eine wichtige Rolle spielen. Sie zeigt nicht nur, wie ein Organ aussieht, sondern macht sichtbar, wie es arbeitet.

Im Interview erklärt Fachärztin Dr. Lilit Schweiger, was eine Nuklearmedizinerin genau macht, wann ihre Diagnostik weiterhelfen kann und was Patientinnen über den Einsatz radioaktiver Substanzen wissen sollten.


Das Unbekannte im Hintergrund: Was macht eine Nuklearmedizinerin?

Healthy Lady: Dr. Schweiger, wenn Sie auf einer Party erzählen, dass Sie Nuklearmedizinerin sind, wie reagieren die Menschen meistens auf diesen Beruf?

Dr. Lilit Schweiger: Die meisten Menschen fragen zunächst, was eine Nuklearmedizinerin überhaupt macht. Viele verbinden ‚Nuklear‘ mit Atomkraft, dabei untersuchen wir die Funktion von Organen und behandeln bestimmte Erkrankungen mit hochspezialisierten Verfahren.

„Viele verbinden ‚Nuklear‘ mit Atomkraft, dabei untersuchen wir die Funktion von Organen und behandeln bestimmte Erkrankungen mit hochspezialisierten Verfahren.“


Healthy Lady: In der Medizin heißt es oft, Radiologen machten Bilder vom Körper, während Sie dem Körper bei der Arbeit zuschauen. Was kann die Nuklearmedizin zeigen, das auf einer Röntgenaufnahme oder im MRT nicht sichtbar wird?

Dr. Lilit Schweiger: Radiologische Verfahren zeigen häufig besonders detailliert die Anatomie und strukturelle Veränderungen. Die Nuklearmedizin macht dagegen vor allem Organfunktionen und Stoffwechselprozesse sichtbar. Dadurch können wir Erkrankungen häufig funktionell erkennen, bevor strukturelle Veränderungen sichtbar sind.

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Healthy Lady: Warum haben Sie sich damals für dieses Fachgebiet entschieden und was fasziniert Sie bis heute an Ihrer täglichen Arbeit?

Dr. Lilit Schweiger: Mich hat von Anfang an fasziniert, dass die Nuklearmedizin nicht nur zeigt, wie ein Organ aussieht, sondern vor allem, wie es funktioniert. Genau diese funktionelle Sichtweise macht unser Fach einzigartig. Besonders begeistert mich die Verbindung aus modernster Technologie, Physiologie und direktem klinischen Nutzen. Jede Untersuchung beantwortet eine konkrete medizinische Fragestellung und hilft dabei, für Patientinnen und Patienten die richtige Therapieentscheidung zu treffen.

Außerdem ist die Nuklearmedizin ein ausgesprochen innovatives Fachgebiet. Neue Radiopharmaka, moderne PET/CT- und PET/MRT-Verfahren sowie gezielte Therapien entwickeln sich rasant weiter. Gerade diese Dynamik und der wissenschaftliche Aspekt machen meinen Beruf bis heute unglaublich spannend.

„Die Nuklearmedizin zeigt, wie Organe arbeiten und wie Stoffwechselprozesse funktionieren. Dadurch können wir Erkrankungen häufig funktionell erkennen, bevor strukturelle Veränderungen sichtbar sind.“


Das unbekannte Fach, das Frauen Antworten geben kann

Healthy Lady: Warum wissen ausgerechnet so wenige Frauen, dass es diese medizinische Richtung überhaupt gibt und dass sie dort wichtige Hilfe finden können?

Dr. Lilit Schweiger: Die Nuklearmedizin arbeitet oft im Hintergrund. Viele Patientinnen und Patienten profitieren von unseren Untersuchungen und Therapien, ohne überhaupt zu wissen, dass diese aus der Nuklearmedizin stammen.

Ich wünsche mir deshalb, dass unser Fach sichtbarer wird. Viele Frauen würden dadurch deutlich früher die passende Diagnostik erhalten, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten die Nuklearmedizin heute bietet.


Healthy Lady: Mit welchen zunächst unspezifischen Beschwerden werden Frauen besonders häufig zur weiteren Abklärung an Sie überwiesen?

Dr. Lilit Schweiger: Viele denken vor allem an Schilddrüsenerkrankungen – tatsächlich ist unser Fachgebiet aber wesentlich breiter. Wir betreuen Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen und arbeiten eng mit vielen anderen medizinischen Fachrichtungen zusammen.

Gerade bei Schilddrüsenerkrankungen sehen wir häufig Frauen mit Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Herzrasen, Gewichtszunahme oder unerfülltem Kinderwunsch. Gleichzeitig spielt die Nuklearmedizin aber auch eine zentrale Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose sowie in der Diagnostik und Therapie zahlreicher Tumorerkrankungen.

Durch moderne Verfahren wie PET/CT können wir Stoffwechselprozesse sichtbar machen und dadurch Erkrankungen häufig früher oder präziser beurteilen, als dies allein mit anatomischen Bildgebungen möglich wäre.

Darüber hinaus unterstützen wir auch bei Fragestellungen wie unklarem Fieber, chronischen Entzündungen oder bei ausgewählten Aspekten der Demenzdiagnostik.

„Viele Frauen würden deutlich früher die passende Diagnostik erhalten, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten die Nuklearmedizin heute bietet.“


Schlüsselorgan Schilddrüse: Kinderwunsch, Erschöpfung und die Psyche

Healthy Lady: Welche Bedeutung hat die Schilddrüse bei unerfülltem Kinderwunsch und während einer Schwangerschaft?

Dr. Lilit Schweiger: Die Schilddrüse beeinflusst nahezu alle Stoffwechselprozesse des Körpers und spielt auch bei Kinderwunsch und Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können den weiblichen Zyklus, den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Deshalb sollte die Schilddrüsenfunktion im Rahmen der Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches mitberücksichtigt und bei entsprechender Indikation überprüft werden. Eine gut eingestellte Schilddrüsenfunktion ist außerdem für eine gesunde Schwangerschaft von großer Bedeutung.

Fachärztin für Nuklearmedizin
Dr. Lilit Schweiger


Healthy Lady: Warum ist es so schwierig, Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Gewichtszunahme eindeutig der Schilddrüse zuzuordnen?

Dr. Lilit Schweiger: Viele dieser Beschwerden sind unspezifisch und können zahlreiche Ursachen haben. Genau deshalb ist eine sorgfältige medizinische Abklärung wichtig. Nicht jede Müdigkeit oder Gewichtszunahme ist auf die Schilddrüse zurückzuführen – manchmal steckt beispielsweise auch ein Eisenmangel, ein Vitaminmangel oder eine andere internistische Erkrankung dahinter.

„Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können den weiblichen Zyklus, den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit beeinflussen.“


Healthy Lady: Schilddrüsenfunktionsstörungen können sich auch auf Stimmung, Antrieb und innere Ruhe auswirken. Wie lässt sich verhindern, dass körperliche und psychische Ursachen gegeneinander ausgespielt oder wichtige Zusammenhänge übersehen werden?

Dr. Lilit Schweiger: Ich wünsche mir vor allem mehr Aufklärung. Viele Frauen leiden über Monate oder sogar Jahre unter Beschwerden, ohne zu wissen, dass auch eine Schilddrüsenerkrankung dahinterstecken könnte. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht jede Erschöpfung oder depressive Verstimmung vorschnell der Schilddrüse zuzuschreiben. Gute Medizin bedeutet, sorgfältig zu differenzieren und jede Patientin individuell zu betrachten. Genau dabei kann die Nuklearmedizin einen wichtigen Beitrag leisten.


Radioaktivität in der Medizin und was du darüber wissen solltest

Healthy Lady: Das Wort „nuklear“ oder „radioaktiv“ löst bei vielen Menschen sofort Unbehagen aus. Was sollten Patientinnen über die Sicherheit und Strahlenbelastung einer Untersuchung wissen?

Dr. Lilit Schweiger: Tatsächlich arbeiten wir mit sehr geringen Mengen radioaktiver Substanzen. Sie werden ausschließlich dann eingesetzt, wenn die Untersuchung medizinisch gerechtfertigt ist und der erwartete Nutzen das mit der Strahlenexposition verbundene Risiko überwiegt.

Die Verfahren sind gut etabliert und die Strahlenexposition wird auf das für die jeweilige Fragestellung notwendige Maß begrenzt.

Besondere Situationen wie Schwangerschaft oder Stillzeit werden selbstverständlich individuell berücksichtigt. Falls erforderlich, erhalten Patientinnen und Patienten anschließend entsprechende Verhaltensempfehlungen

„Gute Medizin bedeutet, sorgfältig zu differenzieren und jede Patientin individuell zu betrachten.“


Schilddrüsenunterfunktion – diese Lebensmittel können helfen

Ständig müde, obwohl du genug schläfst. Die Waage zeigt plötzlich mehr an, obwohl sich an deiner Ernährung kaum etwas verändert hat. Du frierst schneller als andere, kämpfst mit Konzentrationsproblemen, trockener Haut oder dem Gefühl, dass dein Körper irgendwie langsamer geworden ist. Viele Betroffene beschreiben es, als würde plötzlich alles schwerer werden, der Alltag, der Stoffwechsel, manchmal sogar die eigenen Gedanken. Was zunächst nach Stress, Schlafmangel oder einem hormonellen Tief klingt, kann in manchen Fällen auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen.

Die Schilddrüse ist nur wenige Zentimeter groß, beeinflusst aber nahezu jeden Bereich unseres Körpers. Sie steuert unter anderem Stoffwechsel, Energiehaushalt, Herzfrequenz, Körpertemperatur und hormonelle Prozesse. Produziert sie zu wenig Hormone, kann das weitreichende Folgen haben, körperlich wie psychisch. Allein in Deutschland sind Millionen Menschen betroffen, viele davon Frauen. Besonders häufig steckt in Industrieländern eine autoimmune Entzündung der Schilddrüse dahinter, bekannt als Hashimoto’s thyroiditis.

Doch gerade rund um Ernährung herrscht viel Unsicherheit. Helfen Jod, Selen oder bestimmte Lebensmittel wirklich? Sollte man auf Gluten, Soja oder Kaffee verzichten? Und was ist medizinisch belegt und was hält sich nur als Mythos? Genau darum geht es in diesem Artikel.


Welche Rolle spielen Jod, Selen, Eisen und Protein?

Wer die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion bekommt, fragt sich oft schnell, ob Ernährung einen Unterschied machen kann. Die Antwort ist ja, allerdings nicht im Sinne von Wundermitteln oder speziellen „Heil-Lebensmitteln“. Die Schilddrüse ist auf bestimmte Nährstoffe angewiesen, um Hormone überhaupt produzieren, aktivieren und im Körper sinnvoll nutzen zu können. Fehlen diese Bausteine über längere Zeit, können Beschwerden wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme oder ein verlangsamter Stoffwechsel zusätzlich verstärkt werden.

Jod gehört zu den wichtigsten Bausteinen der Schilddrüse. Ohne Jod kann der Körper die Schilddrüsenhormone T3 und T4 nicht ausreichend bilden. Ein Jodmangel kann deshalb langfristig die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Gleichzeitig gilt: Mehr Jod bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit. Besonders bei einer zugrunde liegenden Hashimoto kann eine dauerhaft zu hohe Jodzufuhr Entzündungsprozesse sogar verstärken. Nahrungsergänzung sollte deshalb nie auf Verdacht, sondern nur nach ärztlicher Abklärung erfolgen.

Selen ist ein Spurenelement, das häufig unterschätzt wird. Es schützt das empfindliche Schilddrüsengewebe vor oxidativem Stress und hilft dem Körper dabei, das weniger aktive Hormon T4 in die stoffwechselaktive Form T3 umzuwandeln. Gerade bei Menschen mit Hashimoto zeigen einige Untersuchungen teilweise niedrigere Selenspiegel. Trotzdem gilt auch hier: Eine pauschale Einnahme ist nicht automatisch sinnvoll.

Eisen spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Das Spurenelement wird für Enzyme benötigt, die an der Produktion von Schilddrüsenhormonen beteiligt sind. Liegt zusätzlich ein Eisenmangel vor, was besonders bei Frauen nicht selten ist, können Symptome wie Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Haarausfall noch stärker wahrgenommen werden.

Auch Eiweiß, wird oft unterschätzt. Eine ausreichende Eiweißzufuhr unterstützt Muskelerhalt, Stoffwechselprozesse und ein stabiles Sättigungsgefühl. Gerade weil viele Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion über Gewichtszunahme, Muskelabbau oder chronische Müdigkeit berichten, kann eine proteinreiche Ernährung im Alltag unterstützend wirken.


Welche Lebensmittel können sinnvoll sein?

Eine spezielle „Schilddrüsen-Diät“ gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr ein langfristig ausgewogener Ernährungsstil, der den Körper mit den Nährstoffen versorgt, die für Hormonbildung, Stoffwechsel und Energiehaushalt wichtig sind.

Besonders relevant sind Lebensmittel, die natürlicherweise Jod, Selen, Eisen und hochwertiges Eiweiß liefern. Seefisch, Eier oder Milchprodukte können dabei helfen, den Körper mit Jod zu versorgen – einem zentralen Baustein der Schilddrüsenhormone. Nüsse, Fisch oder Hülsenfrüchte liefern unter anderem Selen, das die Schilddrüse vor oxidativem Stress schützt und an wichtigen Umwandlungsprozessen beteiligt ist.

Auch Eisen spielt eine wichtige Rolle, da es für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt wird. Gute natürliche Quellen sind zum Beispiel Fleisch, Hülsenfrüchte, Haferflocken oder grünes Blattgemüse. Zusätzlich sollte auf eine ausreichende Eiweißzufuhr geachtet werden. Lebensmittel wie Quark, Eier, Fisch, Naturjoghurt oder Hülsenfrüchtekönnen helfen, Muskelmasse zu erhalten, den Stoffwechsel zu unterstützen und länger satt zu bleiben.

Entscheidend ist dabei weniger ein einzelnes „Superfood“, sondern das große Ganze. Eine nährstoffreiche, regelmäßige Ernährung kann den Körper unterstützen, sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung oder individuell angepasste Therapie.

Fisch, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse und Milchprodukte liefern wichtige Nährstoffe, die bei einer Schilddrüsenunterfunktion eine unterstützende Rolle spielen können. (Symbolbild: Healthy Lady)

Was ist mit Soja, Kaffee oder Ballaststoffen?

Kaum eine Diagnose bringt so viele Ernährungstipps, Warnungen und Halbwahrheiten mit sich wie eine Schilddrüsenunterfunktion. Viele Betroffene hören schon kurz nach der Diagnose, sie müssten plötzlich auf Kaffee verzichten, Sojaprodukte meiden oder bestimmte Gemüsesorten wie Kohl komplett vom Speiseplan streichen. Medizinisch betrachtet ist das so pauschal jedoch nicht haltbar.

In den meisten Fällen liegt das eigentliche Problem nicht beim Lebensmittel selbst, sondern beim Zeitpunkt der Einnahme des Schilddrüsenmedikaments. Das Standardmedikament Levothyroxine wird in der Regel nüchtern eingenommen, idealerweise 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück. Der Grund: Bestimmte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen können die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm beeinflussen.

Dazu gehören unter anderem Kaffeecalciumreiche MilchprodukteEisenpräparate, sehr ballaststoffreiche Mahlzeiten oder größere Mengen Soja. Werden sie zu nah an der Medikamenteneinnahme konsumiert, kann der Körper das Hormon unter Umständen schlechter aufnehmen. Das kann langfristig sogar dazu führen, dass Laborwerte schwanken oder Beschwerden trotz Therapie bestehen bleiben.

Die gute Nachricht: Kaffee, Soja oder ballaststoffreiche Lebensmittel sind bei einer Schilddrüsenunterfunktion nicht grundsätzlich verboten. Entscheidend ist meist nicht was gegessen wird, sondern wann. Ein ausreichender zeitlicher Abstand zur Medikamenteneinnahme kann oft bereits den entscheidenden Unterschied machen.


Welche Mythen halten sich hartnäckig?

Kaum ein Gesundheitsthema ist im Internet mit so vielen Ernährungstipps, Selbsttests und vermeintlichen Wundermitteln verbunden wie Schilddrüsenerkrankungen. Zwischen Social Media, Foren und Influencer-Empfehlungen fällt es vielen Betroffenen schwer zu unterscheiden, was medizinisch sinnvoll ist und was eher auf persönlichen Erfahrungen als auf wissenschaftlichen Daten basiert. Gerade deshalb lohnt sich ein Blick auf die häufigsten Irrtümer.

Mythos 1: Gluten ist für alle Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion schädlich.
Diese Aussage hält sich hartnäckig, ist medizinisch aber so nicht haltbar. Für einen pauschalen Verzicht auf Gluten gibt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion keine wissenschaftliche Grundlage. Relevant kann Gluten dann werden, wenn zusätzlich eine diagnostizierte Celiac disease oder eine ärztlich bestätigte Unverträglichkeit vorliegt. Ohne medizinischen Grund kann ein unnötiger Verzicht sogar dazu führen, dass die Ernährung einseitiger wird.

Mythos 2: Jodtabletten helfen bei jeder Schilddrüsenunterfunktion.
Auch das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Nicht jede Schilddrüsenunterfunktion entsteht durch Jodmangel. Gerade bei einer zugrunde liegenden Hashimoto’s thyroiditis kann eine dauerhaft zu hohe Jodzufuhr Entzündungsprozesse sogar verstärken. Nahrungsergänzung sollte deshalb nie auf Verdacht, sondern immer individuell medizinisch abgeklärt werden.

Mythos 3: Die richtige Ernährung kann Medikamente ersetzen.
Eine ausgewogene Ernährung kann den Körper unterstützen, Mangelzustände ausgleichen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Bei einer diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion ersetzt sie jedoch keine medizinische Therapie. Wenn der Körper dauerhaft zu wenig Schilddrüsenhormone produziert, bleibt die Behandlung mit Levothyroxine in vielen Fällen die medizinische Standardtherapie.


Wann Ernährung allein nicht reicht

So wichtig Ernährung für das allgemeine Wohlbefinden und die Unterstützung des Stoffwechsels auch sein kann, sie hat ihre Grenzen. Wenn Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, unerklärliche Gewichtszunahme, Haarausfall, depressive Verstimmungen, Konzentrationsprobleme, Zyklusstörungen oder ein ständiges Frieren trotz einer ausgewogenen Ernährung bestehen bleiben, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.

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Was du deinem Kind unbedingt beibringen solltest! 10 Regeln für den Ernstfall

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Denn viele Symptome, die Betroffene zunächst auf Stress, Schlafmangel oder falsche Ernährung schieben, können auf eine hormonelle Störung hinweisen. Um die Funktion der Schilddrüse zuverlässig beurteilen zu können, werden in der Regel bestimmte Blutwerte bestimmt. Dazu gehören vor allem TSHfreies T4 und je nach medizinischer Fragestellung auch freies T3. Besteht der Verdacht auf eine autoimmune Ursache wie Hashimoto's thyroiditis, können zusätzlich TPO-Antikörper wichtige Hinweise liefern.

Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass nicht jede Müdigkeit automatisch von der Schilddrüse kommt. Auch EisenmangelVitamin-D-Mangel, hormonelle Veränderungen oder andere internistische Ursachen können ähnliche Beschwerden auslösen und sollten differenziert betrachtet werden.

Die wichtigste Botschaft bleibt deshalb: Ernährung kann den Körper unterstützen, Beschwerden teilweise lindern und den Alltag erleichtern. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Diagnose, keine regelmäßige Verlaufskontrolle und keine individuell abgestimmte Therapie. Gerade bei hormonellen Erkrankungen macht oft nicht das Internet den Unterschied, sondern eine saubere medizinische Abklärung.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Veränderungen der Laborwerte sollte die Behandlung immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgestimmt werden.